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Kriminalhauptkommissar Robert Karow (Mark Waschke) bei der "Zigarette danach" auf seinem Balkon (Bild: rbb / Volker Roloff)

Der Berliner Ermittler Robert Karow (Mark Waschke) wurde im März als Single eingeführt – im neuen Fall "Ätzend" schleppt er einen Mann ab.

Nach 45 Jahren gibt es erstmals eine schwule Hauptrolle in der ARD-Krimireihe "Tatort": In der neuen Folge "Ätzend", die am Sonntag um 20:30 Uhr ausgestrahlt wird, hat Kriminalhauptkommissar Robert Karow (Mark Waschke) ganz beiläufig sein Coming-out. In einer Kneipe lernt er einen anderen Mann kennen und nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Die nächste Szene zeigt den Ermittler dann mit freiem Oberkörper auf dem Balkon bei der "Zigarette danach".

In der Ankündigung zur Sendung gibt Das Erste keinen Hinweis auf das spektakuläre Outing. "Ätzend" ist erst die zweite Folge mit dem im März neu eingeführten Berliner Ermittlerteam Robert Karow und Nina Rubin (Meret Becker). Im ersten Fall "Das Muli" war der Kommissar als "allein lebend" vorgestellt worden.

Leichenteile im Säurefass


Robert Karow bei einem Verhör (Bild: rbb / Volker Roloff)

Neben der Abschleppszene spielt Karows Homosexualität im neuen Fall keine Rolle. Zusammen mit seiner Kollegin muss er einen grausamen Mord aufklären: Abrissarbeiten in einer Berliner Laubenkolonie fördern ein säuregefülltes Fass zutage, in dem Bauarbeiter menschliche Überreste erkennen. Nach und nach fördern die beiden Kommissare eine tragische Familiengeschichte ans Licht und tauchen ein in die Welt von Menschen, die illegal in Berlin leben. Parallel ermittelt Karow weiter im Alleingang. Er will herausfinden, warum sein früherer Kollege Maihack sterben musste, und gerät dabei in eine dramatische Situation.

"Ich finde, seine Sexualität ist im 21. Jahrhundert in einer Stadt wie Berlin wohl nicht selten", kommentierte Drehbuchautor Stephan Wagner Karows überraschendes Coming-out gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Und so hat auch ein Kommissar das Recht, seine Sexualität so auszuleben wie er es will."

Der Lesben- und Schwulenverband begrüßte den männerliebenden "Tatort"-Ermittler: "Manche Mühlen mahlen halt langsam", meinte LSVD-Pressesprecher Markus Ulrich. "Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn es schon vor zehn Jahren einen schwulen Tatort-Kommissar gegeben hätte. Aber es macht die Sache, dass es jetzt einen gibt, nicht schlechter."

Das Jahr 2015 geht damit als schwulstes Fernsehkrimi-Jahr in die deutsche TV-Geschichte ein: Erst im April hatten die Kölner "Tatort"-Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk mit Tobias Reisser (Patrick Abozen) einen offen schwulen Assistenten bekommen (queer.de berichtete). Im Mai wiederum spielten das Münsteraner Ermittlerduo Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Frank Thiel (Axel Prahl) zumindest ein homosexuelles Fake-Paar (queer.de berichtete). Und im Magdeburger "Polizeiruf 110" verabschiedete sich Kommissar Jochen Drexler (Sylvester Groth) Ende September in seiner letzten Folge mit einem Coming-out (queer.de berichtete). (cw)

Youtube | Trailer zur "Tatort"-Folge


#1 goddamn liberalAnonym
  • 15.11.2015, 15:43h
  • Neu und wichtig ist: Jetzt sind beim Tatort die Ermittler schwul und nicht die Opfer oder gar die Täter.

    Überwindung der Auslöschungstradition.
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#2 RobinAnonym
  • 15.11.2015, 15:50h
  • Sehr vorbildlich.

    So muss es sein: dass homosexuelle Protagonisten auch wie selbstverständlich in Filmen und Serien vorkommen, wo es eigentlich gar nicht um Homosexualität geht.

    Eben ganz alltäglich und selbstverständlich...
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#3 Sabelmann
  • 15.11.2015, 16:08h
  • Dachte nicht dass ich nach 45 Jahren meinen 1. Tatort sehen werde!Bin mal gespannt,weil ich sonst nie Krimis schaue!
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#4 hugo1970Profil
  • 15.11.2015, 16:11hPyrbaum
  • Antwort auf #2 von Robin
  • Da bin ich nicht Deiner Meinung, erst ein mal muß die LGBTI Lebensweise in viel mehr Köpfen rein, das man sagen kann, das LGBTI Leben ist in die Normalität angeckommen, daher haben die Tatort Macher eine große Chanche vertan.
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#5 panzernashorn
  • 15.11.2015, 16:26h
  • Einen schwulen Kommissar finde ich zwar gut und realitätsbezogen, die berühmt-berüchtigte "Zigarette danach" müsste allerdings keinesfalls sein.

    Für hochgiftige Drogen sollte im Unterhaltungsprogramm längst auch kein Platz mehr sein, auch wenn die Tabaklobby die Sendungen sponsert.

    Die angebliche Selbstverständlichkeit der Giftdrogen muss Vergangenheit werden.
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#6 Harry1972Profil
  • 15.11.2015, 17:00hBad Oeynhausen
  • Der sonst übliche Kameraschwenk über zwei ineinander verschlungene Leiber wird übersprungen, weil?
    Schmoren den Zuschauern sonst die Herzschrittmacher durch?
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#7 Petrillo
  • 15.11.2015, 17:34h
  • Antwort auf #2 von Robin
  • Erstaunlich gut löste das die amerikanische Comic-Verfilmung "The Flash", in der ein offen schwuler Polizeichef völlig selbstverständlich und so gut dargestellt ist, dass man im Video direkt noch mal zurück springt, weil man meint, sich verhört zu haben.

    Für mich die bisher beste Umsetzung in einer Serie - bin gespannt, wie der Tatort das löst.

    Da die Tatorte ja nur alle paar Monate in der gleichen Stadt spielen, könnte der Kommissar nach seinem Nümmerle ja wieder asexuell werden, wenn's beim Stammpublikum nicht ankommt...
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#8 vielleichtAnonym
#9 Bitte wasAnonym
  • 15.11.2015, 18:04h
  • Antwort auf #2 von Robin
  • ???

    Wo soll es "vorbildlich" sein, wenn sogar im Jahr 2015 HomoSEXUALITÄT unsichtbar gemacht wird??

    Das toitsche Anti-Bildungs-Gebühren-TV hat - wie immer - einen Preis für reaktionärste, homophobe Muster in der Fernseh- und Filmindustrie verdient.

    Und Identifikationsfiguren für schwule Jugendliche gibt es weiterhin NICHT - dabei müssten sie *selbstverständlich* jeden Tag sowohl im Tages- als auch Abendprogramm vorkommen, damit nicht noch mehr Jugendliche Suizid begehen.

    Aber letztere Tatsache wird ja hierzulande auch mit den absurdesten Begründungen, die leider auch von der LGBT-Community regelmäßig wiedergekäut werden, konsequent totgeschwiegen.

    Es ist ein Skandal, was für ein heterosexistisches - und auch rassistisches und klassistisches - Programm hierzulande trotz Milliarden Euro an Gebührengeldern auf die Bevölkerung losgelassen wird.
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#10 ZielgruppeAnonym
  • 15.11.2015, 18:13h
  • Antwort auf #6 von Harry1972
  • Eher will man Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterhin schwule Identifikationsfiguren vorenthalten, die als vollwertige und gleichberechtigte Menschen dargestellt werden.

    Neulich:

    "Auch in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen hatte der "Tatort: Schwanensee" die Nase vorne. 4,26 Millionen der jungen Zuschauer bedeuteten hier einen Marktanteil von 28,3 Prozent für die ARD."
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