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Der Bedarf an Verpartnerungs-Torten hält sich im Ländle noch sehr in Grenzen

Bei der Schließung eingetragener Lebenspartnerschaften gibt es im Südwesten Deutschlands zudem ein deutliches Stadt-Land-Gefälle.

Im vergangenen Jahr gingen in Baden‑Württemberg lediglich 813 Paare eine eingetragene Lebenspartnerschaft ein. Zum Vergleich: Damit wurde 2014 auf den Standesämtern 62 Mal häufiger geheiratet (50.752 Ehen) als eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft geschlossen.

Diese Zahlen stellte am Donnerstag das Statistische Landesamt nach Auswertungen aufgrund des neuen Bevölkerungsstatistikgesetzes für Baden‑Württemberg vor, das Anfang 2014 offiziell in Kraft getreten ist.

Ende 2014 gab es insgesamt rund 5.100  schwule und lesbische Paare im Südwesten, die verpartnert sind.

Bei jeder fünften Verpartnerung war mindestens einer geschieden

Lebenspartnerschaften wurden im vergangenen Jahr etwas häufiger von Männern als von Frauen eingegangen, nämlich in 52 Prozent der Fälle. Die gleichgeschlechtlichen Paare waren dabei beim "Ja-Wort" mit im Schnitt 40 Jahren deutlich älter als Ehepaare bei der Hochzeit (35 Jahre).

In knapp 80 Prozent der geschlossenen Lebenspartnerschaften hatten beide Partner eine deutsche Staatsangehörigkeit. Bei zwischen Deutschen und Ausländern geschlossenen Partnerschaften waren solche mit einer italienischen, einer US-amerikanischen sowie einer schweizerischen Staatsangehörigkeit am häufigsten.

Bei 599 und damit rund drei Viertel der geschlossenen Lebenspartnerschaften waren beide Partner ledig. Relativ häufig waren aber auch Partnerschaften, bei denen mindestens eine der Partnerin bzw. einer der Partner geschieden war – bei jeder fünften Partnerschaft war dies der Fall.

Innerhalb von Baden-Württemberg zeigt sich ein deutliches Stadt-Land-Gefälle: Am häufigsten gingen Paare aus den Stadtkreisen Mannheim, Stuttgart, Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg sowie aus dem Landkreis Tübingen eine Lebenspartnerschaft ein. Die wenigsten Verpartnerungen gab es dagegen – wiederum unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Einwohnerzahlen – im Landkreis Tuttlingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis. (cw/pm)



#1 XDASAnonym
  • 24.09.2015, 17:27h
  • Wundert mich nicht.

    Mein Freund und ich werden auch keine Ehe 2. Klasse für Menschen 2. Klasse eingehen, sondern warten, bis wir die volle Eheöffnung haben.

    Die eingetragene Partnerschaft gibt uns kaum Rechte, dafür aber alle Pflichten. Wenn man die also nicht ganz dringend braucht (z.B. bei binationalen Paaren für das Bleiberecht des Partners) wäre man ja schön dumm, sich freiwillig nur Pflichten ohne Rechte aufzuerlegen.
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#2 Lukas45Anonym
  • 24.09.2015, 17:52h
  • Antwort auf #1 von XDAS
  • @XDAS
    "Mein Freund und ich werden auch keine Ehe 2. Klasse für Menschen 2. Klasse eingehen, sondern warten, bis wir die volle Eheöffnung haben."

    ---------------

    --> Eine verständliche Reaktion aus emotionalen Gründen, die ich verstehen kann.

    -- > Aus rationalen Grünen aber nicht empfehlenswert und mit Risiko in bestimmten Lebenssituationen verbunden.

    Erstens verzichtest Du auf einkommenssteuerlichen Förderungen (Steuerklassenwahlrecht, Ehegattensplitting), das insbesondere dann sich massiv auf Euren Geldbeutel sich auswirken kann, wenn einer von Euch beiden viel mehr Geld verdienen sollte, als dies bei dem anderen Partner der Fall ist ("UND ja natürlich ist das Ehegattensplitting richtig, weil Du Dich um deinen Partner in allen Lebenslagen kümmerst und der Staat dadurch entlastet wird").

    Zweitens sollte wegen Verkehrsunfall oder aus anderem traurigen Grund, einer von Euch beiden versterben, dann wirst Du hohe Erbschaftssteuer zahlen müssen ("beispielsweise wenn die Wohnung/das Haus deinem verstorbenen Parnter gehört"), während verpartnerte Paare hier die hohen Erbschaftssteuerbefreiungen bekommen. Das kann sehr massive Erbschaftssteuer auslösen, falls dein verstorbener Parnter vermögend ist.

    Drittens falls Ihr -aus welchen Gründen auch immer - kein Testament habt, dann bekommst Du überhaupt Nichts, denn dann geht das Vermögen deines verstorbenen Partners an dessen lebende Eltern/Geschwister.

    Viertens bei Krankheit/Pflege hast Du nicht einmal ein Anrecht auf Einsicht in die Krankenpatientenakten und auf ein gemeinsames Krankenzimmer in den Tagen vor dem Tod, falls keine Patientenverfügung oder sonstige Belege vorliegen sollten. Diese Risiken hast Du nicht, sobald ihr am Standesamt Euch verpartnert.

    Fünftens es ist politisch unklar, wieviele Jahre noch in Deutschland "ins Land ziehen werden", bis hier die Ehe geöffnet wird. Bis dahin geht Ihr ein hohes Risiko bei Krankheit, Pfege und Tod des einen Partners, und verzichtest auf erhebliche Einkommensteuerbefreiungen/verünstigungen.

    Fazit. Emotional kann ich deine Reaktion verstehen, rational kann ich Euch nur dringend empfehlen, eine Verpartnerung einzugehen.
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#3 xx2xxProfil
  • 24.09.2015, 18:21hBerlin
  • Ist zwar etwas kleinkariert aber dennoch:

    50.752 / 813 = 62,42.... also 62 Mal mehr geheiratet als gleichgeschlechtliche Partnerschaften geschlossen und nicht 61 Mal ;-)
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  • Anm. d. Red.: Stimmt. Ist korrigiert. Danke für den Hinweis!
#4 williralfProfil
  • 24.09.2015, 18:28h
  • Antwort auf #1 von XDAS
  • Ich kann mich den Ausführungen von Lukas45 nur anschließen.
    Mein Lebenspartner und ich haben seit unserer Verpartnerung jedes Jahr die Einkommenssteuer zusammen gemacht und nach Ablehnung Einspruch erhoben.
    Als das Ehegattensplitting für gleichgeschlechtliche Paare durch das Bundesverfassungsgericht eingeführt wurde haben wir die Rückzahlung für 5 Jahre rückwirkend bekommen und das waren immerhin 15000 Euro. Im Nachhinein haben wir uns geärgert, dass wir uns nicht schon früher verpartnern haben lassen, dann hätten wir noch mehr Geld vom Staat bekommen.
    Ich würde an Eurer Stelle dem Staat kein Geld schenken!
    Natürlich soll man sich nicht nur wegen dem Geld verpartnern lassen, aber es ist immerhin ein Aspekt!
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#5 Patroklos
#6 Lukas45Anonym
  • 24.09.2015, 22:54h
  • Antwort auf #4 von williralf
  • @williralf
    Das hast du gut beschrieben und nochmals jedem homosexuellen Paar ist dringend zu empfehlen, zum Standesamt zu gehen und sich zu verpartnern, und nicht weiter abzuwarten. Das ist Risiko bei Krankheit, Pflege und Tod ist zu hoch in der Zwischenzeit.

    Und noch einen wichtigen Punkt hatte ich vergessen: nur bei Verpartnerung gibt es die lebenslange Witwenrente, die der verstorbene Partner erarbeitet hat. Es ist eine bedeutende Leistung, die der geliebte Partner erarbeitet hat, und die verschenkt jedes Paar, das nicht zum Standesamt geht.

    ---------------------------

    Übrigens ging gerade vor fünf Minuten die Erste Beratung im Bundestag zur Bereinignung des Gesetzentwurfs des Lebenspartnerschaftsrechtes der GroKo zu Ende.

    Als Redner am Pult waren:
    1. Christian Lange, SPD
    2. Hardald Petzold, Linkspartei
    3. Sabine Sütterlin-Waack, CDU
    4. Volker Beck, Grüne
    5. Alexander Hoffmann, CDU
    6. Karl-Heinz Brunner, SPD

    ---> Sehr schön war, wie Volker Beck auf die fehlenden Anpassungen im Sprengstoffgesetz, im Bundesvertriebenengesetz, in den Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen und beim Transsexuellengesetz zu sprechen kam...

    Auch schön, wie er am Ende seiner Rede das "Bauchgefühl der Kanzlerin" thematisierte.

    Aber zur Wahrheit gehörte auch die Sätze von Alexander Hoffmann, der darauf hinwies, dass auch die CDU/CSU die Gleichstellung wollen: nur unter einer anderen Bezeichung. Daher sei es nicht in Ordnung, wenn Grüne und Linke versuchen, die CDU in die Ecke der homophoben Spinner zu schieben.

    ---> In den weiteren Beratungen im Ausschuss erwarte ich dann, dass die von Beck genannten fehlenen Anpassungen doch noch aufgenommen werden.
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#7 Dont_talk_aboutProfil
  • 26.09.2015, 22:19hFrankfurt
  • Sehr informativer Artikel. Ich habe schon immer vermutet, dass das Thema von geringer gesellschaftlicher Relevanz ist.

    Gut, dass die Bundes-SPD bei den Koalitionverhandlungen den Mindestlohn als wichtiger eingeschätzt hat
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#8 David77Anonym
  • 27.09.2015, 00:36h
  • Antwort auf #7 von Dont_talk_about
  • Dein Namen ist anscheinend Programm... leider nicht dann, wenn es drauf ankäme... Ja klar... deshalb diskutiert man auch schon 15 Jahre lang, anstatt einfach mal zu MACHEN und das Thema abzuhaken!!

    "Gut, dass die Bundes-SPD bei den Koalitionverhandlung en den Mindestlohn als wichtiger eingeschätzt hat"

    Ist das so? Warum schätzen die von DIR gewählten Eheöffnungsgegner das Thema dann als so wichtig ein, wenn es darum geht es zu verhindern?
    Wenn das Thema so irrelavant ist, warum haben die Gegner in den letzten 15 Jahren es als SEHR RELEVANT eingeschätzt, und überall wo es nur ging Hürden und Schikanen eingebaut?
    Warum hielt es die CDU/FDP in BW es für so viel wichtiger, die ELP vom Standesamt fernzuhalten?
    Warum werden Gesetze ZEIT und KOSTENAUFWÄNDIG nach und nach angepasst, wenn es doch nicht relevant ist?
    Warum inverstieren die Gegner viel Energie um jeden Fortschritt zu verhindern, erschweren, verschleppen, blockieren? Haben die nichts wichtigeres und relevanteres zu tun?

    Magst du die Frage mal beantworten?!?
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#9 stromboliProfil
  • 27.09.2015, 09:09hberlin
  • Antwort auf #8 von David77
  • "Und noch einen wichtigen Punkt hatte ich vergessen: nur bei Verpartnerung gibt es die lebenslange Witwenrente, die der verstorbene Partner erarbeitet hat. Es ist eine bedeutende Leistung, die der geliebte Partner erarbeitet hat, und die verschenkt jedes Paar, das nicht zum Standesamt geht."

    Haben die nichts wichtigeres und relevanteres zu tun? Magst DU die Frage mal beantworten?!?
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#10 Dont_talk_aboutProfil
  • 27.09.2015, 14:25hFrankfurt
  • Antwort auf #8 von David77
  • @David77

    Das einzige Problem bei der Diskussion um die Homo-Ehe ist doch die steuerliche Privilegierung der Hetero-Ehe. Diese wurde halt historisch mal im Vorgriff auf die wahrscheinliche Zeugung von Kindern eingeführt. Ansonsten ist diese Privilegierung aber totaler Schwachsinn.

    Die sauberste Lösung wäre nun gewesen, diese Privilegierung abzuschaffen und stattdessen in die Förderung von Kindern zu stecken. Dann hätte man Homo- und Heteroehen 100 % gleich stellen können. De facto wäre dann alles so geblieben wie vor der Homo-Ehe, staatliche Förderung geht ausschließlich an Familien mit Kindern, so dass Schwule bis auf Einzelfälle leer ausgehen. Nur tun sich halt Volksparteien mit so großen Änderungen schwer. Zumal wenn der eigentliche Auslöser, die Homo-Ehe, nur wenig nachgefragt wird
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