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  • 21.09.2015, 18:39h           10      Teilen:   |

Angebliche Jugendgefährdung

Russland: "Kinder 404" landet auf Index

Artikelbild
Eine kremlnahe Jugendorganisation forderte im Frühjahr in sozialen Netzwerken ihre Mitglieder auf, LGBT-Seiten zu melden, damit sie verboten werden können. Nun könnte erstmals ein Angebot aus dem Netz verschwinden.

Die Medienaufsicht lässt die Community für junge LGBT und vier weitere Seiten aus dem sozialen Netzwerk Vkontakte entfernen.

Von Norbert Blech

Die russische Medienaufsicht Roskomnadsor hat am Montag verfügt, dass der Facebook-Pendant "Vkontakte" (vk.com) die Seite "Kinder 404", eine populäre Community für russischsprachige LGBT-Teenager, schließen muss. Zusammen mit vier weiteren Gruppen des sozialen Netzwerkes, die bislang nicht öffentlich bekannt wurden, landet es auf der Liste von zu sperrenden Seiten.

Laut der Entscheidung hat "Vkontakte" drei Arbeitstage Zeit, die Unterseiten zu sperren. Zur Begründung schreibt die Medienbehöre, die Gruppen richteten sich an Jugendliche und enthielten "Werbung für Erwachsene mit dem Ziel nicht-traditioneller Beziehungen, unkonventionelle freizügige Darstellungen von sexuellen Beziehungen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen und weitere Arten von illegaler Informationen".

Im April hatte ein Bezirksgericht in St. Petersburg entschieden, dass "Kinder 404" einen Verstoß gegen das Homo-"Propaganda"-Gesetz darstelle und zu schließen sei (queer.de berichtete), die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren auf Betreiben der Medienbehörde und der putintreuen Jugendgruppe "Junge Garde" angestrengt.

Roskomnadsor beruft sich in der heutigen Entscheidung auf Gerichtsurteile, allerdings hatte die Gründerin von "Kinder 404", die Journalistin Elena Klimowa, Einspruch gegen das Urteil aus dem April eingelegt. Für den 1. Oktober ist die nächste Verhandlung vorgesehen.

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Blockade durch Provider droht

Traurige Ironie: "Kinder 404" dürfte demnächst tatsächlich nicht mehr gefunden werden. Bei VK verfolgten am Montag über 66.500 Menschen die Gruppe.
Traurige Ironie: "Kinder 404" dürfte demnächst tatsächlich nicht mehr gefunden werden. Bei VK verfolgten am Montag über 66.500 Menschen die Gruppe.

"Kinder 404" dürfte damit auf "Vkontakte" tatsächlich in den nächsten Tagen verschwinden – dem sozialen Netzwerk drohen ansonsten nicht nur Strafen, sondern auch eine komplette Blockade durch Internet-Provider: Durch das genutzte https-Protokoll zur Verschlüsselung der Übertragung können diese nicht einzelne Unterseiten für ihre Nutzer sperren. Dieses technische Problem hatte kürzlich auch dazu geführt, dass Wikipedia für einige Tage in ganz Russland nicht aufrufbar war, nachdem die Medienbehörde einen Artikel über Cannabis bemängelt hatte.

Auch in Deutschland können Medienaufsichten Geldstrafen verhängen und Hosting-Provider, auf denen die Seiten betrieben werden, zur Sperrung auffordern, wenn der Jugendschutz tendiert ist – ursprünglich deutsche Seiten wie Gayromeo werden deswegen inzwischen aus dem Ausland betrieben. Nur würden Behörden in Deutschland kaum auf den Gedanken kommen, dass ein Forum, in dem LGBT-Teenager schlicht über ihr Coming-out und ähnliche Dinge berichten, die Jugend gefährde.

Umkämpftes und ausgezeichnetes Projekt

"Kinder 404" ist einer der wenigen Anlaufpunkte für junge LGBT in Russland. Eine Doku über das Projekt war im letzten Jahr beim Filmfest Hamburg als bester Film ausgezeichnet worden (queer.de berichtete). Zuvor war ein 17-Jähriger, der sich für "Kinder 404" einsetzte, für den Kinder-Friedenspreis nominiert worden (queer.de berichtete). Der Name des Projekts ist eine Anspielung auf die Fehlermeldung von Webservern für nicht vorhandene Seiten und soll auf die Isolation der LGBT-Teenager hinweisen.

Erst im Januar war die Projektgründerin Klimowa zu einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Rubel (rund 695 Euro) verurteilt worden, weil "Kinder 404" gegen das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" verstoßen habe (queer.de berichtete). Im März war das Urteil allerdings von einer höheren Instanz kassiert worden.

Die reguläre Webseite des Projektes scheint von der Sperrungsanordnung nicht betroffen, obwohl sie im Gerichtsprozess ebenfalls als "Propaganda" eingestuft wurde. Auch die Facebook-Seite scheint zunächst weiter betrieben werden zu können. Auf eine Selbstauszeichnung als "18+", mit der Sanktionen unter Umständen umgangen werden können, verzichtet das Projekt – sie wird von vielen LGBT-Gruppen als diskriminierend zurückgewiesen.

 Update  25.9., 10.40h: "Kinder 404" geblockt, Medienbehörde trotzdem ausgetrickst

Inzwischen wurde die Online-Community "Kinder 404" im sozialen Netzwerk "Vkontakte" tatsächlich geblockt – Nutzer in Russland können die Seite (anders als Besucher aus dem Ausland) nicht mehr aufrufen. Die Betreiber von "Kinder 404" haben allerdings vorgebeugt und wenige Stunden vor der Sperre einfach eine neue Seite in dem sozialen Netzwerk angelegt – die meisten der fast 70.000 Follower sind mit umgezogen. Zugleich wurde bekannt, dass gegen Apple offiziell wegen des Gesetzes gegen Homo-"Propaganda" ermittelt wird. Mehr dazu hier: Nun doch: Putin rief Elton John an (24.09.2015)

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Tags: russland, kinder 404
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Reaktionen zu "Russland: "Kinder 404" landet auf Index"


 10 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
21.09.2015
18:43:16


(+4, 10 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


In diesem neofasschistischen Staat wundert mich schon gar nichts mehr!


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#2
21.09.2015
18:49:25


(+7, 11 Votes)

Von Robby69
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Ein weiterer Versuch des Schwulen-Hassers "Zar Putin", LGBTIs zu schikanieren! Zum Kotzen!


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#3
21.09.2015
19:10:18


(+6, 6 Votes)

Von mitten in berlin


" Eine Doku über das Projekt war im letzten Jahr beim Filmfest Hamburg als bester Film ausgezeichnet worden (queer.de berichtete)."

Gazprom-Kinder

Link zu www.facebook.com


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#4
21.09.2015
19:23:15


(-4, 14 Votes)

Von Markus44


Ein herzliches Dankeschön an Putinfreund und Ex-Kanzler Gerhard Schröder und an Altbundeskanzler Helmut Schmidt...

Und ein Dankeschöän an die deutschen Linken, die in ihrer Russlandromantik, Putin und seiner Mafia immer noch den roten Teppich rollen.

Wer in Deutschland die Linkspartei oder die SPD wählt, der muss sich nicht wundern, wenn Putin in Berlin den roten Teppich gerollt bekommt.

Da lobe ich einmal ausdrücklich die Grünen, die seit Jahren Putins Regierung kritisieren und sich nicht von einer Russlandromantik vereinnahmen lassen.


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#5
21.09.2015
19:38:17


(-4, 8 Votes)
 
#6
21.09.2015
19:49:37


(-4, 8 Votes)

Von Heiner Hoerth
Antwort zu Kommentar #4 von Markus44


Die US-Generalkonsulin Nancy Corbett setzt auf den interreligiösen Dialog. Ob das auch in Russland helfen kann? Was meinen Sie?

Link:
deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/09/21/kuw
ait-finanziert-umbau-von-hamburger-kirche-zu-mosch
ee/


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#7
21.09.2015
20:17:10


(+1, 11 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #4 von Markus44


Beweise?!?

Du kannst es mal wieder nicht sein lassen, oder?!?!

"Wer in Deutschland die Linkspartei oder die SPD wählt, der muss sich nicht wundern, wenn Putin in Berlin den roten Teppich gerollt bekommt."

Ach, haben wir also eine Rot-rote Bundesregierung? Hab deren Eheöffnung gar nicht mitbekommen...

WELCHE Partei VERWEIGERT denn die Aufnahme des Merkmals "sexuelle Orientierung" in Artikel 3 und Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung, wie es in Russland der Fall ist, als Asylgrund anzuerkennen und in dem Fall in Russland verfolgte Homosexuelle zu schützen??

" Und ein Dankeschöän an die deutschen Linken, die in ihrer Russlandromantik,"

Ein Dankschön an die religiös-konservativen Arschkriecher und ihre Merkelromantik, deren Solidarität mit anderen nur bis zum Vorteil der eigenen Brieftasche reicht.


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#8
21.09.2015
21:42:04


(+5, 5 Votes)

Von ehemaligem User paren1957


"Auch in Deutschland können Medienaufsichten Geldstrafen verhängen und Hosting-Provider, auf denen die Seiten betrieben werden, zur Sperrung auffordern, wenn der Jugendschutz tendiert ist ursprünglich deutsche Seiten wie Gayromeo werden deswegen inzwischen aus dem Ausland betrieben."

Da haben die von Russland finanziell gesponserten Bildungsplangegner zusammen mit Frauke Petry und Beatrix von Storch endlich mal ein lohnendes Ziel: Auch in Deutschland dafür zu sorgen, dass dieser ganze Schmutz aus dem Netz verschwindet. Da jeder Säugling heutzutage vernetzt ist, trägt das doch massiv zur Frühsexualisierung bei. Die Unterstützung der Kanzlerin wird ihnen dabei sicher sein. Und bei ihrem nächsten Treffen mit der Kreml-Canaille wird sie dafür schon ein paar Gas-Rubel loseisen. Endlich mal ein Thema, bei dem sie sich einige sind!!! Und ein Coming out von Jugendlichen sollte schlichtweg verboten werden. Wo gibt es denn so was in einem anständigen Land?


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#9
22.09.2015
19:04:39


(+3, 5 Votes)

Von protest


dazu gibt es auch eine Petition im Internet. Da haben schon viele Prominente unterschrieben.

Link zu www.change.org


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#10
23.09.2015
18:55:52


(+2, 2 Votes)

Von Robby69
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #9 von protest


Danke für den Link! Hab ebenfalls gleich unterschrieben. Hoffentlich machen noch viele Leute mit.


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