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Nigel Owens wird am Samstag vor Millionen Menschen in aller Welt die letzte Partie der Rugby-WM pfeifen

Am Samstag wird mit Nigel Owens erstmals ein offen schwuler Referee das Finale einer Weltmeisterschaft leiten.

Der schwule Schiedsrichter Nigel Owens aus Wales ist vom Weltverband der "Rugby Union" dazu berufen worden, am Samstag das WM-Finale im Londoner Twickenham-Stadion zu pfeifen. Dort werden die Mannschaften von Australien und Neuseeland um den goldenen WM-Pokal kämpfen. Owens hatte bei dieser WM bereits vier Spiele geleitet, zuletzt die Viertelfinalbegegnung zwischen Neuseeland und Frankreich.

Der 44-Jährige hatte sich 2007 im Interview mit einer walisischen Zeitung als schwul geoutet – zwei Jahre, nachdem er seine Karriere als Schiedsrichter begonnen hatte. Damals hatte er erklärt, er habe als Teenager bemerkt, dass er anders als die anderen Jungs sei. Er habe dann eine "Lüge" gelebt und sei immer verzweifelter geworden. In der Öffentlichkeit sprach er auch offen über seinen Selbstmordversuch – er hatte 1995 einen Abschiedsbrief an seine Eltern geschrieben und am Fuß eines Berges eine Überdosis Schmerztabletten mit Whiskey eingenommen, wurde aber von Polizisten entdeckt und ins Krankenhaus gebracht.

Youtube | Nigel Owens beste Momente als Referee

99-prozentige Akzeptanz

Owens hat bereits wiederholt erklärt, dass er wegen Homophobie im Rugby-Sport überlegt habe, seinen Schiedsrichter-Job an den Nagel zu hängen. Dennoch lobte er die positiven Schritte, die die Rugby-Verbände gegen Homosexuellenfeindlichkeit eingeleitet hätten. So würden Beschimpfungen, beispielsweise über Twitter, inzwischen scharf geahndet und homophobe Fans müssten mit Stadionverboten rechnen.

Anfang des Jahres sagte er in der Zeitung "Independent": "99 Prozent der Menschen im Rugby akzeptieren, wer ich bin, aber es gibt immer dieses eine Prozent." In seinem Heimatland ist Owens sehr populär. Im walisischen Fernsehen moderiert er etwa eine Talkshow in der Landessprache.

Anders als im Fußball gab es im Rugby trotz des diesem Sport anhängenden Macho-Images bereits mehrere Coming-outs, sowohl in der "Rugby Union" als auch in der "Rugby League", die nach leicht abgeänderten Regeln spielt. 2009 hatte sich Gareth Thomas geoutet, einer der bekanntesten walisischen Spieler, der in beiden Rugby-Arten angetreten ist und sogar walisischer Rekord-Nationalspieler ist (queer.de berichtete). Für Schlagzeilen sorgte auch das Coming-out des australischen Schiedsrichters Matt Cecchin im Jahr 2012 (queer.de berichtete). Vor wenigen Wochen outeten sich mit Sam Stanley und Keegan Hurst zwei beliebte Rugby-Spieler aus England.

Das Finale der Rugby-WM wird in Deutschland am Samstagnachmittag ab 17 Uhr im Free-TV-Sender Eurosport übertragen. (dk)



#1 NilsAnonym
  • 27.10.2015, 22:35h
  • Eigentlich sollte die Überschrift heißen: "Bester Schiedsrichter der Welt pfeift Finale der Rugby-WM". das ist das einzig interessante an dieser Meldung....
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#2 AlexAnonym
  • 28.10.2015, 07:49h
  • Antwort auf #1 von Nils
  • Nils, ich weiß was Du meinst bzw. worauf Du hinaus willst. Wir müssen aber der Realität ins Auge sehen! So lange es noch nicht allen Menschen möglich ist offen das zu leben was sie sind, muss darüber berichtet werden! Ein schwuler Schiedsrichter in der Machowelt des Rugbys ist eine News wert!!!! Auf jeden Fall hängt unser Fußball da noch weit hinter her.
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#3 TalismannProfil
  • 28.10.2015, 08:32hSingen
  • Ich verstehe das nicht: vergleicht mann mal Fussballer mit Rugbykerlen, kommen mir die Balltreter vor wie D&G Modells und die Rugbyspieler wie Stahlarbeiter bei Krupp. Woran liegt es dann, das ein coming out bei Rugby viel eher möglich ist und auch positiv gesehen wird. rund um die Welt. ? Und im Fussball die Angst herrscht vor negativen Reaktionen ? - Ich verstehs einfach nicht, woran es liegen mag. An den Fans ? am Verlust des Millionengehalts ? an der BILD Schlagzeile ? an kleinen Eiern ?
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#4 NilsAnonym
#5 ShadesofgayAnonym
  • 28.10.2015, 09:32h
  • Finde ich super, daß Nigel Owens das Finale leitet und für seine weitere Schiedsrichterlaufbahn wünsche ich ihm alles Gute!
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#6 AnthrazitProfil
  • 28.10.2015, 14:01hAlfter
  • Antwort auf #3 von Talismann
  • Am Geld.

    Im Fußball stecken global Milliardensummen aus den TV-Rechten. Die Fußballverbände sind hochprofitable Wirtschaftsverwaltungen die vor allem anderen den Durchfluß der Geldmittel aus dem Fernsehrechteverkauf verwalten.

    Die Spieler sind dabei in die Rolle des zwar gutbezahlten, aber von Markt- und Marketingmechanismen beherrschten und von den Fans/Vereinsumfeld entfremdeten Söldners gepreßt worden. Mit den Worten Eduardo Galeanos:

    "Die Unternehmer kaufen ihn, verkaufen ihn, vermieten ihn; und er, er läßt es geschehen, gegen das Versprechen von noch größerem Ruhm und noch mehr Geld. Je mehr Erfolg er hat und je mehr Geld er verdient, desto mehr wird er zum Gefangenen. Militärischer Disziplin unterworfen, erleidet er Tag für Tag die Strafe knochenharten Trainings und ein Bombardement aus Schmerzmitteln und Cortison, die den Schmerz vergessen machen und die Gesundheit zerstören. Und vor wichtigen Spielen sperrt man ihn in ein Konzentrationlager, wo er Zwangsarbeit leisten muß, seltsame Mahlzeiten einnimmt, sich mit Wasser betrinkt und allein schläft."

    (aus dem Kapitel "Der Spieler", aus der Essaysammlung "Der Ball ist rund", Unionsverlag, ich habe das Wort "verleihen" durch "vermieten" ersetzt weil es mE deutlicher ist)

    Der Lizenzspieler lebt in einem Umfeld in dem man keine echten Freundschaften aufbauen kann. Ich meine mich zu erinnern daß Hitzlsperger das so ähnlich formuliert hat, daß es unter den Profis zwar nette Kollegen aber keine echten belastbaren Freundschaften, keine fundamentale Solidarität gibt. Alles Einzelkämpfer deren Loyalität verhandelbar und käuflich ist.

    Das dürfte der Grund sein warum es nur wenig Motivation für schwule Lizenzspieler zum Coming-Out gibt. Du kannst zehn, fünfzehn Jahre viel Geld machen, hast innerhalb des Systems keine echten Freunde, niemandem dem Du wirklich grundlegend vertrauen kannst. Es wird Dir leicht gemacht im Schrank zu bleiben, also wozu sich den Streß antun. Speziell wo es keine Vorbilder offen schwuler Spieler gibt.

    Das ist im Rugby anders. Von 1898 bis 1995 waren die Spielergehälter im Rugby streng begrenzt und die Spieler als "Vertragsamateure" verpflichtet einem "ordentlichen" Vollzeitberuf nachzugehen. Dadurch war es für Rugbyspieler unüblich den Verein zu wechseln, was die soziale Bindung der Spieler untereinander befördert, was vielleicht durch den stärkeren und direkteren körperlichen Einsatz noch gefördert wird. Idealisiert: Man spielt seit der Kindheit im selben Team, wohnt im selben Ort, kennt die Fans persönlich und steht füreinander ein, kann dem anderen vertrauen.
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#7 AlexAnonym