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  • 02.10.2015, 16:43h           28      Teilen:   |

Good Pope, Bad Pope in einer Person

Doch keine Papst-Audienz für Kim Davis, aber für schwules Paar?

Artikelbild
Am Mittwoch der letzten Woche empfing der Papst einen Argentinier, seinen Lebenspartner und seine Familie (Bild: Youtube-Screenshot)

Kurz vor Beginn der Familiensynode des Vatikans überschlagen sich die Deutungen zum Papst-Besuch in den USA vor einer Woche.

Das Verhältnis des Papstes zu Homosexuellen hat am Freitag mehrere überraschende Wendungen erhalten. Zunächst stutzte der Vatikan Meldungen über eine Unterstützung von Franziskus für die amerikanische Standesbeamtin Kim Davis zurecht. Und dann erklärte auch noch ein schwuler Argentinier, er und sein Lebenspartner hätten in Wirklichkeit eine Audienz beim Papst-Besuch in Washington erhalten, anders als Davis.

Vatikansprecher Federico Lombardi hatte am Morgen zunächst berichtet, die "kurze Begegnung" des Papstes mit der Standesbeamtin in der Washingtoner Nuntiatur, also in der Botschaft des Vatikans, am letzten Donnerstag habe zahlreiche streitbare Kommentare ausgelöst. Das Treffen könne aber "nicht als Unterstützung ihrer Position in allen ihren besonderen und komplexen Wendungen" verstanden werden, schränkte Lombardi ein.

Davis, die durch die Weigerung, homosexuellen Paaren Trauscheine auszustellen, seit Wochen eine Debatte in den USA über vermeintliche Religionsfreiheit hevorruft, hatte nach dem Treffen von einem privaten Gespräch mit dem Papst und von dessen Unterstützung berichtet. Lombardi sagte nun, Davis habe zwar eine Einladung erhalten, sei aber als eine von mehreren Dutzend Menschen vorgelassen worden, um "ganz kurze Höflichkeits-Abschiedsgrüße" zu erhalten. Um eine "Audienz" habe es sich nicht gehandelt, eine solche habe bei dem Papst-Besuch in Washington lediglich ein früherer Schüler des Papstes mit seiner Familie erhalten.

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Audienz für schwules Paar?

Eine weitere Wende im Kampf um die Deutung des Papst-Besuches folgte dann am Freitag Nachmittag: Der Sender CNN berichtete exklusiv, Franziskus habe in der vatikanischen Botschaft in Washington ein schwules Paar empfangen.

Mit dem früheren Schüler, der eine Audienz erhalten habe, sei er gemeint gewesen, berichtete der Argentinier Yayo Grassi. Der Papst habe das Treffen, von dem auch ein Video der herzlichen Begrüßung vorliegt, selbst per E-Mail arrangiert und wenige Tage zuvor auch mit ihm telefoniert.

Grassi meinte weiter, er habe zu der Audienz Freunde mitgebracht und seinen Partner Iwan, mit dem er seit 19 Jahren zusammen lebe. Das Paar habe Franziskus, der Grassi 1964 bis 1965 Literatur unterrichtet habe, schon im letzten Jahr in Rom besucht – der Papst habe nie etwas negatives über ihre Beziehung gesagt.

Youtube | Das Treffen zwischen Papst und Grassi

Lügner und Intriganten?

Wie so oft bei diesem Papst gibt es nun eine ganze Menge Wahrheiten zu einem einzigen Stadtbesuch. Der Anwalt von Kim Davis hatte am Dienstag noch gemeldet, der Papst habe Davis für ihren Mut gedankt und als Symbol des "weltweiten Konflikts zwischen dem christlichen Glauben und aktuellen kulturellen Herausforderungen in Bezug auf die Ehe" bezeichnet . Auch war von einem rund zehnminütigen privaten Einzelgespräch zwischen dem Papst und Davis und ihrem Ehemann die Rede gewesen.

Davis und ihre Anwaltschaft gelten inzwischen gegenüber Medien allerdings als nur bedingt glaubwürdig: Ein vom "Liberty Council" verbreitetes Foto, das angeblich 100.000 Menschen in der peruanischen Hauptstadt Lima bei einem Gebet für Davis zeigte, stellte sich etwa als ein älteres Foto aus einem anderen Zusammenhang heraus.

Dennoch hatte der Vatikan das Treffen später am Tag zunächst bestätigt, ohne weitere Details zu dem Treffen zu nennen. Manche Kirchenkreise und Medien spekulieren bereits, ein angeblich liberaler Franziskus sei gezielt in eine Falle gelockt worden. Als Fädenzieher werden der Vertreter des Heiligen Stuhls in Washington selbst genannt; Erzbischof Carlo Maria Vigan hatte etwa an einer Massendemo gegen die Ehe-Öffnung teilgenommen. Manche Medien vermuten gar eine Rache des Vorgängerpapstes Benedikt oder zumindest einen Machtkampf vor der anstehenden Familiensynode, in der es auch die Frage gleichgeschlechtlicher Paare geht.

Liberaler Papst?

Zum jetzt bekannt gewordenen Treffen mit dem schwulen Ex-Schüler könnten so auch noch Verschwörungs- und Ausnutzungstheorien folgen. Franziskus selbst hatte auf dem Rückflug aus den USA gegenüber Journalisten auf eine Frage zum Fall Davis gesagt, dass Standesbeamte ein Recht haben sollten, Dienste aufgrund ihres Gewissens zu verweigern (queer.de berichtete). Das war von der neutralen Nachrichtenagentur Reuters berichtet worden.

Widersprüchliches Verhalten und konträre Aussagen passen zu einem Papst, der manchmal versöhnliche Töne anstimmt, um sich dann doch klar gegen LGBT-Rechte auszusprechen. So hatte er bei seinem USA-Besuch vermeintliche Reizthemen der Kirche wie Abtreibung und die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren nur gestreift und anderen Themen einen größeren Stellenwert eingeräumt (queer.de berichtete).

Bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung am letzten Freitag hatte Franziskus allerdings davor gewarnt, "eine ideologische Kolonialisierung zu fördern, indem man abnorme Lebensmodelle und -stile durchsetzt, die der Identität der Völker fremd und letztlich unverantwortlich sind" (queer.de berichtete). Der beim Gipfel beschlossene Kampf für eine nachhaltige Entwicklung verlange "die Anerkennung eines Sittengesetzes, das in die menschliche Natur selbst eingeschrieben ist", sagte er.

Mit einer vermeintlichen Naturrechtslehre hatte vor allem Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. gegen LGBT-Rechte angekämpft. Was der Papst meinte, machte auch ein Schreiben der afrikanischen Bischöfe zum selben Thema deutlich, die vor einer "Kultur des Todes" warnten, die dem Kontinent im Rahmen von Homo-Ehe oder Sexualaufklärung durch "eigennützige und perverse Interessen" aufgezwungen würden. (nb)

ausgiebig aktualisiert um Grassi-Meldung

 Update  3.10., 13h: Papst-Sprecher bestätigt Treffen mit Argentinier

Der Vatikan hat das Treffen des Papstes mit Grassi inzwischen bestätigt. In einer kurzen Stellungnahme von Papstsprecher Frederico Lombardi wird allerdings nicht direkt auf den Aspekt der Homosexualität eingegangen, das Treffen aber auch nicht in seiner Bedeutung abgewertet wie bei Davis.

Der Papst habe sich bereits mehrfach mit dem Argentinier getroffen, sagte Lombardi, und habe "als Pastor" viele "persönliche Beziehungen" in einem "freundlichen, willkommenden und dialogbereiten Geist" beibehalten. Grassi habe gefragt, ob er bei dem Treffen "seine Mutter und zahlreiche Freunde" vorstellen könne. Die deutschsprachige Version der Meldung von Radio Vatikan geht, unter Verweis auf US-Medien, näher auf den Aspekt der homosexuellen Beziehung von Grassi ein und zitiert dessen Aussagen mehrfach, ohne sie zu dementierten – während in dem Bericht Aussagen der Standesbeamtin Kim Davis erneut zurechtgewiesen werden.

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Tags: vatikan, kim davis, papst, franziskus
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Reaktionen zu "Doch keine Papst-Audienz für Kim Davis, aber für schwules Paar?"


 28 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
02.10.2015
16:58:50


(-4, 6 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Rein in die Kartoffeln - raus aus den Kartoffeln! Die Welt wird immer unglaubwürdiger!


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#2
02.10.2015
17:06:15


(+5, 9 Votes)

Von Anthrazit
Aus Alfter (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.08.2015


Ja. Nein. Oder doch. Vielleicht. Oder doch lieber nicht. Nein, ganz bestimmt: Ja. Aber andererseits eher lieber Nein. Oder eher ein orangenes Hemd als eine grüne Hose? Zu den weißen Schuhen? Gestreift? Nein, lieber nicht. Aber ich probier's mal vorsichtshalber. Ach nein. Hmm. Oder kariert? Haben Sie auch schwarze längsgestreifte Hosen? Nee, nicht schwarz-weiß, schwarz-schwarz längsgestreift. Ach ich glaube ich nehme doch lieber die hellblaue. Was? Homos? Herr Kardinalstaatssekretär? Was ist das? Ach so. Naja, nein natürlich. Oder warten Sie, doch, ja. Lieber ja. Hmm? Die Homos? Nein, die violette Krawatte. Mit dem weißen Lilienmuster. Hmm? Also Herr Kardinalstaatssekretär, bleiben Sie doch bei der Sache. Die Homos natürlich. Oder mit Pepitamuster. Herr Kardinalstaatssekretär, machen Sie mich nicht nervös, dies ist eine wichtige Entscheidung. Also, das orangene Hemd. Endgültig.

Oder doch weiß mit blauem Karo? Die Homos?

Die können sich auch freuen daß der Bergoglio von seinem Arbeitgeber Berufsbekleidung gestellt bekommt. Sonst wäre der auf ewig bei Clamotten&Anton verschütt.


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#3
02.10.2015
17:06:56


(+11, 13 Votes)

Von Heiner


Wie immer:
wenn die vertuschten Machenschaften der Katholiban zu sehr an die Öffentlichkeit geraten, rudert man angeblich zurück.

Aber das Treffen zwischen dem Papst und der homophoben Rechtsbrecherin hat stattgefunden. Was der jetzt nachträglich erzählt, wird dieser Fanatikerin egal sein, weil sie das nur als "unter Druck der Homo-Lobby" abtun wird.

Und hinter den Kulissen wird er ihr vermutlich sogar sagen, dass dieser Rückzieher nur aus Marketing-Gründen geschieht und dass er selbstverständlich weiterhin auf ihrer Seite steht.


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#4
02.10.2015
17:09:39


(+15, 15 Votes)

Von Peer


Zuerst fordert der Papst vor Journalisten (!) das Recht, dass man aus religiöser Überzeugung Gesetze brechen darf und dann soll das plötzlich alles nicht so gemeint sein.

Entweder lügen die Journalisten oder der Papst lügt. Aufgrund bisheriger Erfahrungen mit der katholischen Kirche tippe ich auf letzteres...


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#5
02.10.2015
17:32:51


(+10, 12 Votes)

Von Julian S


Die altbekannte Strategie der Verwirrung.

Wie immer bei der Kinderschänder-Sekte:
die lügen, wenn sie nur den Mund aufmachen...


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#6
02.10.2015
17:36:30


(+8, 10 Votes)

Von Timon


Egal, ob das Treffen kurz war oder lang und ob es eine "höfliche Geste", eine "Audienz" oder was auch immer war:
der Papst hat danach vor Journalisten gesagt, dass Leute wie Kim Davis das Recht auf Rechtsbruch haben sollten.

Oder will der Vatikan uns jetzt weismachen, dass die international renommierte Nachrichtenagentur lügt?

Diese demokratiefeindliche Organisation versucht es echt mit allen schmutzigen Tricks und Kniffen.


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#7
02.10.2015
17:37:51


(+5, 7 Votes)

Von wenigstens
Antwort zu Kommentar #1 von Patroklos


Auf diese Davis ist Verlass!

Link zu www.queer.de

Link zu www.glaad.org


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#8
02.10.2015
17:41:56


(+7, 9 Votes)

Von tiaradoxon
Antwort zu Kommentar #4 von Peer


Papst:"Alle Päpste lügen."


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#9
02.10.2015
18:10:50


(+8, 8 Votes)

Von lucdf
Aus köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 04.09.2011


Was denn nun? Unterstützung, ja, nein, ein bisschen, doch, natürlich, natürlich nicht, schon ? Es ist bekannt, dass die Religionen und die christliche nicht weniger als die anderen die abartige Kunst der Doppelzüngigkeit beherrschen.


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#10
02.10.2015
19:31:12


(-6, 10 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014


Ja also. Der Papst empfängt einen ehemaligen Schüler mit dessen Lebensgefährten und die beiden verstehen sich prächtig. Genauso habe ich mir das auch vorgestellt. Entscheidend ist für mich immer der persönliche Umgang. Der persönliche Umgang hängt davon ab, ob jemand anderen Menschen mit Respekt begegnet oder seinen Dünkel pflegt. Der Papst ist offenbar ein sehr respektvoller Mensch.

Es wird Zeit, dass die Hardliner auf beiden Seiten mal etwas abrüsten und verstehen, dass die Menschen sich meistens ganz gut verstehen, ohne dass man jetzt irgendwelche Bekenntnisse zur Homo-Ehe abgeben muss. Wer nur Streit sucht, wird ihn dagegen immer finden


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