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  • 20.09.2015, 07:03h           64      Teilen:   |

"Dinge, die ich nie sehen wollte"

Ein Fotograf im Cruising-Wäldchen

Artikelbild
Jörg Meier dokumentiert mit seiner Fotoserie "Jenseits von Eden" menschliches Verhalten, ohne zu werten: "Wo auf den Fotos Sex angedeutet wird, hat auch Sex stattgefunden" (Bild: Jörg Meier)

Für seine Fotoserie "Jenseits von Eden" durchstreifte Jörg Meier Deutschlands Freiluftsex-Gebiete – eine Mischung aus Kunst und Dokumentation.

Von Robert Niedermeier

Mit seinem Projekt "Jenseits von Eden" stößt der Iserlohner Fotograf Jörg Meier auf Erstaunen auch aus der Gay-Community. Jahrelang durchstreifte der 45-Jährige mit seiner Kamera die Cruising-Areale Deutschlands, fotografierte Trampelpfade, nackte Menschen und deren Hinterlassenschaften.

Beim diesjährigen Pride Photo Award belegte die entstandene Bilderserie – eine Mischung aus Kunst und Dokumentation – den zweiten Platz in der Kategorie "Open".

Im Interview erklärt der diplomierte Fotograf, wie er auf die Idee gekommen ist, Büsche und benutzte Kondome abzulichten, und ob er mit seiner Serie abschrecken oder provozieren will.

Alle 31 Aufnahmen aus "Jenseits von Eden" sind in der unten verlinkten Galerie zu sehen.

Fortsetzung nach Anzeige


Für dieses Porträt ließ sich der Iserlohner Fotograf Jörg Meier außerhalb eines Cruising-Wäldchens ablichten
Für dieses Porträt ließ sich der Iserlohner Fotograf Jörg Meier außerhalb eines Cruising-Wäldchens ablichten

queer.de: Was war deine Intention, die Fotoserie anzugehen?

Jörg Meier: Das ist ein ganz alter Schuh, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe die Serie während meines Studiums angefangen, damals betitelt als "Kleidungsleichen". Mir ging es darum, meine persönliche emotionale Regung in Bildern einzufangen, wenn ich Kleidung in der Öffentlichkeit gefunden habe. Ein Schuh auf der Autobahn, ein Tanga im Wald – da habe ich Assoziationen, die nicht schön sind.

Ich habe überprüft, ob das Gefühl konservierbar ist. Dabei fand ich immer die Verquickung von Wald und Autobahn. An Autobahnen habe ich gesehen, dass es immer einen Schlitz im Zaun gibt oder ein umgetretenes Tor. Dahinter eröffnet sich dann das, was ich als Parallel-Universum bezeichne.

Die Herangehensweise an meine Arbeit ist eigentlich immer dieselbe: Recherche vor Ort und im Netz, in diesem Fall habe ich keine Sprache gelernt wie Arabisch für meine Diplomarbeit, die in Ägypten entstand, sondern gelernt, Blicke zu deuten. Ich besuchte auch alle Sexforen, die es in Deutschland gibt, und konnte einige Leute davon überzeugen, mir ihre Welt zu erklären und zu zeigen, ohne dabei ein "geiles" Bild zu machen. Ich habe viele witzige, schlimme, ekelhafte Dinge gesehen und gehört. Es gibt in der Tat nichts, was es nicht gibt. Ich habe auch Dinge gesehen, die ich nie sehen wollte, Dinge die ich auch nicht aufs Foto bringen wollte und konnte.

Beim Amsterdamer Pride Photo Award bist du in der Kategorie "Open" platziert. Passt das?

Die Kategorie steht für freie künstlerische Arbeiten. Das sich "Jenseits von Eden" zwischen Dokumentation, politischer Reportage und Experiment bewegt, finde ich diese Kategorie passend. Die Professoren an der Dortmunder FH aus dem journalistischen Bereich orteten mich eher in der Kunst ein, aber Künstler finden mich zu dokumentarisch. In dieser Schnittmenge fühle ich mich als Fotograf jedoch wohl.

Auf deinen Cruising-Fotos sieht man gebrauchte Kondome und andere Hinterlassenschaften, richtig schön wirkt das wirklich nicht. Sollen deine Fotos vom Sex im Freien abschrecken?

Ob es abschreckend auf jemanden wirkt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Serie arbeitet mit Momenten: Temporäre Möbel, Protagonisten, stille Botschaften und den Trampelpfaden als verbindendes Element. Natürlich steckt auch eine Kritik darin, wenn ich Müll im Wald zeige, denn dem begegnen Spaziergänger natürlich mit Wut und letztendlich macht er "Cruiser" erst auffindbar und somit angreifbar.



Für die einen ist Cruising ein Fetisch, für andere ein Freizeitspaß, doch für viele nicht geoutete Bi- und Homosexuelle ist es eine Notwendigkeit. Ist Cruising ein schützenswerter Bereich schwuler Kultur?

Da ich mit meiner Serie nicht denunziere, aber die Realität derer zeige, die sich immer noch verstecken müssen, denke ich wohl, es sei schützenswert. Angst, Stigmatisierung, das nicht genaue Wissen um seine eigene Andersartigkeit und politische Systeme bewegen Menschen dazu, nicht sie selbst sein zu können und ihre eigenes Ich in die Öffentlichkeit zu bringen. Natürlich gibt es auch die "Kaffee-Tanten", die sich im Sommer auf Parkplätzen treffen und wenn eine Option vorbeizieht, wird der Bienenstich beiseite gelegt und ins Dickicht abgetaucht. Oder die LKW-Fahrer, welche Gelegenheiten wahrnehmen. Und FKK ist sicherlich auch ein Bestandteil, der übrigens weitläufig akzeptiert wird. Zu nahe an Kinderspielplätzen oder Wohngebieten finde ich Cruising allerdings bedenklich.

In Baden-Württemberg ging die Polizei im Frühsommer gegen Cruiser vor, in NRW sorgten homophobe Neo-Nazis für Aufmerksamkeit. Selbst schwule queer.de-Leser behaupteten, Berichte übers Cruisen schadeten dem schwulen Image. Sind deine Bilder eine Provokation?

Fotografie ist immer auch Provokation. Manchmal benehmen sich Menschen dumm, das hat aber nichts mit ihrer Sexualität zu tun. Und wenn sie bei einer Orgie von Polizisten gestört werden, müssen sie wohl dummerweise durch irgendetwas aufgefallen sein. Ich habe Polizisten in NRW beobachtet, die Cruiser aufforderten, tiefer in den Wald zu verschwinden anstatt direkt auf dem Picknicktisch herumzuferkeln.

Die Menschen, die ich zeige, sind auch nicht nur Homo- und Bisexuelle, es sind auch jede Menge Heteros dabei. Es schadet also keinem "schwulen" Image, sondern dem Image der Menschheit. Jede Szene hat einen anderen Platz und jeder verhält sich anders.

Auf einigen Motiven sind auch Menschen zu sehen. Sind das Schnappschüsse?

Nein, Menschen sind ja keine Gegenstände, das ist alles abgesprochen mit den Protagonisten. Doch wo auf den Fotos Sex angedeutet wird, hat auch Sex stattgefunden.

Zurzeit sind deine Fotos in Amsterdam und im Oktober auch in Split in Kroatien zu sehen. Was können die Kroaten und Touristen dort erwarten?

Es werden die Fotos zu sehen sein, aber im Rahmen einer Installation mit Originalfundstücken von den Parkplätzen, dunklen Gängen, Sounds im Dunklen und einige andere Gimmicks.

Kroatien ist nicht die liberale Niederlanden: Hast du keine Angst vor homophoben Anfeindungen?

Ach, das wäre ja der Hammer… Über so etwas denke ich gar nicht nach. Eine kontroverse Diskussion wüsste ich aber sehr zu schätzen. Ich glaube nach wie vor, ich tue niemanden weh, ich zeige nur auf, dass wir noch viel kämpfen müssen, bis alle Menschen gleich behandelt werden.

  Infos zu den Ausstellungen
Noch bis zum 25. Oktober 2015 sind Jörg Meiers Fotos im Rahmen der Ausstellung zum Pride Photo Award 2015 in der Oude Kerk in Amsterdam zu sehen. Eine Einzelausstellung findet ab dem 3. Oktober in der Galerija Praktika im kroatischen Split statt.
Links zum Thema:
» Homepage von Jörg Meier
Galerie
Jenseits von Eden

31 Bilder
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Tags: cruising, jörg meier, jenseits von eden
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Reaktionen zu "Ein Fotograf im Cruising-Wäldchen"


 64 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
20.09.2015
09:18:03
Via Handy


(-4, 14 Votes)

Von Sazuk


Der hat zu 90 % einfach Lanfschaft aufgenommen...vielleicht bin ich für sowas nicht sensibel genug, aber das ist einfach nur bescheuert. Aber gut dass ich jetzt weiß, dass der "diplomierte" Fotograf in seiner glanzvollen "wissenschaftlichen Karriere" Arabisch gelernt hat.


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#2
20.09.2015
10:44:01


(+5, 11 Votes)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar


bin vom thema und der umsetzung total begeistert !!!


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#3
20.09.2015
10:50:56


(+4, 14 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013


Ich bin auch begeistert.
Teils sehr nüchtern und teils sogar fast romantisch in der Wirkung.


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#4
20.09.2015
10:53:55


(-6, 16 Votes)

Von Retcon
Antwort zu Kommentar #2 von schwarzerkater


Ich kann nur nicht helfen, aber ich finde diese Photos ziemlich nichtssagend und uninteressant.
Jeder kann mit seiner Kamera an Autobahnrasthöfen herummarschieren und ein bisschen in der Gegend herumfotografieren. Vielleicht braucht nicht jeder mehrere Jahre dazu.


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#5
20.09.2015
10:58:23


(-13, 19 Votes)

Von Laurent


"Ich habe Polizisten in NRW beobachtet, die Cruiser aufforderten, tiefer in den Wald zu verschwinden anstatt direkt auf dem Picknicktisch herumzuferkeln."

Womit sich unsere Beamten alles herumschlagen müssen. Widerlich.
Ansonsten ist ein weiterer Kommentar überflüssig.


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#6
20.09.2015
11:12:28


(+13, 17 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #5 von Laurent


"Womit sich unsere Beamten alles herumschlagen müssen. Widerlich."

Vor allem: mit welchem Beschwerden sich die Polizei von besorgten Bürgern rumplagen muss, anstatt sich um echte Probleme zu kümmern und so von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten werden. Widerlich.
Ansonsten hätte man erst keine Diskussion aufmachen sollen, da sie schon längst wieder beendet war.

Hey, da fällt mir ein, dass neulich in der Strassenbahn ein verliebtes gegengechlechtliches Päärchen rumgeferkelt hat. Ein klarer Fall für die Polizei!


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#7
20.09.2015
11:30:00


(-13, 19 Votes)

Von Laurent
Antwort zu Kommentar #6 von David77


Das ging ja mal wieder schnell, sehr schnell.
Über bestimmte Entwicklungen kann man tatsächlich des Öfteren besorgt sein.


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#8
20.09.2015
11:57:43


(+11, 15 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #7 von Laurent


Was ging sehr schnell? Deine künstliche Empörung, Lazarus?


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#9
20.09.2015
12:30:35


(+8, 12 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby
Antwort zu Kommentar #1 von Sazuk


Guck du den Fernsehgarten, Habibi, heute großes Oktoberfest-Special.


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#10
20.09.2015
14:38:20


(+6, 10 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von Laurent


""Über bestimmte Entwicklungen kann man tatsächlich des Öfteren besorgt sein.""..

Wenn man sich doch nur konkret äußern dürfte, ohne dann damit aufzufallen..


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