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  • 04. März 2005, noch kein Kommentar

Jennifer Lopez fühlt sich wiedergeboren: Mit "Rebirth" groovt sich das "Latina-Chick" wieder ganz nach oben. Halten ihre schwulen Fans zu ihr?

Von Jan Gebauer

Über mangelnde PR konnte sich Jennifer Lopez nie beschweren. Die Klatschspalten füllte sie ebenso gut wie Madonna oder Kylie - auch wenn sie in dritter Ehe mit Latino-Pop-Kollegen Marc Anthony weitaus solider geworden ist. Auch zum neuen Alben sind die Gazetten wieder voll, meist mit markigen Überschriften wie "der Neuanfang" ("Westdeutsche Zeitung") oder "die Wiedergeburt" (N24), als ob JLo zehn Jahre aus dem Geschäft gewesen und nach vielen Flops endlich wieder auf Hit-Kurs wäre. Einen richtigen Flop hatte die Schönheit nur mit dem Film "Gigli" einstecken müssen. Allerdings einer der sich gewaschen hatte, denn das Werk spielte insgesamt 50 Millionen Dollar weniger ein, als es gekostet hatte. Das war ihr mit ihrem musikalischen Output nicht unterlaufen, hatte doch das letzte Album "This Is Me ... Then" (2002) erneut Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe erreicht. Auf diesem Longplayer setzte sie konsequent ihren Weg fort, hin zu R&B und leichten Hip-Hop-Klängen. Die Latin-Ansätze der Vorgänger-CDs wurden ausgespart.

Auch "Rebirth" ist frei von lateinamerikanischen Einflüssen: Kräftige wummernde Bässe und HipHop- Elemente sind Pflicht. JLo hat auch mit Bläser-Einlagen experimentiert (oder besser experimentieren lassen) und in der ersten Single-Auskopplung "Get It Right" (derzeit Platz sieben in den deutschen Charts) gibt ein heiseres Saxophon den Ton an, während die softe Melodie keine zu großen Anforderungen an Jennys Stimmchen stellt. Überhaupt übertreibt La Lopez nie ihren recht energiearmen Gesang - die Songs wurden sorgfältig auf diesen abgestimmt, so dass die 35-Jährige eher cremig in den Arrangements mitschwimmt. In den Refrains fächert ihr langjähriger Produzent Cory Rooney (Destiny's Child, Blaque, Marc Anthony) das Stimmchen gelegentlich mit Background-Goldkehlchen auf. Übrigens produzierte Jennifer diesmal eifrig mit und schrieb unter anderem "Cherry Pie", eine der stärksten Nummern auf "Rebirth". Darin zeigt sich die Amerikanerin latent zweideutig: "Ich kann dein Kirschkuchen sein und du meine Schlagsahne!" Auch die ausladende Ballade "(Can't Believe) This Is Me" wurde von JLo mitgeschrieben - neben dem dreckigen 80s-Funk "Whatever You Want" ein weiterer Höhepunkt auf der CD.

Passend dazu auch die atemberaubenden (wohl eher für Heteros und Trannys) Fotos von den Superstar-Fotografen Mert Alas & Marcus Pigott (Madonna, Kate Moss). Lasziv räkelt sich Jennifer im Sand und sprüht auch ansonsten in jeder Ablichtung reinen Sex aus. Da weiß man manchmal gar nicht, ob das Booklet die Musik unterstützten soll oder umgekehrt. Eins ist jedenfalls sicher: "Rebirth" ist ein funkelndes Hochglanzprodukt, bei dem nichts dem Zufall oder einem musikalischen Wagnis überlassen wurde. Neue Fans wird die Sängerin damit wohl nicht gewinnen. Wer aber soften, amerikanischen R&B-Pop mag, wird mit dem neuen JLo-Album einen netten Fang machen.

4. März 2005