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  • 23.09.2015, 09:06h           202      Teilen:   |

Porträt

Clean bleiben als tägliche Herausforderung

Artikelbild
Für Thorsten gehörten Sex und Drogen über viele Jahre zusammen

Schwuler Sex und Drogen: Beim Slammen, dem Spritzen von Crystal, holte sich Thorsten eine Hepatitis C. Mit den neuen Medikamenten konnte der HIV-positive Berliner erfolgreich behandelt werden.

Drogen und Sex – etwas anderes gab es für Thorsten nicht, wenn er mal völlig abschalten wollte. "Ich hatte einen sehr anstrengenden Job in Köln und belohnte mich dafür in Berlin", erzählt er. "In den drei, vier Tagen dort hab ich mir private Sexpartys gesucht und bald auch angefangen, Crystal zu rauchen. Mit Droge war der Sex enthemmter und intensiver. Danach konnte ich auf der Arbeit direkt wieder tadellos funktionieren. Ich sah blendend aus, hab Power ausgestrahlt, ganz wie die Gesellschaft das so mag."

Vor drei Jahren wechselte Thorsten beim Crystal-Konsum vom Rauchen zum Spritzen. "Damit fing die totale Abhängigkeit an. Ich wollte Crystal gar nicht mehr anders und immer häufiger nehmen." Lange ging das nicht gut. "Nach dem CSD bin ich in Köln zusammengeklappt und hab dort noch im Juli überstürzt meine Zelte abgebrochen."

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"Die beschissenste Droge, die man kriegen kann"

Eine erste Drogentherapie brach Thorsten nach kurzer Zeit ab. "Ich meinte, unbedingt noch mal auf so eine Slam-Party gehen zu müssen." Dort lernte er Ralf (Name geändert) kennen. Mit seinem neuen Lover zog er schnell zusammen. "Acht Monate haben wir uns regelrecht weggesperrt und regelmäßig Crystal gespritzt. Wenn wir uns abgeschossen haben, war er entspannt und hatte seinen Spaß. Doch ich bekam allmählich eine totale Psychose. Wenn ich druff war, hab ich die Stimmen meiner Eltern und Freunde gehört. Nach Ende der Beziehung war ich höchst selbstmordgefährdet, das hätte auch schief gehen können."

Auf Empfehlung der Schwulenberatung Berlin machte Thorsten für viereinhalb Monate eine Therapie in einer Tagesklinik. Clean bleiben bleibt seither jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung. "Über Monate kriege ich es hin, nichts zu nehmen, dann gibt es Rückfälle. Mir ist klar, dass ich so ziemlich die beschissenste Droge genommen habe, die man kriegen kann."

Eine große Unterstützung findet Thorsten in einer offenen Gesprächsgruppe zu "Party, Sex und Drogen", die sich jeden Freitag in der Schwulenberatung Berlin trifft. "Ich hab hier andere Menschen um mich herum, die haargenau das Gleiche erleben. Sie haben ihr Leben im Griff und gehen wieder arbeiten, genauso wie ich", erzählt er. "Aber sie kennen alle den täglichen Druck. Sie verstehen, wenn die Sehnsucht nach der Droge überhandnimmt und man wieder abheben will. Und dann irgendwie nach Lösungen suchen muss."

Erfolgreich behandelt gegen Hepatitis C

Seit mehreren Monaten clean: Thorsten hat es geschafft, sein Leben umzukrempeln
Seit mehreren Monaten clean: Thorsten hat es geschafft, sein Leben umzukrempeln

Während seiner aktiven Drogenzeit infizierte sich Thorsten mit Hepatitis C. Angesteckt hatte er sich bei einer Slam-Party über winzige Blutreste auf einer verunreinigten Nadel.

Eine Behandlung war für den seit 1990 mit HIV lebenden Berliner erst nicht möglich. "Ich war damals, vor zwei Jahren, schon in einer funktionierenden Therapie mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze. Allerdings ist mein CD4-Wert, also die Zahl meiner Helferzellen, nicht besonders hoch", schildert Thorsten. "Eine Behandlung mit Interferon oder Ribavirin hätte noch mehr Helferzellen kaputt gemacht und damit mein Immunsystem geschädigt." Beim Sex hielt er sich zurück. "Ich vermied Kontakte, die Hepatitis C hätten übertragen können. Kein Fisten, kein S/M, darauf habe ich extrem geachtet." (Alles Wichtige zum Schutz vor Hepatitis C für schwule Männer gibt es auf einer Online-Themenkarte des BioPharma-Unternehmens AbbVie.)

Im letzten Jahr wurden neue Medikamente ohne Interferon eingeführt. Sie greifen das Virus an, schonen aber das Immunsystem. Die Behandlung ist deutlich kürzer, die Nebenwirkungen fallen deutlich geringer aus. Damit war auch für Thorsten der Weg zur Therapie frei. Im April dieses Jahres nahm er seine ersten Tabletten. "Mir ging es Tag für Tag besser. Nach zwei Wochen hatte ich keine Hepatitis-C-Viruslast mehr. Mit der neuen Therapie bin ich wahnsinnig glücklich."

Seine letzte Tablette nahm er am 24. Juni. "Wenn die Ärzte nach den Nachuntersuchungen Entwarnung geben, dann kann ich die Korken knallen lassen."

"Leb für heute, morgen ist morgen"

Inzwischen geht Thorsten wieder regelmäßig unter Leute. "Mein Sex ohne Droge ist ok, ich kann damit mal gut, mal weniger gut leben", schildert er. "Ich hab aber viel weniger Selbstwertgefühl und bin noch nicht so weit, mich wieder auf eine Beziehung einzulassen. Da habe ich im Regelfall guten Sex mit meinem Partner. Nach einer gewissen Zeit stelle ich mir aber vor, wie es wäre, mit ihm zu konsumieren. Davor will ich mich und den anderen schützen."

Derweil krempelt der heute 42-Jährige sein Leben noch einmal völlig um. Er startet demnächst eine Ausbildung zum Erzieher in einer Kindertagesstätte. "Ich bin schon eine ganze Zeit lang clean, ich arbeite und bin positiv gestimmt. Das ändert sich natürlich fatal, wenn ich einen Rückschlag hatte", bekennt Thorsten. "Da hilft es nur, mich immer wieder an die Grundregel aller Suchtgruppen zu erinnern: Leb für heute, und sei für heute clean. Heute werde ich nach Feierabend mit dem Hund rausgehen, mit Freunden ein Eis essen und mich über das schöne Wetter freuen. Das genieße ich sehr. Morgen ist morgen."

Das ausführliche Porträt von Thorsten ist in der neuen Ausgabe der LhivFE erschienen. Das Magazin für Menschen, die mit HIV und Hepatitis C leben, wird vom BioPharma-Unternehmen AbbVie herausgegeben und kann im kostenlosen Abo per Email an lhivfe-magazin@allround-team.com bestellt werden.

Mehr zum Thema:
» Wissen schützt – auch bei Hepatitis C (01.08.2015)
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Tags: slammen, crystal meth, hepatits c
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Reaktionen zu "Clean bleiben als tägliche Herausforderung"


 202 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
23.09.2015
09:26:48


(-14, 20 Votes)

Von wiking77
Profil nur für angemeldete User sichtbar


wer zahlt denn für seine, sicherlich nicht billigen, ärztlichen Behandlungen und für die Arzneien. Vermutlich die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten. Dafür, dass er vorher so richtig Spass und geilen Sex hatte.


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#2
23.09.2015
09:41:51


(-1, 7 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Da hat er aber noch einmal ganz viel Glück gehabt, daß er Hepatitis C losgeworden ist. Man stelle sich vor, es würde noch kein wirksames Medikament gegen diese Viruserkrankung geben, dann bräuchte er bald auch eine neue Leber:

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Hepatitis_C


Bleibt zu hoffen, daß er für immer clean bleibt, da er sonst seine Ausbildung zum Erzieher aufs Spiel setzt!


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#3
23.09.2015
10:17:20


(-5, 13 Votes)

Von Leonhard


ich finde sogar die bläser schlimm, die nur können, wenn sie poppers schnüffeln. sobald die wirkung nachlässt, brechen die ab. ich hab echt deswegen viele wieder nach hause schicken müssen. außerdem steigt mir immer der geruch in die nase. urgs. man sollte schon zum psychologen gehen, bevor man in den sumpf abrutscht. man ahnt doch, dass andere issues dahinter stecken.


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#4
23.09.2015
10:24:52


(+16, 18 Votes)

Von maaartin
Antwort zu Kommentar #1 von wiking77


ja und? sollte deiner meinung nach eine gesundheitsolizei alle menschen überprüfen wer "guter" und "böser" kranker ist? wo willst du ansetzen?


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#5
23.09.2015
10:25:41


(+13, 13 Votes)

Von Solidar
Antwort zu Kommentar #1 von wiking77


Die Nebenwirkungen waren dafür lebensbedrohlich! Eine Psychose und Selbstmordgedanken! Dafür hatte er vorher aber angeblich so richtig Spaß und angeblich geilen Sex!
So richtig spaßig hört sich das nicht an!
Die Solidargemeinschaft zahlt übrigens auch für die Behandlung bei Lungenkrebs der Tabakkonsumenten, bei Alkoholkranken, Fettleibigkeit, Skiunfällen, usw., usf..


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#6
23.09.2015
10:41:14


(+9, 13 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012
Antwort zu Kommentar #4 von maaartin


Jupp, so ist es. Ich komme dann gerne mit dem Beispiel desjenigen, der gerne schnelle Autos fährt oder Hanggliden geht oder sonst einem risikobehafteten Hobby nachgeht. Alles verbieten? Würde einigen Leuten sicher gut passen die sich selbst kasteien und sich jeden Spaß verkneifen weil sich sich dadurch moralisch überlegen fühlen können, obwohl sie das natürlich nur unter der Voraussetzung ertragen, dass sie anderen so gut es geht den Spaß verderben.


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#7
23.09.2015
10:41:16


(-10, 18 Votes)

Von wiking77
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von maaartin


nein ich habe gar keine Forderungen gestellt oder Verurteilung gemacht. Sondern einfach nur ne Frage gestellt. Wer soll das bezahlen? Mir ist genauso klar, dass auch für die Skifahren, die ihre Haxen brechen auch die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten aufkommen muss.


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#8
23.09.2015
10:51:00


(+4, 12 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012
Antwort zu Kommentar #7 von wiking77


Dann hast du dir deinen Frage ja schon selbst beantwortet. Was möchtest du sonst noch wissen?


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#9
23.09.2015
10:53:14


(-9, 17 Votes)

Von Greggor


sex hat man ohnehin erst mit tiefer liebe verstanden.


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#10
23.09.2015
11:05:51


(-15, 17 Votes)

Von Friederike


So Schwule gibts voll oft. Lesben scheinen stabiler zu sein. Als schwuler Mann mit Heteros mithalten müssen, ist ja auch hart.


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