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  • 09.10.2015, 13:27h           31      Teilen:   |

Verwirrung in Kiel

Schleswig-Holstein: Aufklärung über sexuelle Vielfalt auf Eis?

Artikelbild
Anfang des Jahres wurde ein erster Entwurf des "Methodenschatzes" für den Unterricht an Homo-Gegner geleakt und fanden so den Weg in die Lokalpresse

Hat das Land Unterrichtsmaterialien zur Schulaufklärung über Homo- und Transsexuelle gestoppt? Während sich Homo-Gegner freuen, geben sich Verantwortliche wortkarg.

Von Dennis Klein

Im hohen Norden bleibt die geplante Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität ein heißes Eisen: In dieser Woche berichtete die "Schleswig-Holsteinische Zeitung", dass zentrale Infomaterialien unter dem Titel "Echte Vielfalt unter dem Regenbogen" auf Anordnung der Landesregierung "auf Eis gelegt" und "kein Thema" mehr seien.

Unter Homo-Gegnern hatte dieser Bericht über das angebliche Ende der Schulaufklärung die Sektkorken knallen lassen. Die rechte Zeitung "Junge Freiheit" titelte triumphierend, dass Schleswig-Holstein Schulmaterial zur "Frühsexualisierung" zurückziehe. Das Portal kath.net meldete: "Kiel stoppt Schulmaterial zu 'Regenbogenfamilien'". Und die Initiative Familienschutz, die die homophoben "Demos für alle" organisiert, sprach in ihrem Webauftritt gar von einem "erfolgreichen Elternprotest": "Dieser Kampf scheint nun erst einmal gewonnen".

Doch will die rot-grün-dänische Landesregierung auf Druck rechter Homo-Hasser wirklich die Schulaufklärung stoppen? Oder handelt es sich hier um einen erneuten Versuch, diese während eines Beratungsprozesses durch gezielte Falschinformationen zu torpedieren?

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LSVD kritisiert Verzögerung

Ein Sprecher des Kieler Sozialministeriums wollte auf queer.de-Anfrage am Donnerstag jedenfalls lediglich bestätigen, dass "die Fachleute das Papier in der vorliegenden Form für nicht geeignet für die Schulen in Schleswig-Holstein" halten würden. Über Details schweigt sich das Ministerium aber aus. Derzeit würden Verhandlungen zwischen Bildungs- und Sozialministerium stattfinden, über die man aber "keine näheren Auskünfte" geben könne. Die Materialien würden einer "fachlichen Bewertung" unterzogen, "unabhängig von Internetseiten Dritter oder Presseartikeln".

Das klingt noch nicht nach einem Aus für die Schulaufklärung, eher nach einer fortgesetzten Überarbeitung. Beim Lesben- und Schwulenverband, der neben dem Petze-Institut an der Erstellung der Materialien zentral beteiligt gewesen ist, ist man allerdings zugleich über das Zögern überrascht: Immerhin habe man bereits vor über einem halben Jahr einen nach den Wünschen des Ministeriums überarbeiteten Entwurf eingereicht.

Warum dieser nicht geeignet sein soll, ist für die Aktivisten ein Rätsel, erklärte LSVD-Sprecherin Agnes Witte. Das Ministerium habe es bislang nicht für nötig befunden, den LSVD darüber zu informieren, was mit dem Entwurf nicht stimmt. "Wir gehen davon aus, dass das Sozialministerium zeitnah auf uns zukommt", erklärte Witte diplomatisch.

Gezielte Kampagne?

Der "Methodenschatz" ist Teil des "Aktionsplans für Akzeptanz vielfältiger sexueller Identitäten", der Anfang letzten Jahres vom Landtag in Kiel beschlossen worden war. Innerhalb dieses Planes sind bereits viele Projekte umgesetzt worden, darunter die Einrichtung des Bündnisses gegen Homophobie (queer.de berichtete).

Bereits Anfang des Jahres war die Schulaufklärung ein Thema in den Medien, nachdem die "Initiative Familienschutz" einen ihr zugespielten ersten Entwurf der Unterrichtsmaterialien mit allerlei Empörungen und Verdrehungen publiziert hatte und rechte und christlich-fundamentalistische Gruppen und Webseiten in die Empörung einstimmten.

Wie beim Bildungsplan in Baden-Württemberg, der gezielt an unfertigen Arbeitspapieren in die öffentliche Debatte geführt wurde, stiegen Lokalzeitungen in die frühe Torpedierungs-Kampagne ein und spielten sich geradezu als Anwalt besorgter Eltern auf. So warnte eine Zeitung allen Ernstes davor, dass Heterosexuelle diskriminiert werden, wenn im Unterricht Homo- und Transsexualität erwähnt wird (queer.de berichtete). Eine Online-Petition der "Initiative Familienschutz" mit der Forderung, die "Materialien zu verwerfen und die Zusammenarbeit mit Lobbygruppen wie dem LSVD zu beenden", erzielte fast 10.000 Unterschriften.

Das Land hatte damals zu der öffentlichen Kritik geantwortet, man werde im Frühjahr überarbeitete Pläne vorstellen. Gemeint war das Frühjahr 2015.

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Tags: schule, schleswig-holstein, schulaufklärung
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Reaktionen zu "Schleswig-Holstein: Aufklärung über sexuelle Vielfalt auf Eis?"


 31 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
09.10.2015
13:48:11


(+9, 19 Votes)

Von kognition


SPD, B90/Grüne, SSW


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#2
09.10.2015
13:52:53
Via Handy


(+11, 21 Votes)

Von Nico


" auf Anordnung der Landesregierung "auf Eis gelegt" und "kein Thema" mehr seien."

Der Ministerpräsident ist Torsten Albig von der SPD. Und auch die blockierenden Ministerien (Bildungsministerium und Sozialministerium) sind beide SPD-geführt.

Wäre an der Meldung nichts dran, würde die Regierung ja gleich dementieren. Aber dass die sich nicht dazu äußern wollen, sagt alles.

Wie lange wollen wir uns noch von der SPD verarschen und für dumm verkaufen lassen?!


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#3
09.10.2015
13:58:16
Via Handy


(+10, 16 Votes)

Von Alex


>> Das Land hatte damals zu der öffentlichen Kritik geantwortet, man werde im Frühjahr überarbeitete Pläne vorstellen. Gemeint war das Frühjahr 2015. <<

Lügner!

Aber von den machtgeilen Opportunisten der Lügner- und Betrügerpartei SPD ist man das ja gewohnt...


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#4
09.10.2015
14:02:19


(+4, 12 Votes)

Von Logik


Hey Leute, ich wollte euch schonmal warnen. Die AfD will die Flüchtlingskrise gnadenlos ausschlachten und wird wegen der Flüchtlingskrise in den nächsten deutschen Bundestag einziehen. Dass die AfD überhaupt in den Bundestag einziehen wird, bedeutet eine Verringerung der Chancen auf die Eheöffnung in der nächsten Legislaturperiode.

Es ist ohnehin sehr wahrscheinlich, dass die nächste Regierung wieder CDU-geführt ist. Dank der Merkelschen Benebelungsstrategie sind die Umfragewerte regelrecht eingefroren. Nur die AfD kriegt Aufwind. Wenn dann noch diese AfD im Bundestag sitzt, wird es noch schwieriger, da diese zusammen mit der CDU die Eheöffnung wahrscheinlich blockieren kann und wird.

Das bedeutet, dass wir in Deutschland voraussichtlich bis mindestens 2022 keine Eheöffnung erleben werden. :-(

Pech hatten wir ja genug. Die Bundestagswahl 2005 war extrem knapp. Merkel wurde Kanzlerin und hat alle benebelt. Merkel wird solange weiter Kanzlerin bleiben wie sie als Kanzlerin arbeiten will. Die Koalitionäre machen ausgerechnet immer dann Zugeständnisse an CDU und CSU, wenn es um unsere rechtliche Gleichstellung geht. Nun macht die Flüchtlingskrise der rechtlichen Gleichstellung indirekt einen Strich durch die Rechnung, da die Flüchtlingskrise die AfD stärkt. Es gibt weiterhin keine Klage auf Eheöffnung, deren Ziel es ist bis zum Bundesverfassungsgericht aufzusteigen. Noch denkwürdiger ist, dass dem Bundesverfassungsgericht immer noch keine Klage zum vollen Adoptionsrecht vorliegt, obwohl bereits fast drei Jahre seit dem Urteil zur Sukzessivadoption vergangen sind.

Mir gibt das alles sehr zu denken. Wir werden von einer religiöskonservativen Minderheit wie Menschen zweiter Klasse behandelt und die anderen politischen Kräfte machen dabei opportunistisch mit und nutzen aus, dass die homosexuelle Minderheit klein ist und sich die Mehrheit der Menschen nicht ernsthaft für unsere Rechte interessiert, geschweige denn einsetzt.

Die Eheöffnung kann nur über das Bundesverfassungsgericht oder den Bundestag erfolgen. Es ist jedoch so:

- Es gibt keine Klage auf Eheöffnung mit dem Ziel zum Bundesverfassungsgericht aufzusteigen (Es gibt noch nichtmals eine Klage zum vollen Adoptionsrecht) und selbst wenn es sie gäbe, würde es mindestens sechs Jahre dauern bis zu einem endgültigen Urteil
- CDU, CSU und Koalitionspartner blockieren seit mehr als einem Jahrzehnt die Eheöffnung und CDU, CSU wollen dies offensichtlich noch solange tun wie es möglich ist, und das ist auch für viele weitere Jahre möglich, denn die CDU wird auch die nächste Regierung führen und der Koalitionspartner (selbst die Grünen!) würden für die Machtbeteiligung beim Diskriminieren mitmachen
- Noch gibt es im Bundesrat eine linke Mehrheit. Die Betonung liegt jedoch auf "noch". Sollte irgendwann im Bundestag eine linke Mehrheit für die Eheöffnung entstehen (d. h. frühestens ab 2021), dann könnten im Bundesrat die Mehrheitsverhältnisse schon wieder Richtung CDU/CSU gekippt sein. Dann jedoch wird der Bundesrat die Eheöffnung blockieren, selbst wenn es eine Mehrheit im Bundestag gibt.
- Die homosexuelle Minderheit stellt seit mehr als einem Jahrzehnt keine Massendemo für die Eheöffnung auf die Beine und hat auch offensichtlich keinen Bock dies in den nächsten zehn Jahren zu tun.

Jetzt ist nur die Frage: Wer von euch kann logisch denken und mir sagen wozu das führt?


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#5
09.10.2015
14:17:43


(+8, 14 Votes)

Von Robin


>>>>>>>>>>>
Ein Sprecher des Kieler Sozialministeriums wollte auf queer.de-Anfrage am Donnerstag jedenfalls lediglich bestätigen, dass "die Fachleute das Papier in der vorliegenden Form für nicht geeignet für die Schulen in Schleswig-Holstein" halten würden.
>>>>>>>>>>>

Und was für "Fachleute" sollen das sein?

So wie die erzhomophobe Birgit Kelle, die jetzt im Osten Expertin für Homodiskriminierung und Aufklärung geworden ist?

Übrigens:
der Bildungsplan wurde von echten Experten entwickelt und auch schon mehrfach auf Wunsch der Landesregierung überarbeitet.

Und selbst die an Erarbeitung und Überarbeitung beteiligten Experten erfahren von der Landesregierung nicht, was denn angeblich "nicht geeignet" sein soll.

Ist wohl weniger eine fachliche Entscheidung als eine, die dem Druck der Homohasser geschuldet ist...

>>>>>>>>>>>>
fortgesetzten Überarbeitung
>>>>>>>>>>>>

Und wie diese "fortgesetzte Überarbeitung" aussieht, wissen wir doch alle:
der Bildungsplan wird so lange weichgespült, bis auch die letzten Homohasser zustimmen.

Denn offenbar sind auch SPD, Grüne und SSW fest in der Hand der Homohasser.


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#6
09.10.2015
14:21:29


(+13, 13 Votes)

Von Julian S


"Wie beim Bildungsplan in Baden-Württemberg, der gezielt an unfertigen Arbeitspapieren in die öffentliche Debatte geführt wurde, stiegen Lokalzeitungen in die frühe Torpedierungs-Kampagne ein und spielten sich geradezu als Anwalt besorgter Eltern auf. So warnte eine Zeitung allen Ernstes davor, dass Heterosexuelle diskriminiert werden, wenn im Unterricht Homo- und Transsexualität erwähnt wird "

-----

Offenbar kämpfen viele Tageszeitungen im Online-Zeitalter so verzweifelt um ihr Überleben, dass sie sich sogar schon rechten Hetzern anbiedern müssen und dafür vorsätzlich lügen und jeden journalistischen Ethos vergessen.

Solche Propaganda-Blättchen haben dann auch das Überleben nicht verdient!!


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#7
09.10.2015
14:23:00


(+8, 16 Votes)

Von Heiner


Wer hat uns verraten? - Sozialdemokraten.

Wer war mit dabei? - Die grüne Partei.

Das wird sich wohl nie ändern...


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#8
09.10.2015
14:26:09


(+4, 16 Votes)

Von Rekognition
Antwort zu Kommentar #1 von kognition


"Deutsche Werte", "deutsche (Rechts-) Ordnung", "importierte Homophobie", "homophobe Migranten", "homophobe Flüchtlinge", "homophobe Muslime", "gesunder Menschenverstand"...


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#9
09.10.2015
14:26:45


(+12, 16 Votes)

Von Felix


Vor dem Hintergrund, dass nachwievor "Schwuchtel", "schwule Sau", etc. die häufigsten Schimpfwörter an Schulen sind (auch schon an Grundschulen) und dass die Selbstmordrate unter schwulen, lesbischen, bi- und transsexuellen Schülern 4-7x so hoch ist, wie bei heterosexuellen Schülern, ist jede Verzögerung und jede Abschwächung von Aufklärung und Bildung ein Skandal.

Jeder, der daran beteiligt ist, hat Blut an seinen Händen. Das werden die niemals abgewischt bekommen...

Pfui!

Die sollten sich was schämen.

Aber dafür bräuchte man Anstand und Rückgrat und das ist offenbar bei vielen Parteien längst nicht mehr vorhanden. Da geht es nur noch um Macht und persönliche Karriere.


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#10
09.10.2015
14:30:05


(-3, 13 Votes)

Von halt


Im Moment wäre noch der Moment, Druck auf SPD/Grüne zu machen und ihnen den Rücken zu stärken. Dass wir über sie herfallen, scheint doch wohl der eigentliche Zweck der Medienberichte der letzten Tage zu sein.


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