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  • 03.10.2015, 13:50h           29      Teilen:   |

Zehn gebotene Thesen

Das Manifest von Krzysztof Charamsa

Artikelbild
Krzysztof Charamsa hat genug von den homophoben Äußerungen und Handlungen seiner Kirche

Der polnische Theologe und Priester stellt nach seinem Coming-out zehn Forderungen an die Kirche auf, um mit Homosexuellen endlich vernünftig umzugehen.

Am Freitag hat sich der polnische Theologe Krzysztof Charamsa, der im Vatikan Karriere machte als Dozent an päpstlichen Universitäten und Funktionär der Glaubenskongegration, in mehreren zeitgleich veröffentlichten Interviews in Polen und Italien als schwul geoutet (queer.de berichtete).

Der 43-Jährige stellte dabei auch ein deutlich formuliertes Thesenpapier vor, wie die Kirche mit Homosexuellen vernünftig umzugehen habe. Wir dokumentieren es hier leicht gekürzt und überarbeitet (das Original in polnischer Sprache):

1. Beseitigung von Homophobie und anti-homosexueller Diskriminierung

Wir verlangen, dass sich die Katholische Kirche trennt von Aktivitäten, der Mentalität und der Sprache der Homophobie, von Hasssprache und der Erniedrigung, Missbilligung, Marginalisierung, Stigmatisierung und Zurückweisung von LGBT-Menschen. Wir verlangen die Einstellung von Diskriminierung und Verfolgung dieser Menschen durch die Kirche in und außerhalb ihrer Grenzen.

2. Verurteilung der Bestrafung von Homosexualität

Wir verlangen, dass sich die Kirche unmissverständlich gegen die Bestrafung von sexueller Orientierung ausspricht und gegen die Todesstrafe oder Inhaftierung, gegen jede Art von Grausamkeit und Diskriminierung gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, wie auch gegen Versuche, Vertreter von sexuellen Minderheiten einer "verändernden Therapie" zu unterziehen.

3. Aufgabe der Einmischung der Kirche in die Garantierung von Menschenrechten durch demokratische Staaten

Wir fordern, dass die Kirche ihr vergangenes Verhalten gegenüber Staaten und Nationen ändert, die als demokratische Antwort auf die Entwicklung der Bevölkerung versuchen, Menschenrechte zu garantieren, darunter das Recht auf Liebe und Zivilehe für Personen, die einer sexuellen Minderheit angehören. Zivilisierte Länder sollten ihre Autonomie respektieren im Interesse des Gemeinwohls Aller, nicht nur das von Katholiken.

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4. Widerrufung von inkompetenten und schädlichen Dokumenten

Wir verlangen vom Papst, den Katechismus zu überarbeiten und all die Dokumente zu überprüfen, die grausam und inkompetent gegenüber homosexuellen Personen sind, die ein Objekt der kirchlichen Leidenschaft und Stigmatisierung sind. Darunter besonders die Dokumente der Glaubenskongregration, Erbe der Heiligen Inquisition.

Nicht akzeptable Dokumente sind:

a) die Erklärung "Persona Humana" von 1975 (Text), die unter anderem von der "pathologischen Verfassung" von homosexuellen Personen spricht, die aufgrund ihrer Natur vermeintlich "schwer sozial anzupassen" seien und eine "Anomalie" darstellten (…)

b) der "Brief der pastoralen Liebe homosexueller Personen" von 1986 (Text), der zum "Mitgefühl" für Homosexuelle, "Leidende" aufruft und die Existenz einer "gerechten Diskriminierung" Homosexueller akzeptiert und nur eine "ungerechtfertigte Diskriminierung" zurückweist

c) abscheuliche "Erwägungen bezüglich der Antwort auf Gesetzesvorschläge über die Nicht-Diskriminierung homosexueller Personen" aus dem Jahr 1992 (Text)

d) "Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen" aus dem Jahr 2003 (Text, …)

e) Der beleidigende Katechismus der Katholischen Kirche (1997, Text, …)

5. Sofortige Abschaffung diskriminierender Regelungen zur Vermeidung der Priesterschaft homosexueller Personen

Wir verlangen, dass der Papst sofort die bedauerlichen Anweisungen zur Vermeidung der Ordination von Homosexuellen abschafft, die 2005 von Papst Benedikt XVI. gebilligt wurden.

6. Initiierung einer ernsthaften und interdisziplinären wissenschaftlichen Reflektion über die Moral der menschlichen Sexualität

Wir fordern, dass die Kirche eine ernsthafte und objektive wisschenschaftliche Reflektion über die Sexualmoral einleitet und dabei Kenntnis nimmt von – bislang als ideologisch angesehenen – Entwicklungen zu reproduktiver Gesundheit in medizinischen, psychiatrischen, biologischen, soziologischen und anthropologischen Wissenschaften und Diensten sowie von Gender Studies.

7. Revision der Interpretation der biblischen Texte zur Homosexualität

Wir verlangen, dass die Kirche ihre Interpretation der Bibel mit gebotenem Ernst hinterfragt und sich von Fundamentalismus befreit, der die Bibel wortwörtlich nimmt, wenn es um homosexuelle Menschen geht, und entsprechende Stellen nicht verurteilt.

8. Etablierung eines ökumenischen Dialogs mit unseren lutherischen und anglikanischen Brüdern und Schwestern über Homosexualität

Wir verlangen, dass die Kirche einen ernsthaften ökumenischen Dialog zum Thema Homosexualität mit Christen, Protestanten und Anglikanern beginnt, die, in einem offenen und transparenten Prozess der Reifung, ihre eigenen Überzeugungen zu dem Thema entwickelt haben, was der Katholischen Kirche helfen kann, die Realität zu erkennen.

9. Entwicklung des Bedürfnisses, um Vergebung zu bitten für vergangene und aktuelle Verfehlungen der Kirche gegenüber Homosexuellen

Wir verlangen, dass die Kirche den Weg auf sich nimmt, um Verzeihung zu bitten für vergangenes Handeln, für Vernachlässigung und Schweigen, für Verfolgung und Verbrechen gegenüber Homosexuellen, und dass sie von nun an davon Abstand nimmt, entsprechende Handlungen auszuführen.

10. Respekt für homosexuelle Gläubige und ein Wandel der verzerrten Position der Kirche, wie diese ihr christliches Leben zu betrachten hätten

Wir verlangen, dass die Kirche sich endlich öffnet für gläubige Homosexuelle, für getaufte Personen, die sexuellen Minderheiten angehören und das Recht haben, ihre Liebe und ein gesundes sexuelles Leben nicht aufzugeben, die ihre natürliche Übereinstimmung mit ihrer sexuellen Orientierung ausdrücken.

Mehr zum Thema:
» Vatikan: Einflussreicher Theologe und Priester outet sich als schwul (02.10.2015)
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Tags: vatikan, krzysztof charamsa, römisch-katholische kirche, gklaubenskongregration, katechismus
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Reaktionen zu "Das Manifest von Krzysztof Charamsa"


 29 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
03.10.2015
14:07:49


(+9, 13 Votes)

Von Heiner


Selbst wenn die Kirche auf diese 10 Forderungen eingehen würde, würde das nicht mal ansatzweise all das Unheil wiedergutmachen, was die Kirche bisher über die Menschheit gebracht hat.

Die haben so viel Schuld auf sich gelastet, dass das schlichtweg niemals und durch nichts und niemanden wiedergutgemacht werden könnte.

Deswegen habe ich nur eine einzige Forderung:
die Auflösung dieses menschenverachtenden, scheinheiligen, verlogenen, demokratiefeindlichen, totalitären, geld- und machtgeilen Vereins!!


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#2
03.10.2015
14:54:45


(+13, 15 Votes)

Von Peer


Der Vatikan hat ja schon reagiert und ihn aus dem Vatikan geworfen.

Widersprich und Kritik hat die katholische Kirche nicht gerne... Das gefährdet deren totalitären Allmachts-Anspruch.

Solange man seine Homosexualität verbirgt und eine schlechte Komödie spielt, ist alles okay, aber die Veröffentlichung der Wahrheit scheuen die wie "der Teufel das Weihwasser"...


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#3
03.10.2015
15:02:39


(+13, 13 Votes)

Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011
Antwort zu Kommentar #1 von Heiner


DIe Homosexuellenverfolgung ist mit der Hexenverfolgung nahezu identisch mit nur einen Unterschied: Hexen gibt es nicht, jedoch Homosexuelle. Im Leviticus vom Schwerverbrecher Moses steht, daß man Homosexuelle und Zauberinnen (Hexen) töten soll. Die katholische Kirche hat nach etlichen Jahrhunderten eingesehen, daß die Hexenverfolgung Unrecht war und daß es endlich Zeit ist, dieses auch in Bezug zur Homosexualität zu erkennen, dem der gleiche Mechanismus der Hexenverfolgung innewohnt.

Als Schwerverbrecherorganisation hat die katholische Kirche ihr Existenzrecht verwirkt genauso wie die Verbrecherorganisation Nationalsozialismus. Um die DIskriminationen und Verbrechen entgültig zu beenden bedarf es der Auflösung aller kirchlichen Einrichtungen und die Zurückgabe ihres gestohlenen Vermögens an das von ihr verarmte Volk. Wenn jener schwule katholische Professor allen Ämtern der katholischen Kirche enthoben wird, dann ist das immerhin der erste Schritt und er kann endlich jener Organisation den Rücken kehren.


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#4
03.10.2015
15:26:09


(+11, 13 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #2 von Peer


Der Mann zeigt im Gegensatz zu seinen vielen schwulen deutschen Klerikerkollegen Mut.

Das tun Polen oft, wenn sie etwas für richtig halten.

Er wird jetzt seinen Job verlieren.
Hoffentlich gibt es Menschen, die ihm beistehen.

Ob der mutige Schritt etwas bewirkt, wird sich erst langfristig zeigen. Zunächst einmal wird es in seinem Heimatland und auch anderswo einen gewaltigen reaktionären Empörungsschub geben.


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#5
03.10.2015
15:26:20


(+16, 16 Votes)

Von Akam


Ba-Boom! Der Typ hat Eier! Mir dämmert, wie damals Martin Luthers Thesen eingeschlagen haben mussten! Respekt - Beiden! (und ich sage das als Atheist!)
Endlich mal Einer, der von innen heraus, und gleichzeitig für die Öffentlichkeit sichtbar, den Finger in die Wunde bohrt. Ich hoffe, er lässt sich durch den Rausschmiss nicht mundtot machen.


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#6
03.10.2015
15:36:36


(+2, 6 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #5 von Akam


""Endlich mal Einer, der von innen heraus, und gleichzeitig für die Öffentlichkeit sichtbar, den Finger in die Wunde bohrt.""..

Das ist es ja, was die vielen Leute, die dieser "Veränderung von innen heraus" nachhängen, nicht begreifen wollen :

Spätestens dann wenn Öffentlichkeit wie in diesem Fall erreicht worden ist, und das war eben auch schon mit und bei Martin Luther und anderen Reformatoren so, ist es mit der "Veränderung von innen heraus" endgültig vorbei..

Das muß dann eben auch zu der offensichtlichen, und für die "Betroffenen" "bitteren" Erkenntnis führen, dass Organisationen wie die "HUK" niemals etwas werden verändern können..


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#7
03.10.2015
15:55:30


(+2, 10 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Danke für dieses Manifest!


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#8
03.10.2015
16:17:24


(+8, 8 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Alle Achtung, der startet durch.
Also, entweder entsteht ein Erdbeben in der Katholischen Kirche oder sie bleibt bei ihrem alten verbrecherischen Gedankengut.
Ich könnt mir mit dem aktuellen Papst schon vorstellen, das die Katholische Kirche sich öffnen wird, dazu muß aber auch der nächste Papst stehen, denn dieser Prozess wird niocht von heute auf morgen vollzogen werden.
Die Zeit wird zeigen ob sich die Katholische Kirche erneuern kann und will.


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#9
03.10.2015
16:17:44


(+1, 7 Votes)

Von Faktencheck


Ob es Krzysztof Charamsa passt oder nicht:
er war und ist Teil des Systems, das er kritisiert.

Und solange er da Mitglied bleibt, wird das auch in Zukunft so bleiben...


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#10
03.10.2015
16:59:13


(+6, 10 Votes)

Von sanscapote
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Link:
francais.rt.com/international/7731-vatican-colere-
apres-coming-out


Le Vatican en colère...

Es ist ein Kraftausdruck, den die Zeitung benutzt.

Colère heisst nicht cholerisch, sondern Zorn oder zornig.

Ueber dieses Coming-out kann sich der Vatikan gar nicht freuen, wo alle nach Rom blicken wegen der "Familienkonferenz".


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