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In Rom wurde ein schwuler Deutscher ermordet – und das Boulevardblatt weiß bereits, dass "die Homosexualität des Opfers mit der Tat zusammenhängt".

Wenn ein gemischtgeschlechtlich liebender Mensch Opfer eines Verbrechens wird, haben wir noch nie im Polizeibericht oder in der Zeitung lesen müssen, dass dessen "Heterosexualität mit der Tat zusammenhängt". Ganz anders ist es jedoch, wenn Schwule oder Lesben betroffen sind (queer.de berichtete).

Das jüngste Beispiel führt nach Rom. In der italienischen Hauptstadt wurde der deutsche Manager Oliver D. in seinem Apartment getötet. Vieles deutet auf einen Raubmord hin: Die Wohnung des 49-Jährigen wurde komplett durchwühlt, eine Sammlung mit teuren Uhren, Schmuck, ein Laptop und drei Handys fehlen, auch ein Feuer wurde gelegt, wohl um die Spuren zu verwischen.

Doch Oliver D. war schwul, und deshalb sei die Polizei "davon überzeugt, dass die Homosexualität des Opfers mit der Tat zusammenhängt". Das schreibt zumindest die "Bild"-Zeitung unter der Überschrift "Der Killer überraschte ihn im Pyjama". Es würde nicht überraschen, wenn sich das Boulevardblatt die "Erkenntnisse" der Polizei selbst ausgedacht hat – in italienischen Medienberichten wird zwar die Homosexualität des Opfers erwähnt, mehr jedoch nicht.

Weiter unten im "Bild"-Bericht taucht natürlich auch das unvermeidbare "Homosexuellen-Milieu" auf, das aus einer Zeit stammt, als die lustvolle Betätigung unter Männern noch unter Strafandrohung stand: "Die Polizei vermutet, dass es eine Bande gibt, die sich auf Überfälle im Homosexuellen-Milieu spezialisiert hat", schreibt das Boulevardblatt. Dabei berichtet es selbst, dass Oliver D. offen schwul lebte und sich das Apartment eine Zeitlang mit seinem ehemaligen Partner teilte.

Zum wiederholten Male zitieren wir deshalb aus dem Ratgeber "Schöner schreiben über Lesben und Schwule" (PDF) des Bundes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ), der die Ablehnung des Begriffs "Homosexuellen-Milieu" sehr gut begründet:

"Dieser Terminus ist sprachlicher Unsinn. Was oder wo soll dieses Milieu denn sein: die Stadt Köln, der Eurovision Song Contest oder gar das Amtszimmer einer lesbischen Politikerin? Solche Phrasen verunglimpfen Homosexuelle kollektiv, ganz so, als wären Lesben und Schwule wie Kriminelle in einer Art Rotlichtviertel organisiert. Kaum jemand würde über eine 'Gewalttat im Lehrermilieu' oder einen 'Doppelmord im Hetero-Milieu' berichten.

Dass 'Milieu' auch ein soziologischer Begriff ist, wissen wir. Doch Autoren wollen mit reißerischen Schlagzeilen dieser Art wohl kaum eine soziologische Präzision zum Ausdruck bringen. Zudem ist es gerade ein Ergebnis dieser Studien, dass Homosexuelle in jedem Milieu vorkommen.

Vorschlag: Statt 'Mord im Homosexuellen-Milieu': 'Schwuler Mann ermordet' (falls das Schwulsein für die Geschichte überhaupt von Bedeutung ist). Statt 'Ein Mann aus dem Homosexuellen-Milieu' einfach: 'Ein Schwuler'."

Dem ist nichts hinzuzufügen. Wir hoffen, dass der Täter, dessen sexuelle Orientierung in diesem Fall vermutlich ebenfalls keine Rolle spielt, schnell gefasst wird! (mize)

(Foto oben: rainerwermelt.de)



#1 PeerAnonym
  • 09.11.2015, 19:23h
  • Die alte BILD-Taktik:
    man spekuliert wild drauf los. Wenn man falsch lag, ist es kein Problem und wenn man zufällig mal richtig lag, meinen die typischen Bild-Leser, die Bild hätte es als erster gewusst.
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#2 hugo1970Profil
  • 09.11.2015, 19:51hPyrbaum
  • "Doch Autoren wollen mit reißerischen Schlagzeilen dieser Art wohl kaum eine soziologische Präzision zum Ausdruck bringen."

    Ich meine, das das bei der Bild nicht zutrifft, weil dort eh bloß strunzdumme redakteure und journalisten arbeiten, die merken gar nicht, das sie jemanden kritisieren, kriminalisieren oder diskrimnieren.
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#3 Johannes45Anonym
  • 10.11.2015, 00:59h
  • Warum schickt Ihr von der Queer-Redaktion nicht Eure berechtigte Kritik an die BILD und beschwert Euch über deren Wortwahl im Artikel ?
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#4 Patroklos
  • 10.11.2015, 10:05h
  • Was sagt denn eigentlich der Lieblings-BILD-Leser The Dad dazu? BILD lesen - dabeigewesen!
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#5 DieterrAnonym
  • 10.11.2015, 11:08h
  • Wenn dieser Deutsche in Rom jemanden in seine Wohnung gelassen hat, um mit ihm Sex zu haben und dieser ihn danach ausraubt, dann HAT es etwas mit Homosexualität zu tun.
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#6 David77Anonym
#7 Carsten ACAnonym
  • 10.11.2015, 11:48h
  • Antwort auf #3 von Johannes45
  • Wie drollig:
    Du denkst tatsächlich, die Bild interessiere sich für journalistisches Ethos, für die Meinung von echten Journalisten, o.ä.

    Die BILD ist keine Zeitung, sie ist ein Konzern, der seine Profite maximieren will. Irgendwelche Meinungen interessieren nicht. Nicht mal die des Presserats oder von Gerichten, weil Strafen immer noch niedriger sind als die Profite, die man mit Lügen und Halbwahrheiten verdient.
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#8 TheDadProfil
  • 10.11.2015, 12:09hHannover
  • Antwort auf #5 von Dieterr
  • ""Wenn dieser Deutsche in Rom jemanden in seine Wohnung gelassen hat, um mit ihm Sex zu haben und dieser ihn danach ausraubt, dann HAT es etwas mit Homosexualität zu tun.""..

    Tatsächlich ?

    Wenn die BILD darüber schreibt das der Mann offensichtlich ein Opfer einer Bande war, die eine Masche entwickelt hat :

    ""Die Polizei vermutet, dass es eine Bande gibt, die sich auf Überfälle im Homosexuellen-Milieu spezialisiert hat""

    ..dann steckt dort viel mehr dahinter, als nur die Homosexualität des Opfers !

    Dann steckt dahinter eine Gesellschaft in denen es Leute gibt, die der Meinung sind, dass es "Opfer-Gruppen" gäbe, die sehr leicht auszunehmen sind..

    Ganz so wie ältere Menschen, die dem altbekanntem "Enkel-Trick" zum Opfer fallen..
    Gibt es deshalb dann auch ein "Rentner-Milieu", oder ein "Enkel-Milieu" ?

    Und so hätte die BILD dann darüber schreiben können das ein Schwuler Mann Opfer einer Bande geworden ist, die sich auf das Ausrauben von Schwulen Männern spezialisiert haben..
    Und hätte damit den Fokus auf die Kriminelle Bande gelegt, ohne das Opfer durch den beleidigenden Terminus "Homosexuellen-Milieu" in die Nähe krimineller Aktivitäten zu rücken..
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