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  • 11.11.2015, 06:39h           58      Teilen:   |

Wahl für sechs Jahre

Schwuler und Befürworter von Homo-"Heilung" im neuen EKD-Rat

Artikelbild
Michael Diener fordert von Lesben und Schwule eine Therapie oder Enthaltsamkeit. Nun bekommt er mehr Gewicht in der Evangelischen Kirche. (Bild: Christliches Medienmagazin pro / flickr / cc by 2.0)

Mit Arbeitsrechtler Jacob Joussen und Evangelikalen-Chef Michael Diener leiten künftig zwei gegensätzliche Pole die Geschicke der Kirche mit.

Von Norbert Blech

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat am Dienstag bei ihrer 12. Synode in Bremen einen neuen 15-köpfigen Rat gewählt. Das Gremium soll in den nächsten sechs Jahren unter anderem die Kirche "in der Öffentlichkeit vertreten und zu Fragen des religiösen und gesellschaftlichen Lebens Stellung nehmen".

Erstmals gelang mit Michael Diener ein Vorsitzender der Evangelischen Allianz und Präses des Gnaudauer Gemeinschaftsverbunds in den Rat der Kirche – erst im Frühjahr war er als erster Vorsitzender der evangelikalen Verbände in das 120-köpfige Kirchenparlament berufen worden. Er hatte sich in der Vergangenheit unter anderem als Befürworter einer "Heilung" von Homosexuellen einen Namen gemacht.

So schrieb Diener 2011 in einem evangelikalen Jugendmagazin, in dem auch Homo-"Heiler" selbst zu Wort kamen, es spreche "vieles dafür, dass Homosexualität insgesamt nicht veranlagungsbedingt, sondern auf (frühkindliche) biographische Ursachen zurück zu führen ist. Das bedeutet, dass ein therapeutischer und seelsorgerlicher Veränderungsprozess grundsätzlich möglich ist und dass es auch an uns liegt, diese in der Öffentlichkeit aggressiv verneinte Option um der Liebe zu den betroffenen Menschen willen auch weiterhin offen zu halten und zu vertreten."

Weiter schrieb er, dass man "homosexuell empfindenden Menschen, denen therapeutisch nicht geholfen werden kann, so zur Seite stehen" müsse, "dass es ihnen möglich ist, mit ihrer Prägung möglichst enthaltsam zu leben" (queer.de berichtete).

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"Legitime Therapie Hilfesuchender"

Michael Diener, der auch im Vorstand des Evangelisierungs-Festivals "ProChrist" sitzt, hatte vor zwei Jahren einen Gesetzesvorschlag der Grünen, "Konversionstherapien" bei Jugendlichen zu verbieten, scharf kritisiert: Einige evangelikale Organisationen böten diese "therapeutisch legitimiert" an, meinte er. Die Grünen würden unterschlagen, dass es entsprechende "Hilfesuchende" gebe: "Diese Diskriminierung von Menschen, die unter ihrer sexuellen Orientierung leiden, möchten wir als Deutsche Evangelische Allianz nicht hinnehmen."

Im letzten Mai hielt Diener eine Andacht bei einem "Sexualethik"-Kongress des Weißen Kreuzes, an dem alle führenden Homo-"Heiler" Deutschlands teilnahmen, darunter Christl Ruth Vonholdt vom "Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft" und Markus Hoffmann von Wüstenstrom. Für diese Gruppen hatte er sich immer wieder öffentlich eingesetzt; im letzten Jahr kritisierte er, dass "wissenschaftlich anerkannte Therapien" als "Aktionen von 'Homoheilern' denunziert" würden.

Auch ansonsten ist Diener ein erzkonservativer Hardliner: Als die Evangelische Kirche 2013 ihre Orientierungshilfe zum Umgang mit "modernen" Familienformen vorstellte und homosexuelle Beziehungen als "gleichwertig" bezeichnete (queer.de berichtete), schäumte Diener als Allianz-Vorsitzender über diese "Relativierung der biblischen Aussagen über praktizierte Homosexualität als Sünde".

Im bereits zitierten Jugendmagazin schrieb er, man könne einer "gottesdienstlichen Begleitung oder Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften ebenso wenig zustimmen wie der Öffnung von Pfarrhäusern für homosexuelle Paare." Denn: "Aufgrund unseres Verständnisses des Willens Gottes können wir zu praktizierter Homosexualität kein Ja finden. Sie ist Sünde und steht unter dem Gericht Gottes."

Auch homosexuelle Kirchenmitarbeiter will Diener nicht dulden. Im letzten Jahr schrieb er: "Leitungs- und Lehrdiensten wird in den neutestamentlichen Schriften eine besondere Vorbildfunktion zugesprochen, weshalb hier eine positive Entscheidung wohl nur im konkreten Einzelfall erfolgen könnte. Im Falle von Hauptamtlichen sehe ich, aufgrund der besonderen Vorbildfunktion, nicht, dass sich dauerhaft praktizierte Homosexualität mit einem Dienst in der Gemeinschaftsbewegung vereinbaren lässt."

Youtube | Auch in der der Panorama-Reportage "Die Schwulenheiler 2" von Christian Deker aus diesem April spielte Michael Diener eine Rolle (ab 24:45)

Schwuler Arbeitsrechtler in Rat gewählt

Mit diesen Aussagen zum kirchlichen Arbeitsrecht stehen Diener einige Konflikte mit einem weiteren neuen Ratsmitglied ins Haus: Bereits zwei Wahlgänge vor ihm war der Düsseldorfer Jacob Joussen in das Amt gewählt worden; er arbeitet als Professor an der Ruhr-Universität in Bochum zum weltlichen wie kirchlichen Arbeitsrecht.

Der frühere Theologie-Student, der erst im Jahr 2000 von der katholischen zur evangelischen Kirche wechselte und inzwischen Presbyter mit den Schwerpunkten Personal sowie Theologie und Liturgie ist, geht offen mit seiner Homosexualität um. In seiner Bewerbungsrede sprach er kurz von seiner 14-jährigen Beziehung zu einem Journalisten, die inzwischen staatlichen und kirchlichen Segen genießt.

Als die katholische Kirche vor einigen Monaten ihr Dienstrecht lockerte, hatte das Joussen als Experte gelobt. "Die bisherigen Regelungen, also zum Beispiel die automatische Entlassung Homosexueller, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, waren aus verfassungs- und europarechtlicher Perspektive klar rechtswidrig", sagte er der "Rheinischen Post".

Fachlich wie persönlich dürfte Jacob Joussen da einiges mit Diener zu klären haben.

Youtube | Die Vorstellungsrede von Jacob Joussen
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Tags: evangelische kirche, evangelikale, homo-heilung, michael diener, jacob joussen, arbeitsrecht
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Reaktionen zu "Schwuler und Befürworter von Homo-"Heilung" im neuen EKD-Rat"


 58 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
11.11.2015
06:58:00


(+11, 13 Votes)

Von goddamn liberal


Die EKD fährt eine Doppelstrategie, die moralisch verkommen ist.

In Deutschland kocht gerade die Brühe hoch, die in den USA langsam verebbt. Dort hat sich die Homo-Heiler-Organisation Exodus ja aufgelöst.

Michael Diener als konservativ zu bezeichnen, ist eine Beleidigung von konservativen Demokraten.

Regenbogenfamilien stehen laut Verfassungsgericht unter dem Schutz des Grundgesetzes.

Homo-Heiler stehen historisch in der Tradition von KZ-Ärzten.

Diener ist nicht konservativ, er ist eine Gefahr für die demokratische Werteordnung und steht ohne Scham und Reue in einer de facto blutigen Auslöschungstradition.


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#2
11.11.2015
07:42:52


(-3, 5 Votes)

Von BobAachen
Aus Aachen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 30.09.2015


Lohnt es sich, dies zu kommentieren?


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#3
11.11.2015
07:59:41


(+10, 12 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #2 von BobAachen


Das lohnt sich, weil es sich faktisch um eine milliardenschwere Staatskirche und um einen gigantischen Großkonzern handelt.

Ein Kirchenaustritt ist aber sicher sinnvoller als ein Kommentar.

Obwohl auch der an den Machtverhältnissen nichts ändert.

Das deutsche Staatskirchentum gibt es auch in Bundesländern, in denen 80% der Bevölkerung konfessionsfrei sind.


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#4
11.11.2015
08:04:27


(+3, 11 Votes)

Von löwenleckerlie


idiotischen christen kann auch geholfen werden,
LASST DIE LÖWEN FREI!!

Youtube-Video:


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#5
11.11.2015
08:50:38


(+9, 11 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008
Antwort zu Kommentar #2 von BobAachen


ja natürlich lohnt es sich..
wird doch gerade diese institution (ekd- die heimstatt segnungswütiger homochristen) hier als das konvertitenangebot schlechthin gezeichnet.

Apostel markus44-johannes-tinnitus macht sich schon sorgen darum, wie er nun diesen religionsfaschistischen einstieg der gläubigen gemeinde hier vermittelt, und sicher wird er uns einen highlight vermitteln..., etwas zwischen missverstanden sein - minderheit in einer homoprogressiven weltanschauung mit segnungsangeboten und schwulen pfarrhäusern, und der alles umfassenden wärme die solche religionen mit verstörend gegensätzlichen zielen doch eigentlich verströmen

Was den aufmerksamen beobachter dieser religionsfaschisten ehrt und in seiner meinung festigt, ist die voraussicht solcher entwicklungen die sich aus politischer einsicht und geschichtlicher kenntnis erarbeiten lies.
Wenn also wieder ein aufruf zum übertritt /eintritt in eine religiöse struktur hier erfolgt, einfach den link inklusive infomaterial über diese person/en verlinken...
Das macht soviel sinn wie jeder aufruf zum kirchenaustritt.de


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#6
11.11.2015
09:03:39


(+9, 11 Votes)

Von willie


Müssen wir mit einer Unterwanderung der ev. Kirchenorganisationen durch Evangelikale rechnen, so wie dass in der Schweiz bereits seit längerem der Fall ist?
Dieses wäre fatal, denn das betrifft nicht bloss die Kirchen, sondern vor allem auch die sozialen Einrichtungen, die von der ev. Kirche betrieben werden, wie Seelsorge, Unfalldienste, Krankenhäuser, Altenpflege, Pflegekindschaften etc.
In der Schweiz sind einige Bereiche auf diesem Weg anscheinend fast vollständig in evangelikale Hand gekommen. Auch in Deutschland soll es dazu bereits Ansätze geben.

Evangelikale Organisationen sind sehr gut finanziert, unter anderem aus der Schweiz, so dass sie die oft finanziell maroden ev. Einrichtungen und Kirchen problemlos übernehmen können.

Wichtig wäre vor allem, die gemässigten ev. Kirchenmitarbeiter auf diese Problematik anzusprechen und für diese Unterwanderungsstrategie zu sensibilisieren.


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#7
11.11.2015
09:05:07


(-6, 8 Votes)

Von Avalona


Da hat sich die EKD aber zwei gegensätzliche Pole in den neuen Rat geholt!


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#8
11.11.2015
09:16:50


(+9, 9 Votes)

Von Willie


"Der traditionellen evangelischen Kirche bereitet die Entwicklung Sorgen. Sie befürchtet eine Abwanderung ihrer eigenen Mitglieder in die importierten Erweckungsgemeinden - oder eine schleichende Machtübernahme durch die Evangelikalen in ihren eigenen Reihen, die in immer mehr Gremien der EKD zu finden sind. [...]"

""Inzwischen hat der schleichende Machtanspruch der Evangelikalen ein unerträgliches Ausmaß angenommen. Wir haben inzwischen fast schon eine zweite evangelische Kirche in Deutschland. [...]

Das wortwörtliche Bibelverständnis, die theologische Enge, das Ausschalten der kritischen Vernunft, dass sie für den historischen Kontext der Heiligen Schrift nicht offen sind [vgl. Historisch- kritische Methode] - das ist für mich fundamentalistisch."

Pfarrerin Kathinka Kaden (01.03.2009, Vorsitzende Offene Kirche in Württemberg. Evangelikale schüchtern massiv ein, www.taz.de)"

Link zu www.fundamentalismusdebatte.de


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#9
11.11.2015
09:33:48


(+7, 9 Votes)

Von Willie


Pfarrerin Kathinka Kaden:

taz: Frau Kaden, die Offene Kirche hat einen Brandbrief verfasst, in dem Sie vor dem steigenden Einfluss der Evangelikalen in Ihrer Landeskirche warnen. Woran machen Sie den fest?

Kathinka Kaden: Wir hatten in der Württembergischen Landeskirche ja schon immer einen stark konservativ geprägten Protestantismus. Aber inzwischen hat der schleichende Machtanspruch der Evangelikalen ein unerträgliches Ausmaß angenommen. Wir haben inzwischen fast schon eine zweite evangelische Kirche in Deutschland, die sehr finanzstark, einflussreich und intransparent ist und sich eigene Parallelstrukturen geschaffen hat.

Wen meinen Sie?

Die Deutsche Evangelische Allianz, den Dachverband der Evangelikalen. Deren Überzeugungen sind bei uns in der württembergischen Synode inzwischen Mehrheitsmeinung geworden.

Ihre Offene Kirche steht für ein liberales Christentum, das sich für Basisdemokratie engagiert und für die Rechte von Frauen und Homosexuellen eintritt. Sehen Sie Ihre Arbeit durch den Aufschwung der evangelikalen Kräfte gefährdet?

Natürlich. Für die Evangelikalen ist Feminismus fast schon ein Schimpfwort, genauso wie homosexuell, auch wenn das nicht alle immer offen sagen. Man wird heute schon in Briefen beschimpft, wenn man nur Eva Herman kritisiert.

Eva Herman? Die Ex-"Tagesschau"-Sprecherin mit den kruden Mutterthesen?

Ja, genau die. Eva Herman ist für viele Evangelikale zur unantastbaren Heldin geworden. Da kann es doch kein Zufall sein, dass nun in unserer Landeskirche genau bei den liberalen Einrichtungen wie der Evangelischen Akademie Bad Boll oder den Evangelischen Frauen die Zuwendungen gekürzt werden sollen.

Das klingt schon sehr arg nach Verschwörungstheorie.

Ist es aber nicht. Oder wie erklären Sie sich, dass ein evangelikales Projekt namens "Wachsende Kirche" trotz Finanzknappheit unbedingt in der Kirche durchgesetzt werden soll? Oder dass manche Kirchengemeinden ihr Opfer an Weihnachten nicht mehr an Brot für die Welt weiterleiten, sondern an evangelikale Missionswerke? Nein, die Evangelikalisierung ist sehr, sehr real.

Link zu www.taz.de


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#10
11.11.2015
09:40:39


(+7, 9 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #7 von Avalona


Das war mal wieder ein sehr ausgefuxxxter Einzeiler...


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