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  • 22.10.2015, 22:32h           31      Teilen:   |

Weiter Wirbel um Akif Pirinçci

"Börsenblatt" bedauert Werbung für homophobe Bücher

Artikelbild
Ausschnitt aus der umstrittenen Anzeige des Manuscriptum-Verlags im "Börsenblatt"

Nach einer Welle der Empörung findet es das Buchhandels-Magazin "verkehrt", eine Anzeige für Akif Pirinçcis Buch "Die große Verschwulung" angenommen zu haben.

Späte Einsicht beim "Börsenblatt", dem "Wochenmagazin für den Deutschen Buchhandel". Nach einer Welle der Empörung bedauert Chefredakteur Torsten Casimir in der neuen Ausgabe, eine Anzeige für Akif Pirinçcis Buch "Die große Verschwulung" angenommen zu haben.

In der vergangenen Woche hatte das vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels herausgegebene Heft eine ganzseitige Anzeige des Manuscriptum-Verlags abgedruckt, die neben Pirinçcis homophober Hass-Schrift auch den nicht weniger unsäglichen Titel "Homosexualität gibt es nicht" von Verlagsleiter Andreas Lombard bewirbt.

Fortsetzung nach Anzeige


Der "Börsenblatt"-Chefredakteur fühlt sich unwohl

Im neuen, am Donnerstag erschienenen Heft nimmt "Börsenblatt"-Chefredakteur Torsten Casimir persönlich Stellung. "Vor zwei Wochen hat der Verlag Pirinçcis eine Anzeige im Börsenblatt gebucht, um den Titel 'Die große Verschwulung' zu bewerben. Wir haben die Anzeige gedruckt", heißt es in seinem Editorial. "Juristen erklären, die Werbung sei im Sinne der Meinungsfreiheit hinzunehmen. Ein gewichtiges Argument! Wir hätten die Anzeige gleichwohl ablehnen dürfen, der Verlag hätte uns zur Annahme nicht zwingen können. Die Entscheidung bleibt also zurechenbar. Sie war verkehrt."

Weiter schreibt Casimir mit Bezug auf die zwischenzeitliche Pegida-Rede des Autors: "Nach den Ereignissen der vergangenen Tage wäre mir wohler, wir hätten für Pirinçcis Buch keine Verbreitungshilfe geleistet." Der frühere Katzenkrimiautor hatte es am Montag in seiner Rede in Dresden bedauert, dass die Konzentrationslager "leider derzeit außer Betrieb" seien. Der Verlagsgruppe Random House, in der Krimis von Pirinçci erchienen waren, kündigte ihm deshalb die Zusammenarbeit auf.

Querverlag drohte mit Austritt aus Börsenverein

Mit Beschwerden an das "Börsenblatt" hatten sich u.a. die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und der Querverlag gewandt. "Die beiden beworbenen Titel aus dem Manuscriptum Verlag sind buchstäblich ein Schlag ins Gesicht eines jeden aufgeklärten Menschen und verdienen bei jeglichem Bekenntnis zur Meinungsfreiheit keine Unterstützung durch den Börsenverein des deutschen Buchhandels", heißt es in einem Brief von Querverleger Jim Baker an Chefredakteur Torsten Casimir. Er stellte darüber hinaus seine Mitgliedschaft im Börsenverein in Frage.

Auch der Bruno Gmünder Verlag zeigte sich am Donnerstagabend in einer Stellungnahme auf seiner Facebook-Seite "schockiert" und nannte die Werbeanzeige "doppelt geschmacklos": "Die beiden Titel aus dem Manuscriptum-Verlag sind sicherlich nicht mit den Grundwerten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vereinbar."

Mit dem Editorial von Chefredakteur Casimir will sich der Bruno Gmünder Verlag nicht zufrieden geben. Er forderte eine "ausführlichere Stellungnahme und Distanzierung". (mize)

Mehr zum Thema:
» Die 16 dümmsten und widerlichsten Zitate aus "Die große Verschwulung" (21.10.2015)
» KZs "leider derzeit außer Betrieb" – fünf Jahre Haft für Pirinçci? (20.10.2015)
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Tags: akif pirinçci, börsenblatt, die große verschwulung, andreas lombardi, manuscriptum verlag, querverlag
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Reaktionen zu ""Börsenblatt" bedauert Werbung für homophobe Bücher"


 31 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
22.10.2015
22:40:28


(+5, 9 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Gut, daß die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und der Querverlag Druck auf das Börsenblatt ausübten und das Börsenblatt jetzt die Werbung für diesen Schund bedauert!


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#2
23.10.2015
00:22:48


(+13, 13 Votes)

Von Anthrazit
Aus Alfter (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.08.2015


Und wenn deren Pirincci, der Pirincci des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, nun nicht seine KZ-Sprüchlein aufgesagt hätte? Und die Medienöffentlichkeit sich nicht leicht pikiert zeigte? Würden sie dann auch "bedauern" und sich "unwohl" fühlen?

Nein. Sie würden "im Sinne der Meinungsfreiheit" und juristisch abgeklärt weiterhin für hell klingende Münze Werbung für die Diskriminierung und Vernichtung von LGBT machen. Mit großer Freude.

Finanziert von ihren Mitgliedern, den ganzen niedlichen kleinen Buchhandlungen und Buchhändlerlein von nebenan. Wir können Ihnen das auch als Geschenk einpacken. Möchten Sie vielleicht noch einen Kanister Benzin dazu? Bittegerne.


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#3
23.10.2015
00:25:08


(+14, 14 Votes)

Von Finn


Das hätten die sich mal vorher überlegen sollen, bevor sie solche faschistischen Bücher, u.a. von jemandem, der bedauert, dass KZs nicht mehr in Betrieb sind, bewerben.

Die einzige Lösung wäre der komplette Rückruf des Magazins und seine Vernichtung. Geschieht das nicht, haben sie die Konsequenzen dieser menschenverachtenden Veröffentlichung zu tragen...


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#4
23.10.2015
00:29:22


(+13, 13 Votes)

Von dem Markt


Je nach erwartetem Kosten-Nutzen-Kalkül eben. Zunächst überwog dann doch ganz deutlich die Gewinnerwartung.

"Menschenrechte" in der marktkonformen "Demokratie".


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#5
23.10.2015
01:31:57
Via Handy


(+12, 12 Votes)

Von Luca


Traurig genug, dass man dort erst nach massiven Protesten mal darüber nachdenkt.

Eigentlich hätte man alleine schon anhand der Titel erkennen können, um was für Gedankengut es dort geht.

Da hat irgendwer seinen Job nicht gemacht oder die Werbung für diese Hetzschriften bewusst durchgewunken. So oder so muss das personelle Konsequenzen haben.


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#6
23.10.2015
06:35:07


(+10, 10 Votes)

Von SchwTA


Öh, kann das sein, dass es Pirinçcis Buch bei Amazon nicht mehr gibt? Zumindest taucht es nicht mehr im Online-Angebot auf.


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#7
23.10.2015
07:36:17


(+12, 12 Votes)

Von sanscapote2


"...schreibt Casimir mit Bezug auf die zwischenzeitliche Pegida-Rede"

Weil die Pegida-Rede auch anderweitig kritisiert wurde und verschiedene Anzeigen gegen Pirinçci laufen, deshalb ist Casimir hellhoerig geworden, nicht wegen der homophoben Literatur.

Das ist homophob.
Ein "Bedauern" reicht wirklich nicht.
Hier muss mehr kommen!
Eine Stellungnahme und Distanzierung: Ja!
Und dazu eine sichtbare Spende an die LGBTI-Gruppe, die ebenfalls im Boersenblatt bekannt gegeben wird.


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#8
23.10.2015
09:18:57
Via Handy


(+13, 13 Votes)

Von Marc


Nur als Gedankenexperiment: Hätte man auch Werbung für ein Buch mit dem Titel "Die große Verjudung" angenommen? Vermutlich nicht. Und ohne den KZ-Spruch wäre dem Börsenverein auch jetzt noch nichts "unangenehm". Homophobie gilt nach wie vor als "Meinung", mit der man Kasse machen darf. Unfassbar.


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#9
23.10.2015
09:26:37


(+7, 9 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #6 von SchwTA


Die haben wohl auf die Kritik reagiert, die sich mittlerweile auf andere Titel verlagert hat. Auch dort wurden Kommentare gelöscht.

Bin ich der Einzige, der die Aktion am Sonntag für einen kalkulierten Skandal hält um PR für sein Buch zu machen, was "zufällig" ein paar Tage später erscheint?
Ganz Deutschland spricht drüber. Zeil erreicht.


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#10
23.10.2015
09:49:06


(+10, 10 Votes)

Von Julian S


Vor allem sollte auch der niedergelassene Buchhandel überlegen, ob er sich noch von einem "Börsenverein des Deutschen Buchhandels" vertreten lassen will, der solches rechtes Gedankengut bewirbt.

Gerade eine Branche, die es eh schon schwer genug hat im Internet-Zeitalter, sollte sich zweimal überlegen, ob sie noch mehr Kunden verprellt.

Das nachträgliche "Bedauern" und auch erst nach massiven Protesten bringt gar nichts, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Der Schaden ist jetzt so oder so vorhanden. Das hätte man sich vorher überlegen sollen. Aber dann müssen die wenigstens jetzt alles erdenkliche tun, um den bereits entstandenen Schaden wenigstens ein bisschen wiedergutzumachen.

Z.B. das Magazin zurückziehen und vernichten und eine Selbstverpflichtung, solche rechten Schriften nicht mehr zu bewerben. Und um wenigstens den Schaden etwas zu relativieren eine signifikante Geldspende an eine Organisation, die sich z.B. gegen Mobbing von LGBTI einsetzt.


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