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  • 02.11.2015, 07:18h           21      Teilen:   |

Von der CDU zur AfD

Homophober Hardliner: Martin Hohmann will zurück in die Politik

Artikelbild
Hohmann 2011 bei einer Veranstaltung von "Aktion Linkstrend stoppen" (Bild: Youtube-Screenshot)

Der erzkonservative Politiker, der 2003 wegen seiner "Tätervolk"-Rede aus der CDU ausgeschlossen wurde, will für die AfD in den Fuldaer Kreistag einziehen.

Von Norbert Blech

Der hessische Politiker Martin Hohmann könnte ein Jahrzehnt nach seinem unfreiwilligen Ruhestand wieder in die Politik zurückkehren: Wie "Osthessen News" am Wochenende berichtete, tritt das ehemalige CDU-Mitglied auf Platz 1 der AfD-Liste bei den Wahlen zum Fuldaer Kreistag an.

Bei den hessischen Kommunalwahlen am 6. März gibt es keine Fünf-Prozent-Hürde. Bei der letzten Wahl 2011, bei der für den Kreistag 81 Mitglieder bestimmt wurden, konnten die Republikaner bereits mit 1,7 Prozent einen Sitz holen. Hohmann hat damit gute Chancen, in den Kreistag einzuziehen.

In die AfD sei er noch nicht eingetreten, sagte Hohmann dem Portal: "Man könnte sagen, ich befinde mich gerade in der Verlobungsphase, bin aber zuversichtlich und werde bald eine Entscheidung treffen." Die CDU habe "alte, solide Positionen" vergessen und sei nicht mehr die Partei von vor 20 Jahren, meinte der 67-Jährige weiter. Ihn störten etwa "Genderismus" und Windkraft.

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Keine Toleranz für "unwerte" Homosexualität

Für den Wahlkreis Fulda war Hohmann von 1998 bis 2005 Bundestagsabgeordneter gewesen – und hatte im Plenum bei einer Debatte zum Lebenspartnerschaftsgesetz im Jahr 2000 seinen Unions- und Gesinnungsgenossen Norbert Geis öffentlich gefragt: "Können Sie bestätigen, dass in den Offenbarungsschriften aller drei großen monotheistischen Religionen ein klares Unwerturteil über Homosexualität als solche ausgesprochen wird?" Ein anderes Mal meinte er, die Lebenspartnerschaft löse bei ihm "Empörung und Entsetzen" aus.

Als Großbritannien 2002 ein Adoptionsrecht auch für gleichgeschlechtliche Paare einführte, fürchtete Hohmann in einer Pressemitteilung, die "unablässigen Aktivitäten der deutschen Homosexuellenlobby zur Ausweitung ihrer Rechte lassen ähnliche Vorstöße in Deutschland befürchten". Einer "solchen Denaturierung des Leitbildes der Familie" müsse mit "aktiver Zivilcourage" begegnet werden. Homosexuellen sei keine "falsche, feige Toleranz und Akzeptanz" entgegenzubringen, meinte er einmal; ihnen stehe jederzeit die Umkehr zu einem "Leben nach Gottes Geboten" offen.

Als der Vatikan im Sommer 2003 eine Lehrmeinung gegen die rechtliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren durch Staaten veröffentlichte ("Legalisierung des Bösen"), hatte sich Hohmann in einer Presseerklärung für die "klare Wegweisung" bedankt (queer.de berichtete). Es gelte, "sich dem organisierten Gruppenegoismus der Homosexuellenlobby unzweideutig entgegenzustellen, die das Vatikanpapier als 'Dreistigkeit' bezeichnet hatte", so Hohmann damals. Das "öffentliches Bekenntnis zu Lebensschutz und Zukunftsperspektive für die entwickelten Völker" der Kirche sei reine Vernunft, denn "das Einhalten der göttlichen Empfehlungen dient ganz handgreiflich auch dem natürlichen Leben, dem Überleben und dem Fortbestand der unter Geburtendefizit leidenden Völker der Nordhalbkugel".

Unwort hatte zum CDU-Rauswurf geführt

Während all diese Äußerungen in der Union keinerlei Empörung auslösten, wurde Hohmann letztlich eine von vielen als antisemtisch empfundene Rede zum Verhängnis. Der Abgeordnete, der zuvor ein Holocaust-Denkmal abgelehnt hatte, kritisierte darin am 3. Oktober 2003, dass Deutsche als "Tätervolk" bezeichnet würden. "Mit einer gewissen Berechtigung" könne man auch "nach der 'Täterschaft' der Juden fragen", so Hohmann weiter, der dafür einige mögliche Indizien anführte. "Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als 'Tätervolk' bezeichnen", meinte Hohmann später in der Rede, die er mit der Aussage abschloss, dass weder Juden noch Deutsche ein "Tätervolk" seien.

"Tätervolk" wurde in Folge zum Unwort des Jahres gewählt, die Union schloss Hohmann aus der Bundestagsfraktion und aus der Partei aus. Zugleich ging Hohmann erfolgreich gegen zahlreiche Medien, darunter queer.de, vor, die die Rede nachrichtlich so zusammengefasst hatten, dass er Juden als "Tätervolk" bezeichnet habe. Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte entschieden, dass diese Zusammenfassung als Tatsachenbehauptung ehrenrührig sei.

Nach dem Ausschluss war Hohmann 2005 als parteiloser Direktkandidat für den Bundestag in Fulda angetreten und konnte immerhin 21,5 Prozent der Erststimmen erzielen; sein Mandat holte aber sein Nachfolger als CDU-Kandidat. Noch am Wahlabend kündigte Hohmann seinen Rückzug aus der Politik an. Gelegentlich verfasste er noch Pressemitteilungen; so rief er im letzten Jahr dazu auf, bei der Europawahl für die Partei "Christliche Mitte" zu stimmen.

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Tags: martin hohmann, afd, fulda, hessen
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Reaktionen zu "Homophober Hardliner: Martin Hohmann will zurück in die Politik"


 21 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
02.11.2015
08:26:21
Via Handy


(+14, 16 Votes)

Von Ehla


Solche Leute muss man wegen Wiederbetätigung anzeigen und hinter Schloss und Riegel bringen!

Einmal "Drittes Reich" reicht! Die Nazis wie er haben 6,3 Millionen Menschen als "unwertes Leben" ermordet!


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#2
02.11.2015
09:00:25


(+11, 13 Votes)

Von kommastelle
Antwort zu Kommentar #1 von Ehla


Sie meinen auch die "jüdisch-bolschewistischen Untermenschen"? (Nazi-Bezeichnung)

Zumindest manche Politiker, die keine Karrierechancen in der Union mehr haben, könnten sich angesprochen fühlen. Da wäre beispielsweise die langjährige Vertriebenenpolitikerin Erika Steinbach zu nennen.

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_Weltkrieges


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#3
02.11.2015
09:39:09


(+13, 13 Votes)

Von Robin


Tja, die AfD ist halt das Sammelbecken für alles rechte Gesocks...


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#4
02.11.2015
09:42:37


(+13, 13 Votes)

Von thorium222
Aus Mr (Hessen)
Mitglied seit 10.02.2011


Homosexuellen Menschen glasklar die gleichen Rechte abzusprechen hat keinerlei Konsequenzen, aber Juden in einer verschwurbelten Rede *nicht* als Tätervolk zu bezeichnen, führt zum Parteiausschluss...
Wir sind in diesem Land nicht nur Menschen zweiter Klasse, sondern auch eine Minderheit dritter Klasse. An guten Tagen.


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#5
02.11.2015
09:51:53


(-10, 14 Votes)

Von Torsten_Ilg
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Nun ja - nachdem die letzten Liberalen endgültig das "Boot" AfD verlassen haben, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis weitere ultra-konservative Hardliner dort aufspringen werden. -


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#6
02.11.2015
10:12:15


(+10, 14 Votes)

Von Julian S


Was Homohass, Ausländerhass, Hass gegen andere Minderheiten oder politisch andersdenkende betrifft, unterscheiden sich CDU/CSU und AfD doch eh nicht.

Nur dass die AfD ihren Faschismus offener zeigt, während die Union raffinierter vorgeht.


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#7
02.11.2015
10:33:51


(+12, 14 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #4 von thorium222


Homophobie ist hierzulande die Form des Hasses, die als Ausweis höherer Moral daherkommt.

Da muss man nicht nur auf hessische Provinzpolitiker schauen.

Da reicht ein Blick auf die wöchenliche Berichterstattung in queer.de und alles ist klar.


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#8
02.11.2015
11:23:46


(+9, 11 Votes)

Von millionärs tv


noch mehr meinungsfreiheit für unseren bildungsauftrag!


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#9
02.11.2015
13:41:30


(+7, 9 Votes)

Von ollinaie
Aus Seligenstadt (Hessen)
Mitglied seit 23.08.2012


>ihnen stehe jederzeit die Umkehr zu einem "Leben nach Gottes Geboten" offen.<

Okay, ab morgen wieder Steinigung für Frauen, die nicht als Neuware in die Ehe gehen.

Wie denkt er über "Ehrenmorde"?
Ist schon komisch, das die gleichen Leute "Integrationsverweigerer!" schreien, wenn der Bullshit den sie selber predigen von den Anderen gemacht wird!

Wer so wie Hohmann argumentiert müßte, währe er konsequent, die Sharia klasse finden!

Windenergie! So ein Quatsch! Wenn Gott gewollt hätte, dass wir Wind benutzen hätte er uns in seiner weisen Voraussicht nicht das Öl gegeben.

Wer viel Glaubt braucht halt weniger denken und Logik ist auch nur was für linke Spinner.


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#10
02.11.2015
20:44:45
Via Handy


(+5, 7 Votes)

Von miepmiep
Profil nur für angemeldete User sichtbar


PFUI!


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