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  • 24. Februar 2005, noch kein Kommentar

"The Beekeeper" heißt die neue CD von Tori Amos. Entspannter als zuletzt doch emotional wie immer setzt sich Amos diesmal mit ihrem Glauben auseinander.

Von Jan Gebauer

Einfach waren die Alben von Tori Amos nie. Komplexe Melodien und eigenwillige Texte schienen die Sängerin und Songwriterin stets in ihrem eigenen Universum zu präsentieren. Diese Umstände sowie ihre stimmliche Exaltiertheit brachten insbesondere Vergleiche mit Kate Bush ein. Als amerikanische Antwort auf die englische, feenhafte Musikern konnte sich Amos als eine der wichtigsten weiblichen Songwriter der 90er Jahre behaupten. Dabei griff sie in ihren Songtexten oft Themen auf, die als persönliche Offenbarung gelten. Selbst die grauenvolle Erfahrung einer Vergewaltigung setzte die Künstlerin in Musik und Lyrik um - dunkle Themen scheute sie nie. Mit "The Beekeeper" (Die Imkerin) scheint Tori Amos nun etwas entspannter an das Komponieren gegangen zu sein. Die Songs wirken heller, die Texte weniger beklemmend und die wenigen kantigen Melodien ("Barons Of Suburbia") stören nur selten.

Ernst und anspruchsvoll bleiben die Songs auf ihrem neuen Album dennoch. "'Scarlet’s Walk', mein letztes Album war stark durch meine indianischen Wurzeln beeinflusst", sagt Amos. Beim aktuellen Album war das anders: "Dieser Krise, mit der sich Amerika derzeit konfrontiert sieht, kann ich nur als Christin gegenübertreten. Wenn die Lehre Jesu von Politikern für Manipulationen benutzt wird, muss ich mich als Mitglied der christlichen Kirche damit auseinandersetzen", ergänzt die Künstlerin. Während sie sich für "The Beekeeper" vorbereitete, beschäftigte sich Amos mit den frühsten Tagen des Christentums. Neben Matthäus, Markus, Lukas und Johannes befasste sie sich auch mit den gnostischen Evangelien der Nag-Hammadi-Bibliothek, die 1945 in Ägypten entdeckt wurden. Im Zentrum von "The Beekeeper" steht die Frau als Schöpferin - im Gegensatz zum männlichen Bild des Schöpfers in der Bibel. Amos hinterfragt unter anderem den Begriff der Ursünde und definiert ihn neu: "Original Sinsuality". Sie verbindet dabei "Sinnlichkeit" mit "Sünde" und gibt nicht nur Frauen einen neuen Denkanstoß zu diesen Themen.

Musikalisch bleibt sich Tori Amos aber treu. Der Opener "Parasol" besticht mit Amos' ausdrucksvoller Stimme und einem einfachen, aber wirkungsvollen Klavier. Das ist ebenso wenig neu wie ihre Begleitung, die seit Jahren unverändert unter anderem aus Matt Chamberlain (Schlagzeug) und Jon Evans (Bass) besteht. Zu den weiteren Highlights zählen das kraftvolle Duett "The Power Of Orange Knickers" mit Damien Rice (Singer/Songwriter-Nachwuchs-Star aus Irland), das sinnliche "Sleeps With Butterflies" und das sehnsüchtige "The Orchard". Überhaupt schlägt Tori Amos weitgehend leise Töne an und hält sich auch mit ihrer Stimme zurück. Fans sollten vielleicht ein paar Euro mehr investieren und die Limited-Special-Edition kaufen, bei der noch eine Bonus-DVD beliegt. Darauf gibt es beispielsweise einen weiteren Song ("Garlands") und ein Interview mit der Sängerin.

24. Februar 2005