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  • 01.11.2015, 16:17h           12      Teilen:   |

"Der junge König Band 2"

Muskulöse Machos und schamhaarondulierte Tunten

Artikelbild
Ralf König erzählt Geschichten von Wunsch und Wirklichkeit: Ausschnitt aus dem Cover des lange vergriffenen Bandes "Schwulcomix 4"

Der zweite Band von "Der junge König" versammelt das Frühwerk Ralf Königs von 1985 bis 1987 und verspricht "die Vollendung der Knollennase".

Von Carsten Moll

Eine ganze Schar von Knollennasen vertreibt sich die Zeit in einem Straßencafé und genießt das warme Wetter, als vom rechten Bildrand her ein halbnackter Adonis durch das Panel schlendert. Sofort richten sich ausnahmslos alle Blicke auf den durchtrainierten Passanten in Hotpants, der mit Kippe im Mundwinkel und Pony über den Augen vollkommen unbeeindruckt vom Treiben um ihn herum wirkt.

Auch den schlaksigen Bewunderer, der seinen Weg kreuzt und von links die Szenerie betritt, beachtet der Muskelmann nicht – selbst dann nicht, als der dürre Typ vor lauter Staunen eine Straßenlaterne übersieht und mit voller Wucht gegen diese läuft. Die Aufmerksamkeit gehört jetzt ganz dem unglücklichen Ungelenken, der unter Gelächter und mit knallrotem Kopf an den schaulustigen Café-Besuchern vorbeiziehen muss.

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Tuntenträume und die Widerhaken der Wirklichkeit

Die Reihe "Der junge König" erscheint im Hamburger Männerschwarm Verlag
Die Reihe "Der junge König" erscheint im Hamburger Männerschwarm Verlag

In diesem Comic aus "Schwulcomix 4" gleich eine Quintessenz von Ralf Königs umfangreichem Werk auszumachen, wäre wohl zuviel des Guten. Aber die Szene gibt anhand von bloß sechs Panels doch das Koordinatensystem wieder, indem sich Königs Arbeiten Mitte der 1980er Jahre bewegen.

Der Männerschwarm-Verlag veröffentlicht mit dem zweiten Band von "Der junge König" nun einen Großteil der zwischen 1985 und 1987 publizierten und mitunter schwer erhältlichen Comics des Wahl-Kölners neu: Neben "Schwulcomix 3" und "Schwulcomix 4" finden sich in dem knapp 300 Seiten dicken Schmöker außerdem noch einige Folgen aus den Serien "Bodo und Heinz" und "Norbert Brommer" sowie kurze Zugaben.

Das Thema der meisten Strips ist dabei das tragikomische Wechselspiel von Illusion und Wirklichkeit: Auf der einen Seite stehen da pornografische Wunschträume, unersättliche Begierden sowie protzige Männlichkeitsideale und auf der anderen die Realität mit ihren zahllosen Widerhaken.

Während die muskulösen Machos wie eine unerreichbare Fata Morgana in der Ferne flimmern, sind die Helden des Alltags, auf die König seinen entlarvenden, aber ebenso mitfühlenden Blick wirft, ganz andere: Die eher Unscheinbaren und die meist nur oberflächlich schrillen Tunten spielen hier die Hauptrolle und plagen sich unter anderem mit Besuchen von Mutti, unknackbaren Heteros und nicht zuletzt der eigenen Eitelkeit.

Der Graben zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist tief und dementsprechend schroff ist so mancher grafische Bruch, der ihn illustriert: König betont vor allem durch Collagen die Unvereinbarkeit seiner knollennasigen Schwulen mit ihren Idealen und inszeniert deren Träumereien als visuelle Fremdkörper. Da wird etwa ein bei Tom of Finland abgepauster Schönling angeschmachtet oder ein Foto von Al Parker schwebt als heimliche Sexfantasie in einer Gedankenblase, unter der zwei Knollennasen im Bett über ihre Beziehung diskutieren.

Rückblick auf eine vergangene Ära

Zeichner und Chronist der Schwulenbewegung: Ralf König, Jahrgang 1960, veröffentlichte seine ersten Comics mit 20 Jahren
Zeichner und Chronist der Schwulenbewegung: Ralf König, Jahrgang 1960, veröffentlichte seine ersten Comics mit 20 Jahren (Bild: Männerschwarm)

Bei allen Demütigungen und Rückschlägen, die König seinen Figuren zumutet, überwiegt aber stets der Humor und die Verbundenheit mit ihnen, selbst für die belächelten "schamhaarondulierten Tunten" und "langweiligen Politfreaks" bringt er Empathie auf. Und überhaupt hat so eine schwule Normalität anno 1985 ja auch einige Annehmlichkeiten zu bieten; Erdbeerkuchen, Tuntenbälle und der "Denver-Clan" versüßen das Leben und zeugen zudem von einer vergangenen Ära.

In einer Besprechung von "Schwulcomix 3" aus dem Jahr 1985, die ebenfalls in "Der junge König" nachzulesen ist, attestiert Frank Tjaben Königs Comics "inhaltlich gewiß fünf Jahre zu spät und am Zeitgeist vorbei" zu sein. Das mag stimmen und auch so mancher Gag hatte sicherlich bereits bei der Erstveröffentlichung einen ziemlich langen Bart. Allerdings besteht auch gerade in dieser aus der Zeit gefallenen Grobschlächtigkeit ein großer Reiz des Bandes und sein eigenwilliger Charme.

Ob man, um Königs Werdegang zu dokumentieren und nachvollziehbar zu machen, allerdings wirklich gleich alle gesammelten Werke des Zeichners neu auflegen muss, ist angesichts der Qualität, besonders von "Schwulcomix 3", fraglich. Etwas zäh zieht sich dieser hundertseitige Rückblick, aber lässt einen immerhin den großen künstlerischen Sprung herbeisehnen, den die "Schwulcomix 4" mit sich bringen.

Über jeden Zweifel erhaben sind hingegen die beiden informativen Vorworte, eins vom Künstler selber und das andere vom Herausgeber Joachim Bartholomae. Da hätte man gerne noch mehr von gelesen, etwa in Form von Anmerkungen zu einzelnen Strips.

Das bewegte Zwerchfell



"Der junge König" bedient also in erster Linie Komplettisten und Fans, die nicht genug bekommen können. Wer sich als Neueinsteiger ein Bild machen will, der sollte wohl lieber zu "Der dicke König" greifen, einem inhaltlich deutlich abwechslungsreicheren und ausgereifteren Band, der 2011 im Ehapa Verlag erschien.

Nichtsdestotrotz gibt es auch in "Der junge König" so einiges zu entdecken, und es wird schon im Ansatz deutlich, wieso ausgerechnet ein Autor von Schwulencomics zum absolutistischen Herrscher über die deutsche Comicszene werden konnte, dem neben Rosa von Praunheim und bekennenden Heterosexuellen längst auch katholische Pfarrbriefe huldigen.

Denn König zeigt, dass Knollennasen weit mehr bewegen können als ein ausgestreckter Zeigefinger – und sei es auch bloß das Zwerchfell all derjenigen, die mit einer tragischen Trine mitfühlen können, deren Begehren die Wirklichkeit auf ebenso lächerliche wie lustvolle Weise übersteigt.

  Infos zum Buch
Ralf König: Der junge König Band 2. 1985-1987: Die Vollendung der Knollennase. Hardcover. 280 Seiten. Männerschwarm Verlag. Hamburg 2015. 33 €. ISBN 9783863001711
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Der erste Band bei Amazon
» Homepage von Ralf König
» Fanpage des Zeichners auf Facebook
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Tags: ralf könig, der junge könig, schwulcomix, männerschwarm, comic
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Reaktionen zu "Muskulöse Machos und schamhaarondulierte Tunten"


 12 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
02.11.2015
01:09:26


(-9, 9 Votes)

Von Mark


wieviel outings er wohl auf den gewissen hat mit seinem klischee-pulp.


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#2
02.11.2015
11:54:38


(-5, 7 Votes)

Von Lars
Antwort zu Kommentar #1 von Mark


Das ist hart formuliert, obwohl da leider was dran ist. Ich denke abernicht, dass man König einen Vorwurf machen sollte. Er ist ein Künstler und porträtiert seine Welt. Und die war und ist zum Teil eben so.

Mir ist die Welt der König-Comics zu eng, zu sehr fixiert auf einen bestimmten Schwulen-Typus, den ich als Machohaft bezeichnen würde: Eine permanante Überbetonung eher primitiver männlicher oder weiblicher Eigenschaften. Ein großes Überspielen von Verletzlichkeit. Was mich nervt ist die Dauergeilheit. Allerdings leben Comics und Karikaturen von Überzeichnungen und König überzeichnet auch, um das überzeichnete komisch zu demontieren.

Eine Freundin, mit der ich in den 90er jahren während des Coming outs über den bewegten Mann sprach, empfand die Darstellung der Schwulenwelt als eine "liebevolle Verarschung".

Man muss manches aus der Zeit heraus sehen. In den 80er Jahren war selbstbewusst-offenes Schwulsein noch nicht möglich. Es gab in den Medien idealistische (Selbst-)Überhöhung und Verteufelung und haptsächlich Schweigen. Dass auch Schwule trotz ihres andersseins ganz normale arme Würstchen sein können, wie alle anderen Menschn auch, war für viele Menschen offensichtlich entlastend und befreiend.

Humoristen leiden auch an der Welt, wie sie ist. Mich haben die König-Comics ein wenig die Angst vor den schwulen Machos genommen, aber so richtig lachen konnte ich nicht.


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#3
02.11.2015
14:32:56


(+2, 6 Votes)

Von Mark
Antwort zu Kommentar #2 von Lars


Na, ein wahrer Künstler zeigt die Welt nicht eng.

PS. Schwule Machos können doch sexy sein ;-)


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#4
02.11.2015
14:34:13


(+3, 5 Votes)

Von fink
Antwort zu Kommentar #2 von Lars


Seltsam, wie verschieden man offenbar lesen kann.

Mich haben Königs Comics u.a. gerade wegen einiger Szenen, in denen es um Verletztheit und Verletzlichkeit geht, zum Teil sehr tief berührt. Pauls Ängste zu seiner HIV-Diagnose in "Super Paradise Beach" z.b. werden wunderbar sensibel gezeichnet. In vielen Liebeskummer-Szenen zeigt König die Verletzlichkeit seiner Figuren mit einem ironischen, aber immer sehr liebevollen Blick.

Was die Klischees angeht: Für mich waren Königs Figuren in meiner Coming-Out-Zeit Vorbilder darin, Klischees lustvoll-selbstironisch zu übertreiben und selbstbewusst mit ihnen zu spielen, statt sich von ihnen ängstlich erdrücken zu lassen. Die Schwelle, die negative Klischees zweifellos für viele Schwule im Coming-Out bilden, hat König für mich in geradezu magischer Weise eingeebnet. Für mein Coming-Out war Ralf König eine der wichtigsten Hebammen, und dafür bin ich ihm bis heute dankbar.


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#5
02.11.2015
14:34:26


(-1, 5 Votes)

Von Mark


ups, sorry, ich meine jetzt aber damit nicht die ledertunten, die sind ja im innern lady.


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#6
02.11.2015
15:13:33


(+6, 6 Votes)

Von ursus
Antwort zu Kommentar #5 von Mark


>"die ledertunten, die sind ja im innern lady."

1. nicht alle.
2. auch das kann sexy sein.
3. auch wenn es nicht für jede_n sexy ist, wäre es gut so.


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#7
02.11.2015
15:20:27


(-1, 5 Votes)

Von Nico
Antwort zu Kommentar #6 von ursus


gut, political correctness-preis gehört dir :D


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#8
02.11.2015
15:22:21


(-4, 6 Votes)

Von Mark
Antwort zu Kommentar #4 von fink


okay, nie wirklich in die hefte geschaut. wollte nur provozieren. ihr sollt die klischees leben.


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#9
02.11.2015
15:45:30


(+4, 4 Votes)

Von Scream Queen


Schamhaaronduliert: für mich schon das Adjektiv des Jahres!


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#10
03.11.2015
01:00:47
Via Handy


(+2, 4 Votes)

Von Oberflächlich
Antwort zu Kommentar #2 von Lars


Offenbar kennst du die König Comics, wenn überhaupt, nur sehr schlecht und oberflächlich.


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