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Die "Occupy"-Gruppe aus Kamensk-Uralski war durch besonders heftige Gewalt bekannt geworden - und durch einen Anführer, der sich so sicher fühlte, dass er die Folter in seiner Wohnung durchführen ließ

Die Neonazis, die Schwule in eine Falle lockten, folterten und öffentlich vorführten, erhielten teils mehrjährige Haftstrafen.

Von Norbert Blech

Ein Gericht in der russischen Großstadt Kamensk-Uralski hat am Mittwoch neun Männer verurteilt, die schwule Männer über soziale Netzwerke in eine Falle gelockt, sie misshandelt und Videos davon öffentlich verbreitet hatten. Sechs Männer erhielten Haftstrafen zwischen drei und sechs Jahren, drei weitere kamen mit Bewährung davon.

Die Videos der Gruppe, entstanden im Rahmen der russlandweiten Bewegung "Occupy Pedophilia", hatten weltweit Schlagzeilen gemacht. Während entsprechende Gruppen aus anderen Regionen lange unbehelligt blieben, hatten die Behörden in Kamensk-Uralski wenige Wochen nach Bekanntwerden der Videos Razzien durchgeführt und Waffen und Beweismittel sichergestellt (queer.de berichtete).

Die Gruppe war mit besonderer Gewalt gegen Schwule vorgegangen. Auf Videos wurden Schläge und Tritte dokumentiert; Opfer wurden mit Farbe übergossen und mussten mit Dildos posieren (queer.de berichtete). Berichte, dass einige der Folteropfer Selbstmord begangen hätten, stellten sich allerdings ebenso als Falschmeldung heraus wie der angebliche Tod eines Opfers.

Mindestens 19 Schwule gedemütigt

Der Prozess verzögerte sich mehrfach, weil die Polizei Schwierigkeiten hatte, Aussagen gegen die Gruppe zu erlangen. Letztlich wurden die Männer wegen Angriffen auf mindestens 19 Personen verurteilt – wegen Todesandrohungen, Folter, Körperverletzung und der Mitgliedschaft in einer extremistischen Organisation. Die Männer können innerhalb von zehn Tagen in Berufung gehen – sie hatten sich in dem Prozess allerdings nicht als "nicht schuldig" bekannt.

Das Urteil ist auch deswegen interessant, weil es sich ausdrücklich auf die Gewalttaten gegen Schwule bezogen hat. Als der Gründer und Anführer der russlandweiten Bewegung, der Moskauer Neonazi Maxim Martsinkewisch, im letzten Jahr zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, ging es primär um Rassismus in einem der Videos, auch wenn das Opfer zugleich wegen seiner Homosexualität gedemütigt wurde (queer.de berichtete).

Zu dem Zeitpunkt hatten die Behörden immerhin den Druck auf die Selbstjustizgruppen erhöht und etwa mit einer Hausdurchsuchung gegen den Anführer der Gruppe "Occupy Gerontophilia", die vor allem Jagd auf minderjährige Schwule machte, ermittelt. Der damals erst 16-jährige Neonazi Philip Razinsky hatte sich vor strafrechtlicher Verfolgung sicher gefühlt, nachdem Ermittlungen wegen eines Videos, in dem ein Zwölfjähriger vorgeführt wurde, zuvor eingestellt worden waren (queer.de berichtete).

Zuletzt waren auch Ermittlungen eingeleitet worden gegen die von einer Frau angeführte "Occupy"-Gruppe aus St. Petersburg, die durch eine TV-Dokumentation des britschen Senders Channel 4 einige Bekanntheit erlangte (in Deutschland lief sie unter dem Titel "Nackte Angst"). Ekaterina Zigunova soll sich den Ermittlungen aber durch einen Umzug in die Ukraine entzogen haben.

Insgesamt ist es zuletzt ruhiger geworden um die "Occupy"-Gruppen; gegen Anhänger der Bewegung in Weißrussland, der Ukraine und sogar Spanien waren die Behörden zugleich schneller vorgegangen als in Russland.



#1 reiserobbyEhemaliges Profil
#2 EhlaAnonym
  • 16.10.2015, 15:32h

  • DAMIT SOWAS NICHT IN DEUTSCHLAND PASSIERT, FINDET MORGEN IN BERLIN EINE DEMO STATT!

    +++ Am 17. Oktober 2015, findet die Demonstration durchs Regierungsviertel für die völlige Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren in Berlin statt.

    START: 13 Uhr am Nollendorfplatz.
    Endpunkt: Brandenburger Tor
    +++
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#3 sonst soAnonym
#4 hugo1970Profil
  • 16.10.2015, 17:36hPyrbaum
  • Antwort auf #3 von sonst so
  • "Es ist ein Prozess, der in mancher Hinsicht das russische Pendant zum NSU-Prozess in Deutschland darstellt....."

    Genau, um die Bevölkerung zu beruhigen: Seht her, wir tun doch was.
    Die können andere verscheißern, aber mich garantiert nicht.
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#5 RobinAnonym
#6 Patroklos
  • 17.10.2015, 00:05h
  • Rußland geht also gegen "Occupy Pedophilia" vor: ein Paradoxon, wo doch Putin gerne seine "Gesetze gegen Homopropaganda" hochhält!
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#7 joergNeubauerAnonym
  • 17.10.2015, 12:58h
  • Antwort auf #6 von Patroklos
  • Ein Beleg dafür, dass die Stimmungsmache der Medien gegen das "böse Russland" gut funktioniert. Interessant ist auch, dass sich laut Artikel eine dieser Sadistinnen in die Ukraine abgesetzt hat. Dort herrscht ja angeblich die große westliche Freiheit - laut Medien.
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#8 aLuckyGuyProfil
  • 17.10.2015, 17:22hPeine
  • Meiner Meinung dient dieser Prozess lediglich als Alibi, um den Westen zu zeigen - seht her, wir sind eigentlich gar nicht so homosexuellenfeindlich wie immer behauptet wird. Für homophobe Länder wie Russland wird es halt auch immer schwieriger ihre menschenfeindliche Poltik zu begründen. Konnte man vor einigen Jahrzehnten einfach behaupten, Homosexualität wäre eine Krankheit die es auszurotten gilt, klappt das international (siehe WHO) heute nicht mehr. Also muss man sich auf andere, scheinbare "Wahrheiten" beschränken und so tun, als ginge es bspw. um Kinder oder Jugendliche und überhaupt habe man ja schließlich gar nichts gegen Schwule. Dafür inszeniert man dann auch schon mal einen Gerichtsprozess gegen die Bösen.

    Jedenfalls bin ich fest überzeugt das es Occupy Pedophilia mit ihren im Internet veröffentlichten Videos für Putin einfach übertrieben haben und ein Zeichen dafür, dass es Putin und seiner Partei doch nicht so egal ist wie die Welt über ihn denkt und urteilt. Homophobie ist an sich ja für Putin & Co. in Ordnung. Nur muss es halt so aussehen als wäre es sozusagen Volkes Wille und nicht nur purer Hass einer kriminellen Vereinigung.
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#9 goddamn liberalAnonym
  • 17.10.2015, 18:15h
  • Antwort auf #8 von aLuckyGuy
  • Das ist wie mit dem Rechtsterrorismus anderswo.

    Solange die braunen Kettenhunde nützen, lässt der tiefe Staat sie an der langen Leine der Inlandsgeheimdienste.

    Wenn sie anfangen zu schaden, stellt man sie kalt.

    Kennen wir das nicht irgendwoher?
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#10 FlorinAnonym