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  • 04.10.2015, 21:36h           80      Teilen:   |

Trotz spektakulärem Coming-out

Vatikan: Familiensynode beginnt, kaum Hoffnung auf Wandel

Artikelbild
Bereits die Vorbereitungssynode zur jetzigen zum Thema Familie im letzten Jahr enttäuschte Gläubige, die sich Hoffnungen auf eine Modernisierung gemacht hatten

Während der Papst in seiner Eröffnungspredigt Worte zum Thema Homosexualität vermeidet, meldet Radio Vatikan vorsorglich, dass es dort keine Schwulenlobby gebe.

Von Norbert Blech

Im Vatikan hat am Sonntag mit einer von Papst Franziskus gelesenen Messe die lang erwartete Familiensynode begonnen. Ab Montag suchen 270 Bischöfe und Kardinäle sowie 130 Theologen und Laienvertreter aus aller Welt drei Wochen lang nach Antworten auf Herausforderungen der "modernen" Welt, nach Haltungen zum Thema Scheidung, zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, zur Empfängnisverhütung – und zum Umgang mit schwulen und lesbischen Paaren.

Gerade das Thema Homosexualität hatte in den letzten Tagen an Fahrt aufgenommen: Mit einer rätselhaften Deutungsschlacht um ein Treffen des Papstes mit der amerikanischen Standesbeamtin Kim Davis, überraschend gefolgt von der Meldung, Franziskus habe bei seinem US-Besuch auch ein schwules Paar getroffen (queer.de berichtete). Die Meldung dazu war am Freitag kaum geschrieben, da bahnte sich beginnend in polnischen Medien eine Sensation an, die am Samstag auch den Vatikan erreichte: Das Coming-out des Theologen und Priesters Krzysztof Charamsa, Funktionär der Glaubenskongregration und Professor an zwei päpstlichen Universitäten (queer.de berichtete).

Der forderte dann auch noch gleich in einem Manifest mit zehn Punkten einen grundlegenden Wandel des Vatikans in seinem Umgang mit Homosexuellen – und bekam von Papstsprecher Lombardi prompt eine per Presseerklärung vorweg genommene Kündigung serviert.

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Der Traum Gottes von der Ehe zwischen Mann und Frau

Die Familiensynode in Kürze (1): Manchmal sagt ein Screenshot mehr als tausend Worte
Die Familiensynode in Kürze (1): Manchmal sagt ein Screenshot mehr als tausend Worte

Dass die Kirche im Guten wie im Schlechten bei dem Thema nicht zur Ruhe kommt, war Papst Franziskus allerdings nicht anzumerken, als er am Sonntag die 16. ordentliche Generalversammlung der Synode eröffnete. In seiner Predigt ging er nicht konkret auf das Thema Homosexualität ein, auch wenn manche Kommentatoren in der folgenden Passage eine Absage an Homo-Paare erkennen wollten: "Das ist der Traum Gottes für sein geliebtes Geschöpf: zu sehen, dass es sich verwirklicht in der Vereinigung der Liebe zwischen Mann und Frau, glücklich auf dem gemeinsamen Weg, fruchtbar in der gegenseitigen Hingabe."

Es wäre wohl zuviel Deutung, Franziskus habe hier schon ein negatives Ergebnis der Synode vorweg genommen – so wie es wohl auch zuviel Deutung wäre, Worte des Papstes über eine Kirche ohne "verschlossene Türen" würden einen Umschwung vorweg nehmen. In Wirklichkeit ist wohl zu erwarten, dass es keine grundlegenden Änderungen in der Homo-Politik des Vatikans geben wird, dass die westlichen Kirchen – und der Papst – aber den Kampf gegen eine rechtliche Anerkennung von Homo-Paaren und ihre Rhetorik zurückfahren könnten.

Dass bereits das umstritten ist, machte das Hin und Her um Davis ebenso deutlich wie eine rätselhafte Meldung, die Radio Vatikan am Sonntag in mehreren Sprachen veröffentlichte: Der italienische Kardinal Camillo Ruini bestreitet demnach die Existenz einer "Schwulen-Lobby" im Vatikan. Wenn dieser Vorwurf immer noch den Vatikan beschäftigt, in Machtkämpfen auf diesem Niveau, und als so wichtig wahrgenommen wird, dass man diese absurde Meldung in die Welt hinausposaunt, darf man nun wirklich keine Fortschritte erwarten.

Dass es wohl nur um Nuancen gehen würde, machte auch eine Aussage des australischen Kurienkardinals George Pell deutlich. Der meinte am Freitag, die Medien verzerrten die katholische Sicht zu Homosexuellen, die man doch gar nicht hasse: Die klare Ablehnung praktizierter Homosexualität, an der nach Pell nicht zu rütteln sei, wäre nur ein Aspekt der kirchlichen Lehre. Sie fordere ebenso eine sensible und respektvolle Haltung gegenüber Schwulen und Lesben. Das besagt freilich schon der Katechismus seit 1997, Sensibilität und Respekt ließen sich danach dennoch zahlreich vermissen.

Kritik an "Gender-Ideologie"

Kritik an Medien und letztlich auch an der modernen Gesellschaft kam am Freitag auch von Gerhard Kardinal Müller, dem deutschen Präfekten der Glaubenskongregation: Der kritisierte, Medien würden der Kirche eine "Gender-Ideologie unbedingt aufzwingen wollen". Unter dem Schlagwort versteht die Kirche in der Regel eine moderne Auffassung über Geschlechterrollen ebenso wie Fragen von Trans- und Homosexualität. Müller sagte, dass diese Ideologie "die komplette Zerstörung der menschlichen Grundlagen vorsieht" und "schreckliche Konsequenzen" habe – ähnliches hatte auch der Papst wenige Tage zuvor vor der UN-Vollversammlung gemeint, als er eine "ideologische Kolonialisierung" gegen das "Sittengesetz" kritisierte (queer.de berichtete).

Müllers Worte waren letztlich bereits eine offizielle Zurückweisung von Charamsa: Der hatte vor seinem Coming-out am Mittwoch in einer polnischen Zeitschrift eine Abrechnung mit dem unwissenschaftlichen Kampf der Kirche gegen die "Gender-Ideologie" veröffentlicht, ein Kampf, der ihn an Bücherverbrennung, Dschihad und Kreuzzüge erinnere. Seinen Vorgesetzten Müller, seinen Vatikan scheint er damit nicht beeindruckt zu haben.

Minimal-Rahmen der Debatte scheint schon gesteckt

Synode in Kürze (2): Krzysztof Charamsa (l.) verlor durch sein Coming-out alle Vatikan-Ämter und demnächst wohl seine Priesterschaft. Bischof Huonder, der kürzlich Bibelstellen zur Todesstrafe für Homosexuelle zitierte, ist weiter im Amt.
Synode in Kürze (2): Krzysztof Charamsa (l.) verlor durch sein Coming-out alle Vatikan-Ämter und demnächst wohl seine Priesterschaft. Bischof Huonder, der kürzlich Bibelstellen zur Todesstrafe für Homosexuelle zitierte, ist weiter im Amt.

Bei der Synode werden die Bischöfe und Laien anhand eines bei der letztjährigen Synode erarbeiteten Grundlagenpapiers offen über die verschiedenen Themen diskutieren. Dabei entsteht ein Abschlussbericht, der am 24. Oktober dem Papst übergeben wird. Die Ergebnisse der Synode werden als Debattenstand und nicht als Entscheidungen verstanden, die Richtlinienkompetenz soll bei Franziskus verbleiben.

Von 147 Einzelpunkten des Grundlagenpapiers befassen sich übrigens nur drei mit dem Thema Homosexualität: In einem Punkt wird es als "unanehmbar" kritisiert, dass internationale Organisationen angeblich Fördermittel für Länder mit der Einführung einer Homo-Ehe verknüpften. Menschen mit "homosexuellen Tendenzen", wie es in einem anderen Punkt heißt, seien aber in der Seelsorge zu beachten und "mit Sensibilität und Takt" in der Kirche aufzunehmen.

Zudem besagt das Grundlagenpapier bereits deutlich: "Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn."

Damit dürfte auch klar sein, dass die umständlich zur Synode eingeholten Befragungen der Gläubigen kaum eine Rolle spielen dürften. In Deutschland hatten sich viele Gläubige etwa für eine Segnung homosexueller Paare und eine dringende Modernisierung der Sexualmoral ausgesprochen, was aber bereits die Deutsche Bischofskonferenz in ihrem nach Rom geschickten Abschlussdokument weichgespült hatte (queer.de berichtete). Der Konferenzvorsitzende Kardinal Marx hatte entsprechende Forderungen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ebenfalls als "nicht akzeptabel" abgelehnt (queer.de berichtete).

Youtube | Ein Vorbericht von Euronews
Wochen-Umfrage: Wird sich die Familiensynode des Vatikans für eine Segnung homosexueller Paare aussprechen? (Ergebnis)

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Tags: vatikan, katholische kirche, familiensynode
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Reaktionen zu "Vatikan: Familiensynode beginnt, kaum Hoffnung auf Wandel"


 80 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
04.10.2015
21:43:17


(+7, 7 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


In letzter Zeit hör ich kaum Nachrichten und wegen dieser Schmierenkomödie hör ich garantiert nicht mehr Nachrichten.


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#2
04.10.2015
21:45:26


(+12, 12 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"drei Wochen lang nach Antworten auf Herausforderungen der "modernen" Welt"

ts, das ich nicht lache, die suchen nach mehr Möglichkeiten die Welt noch mehr zu drangsalieren und zu verdumbibeln nur um an der Macht zu bleiben.


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#3
04.10.2015
21:49:56


(+8, 8 Votes)

Von Petrillo
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Na das Ruinchen in Amphorenhaltung sieht mir aber auch sehr nach einem alten Urning aus!


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#4
04.10.2015
21:50:28


(+9, 9 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"Das ist der Traum Gottes für sein geliebtes Geschöpf:"

Nein garantiert nicht.
Der Traum der Natur ist:, das die Menschheit in Frieden lebt, sich genseitig achtet und die Naturschöpfung so nimmt, wie sie entsteht mit all ihren Facetten und Fehlern.


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#5
04.10.2015
21:52:55


(+9, 9 Votes)

Von xHaraldx
Aus Wiesbaden (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 03.09.2013


Wenn alles, was der Vatikan veranstaltet, nicht so traurig wäre, könnte ich lachen.
Eines verwundert mich, wir sollen doch, gem. der Kirche und der Bibel, alle Geschöpfe Gottes sein, wieso hat er dann LGBTI-Menschen erschaffen? Muß wohl ein elender Stümper gewesen sein!


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#6
04.10.2015
22:00:48


(+4, 6 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"offen über die verschiedenen Themen diskutieren."

Hä?, offen mit geschloßen Türen diskutieren, da lachen sich sämtliche Teufelchen kaputt.

Bild-Link:
Tartan-Schaf.jpg


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#7
04.10.2015
22:08:37


(+10, 10 Votes)

Von easykey


...Vatikan, Kirche und andere zweifelhafte Vereine...

Es ist ja durchaus denkbar, dass es immer noch (nicht nur homosexuelle) Menschen gibt, die im sog. Glauben eine tägliche Stütze und Hilfe für ihr Leben suchen und ggf. meinen auch diese zu finden.
In Bezug auf die aktuelle Veranstaltung im Vatikan kann ich dem gemeinen homosexuellen Menschen nur raten, falls eine steuerlich relevante "Mitgliedschaft" zu einem der kirchlichen Vereinen besteht, diese einmal konkret zu überdenken und zeitnah zu kündigen - unterstützt mit nur einem Bruchteil dieser Unsummen lieber die LGBT-Community!
Sicher kann jeder tun und lassen was er will, doch sollte jeder Gläubige auch der Realität ins Auge blicken, dass die sog. "Amtskirchen" zwar gerne das Geld nehmen, aber Homosexuelle niemals offiziell akzeptieren werden - und dabei spielt die Konfession so gar keine Rolle. Ein Blick in die Geschichtsbücher spricht eine eindeutige Sprache, in BLUTrot geschrieben, was diese "Kirchen" mit anders denkenden, veranlagten und handelnden Menschen bisher so veranstaltet hat und weiterhin zu tun gedenkt.
Gut....ich gebe ja zu, das Marketing scheint ja seit 2000 Jahren zu funktionieren ;-)

Trennt endlich Gesellschaft und Staat von "Kirchen" - die m. E. nichts anderes als Vereine darstellen (sollten)!
Wenn das endlich mal gelingt, sind wir schon ein gutes Stück weiter.

Und JA; ich gehe am 11.10.15 nach Stuttgart zu Gegendemo dieser Fanatisten von "Demo für alle" - sehen wir uns?


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#8
04.10.2015
22:09:54


(+2, 8 Votes)
 
#9
04.10.2015
22:09:57


(+12, 12 Votes)

Von kuesschen11
Aus Darmstadt (Hessen)
Mitglied seit 26.08.2012


Die ganze Familiensynode ist nichts weiter als Diskriminierung und Erniedrigung gegenüber LGBT's - eine scheinheilige Debatte.

So lange der Staat die verbalen Ausfälle und die Diskriminierung mit unterstützt, verstößt er gleichzeitig gegen Grundrechte in der deutschen Verfassung.

Menschenrechte im Zusammenleben der Partnerschaften von LGBT sind nun mal wie in den USA und anderen europäischen Staaten gleichzustellen und zu schützen, sonst bedeutet die Würde des Menschen nichts mehr als heisse Luft.

Wir lassen uns unsere Würde vor dem Gesetz nicht von der katholischen Kirche zertreten!


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#10
04.10.2015
22:16:42


(+12, 12 Votes)

Von goddamn liberal


Wenn das alles nicht politisch relevant wäre, könnte einem das ganze abstruse Gewese um ein Wesen, das vielleicht gar mal nicht existiert, und seine herbeifantasierten Pläne und Träume völlig egal sein.

Wir leben in einer geistig verdammt armen Zeit.


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