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  • 19.09.2015, 16:17h           2      Teilen:   |

Porno-Comic "Greek Love"

Göttlich, supermännlich, schwul

Artikelbild
Ein goldenes Zeitalter des Männersex: "Greek Love" ist der fünfte Band von Dale Lazarovs Reihe "Sticky Graphic Novels"

Dale Lazarov und Adam Graphite verknüpfen im Comic "Greek Love" antike Mythologie und US-Popkultur zu einem homoerotischen Schäferstündchen.

Von Carsten Moll

Ein oft bemühtes Zitat besagt, über Musik zu schreiben sei wie zu Architektur zu tanzen – also ein absurdes Unterfangen. Mit dem Schreiben über Pornografie verhält es sich vermutlich ganz ähnlich, verleiten explizite sexuelle Darstellungen in Wort und Bild den Konsumenten üblicherweise doch eher zur Masturbation als zur Kontemplation: Die Hand treibt's in die Hose statt zur Tastatur und das Interesse am pornografischen Sujet schrumpft nach dem Cumshot meist gemeinsam mit der Erektion auf zu vernachlässigende Größe.

Einen Ausweg bietet da etwas kritische Distanz zum medialen Triebfutter: ein Schritt zurück, der an dieser Stelle in Form einer kleinen historischen und ästhetischen Kontextualisierung von Dale Lazarovs und Adam Graphites Comic gegangen werden soll – allein schon, um einen vor Subjektivität sabbernden, als Werbung misszuverstehenden Tonfall zu vermeiden. Denn wer "Greek Love" beruhigt kaufen kann oder wen der Comic vollkommen kalt lassen dürfte, wird sich wohl eh schon bei einem Blick auf das vielsagende Cover zeigen.

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In der Tradition von Tom of Finland

"Greek Love" ist im September im Berliner Bruno Gmünder Verlag erschienen
"Greek Love" ist im September im Berliner Bruno Gmünder Verlag erschienen

Mit "Greek Love" bedient der Bruno Gmünder Verlag erneut den überschaubaren Markt an homoerotischen Comics und legt zugleich den fünften Band von Dale Lazarovs Reihe "Sticky Graphic Novels" vor.

In Kooperation mit verschiedenen Zeichnern erschafft der Chicagoer Schriftsteller für seine Serie Kurzgeschichten, die auf leichtfüßige Weise und ganz ohne Worte von Sex zwischen muskelbepackten Männern erzählen. Damit stellt sich Lazarov in die Tradition von Tom of Finlands pornografischen Illustrationen und knüpft vor allem an dessen ebenfalls stumme "Kake"-Comics an.

Grafisch trennen die Abenteuer um Finlands Ende der 1960er erfundenen Schnauzbartträger und Lazarovs Werke allerdings Welten: Die "Sticky Graphic Novels" bieten bunte und generische Comicbilder, deren Qualität meist weit entfernt vom detailreichen Strich Tom of Finlands bleibt. Mit Adam Graphite konnte Lazarov nun zum ersten Mal einen Künstler für eine Zusammenarbeit gewinnen, dessen Zeichnungen dennoch überzeugen können.

Die Helden von "Greek Love" sind die griechischen Götter Ares, Eros und Herakles, die von Graphite im Stil zeitgenössischer Superhelden-Comics entworfen wurden. Die Verbindung von mythologischen Figuren und US-amerikanischer Pop-Ästhetik ist dabei zwar nicht sonderlich originell, aber durchaus stimmig. Graphites Figuren übertreffen ihre Vorbilder wie Clark Kent an verkörperter Supermännlichkeit sogar noch um einiges und erinnern eher an bis zum Bersten aufgepumpte Bodybuilder als an klassische Schönheitsideale.

Dünner Plot und dicke Oberarme



Lazarovs Plot ist im Gegensatz zu den Oberarmen seiner Helden denkbar dünn und bietet lediglich einen Aufhänger für eine Reihe von sexuellen Stellungswechseln. Der antike Hintergrund erweist sich hierbei nicht bloß in zeichnerischer Hinsicht als äußerst schwammig, sondern stellt zudem narrativ kaum mehr als eine lose Assoziation dar.

Die grob skizzierten Rinder, die Herakles hütet, bevor er sich von Eros' Pfeil getroffen über den Kriegsgott Ares hermacht, scheinen da zum Beispiel auf die bukolische Dichtung zu verweisen. Diese wusste zu Zeiten des Hellenismus mitunter ebenso naiv und verklärend von liebestollen Hirten und idyllischen Sehnsuchtsorten in der Natur zu berichten, wie es "Greek Love" tut.

Im Unterschied etwa zu Mentaiko Ittos schwulem Manga "Priapus", der thematisch ähnlich gelagert ist, parodieren Lazarov und Graphite griechische Mythologie und Männlichkeitskult nicht, sondern evozieren eine Art schwules Goldenes Zeitalter.

Auf verspielte, aber nicht sonderlich ironische Weise schaffen die Comicautoren einen Kosmos, der in eine idealisierte Vergangenheit zurückzublicken scheint und wie in der Pornografie häufig das Lächerliche und das Lustvolle vereint: Sex findet hier noch ohne große Worte, Frauen sowie Kondome statt und das Sperma schimmert wie eine ambrosische Kostbarkeit im Sonnenlicht.

  Infos zum Buch
Dale Lazarov: Greek Love! Graphic Novel. 64 Seiten. Hardcover. Format: 17,5 cm x 24,5 cm. Bruno Gmünder Verlag. Berlin 2015. 19,99 €. ISBN 978-3-95985-004-9
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Tags: greek love, dale lazarov, adam graphite, comic, bruno gmünder
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Reaktionen zu "Göttlich, supermännlich, schwul"


 2 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
19.09.2015
17:45:05


(+6, 6 Votes)

Von ursus


>"knüpft vor allem an dessen ebenfalls stumme "Kake"-Comics an."

in sämtlichen "kake"-stories gibt es meines wissens eine einzige sprechblase: "father!"
danach fickt der vater den im bett mit dem sohn ertappten kake, während sich der zuschauende sohn einen runterholt.

und jetzt dürfen die hobby-pychoanalytiker_innen loslegen, die schon immer wussten, dass bdsmler_innen alle gestört sind.


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#2
19.09.2015
19:22:15


(+2, 4 Votes)

Von TheDad
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Antwort zu Kommentar #1 von ursus


Genau diese Story habe ich mal Anfang der 80'er in einem US-Amerikanischen Porno gesehen, nur das die in irgendeinem Kalifornischem Strandhaus spielte, und die Protagonisten natürlich aus Surfer-Boy's bestanden..


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