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Fummel, Homo-Anspielungen und wildes Aufgetranse: Das spritzige Filmwerk "Das Wirthaus im Spessart" mit Gay-Ikone Lilo Pulver auf DVD.

Von Jan Gebauer

Das wurde ja auch Zeit: "Das Wirtshaus im Spessart", einer der ganz großen deutschen Kino-Erfolge aus dem Jahre 1958 erschien unlängst auf DVD. Zwar nicht digital remastered, aber immerhin ohne größere Macken, so dass man zumindest die alte VHS bei Ebay verscherbeln kann. Es ist schwer vorstellbar, dass die krude Mischung aus Kostüm-Schinken, Musical und Räuber-Pistole einmal ein solch riesiger Erfolg war. Es muss an der bezaubernden Liselotte Pulver gelegen haben und an ihren nicht minder erfrischend aufspielenden Kollegen. Die albernen Gesangseinlagen aller Beteiligten können es jedenfalls nicht gewesen sein. Aus schwuler Sicht überwiegen aber noch ganze andere Faktoren, die zum Kauf der DVD animieren können. Immerhin gibt es die eine oder anderen Homo-Anspielung sowie diverse neckische Verkleidungsorgien, die auch Trannys begeistern dürften.

Komtesse Franziska ist mit ihrem Verlobten Baron Sperling unterwegs nach Würzburg, als sie mit ihrer Kutsche im nächtlichen Spessart einen Unfall haben. Im Gegensatz zum ängstlichen Sperling zeigt sich Franziska nicht sonderlich beunruhigt. Sie folgt arglos dem Rat zweier Galgenvögel, in einem nahen Wirtshaus Quartier zu nehmen, nicht ahnend, dass dies der Unterschlupf einer berüchtigten Räuberbande ist. Doch das Gesindel hat es auf die Komtess abgesehen. 20.000 Gulden Lösegeld soll Graf Sandau, der Vater der Komtess, für sei Töchterchen berappen. Doch so schnell lässt Franziska sich nicht unterkriegen. Kurzerhand tauscht sie mit dem jungen Wanderburschen Felix die Kleider und flieht aus dem Räubernest. Doch als sich der Vater weigert, das Lösegeld zu bezahlen und stattdessen das Militär schickt, kehrt Franziska zu den Räubern zurück. Dort dient sie in ihrer Verkleidung dem Hauptmann als Bursche.

Insbesondere die Szenen in denen die als Bursche verkleidete Lilo Pulver neben dem Räuberhauptmann (Carlos Thompson) agiert und er noch nicht genau weiß, mit wem er es zu tun hat, haben Homo-Bezüge. Alleine die Blicke des wilden Anführers der Räuber lassen darauf schließen, dass er einem nettem Jüngling mit zarter Haut auch nicht abgeneigt wäre. Schließlich ist aber damit zufrieden, dass sich unter dem Burschen-Outfit doch die liebliche Komtesse verbirgt. Auf der anderen Seite bietet Wanderbursche Felix (Helmut Lohner) im üppigen Komtessen-Fummel einen amüsanten Anblick, besonders wenn er sich den Schleier vor das Gesicht hält und wild mit den Augen klimpert. Da werden Tranny-Träume wahr. Beim abschließenden Showdown geht es ebenso turbulent wie hysterisch zu, dass man abschließend nur noch denkt: "Was für eine durchgedrehte Räuber-Pistole!"

3. März 2005