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Kinostart "El Club"

Der Club der verlorenen Priester


Die einzige Freude im Exil: Bei den örtlichen Windhund-Rennen schicken die dubiosen Priester einen eigenen Vierbeiner an den Start (Bild: Piffll Medien)

  • 4. November 2015, 15:47h, noch kein Kommentar

Sexueller Missbrauch, Babyhandel, Bruch des Beichtgeheimnisses und Homosexualität – das chilenische Drama "El Club" zeigt, wie die katholische Kirche mit "Sündern" in den eigenen Reihen umgeht.

Eine Gruppe von katholischen Priestern unterschiedlichen Alters lebt gemeinsam mit der strengen Ordensschwester Mónica in einem Haus an der chilenischen Küste. Wenn sie nicht nach strengen Regeln beten, büßen und spazierengehen, trainieren die Männer ihren Windhund für das nächste Rennen.

Die merkwürdige Priester-WG weckt schnell die Neugierde des Zuschauers in Pablo Larraíns Gesellschaftsdrama "El Club": Was hat die Männer wohl hierher verschlagen, in dieses trostlose Dorf am gefühlten Ende der Welt?

Als mit Padre Matías ein neuer Bewohner einzieht, steht plötzlich ein Fremder vor der Tür und erhebt schwere Missbrauchs-Vorwürfe gegen den Neuankömmling. Immer lauter erhebt sich die Stimme, bis ein Schuss fällt. Der Priester hat sich den Beschuldigungen durch Selbstmord entzogen.

Die Wahrung des schönen, heiligen Scheins


Poster zum Film: Deutscher Kinostart ist am 5. November 2015

Die Kirche schickt einen Ermittler, aber will der wirklich die Wahrheit herausfinden oder soll er nur mit einer Schließung des Haues dafür sorgen, dass der schöne, heilige Schein auch weiterhin gewahrt bleibt?

Nach und nach lüftet das Drama dunkle Geheimnisse, schaut sich in der verdrängten Vergangenheit der Gottesdiener um und bringt unbarmherzig Widersprüche in der katholischen Kirche zum Vorschein, die in diesem Haus an der stürmischen Küste ihre "Problemfälle" einfach verschwinden ließ, statt sie vor ein weltliches Gericht zu stellen.

Für Padre Ortega, der Neugeborene auf eigene Rechnung zur Adoption freigegeben hat, nahm Regisseur Pablo Larraín einen realen Fall aus Chile zum Vorbild. In die Figur des Padre Vidal, der wegen sexuellen Missbrauchs im Haus ist, sind gleich mehrere tatsächliche Taten eingeflossen.

Die anderen Figuren sind erfunden, aber nicht unrealistisch: Padre Silva hatte als ehemaliger Militärkaplan während der Diktatur unzähligen Militärs die Beichte abgenommen und verfügt damit über ein gefährliches Wissen. Den hat die Kirche in dieses Haus geschickt, um sicher zu sein, dass er das Beichtgeheimnis nicht bricht.

Und es gibt den schwulen Padre Ramírez, von dem eigentlich niemand weiß, warum er da ist, man hat ihn vergessen, es gibt nicht einmal mehr eine Akte über ihn. Seine Anwesenheit im Haus erscheint als absurde Hinterlassenschaft der katholischen Bürokratie.

Bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen Berlin bekam "El Club" mit dem "Silbernen Bären" eine der wichtigsten Ehrungen der Berlinale. (cw)

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Infos zum Film

El Club. Drama. Chile 2015. Regie: Pablo Larraín. Darsteller: Alfredo Castro, Roberto Farias, Antonia Zegers, Jaime Vadell, Alejandro Goic, Alejandro Sieveking, Marcelo Alonso, Jose Soza, Francisco Reyes, Laufzeit: 97 Minuten. Sprache: spanische Synchronfassung. Untertitel. Deutsch. Verleih: Piffl Medien. Deutscher Kinostart: 5. November 2015
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El Club
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