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  • 12.09.2015, 13:31h           2      Teilen:   |

Literatur

Gefangen in der russischen Kälte

Artikelbild
Transparent bei einer Demonstration in Russland

In seinem Roman "Wir Propagandisten" erzählt Gabriel Wolkenfeld vom schwulen Leben in Russland kurz vor dem "Propaganda"-Gesetz.

Von Markus Kowalski

Im Sommer ist es in Russland kälter geworden. Kälter sind die Gefühle der Menschen, als im Juni 2013 das Gesetz gegen "Homo-Propaganda" in der russischen Duma verabschiedet wird. Kalt schlägt der Hass auf die schwulen Mitbürger ein: Sie werden an einsame Orte gelockt und dann von Bürgerwehren verprügelt. Wer kann, ergreift die Flucht. Alle anderen sind gefangen.

Ein junger Slawist reist in dieser Zeit von Berlin in die russische Stadt Jekaterinburg. Ein Stipendium, einen Lehrauftrag an der Universität für deutsche Sprache und nicht allzu viel Ehrgeiz hat er im Gepäck. Neun Monate bleibt er in Russland, und am Ende steht für ihn fest: "Ich werde ein Buch schreiben."

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Lange Nächte in "Themenklubs"

Gabriel Wolkenfeld lebte selbst ein Jahr in Russland. Am 17. Oktober stellt er seinen Roman im Rahmen der 14. Lesbischwulen Lesenacht in Lesbischschwulen Kulturhaus Frankfurt vor
Gabriel Wolkenfeld lebte selbst ein Jahr in Russland. Am 17. Oktober stellt er seinen Roman im Rahmen der 14. Lesbischwulen Lesenacht in Lesbischschwulen Kulturhaus Frankfurt vor

Dabei ist der schnelle, kurzatmige Reisebericht "Wir Propagandisten" herausgekommen. Gabriel Wolkenfeld scheint Autor und zugleich Erzähler zu sein, denn er hat selbst russische Sprache studiert und ein Jahr in Russland gelebt.

Mit seinen Augen schaut man auf die schwule Szene in Russland. Schaut in die verängstigten Augen seiner russischen Freunde, die sich in der Tram nicht mal trauen, den hübschen Mann auf dem Sitz gegenüber anzuschauen. Mit Goscha, Schurik und seinem Verehrer Mitja besucht der Slawist die "Themenklubs", die nicht so leicht zu finden sind. Die Nächte auf den queeren Partys sind die einzigen Inseln, auf die man sich in der reaktionären russischen Gesellschaft retten kann.

An der Universität geht er seinem Lehrauftrag nur widerwillig nach. Viel zu kaltherzig ist dort die Stimmung unter den Kollegen, viel zu autoritär der Unterricht. Stattdessen verbringt ert seine Zeit mit langen Abenden in seiner WG. Bringt neue Bekanntschaften mit. Sein Mitbewohner Friedrich hat sich längst daran gewöhnt, dass immer neue Typen abends zum Kochen vorbeikommen.

So wie Tolik, ein Freund aus dem Filmklub, in den sich der Slawist dann verknallt, aber das ist Nebensache. Viel wichtiger: Tolik lebt bei seiner Mutter, wie viele junge Menschen in Russland bei ihren Eltern wohnen müssen. Dort ist er natürlich nicht geoutet, das scheint unmöglich.

Ein Mensch und keine Propaganda

"Wir Propagandisten" ist im Hamburger Männerschwarm Verlag erschienen
"Wir Propagandisten" ist im Hamburger Männerschwarm Verlag erschienen

Und dann, nach einigen Wochen, dringt es langsam in das Bewusstsein der Freunde durch. In den Nachrichten ist es überall zu sehen: Es wird ein "Propaganda"-Gesetz geben. Damit soll verboten werden, sich in der Öffentlichkeit wertfrei oder positiv über Homosexualität zu äußern.

Für den Freundeskreis, der mit der Zeit um den Slawisten herum entsteht, wäre es das Ende: "Wir werden enteignet. Legen wir nicht freiwillig ein Schweigegelübde ab, reißt man uns die Zunge raus." Eifrig trifft sich die Gruppe und will sich am Protest gegen das Gesetz beteiligen. Ihr Spruch steht bald fest: "Ich bin ein Mensch und keine Propaganda."

Der Protest aber bleibt marginal, er wird kaum wahrgenommen, ist sogar gefährlich. Denn es wird kälter in Russland. Nicht ohne Grund gehen die Freunde zusammen shoppen und kaufen dem Slawisten einen wärmeren Mantel.

Dieser Roman von Gabriel Wolkenfeld kommt mit seinen klaren Worten zur richtigen Zeit. Als das "Propaganda-Gesetz" im Juni 2013 vom russischen Parlament verabschiedet wurde, befürworteten es laut einer Umfrage 88 Prozent der Bevölkerung. Wie sollen Homosexuelle da frei leben können?

Der Roman gibt russischen LGBT eine Stimme

Und was tun wir in Deutschland gegen diesen staatlich verordneten Hass? Aktuell spricht kaum jemand mehr über die unerträgliche Lage von LGBT in Russland. Andere Themen überlagern die politische Debatte. Einzelne Aktivisten haben es geschafft, sind aus Russland geflohen und haben u.a. in Deutschland Asyl bekommen (queer.de berichtete). Doch es werden weiterhin Aktivisten festgenommen und drangsaliert durch staatliche Repressionsmaßnahmen. Sie sind gefangen in der russischen Kälte, die den Minderheiten jede Luft zum Atmen nimmt.

Schaffen wir es also, weiterhin solidarisch mit der russischen LGBT-Community zu sein? Mit dem "Propaganda-Gesetz" wurde sie mundtot gemacht. Gabriel Wolkenfelds Roman hat ihnen wieder eine Stimme gegeben.

  Infos zum Buch
Gabriel Wolkenfeld: Wir Propagandisten. Roman. 232 Seite. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2015. 19 €. ISBN 978-3863002015
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
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Tags: gabriel wolkenfeld, wir propagandisten, männerschwarm, russland, homo-propaganda
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Reaktionen zu "Gefangen in der russischen Kälte"


 2 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
12.09.2015
14:01:55


(+2, 8 Votes)

Von -hw-


Die haben in Berlin erstaunlich viel Luft, um ungestört zu atmen. Seit Jahren unbelästigt.

Link zu www.russische-filmwoche.de


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#2
13.09.2015
11:48:32


(+1, 7 Votes)

Von -hw-


Apropos Texte. So ätzt sich mittlerweile der Gayfaschist Eduard Limonow sein rassistisches Weltbild zusammen:

"I relate the epidemic of sweet love of the European governments and heads of the United States to same-sex love, same-sex marriages, slobbering humanitarian gestures like swinging the rights of the disabled and adoption of sick and foreign children, etc. you can continue the list in particular with the tightening of political life in the West and the increase of police powers."

Link:
fortruss.blogspot.de/2015/09/eduard-limonov-europe
s-self-destruction.html


Link zu www.perlentaucher.de

Link zu www.spiegel.de


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