Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 04.11.2015, 17:09h           68      Teilen:   |

Rechtspopulismus

AfD zieht mit Warnung vor Homo-"Propaganda" in den Wahlkampf

Artikelbild
AfD-Plakat auf einer "Demo für alle" (2014)
Bild: gk

Der Wahlkampf in Baden-Württemberg wird besonders schmutzig: In ihren Wahlprogramm macht die AfD ihre Abneigung gegen LGBT-Rechte zu einem ihrer Hauptthemen.

Von Dennis Klein

Gender Mainstreaming ist ein auf einer UN-Frauenkonferenz in den Achtzigerjahren erstmals diskutierte Strategie, um die Gleichstellung von Mann und Frau gesellschaftlich durchzusetzen. Die zwei Worte sind praktisch eine Bezeichnung für das unter anderem von Bundesregierung und EU festgelegte Ziel, darauf zu achten, dass kein Gesetz ein bestimmtes Geschlecht bevorzugt oder benachteiligt. Daher müssen beispielsweise Frauen und Männer gleich viel für Kranken- oder Kfz-Versicherung zahlen.

Die baden-württembergische AfD versteht unter Gender Mainstreaming allerdings etwas anderes: Im am vorletzten Wochenende beim Parteitag in Horb beschlossenen Landtagswahlprogramm (PDF) warnt die rechtspopulistische Partei vor "Folgeerscheinungen" des Gender Mainstreaming "wie Frauenquoten, Gleichstellungsbeauftragten und staatlicher Propaganda für sexuelle Minderheiten". Jedes positive Wort über Schwule und Lesben sei demnach eine Folge dieser "Gender-Ideologie", die angeblich die Jugend und die heterosexuelle Familie kaputt mache. Im Wahlprogramm heißt es ausdrücklich, das Ziel der LGBT-freundlichen Politik sei die "Auflösung der Ehe von Mann und Frau" und die "Zerstörung der traditionellen Familie".

Die homophoben Passagen im Programm sind freilich keine Überraschung: Bereits vor wenigen Monaten hatte die Partei einstimmig einen Beschluss zum Gender Mainstreaming angenommen, in dem ebenfalls von Homo-"Propaganda" die Rede ist (queer.de berichtete). Zudem ist die Partei aktiv an den "Demos für alle" in Stuttgart beteiligt, die nicht nur nur gegen die Erwähnung von Homosexualität im zukünftigen Bildungsplan Front macht, sondern auch gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Eherecht. Bei der letzten Demo wurde sogar für ein enthaltsames Leben Homosexueller geworben (queer.de berichtete).

Fortsetzung nach Anzeige


AfD: Es gibt keine Diskriminierung Homosexueller

Überraschend ist jedoch, wie viel homophobes Gedankengut es in das Programm geschafft hat; das Thema taucht bei mehreren Punkten auf mehreren Seiten auf. So wird von einer "volkserzieherische[n] Überhöhung von nicht heterosexuellen Menschen" gewarnt und über "gesellschaftlich kaum relevante Konstellationen (LSBTTIQ)" geklagt, mit denen Schüler in Baden-Württemberg nicht belästigt werden dürften.

Entsprechende Schulbücher sollten nicht zugelassen werden, fordert das Wahlprogramm, auch düften "Lobbygruppen" keinen Schulunterricht abhalten. Auch Aufklärung über Transsexualität und Transgender scheint der AfD ein Dorn im Auge: "Wir setzen uns dafür ein, dass jedes Kind darin gestärkt wird, sein biologisches Geschlecht anzunehmen."

Gelder für "Gender-Forschung" und entsprechende Projekte und Lehrstühle an Hochschulen sollten gestrichen werden, so die AfD, die stattdessen eine Aufklärung über "den Wert von Ehe und Familie" fordert. Den Bildungsplan und den Aktionsplan zur LGBT-Emanzipation lehnt die Partei ab – sie warnt vor einer "Frühsexualisierung" und "Ideologisierung" und einem "Eingriff in die Intimsphäre" der Kinder.

Dabei werden Studien (beispielsweise über die Verbreitung homophober Schimpfwörter an Grundschulen) einfach geleugnet. Stattdessen gibt man sich pseudotolerant: "Jeder soll nach seiner Façon selig werden, aber niemandem darf vorgeschrieben werden, welche Lebensform er gut zu finden hat. Nirgendwo gibt es heute noch nennenswerte Diskriminierung Homosexueller und anderer sexueller Minderheiten." Zugleich spricht sich die AfD im Ländle gegen eine Gleichstellung der Ehe mit der Lebenspartnerschaft aus und – mit Verweis auf das Kindeswohl – gegen ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare.

In anderen Bundesländern zeigt die AfD weit weniger offen ihre Abneigung gegenüber LGBT-Rechten. So wird im Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt, wo im März 2016 ebenfalls Landtagswahlen anstehen, zwar auch die Gleichbehandlung von Homosexuellen im Eherecht abgelehnt, aber zumindest gibt es keinen Ruf nach einer Eindämmung einer Homo-"Propaganda" (PDF). Dass das Thema in Baden-Württemberg erheblich mehr Raum erhält, könnte auch daran liegen, dass die CDU dort in die selbe homophobe Kerbe schlägt: So rechtfertigte CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf die Diskriminierung von Schwulen und Lesben mit dem Schöpfungsplan, traf sich heimlich mit den Organisatoren "Demo für alle" oder trat auf einer Parteiveranstaltung mit der homophoben Autorin Birgit Kelle auf.

Laut einer vom Meinungsforschungsinstitut INSA kürzlich erstellten Wahlumfrage erreicht die CDU mit 40 Prozent derzeit in Baden-Württemberg genauso viele Prozente wie Grün-Rot (Grüne: 24 Prozent, SPD: 16 Prozent). Zudem würde die AfD mit acht Prozent erstmals den Einzug ins Stuttgarter Parlament schaffen.

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 68 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 1404             8     
Service: | pdf | mailen
Tags: afd, baden-württemberg, schule, gender mainstreaming
Schwerpunkte:
 AfD
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "AfD zieht mit Warnung vor Homo-"Propaganda" in den Wahlkampf"


 68 User-Kommentare
« zurück  1234567  vor »

Die ersten:   
#1
04.11.2015
17:21:59


(+5, 9 Votes)

Von Erasmus


Hmmm ... nicht überraschend .... was sagt eigentlich Hammed Abdel dazu, der "Beirat" der sogenannte "Giordano-Bruno-Stiftung", die immer so tut, als wie wenn sie an der Seite von LGBTs wäre, ist ja recht häufig Gastredner bei der AfD .....


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
04.11.2015
17:24:39


(+11, 11 Votes)

Von UrsaMajor


Paranoia:
(griechisch [...] wider den Verstand [...]) ist im engeren Sinn die Bezeichnung für eine psychische Störung, in deren Mittelpunkt Wahnbildungen stehen. [...] Die Betroffenen leiden an einer verzerrten Wahrnehmung ihrer Umgebung in Richtung auf eine feindselige (im Extrem bösartig verfolgende) Haltung ihrer Person gegenüber. Die Folgen reichen über ängstliches oder aggressives Misstrauen bis hin zur Überzeugung von einer Verschwörung anderer gegen sich. (Wikipedia)

Dazu schreibt Sascha Lobo heute auf SPON:

Link zu www.spiegel.de

Wunderbar passt dazu auch das gestern erschienene "Schwule Bullshit-Bingo 2 - Paranoia-Edition" des zaunfinken:

Link:
derzaunfink.wordpress.com/2015/11/03/schwules-bull
shit-bingo-2-paranoia-edition/


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
04.11.2015
17:28:10


(+9, 11 Votes)

Von no_name_01
Profil nur für angemeldete User sichtbar


" das Ziel der LGBT-freundlichen Politik sei die "Auflösung der Ehe von Mann und Frau""Und inwiefern? Je LGBT-freundlicher sich die Politik gibt, desto mehr Scheidungen gibt es? Ähm, ja ne ist klar xD

"Nirgendwo gibt es heute noch nennenswerte Diskriminierung Homosexueller und anderer sexueller Minderheiten." " Vllt mal bei der nächsten Kindertagesstätte oder Einrichtung erkundigen, die in kirchlicher Trägerschaft stehen, wer alles so diskriminiert werden kann. Dann überlegen sich die Herren und Damen zweimal, ob sie diesen realitätsfernen Unsinn ins Programm aufnehmen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
04.11.2015
17:46:13


(+6, 12 Votes)

Von ehemaligem User Defragmentierung
Antwort zu Kommentar #1 von Erasmus


Danke für diese Info!
Es war mir unbekannt, dass Abdel bei faschistischen Versammlungen auftritt. Und wohl nicht nur bei der Analphabeten-Partei AFD, sondern auch bei den neo­na­zis­tischen "Burschenschaften".

Das ist, auch ohne diese neuerliche Volksverhetzung aus Baden-Württemberg, traurig und enttäuschend. Ich werde meine Haltung zu der Giordano-Bruno-Stiftung wohl überdenken müssen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
04.11.2015
17:47:58


(+7, 11 Votes)

Von Gute Frage
Antwort zu Kommentar #1 von Erasmus


Das würde mich auch interessieren, was Hamed Abdel-Samad dazu sagt.

Link zu www.taz.de

Link zu www.giordano-bruno-stiftung.de


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
04.11.2015
17:58:01


(-8, 14 Votes)

Von Johannes44


Die AfD liegt in Umfragen auf Bundesebene derzeit bei 7 oder 8 Prozent und kommt danach sicher in den nächsten Bundestag 2017. LEIDER ... !!!

*

Link zu www.welt.de

Ursache dieser Umfragewerte sind aber nicht LGBT-Themen sondern es ist die derzeit alles überlagernde Flüchtlingsdebatte.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
04.11.2015
17:58:53


(+4, 12 Votes)
 
#8
04.11.2015
18:15:21


(+8, 12 Votes)

Von überlegt
Antwort zu Kommentar #3 von no_name_01


"Dann überlegen sich die Herren und Damen zweimal, ob sie diesen realitätsfernen Unsinn ins Programm aufnehmen."

Diese Herr_innen verbreiten ihre homophobe, rassistische und chauvinistische Hetze äußerst wohlüberlegt, historisch erprobt und realitätsnah und bereiten sich vor auf die nächste Eskalationsstufe der Abwälzung der globalen Krise des Kapitalismus auf die breite Masse der lohnabhängigen Bevölkerung.

Konkret: Noch mehr Kahlschlag sozialer und demokratischer Rechte, noch mehr Ausbeutung und Unterdrückung, noch mehr Krieg weltweit! Das Lebensmotto dieser Geschäftetreiber_innen:
Rechte Rattenfänger braucht die Bourgeoisie!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
04.11.2015
18:26:18


(+6, 8 Votes)

Von UrsaMajor
Antwort zu Kommentar #6 von Johannes44


Das Problem liegt tiefer:
Ursache dieser Umfragewerte sind die Auswirkungen des Neoliberalismus.

Eine sehr lesenswerte Analyse dazu von Jakob Augstein, anlässlich der "Flüchtlingsdebatte", aber für uns ebenso relevant:

Link zu www.spiegel.de


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
04.11.2015
18:47:09


(+9, 9 Votes)

Von willie


"volkserzieherische"

Das letzte Mal habe ich diese Vokabel in NS Propaganda Filmen gehört. Sind die komplett unreflektiert oder ist es ihnen inzwischen egal, ob man sie damit in Verbindung bringt?

Gibt es überhaupt noch Hemmschwellen?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  1234567  vor »


 POLITIK - DEUTSCHLAND

Top-Links (Werbung)

 POLITIK



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Georgien: Entsetzen nach Angriff auf veganes Café München: Ampelpärchen kehren zurück Kiew: Neonazis drohen CSD mit "Blutbad" Leipzig: Thomaspfarrerin wird CSD-Botschafterin
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt