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Affront gegen den Koalitionspartner SPD: Birgit Kelle soll für die CDU zum "Aktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensweisen" Stellung beziehen (Bild: blu-news.org / flickr / by-sa 2.0)

Die ausgewiesene Gleichstellungsgegnerin soll den in Sachsen geplanten "Aktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensweisen" kommentieren.

Von Micha Schulze

In Sachsen haben CDU und SPD 2014 in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, einen "Aktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensweisen" zu erarbeiten – doch besonders ernst scheint es der Union mit dem Einsatz gegen Homo- und Transphobie nicht zu sein. Als "Expertin" in diesem Themenfeld hat die CDU jetzt ausgerechnet die Journalistin Birgit Kelle benannt, die seit vielen Jahren in Büchern und Talkshows gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwulen sowie "Genderismus" wettert.

Kelle, selbst CDU-Mitglied, ist eine der sechs "Sachverständigen" bei der ersten öffentlichen Anhörung zum Aktionsplan des Ausschusses für Soziales und Verbraucherschutz, Gleichstellung und Integration, vorgesehen für Montag, den 28. September im Dresdner Landtag (10 Uhr, Raum A600). Beantragt hat die Anhörung die Linkspartei, die damit der schwarz-roten Landesregierung Druck machen will.

Schwusos: "Abwesenheit jeglicher fachlicher Qualifikation"

Die Schwusos in Sachsen kritisieren die Benennung Kelles scharf. Oliver Strotzer, der Landeschef der queeren Sozialdemokraten, spricht in einer Pressemitteilung vom Sonntag von einer "Abwesenheit jeglicher fachlicher Qualifikation" bei Birgit Kelle und beklagt das "publizistische Abarbeiten an einer Genderideologie, die mit ihren zuweilen homophoben und grenzwertigen Unterstellungen verschwörungstheoretische Züge tragen".

Mit ihren Veröffentlichungen torpediere Kelle das Ziel des Aktionsplans, allen Menschen die gleiche Wertschätzung und den gleichen Respekt entgegenzubringen, kritisiert Strotzer. "So behauptet Frau Kelle beispielsweise, dass die Aufklärung über die Gleichwertigkeit unterschiedlicher Familienformen und Lebensentwürfe zur Zersetzung der traditionellen Familie führen würde."

Am Montag wird Kelle im Landtag nicht die einzige homophobe "Expertin" für die "Vielfalt von Lebensweisen" sein: Die oppositionelle AfD schickt die Journalistin Bettina Röhl in die Anhörung, die den Bildungsplan in Baden-Württemberg als "bildungsfeindliche Indoktrinierungsplattform gegen Kinder und junge Menschen" und Gender Mainstreaming als "geistige Brandstiftung" bezeichnet hat.

Die vier weiteren Sachverständigen lassen dagegen hoffen. Stellung beziehen als Experten werden am Montag auch Florencio Chicote, Koordinator der Initiative "Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt!", Klemens Ketelhut vom Vorstand der Rosa Linde Leipzig, die Vorsitzende des Landesfrauenrats Susanne Köhler sowie Stephanie Nordt von der Bildungsinitiative "Queerformat" (die Sachverständigen-Liste als PDF).

Die Linkspartei macht sich zudem inhaltliche Gedanken zum Aktionsplan und fordert in einem Antrag (PDF) eine thematische Konkretisierung sowie eine "breite Beteiligung" von LGBT-Gruppen bei der Erarbeitung. Hierzu solle ein landesweiter, auf Dauer angelegter "Ratschlag zur Förderung der Akzeptanz von Lebensweisen" als Beratungsgremium der Staatsregierung gegründet werden.



#1 PfoteAnonym
#2 paren1957Ehemaliges Profil
  • 27.09.2015, 13:49h
  • Ist das der erste Schritt zur Wiedereinführung des § 175 mit dem Langzeitziel Todesstrafe für Schwule?
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#3 FinnAnonym
  • 27.09.2015, 13:50h
  • Das nennt man "Den Bock zum Gärtner machen".

    Aber das passt ja zur CDU, dass die ausgerechnet eine Erz-Homophobe zur "Expertin" gegen (!) Homophobie machen.

    Wenn man Ablehnung der Bildungspläne will, sucht man sich einfach jemanden, der das eh ablehnt.
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#4 David77Anonym
  • 27.09.2015, 14:02h
  • CDU in SACHSEN! Wen wundert es? Die müssen ja die AFD und NPD rechts überholen...In dem Bundesland tun so einige Politiker als alles, um den schlechten Ruf zu ruinieren...

    Ist das übrigens die Partei, die doch die 100% Gleichstellung auch zu 100% WILL, oder will unser Märchenonkel uns das nur weißmachen?
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#5 SchwusoAnonym
  • 27.09.2015, 14:18h

  • "Queere Sozialdemokraten"? Hab ich den Beschluss zur Umbenennung irgendwie verpasst? Liebe queer.de-Redaktion, der Name der AG lautet "Lesben und Schwuler in der SPD" oder eben kurz "Schwusos". Alleingänge von Landesverbänden führen nicht zu allgemeingültigen Bezeichnungen. Zumal der Landesverband Sachsen dazu eine sehr klare Haltung hat!
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#6 HeinerAnonym
  • 27.09.2015, 14:47h
  • Bei einer Partei, die ehemalige Nazi-Richter aus dem Dritten Reich, die Menschen in den Tod geschickt haben (Hans Filbinger), zu Ministerpräsidenten macht, wundert mich gar nichts mehr...
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#7 paren1957Ehemaliges Profil
  • 27.09.2015, 14:51h
  • Wir müssen das nur richtig lesen. Die CDU Sachsens will keine versteckte Homophobie. Die soll abgelöst werden durch offene, gesetzlich geregelte Diskriminierung. Damit allen klar ist, wer Mensch ist und wer keine Menschenrechte im Freistaat hat.
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#8 SebiAnonym
  • 27.09.2015, 15:10h
  • Ich halte jede Wette:
    wenn Frau Kelle dann ihr vorhersehbares Urteil gefällt hat, wie gefährlich doch angeblich Aufklärung für die armen Schüler ist und dass sie einer Gehirnwäsche unterzogen werden sollen, wird die Union das als seriöses Gutachten verkaufen.

    Dann wird das in der Öffentlichkeit so dargestellt, dass das nicht Parteipolitik ist, sondern dass auch externe "Experten" vor den Bildungsplänen warnen.

    Dass diese sogenannte "Expertin" für erzkonservative Medien schreibt, als homophob bekannt ist und keinerlei Ausbildung in didaktischen, pädagogischen oder psychologischen Belangen hat, wird dabei verschwiegen. Weil man weiß, dass die Öffentlichkeit nach Panikmache eh nicht mehr nach Details und Hintergründen fragt und die Behauptungen gar nicht mehr kritisch hinterfragt werden. Man braucht nur jemand, der das öffentlich vertritt, der nicht ganz zu verbohrt aussieht, der sich pseudo-intellektuell ausdrücken kann und dem man das Label "vertrauendwürdiger Experte" aufdrücken kann. Und da kommt Frau Kelle gerade recht.

    Das alte Rezept der CDU/CSU halt. Verbreite Angst - bei Angst schaltet das Gehirn aus und man ist nur noch emotional gesteuert. Ob die Angst berechtigt ist, wird dann nicht mehr hinterfragt. Und irgendwas wird schon hängen bleiben. Wenn die Leute nur schon den Keim in sich haben, dass es so sein KÖNNTE, genügt das schon zur Manipulation der Massen.
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#9 NicoAnonym
  • 27.09.2015, 15:17h
  • Antwort auf #2 von paren1957
  • So dumm ist die CDU nicht. Die haben auch dazugelernt.

    Heute macht man das viel perfider:
    man schürt Ängste über die bösen Schwulen, die Kinder verführen wollen und hält schon die Schüler schön dumm.

    So bekommt man dann Leute, die für die CDU die Arbeit übernehmen und LGBTI schon in Schulen in den Tod mobben oder notfalls dann später krankenhausreif prügeln.

    Früher hat man das selbst übernommen, heute tritt man nur als geistiger Brandstifter auf und lässt andere die Drecksarbeit erledigen. Und kann dann auch noch behaupten, den Volkswillen auszuführen.
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#10 BildungsplanRealAnonym
  • 27.09.2015, 15:34h
  • Was ist neu? CDU/CSU machen gemeinsame Sache mit Rassisten, Homo-Hassern und bei Bedarf, siehe Hassmobilisierungen im öffentlichen Raum in Stuttgart usw., auch mit Neonazis, und bereiten - mit verlässlicher Unterstützung durch die Ex-Sozialdemokraten der Schröder-/Blair-/Gabriel-SPD - den Faschisten in ganz Europa den Weg.

    Darauf kann es nur eine offensive und selbstbewusste Antwort geben, ohne jede Anbiederung an die reaktionäre herrschende Ideologie, die (gerade auch) Sexualität den Ausbeutungs- und Verwertungsinteressen der herrschenden Klasse und deren reaktionären Normkonstrukten und "Gender-Gaga" (d. h. sexistischen, heteronormativen - generell den am besten ausbeutbaren - Rollenzuweisungen) unterwirft.

    Schluss mit der Unterdrückung der Sexualität der breiten Masse von Jugendlichen der Arbeiter*innenklasse! Gleichberechtigte Darstellung und Sichtbarmachung der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt sowie der Vielfalt von Lebensweisen in allen Bereichen, beginnend in der Grundschule!

    Eine sinnvolle Sofortmaßnahme:

    Einrichtung von Diversity-Komitees, kontrolliert - mit qualifizierter wissenschaftlicher und pädagogischer Begleitung - von den Schüler*innen selbst, in denen im Wechsel alle Schüler*innen Aufgaben zur Gewährleistung eines sexismus-, rassismus- und homophobiefreien, respektvollen alltäglichen Miteinanders übernehmen.
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