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  • 28. Februar 2005, noch kein Kommentar

Im Januar machten sich seine zahlreichen Fans noch ernsthafte Sorgen um Tim Fischer, doch nun ist der Chansonier wieder auf der Bühne. Mit "Yesterday Once More" wird er zwischen dem 1. und 6. März im Berliner Tipi auftreten. Danach geht es mit dem Best-Of-Programm weiter durch ganz Deutschland (Tour-Plan).

Tim Fischer musste Anfang dieses Jahres alle Konzerttermine für Januar und Februar absagen, da er sich am 12. Januar einer Operation an den Stimmbändern unterzogen hatte. Ab sofort kann man sich überzeugen, ob der androgyne Star nun singt wie Bonnie Tyler.

Jan Gebauer sprach für queer.de mit dem so gar nicht divenhaften Sänger über seine aktuelle Show, sein Publikum und den Tod.

Das erste Mal, das ich von Dir hörte, war vor Jahren in der Schule, als wir eine Deiner Parodien angeschaut haben. Eine auf Christian Anders und "Der letzte Tanz". Wie gehst Du solche Stücke an?

Na, das muss ja eine sehr lustige Schule gewesen sein. Ich habe ja auch in meinem derzeitigen Programm die Schlager-Nummer "Ich hab' ins Paradies gesehen" von Paola dabei, bei der ich auch an eine Verarschung dachte, ich als ich sie das erste Mal hörte. So ein verlogener Text, mit einer soßigen Musik und das dann auch noch so ernsthaft rüber gebracht… Dieser Empfindung gebe ich dann nach und mache eine Parodie daraus.

Wie passt das zu so ernsthaft interpretierten Liedern wie "Je suis malade" von Serge Lama?

Bei einem Stück wie "Je suis malade" ist das wieder eine ganz andere Geschichte. Das ist ein wirklich ernsthaftes Chanson mit einem tollen Text, den ich sehr liebe und durch meine Großmutter kennen lernte. Das Publikum merkt deutlich, ob man nun etwas ernst interpretiert oder eine Parodie daraus macht. Ich stelle ohnehin gerne einen ernsten Titel einer Parodie gegenüber. Das ergibt dann eine Wechseldusche, eine Art "Kneipp-Kur", bloß mit Chansons.

Wie gelingt Dir dieser Umschwung, gerade im Hinblick auf Deine Mimik? Das macht ja manchmal richtig "klick".

Das ist natürlich viel Schauspielerei. Ich versuche meine Rollen, die ich spiele, einfach so authentisch wie möglich rüber zu bringen. Und dabei muss man schon mal "klick" machen.

Zu Deinen Konzerten kommen weit weniger Schwule, als man annehmen könnte. Auch erscheint es mir reifer und älter.

Oh, es gibt auch viele Jüngere bei meinen Konzerten, manchmal sogar Kinder. Ich finde aber gerade die Vielfalt des Publikums so spannend. Das bereichert so einen Abend. Man lässt ja quasi einen Geist im Raum schweben und es wird somit vielfältiger.

Du warst viel im Nahen Osten unterwegs. Wie ist das Publikum dort?

Die Menschen sind mir überall herzlich begegnet, auch in Zeiten, wo ich nicht so perfekt war. Besonders gewundert hat mich das in San Francisco, weil mich dort ja nun doch niemand kennt, aber trotzdem waren die Konzerte ausverkauft und dort habe ich auch viele neue Fans gewonnen. Ich mache ganz verschiedene Shows. Konzerte einfach nur im Anzug ohne viel Schauspielerei wie z. B. meine Georg-Kreisler-Abende. Dort ist das Repertoire schon so bunt, da bedarf es keiner großen Show. In Ägypten habe ich dann auch ein etwas klassischeres Programm gemacht, wobei da auch lustige Elemente vorkamen.

Welche Sprachen sprichst Du?

Ich spreche eigentlich nur Deutsch und ein bisschen Englisch. Leider hatte ich nie Französisch und musste das hart erarbeiten.

Und beim arabischen Titel "Salma Ya Salama" von Dalida?

Das habe ich aufgrund meiner Reisen in die arabische Welt in mein Programm aufgenommen. Dort habe ich das Lied als "Dankeschön" gesungen. In Ägypten ist das Stück ein absolutes Volkslied. Ich habe es damals phonetisch erlernt.

Warum startest Du gerade jetzt Deine "Best of"-Show?

Bevor es zu spät ist. Stell Dir vor, ich gehe morgen Abend über die Straße und werde überfahren und dann heißt es wieder ... Nein, natürlich ist das mit einem Augenzwinkern zu sehen. Ich habe das eigentlich nie gewollt, da ich mich immer weiter entwickeln und was Neues ausprobieren wollte. Die Anfragen meiner Fans kamen dann aber so massiv, dass ich irgendwann mein Okay gegeben und die besten Nummern ausgewählt habe, diese aber nun in einem neuen musikalischen Gewand präsentiere.

In Deinem Programm ist mir neben "Je suis malade" ein weiterer sehr ernster Titel aufgefallen, der mich und das Publikum sehr berührt hat: "Komm, großer schwarzer Vogel". Man könnte den Titel auch als Suizid deuten…

"Der schwarze Vogel" hat natürlich das in Deutschland sehr tabuisierte Thema "Tod" im Inhalt. In anderen Kulturen ist der Tod viel präsenter. Der Song stammt allerdings aus Österreich, wo eine etwas morbidere Art herrscht. Ich finde es sehr wichtig, die Menschen zu konfrontieren. Für viele ist das auch ein Ventil, sie weinen oder fühlen sich auch erleichtert. In Deutschland ist man immer jung und dynamisch und das Thema "Tod" wird weg geschoben. Für mich ist das Lied eine Sehnsucht nach Erlösung, nach "loslassen".

28. Februar 2005



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