Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?2506
  • 06. März 2005, noch kein Kommentar

Zur Internationalen Tourismus Börse in Berlin: Was sind die schwulen Reisetrends 2005? Und was erwartet die Besucher auf der Messe?

Von Dennis Klein und Micha Schulze

Wer noch nicht weiß, wo er seinen Sommer- oder Winterurlaub verbringen soll, dem sei ein Besuch der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) nicht unbedingt empfohlen. Rund 10.000 Aussteller aus 180 Ländern und Gebieten werden auf der weltweit größten Reisemesse vom 11. bis 15. März in Berlin auf 150.000 Quadratmetern über ihre Angebote informieren. Zwar ist sicher für jeden etwas dabei, doch kann man sich angesichts der Vielfalt der Angebote wahrscheinlich erst recht nicht entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Wer sich dagegen gezielt über ein Urlaubsziel informieren will, wird eher zufrieden von der ITB zurückkehren. Immer mehr Destinationen halten auch Infos für schwule Reisende parat.

Vor allem die USA, besser gesagt: einige Regionen der USA, bemühen sich derzeit besonders um homosexuelle Urlauber aus Deutschland. Der Grund: Die Volksabstimmungen gegen die Homo-Ehe in mehreren Bundesstaaten und die Wiederwahl von George W. Bush haben sich deutlich auf das Urlaubsverhalten ausgewirkt, berichten zumindest übereinstimmend die schwulen Reisebüros. "Amerika wird inzwischen nicht mehr als das Land der Freiheit gesehen, da dort immer mehr verboten wird", sagt Jochen Volland von Teddy Travel aus Köln. Selbst Homo-Destinationen wie Key West und Fort Lauderdale hätten unter dem Negativtrend zu leiden. Die Tendenz bei den Fernreisen, so Volland, geht stattdessen in Richtung Südafrika.

Das "andere" Amerika wirbt intensiv um schwule Reisende

Und so läuft in den Tourismusbüros des "anderen" Amerikas die PR-Maschinerie auf Hochtouren. West Hollywood und Palm Springs in Kalifornien laden schwule Journalisten zu Pressereisen ein, Washington D.C. lässt neue Homo-Flyer drucken. Seit kurzem gebe es auf dem deutschsprachigen Portal newyork.de auch schwul-lesbische Infos, berichtet Peter Mierzwiak vom dortigen Fremdenverkehrsamt. Key West und die Florida Keys werden sich, wie schon in den Vorjahren, als Homo-Destination auf der ITB präsentieren. Dabei geht es in erster Linie natürlich um Geld: Allein in den USA, so haben Studien ergeben, werden zwölf bis 13 Prozent der Tourismus-Einnahmen über Schwule und Lesben erwirtschaftet.

Über Homo-Reiseangebote informieren in diesem Jahr gleich zwei Gemeinschaftsstände in den Messehallen unter dem Funkturm. Die International Gay & Lesbian Travel Association (IGLTA) hat einen "Gay & Lesbian Travel Pavillon" in Halle 12 organisiert, in Halle 1.1. gibt es einen "Gay Travel Point", an dem sich u.a. Enjoy Bed & Breakfast, Fort Lauderdale, die Villa los Suenos sowie die Fremdenverkehrsämter von Köln und München beteiligen.

Streit um den Standort hat einen einzigen Gay-Stand u.a. verhindert. Während der "Travel Point" in der Halle "Trends & Events" von Jugend-, Abenteuer- und Ökoreisen-Anbietern umgeben sein wird, setzt der "Travel Pavillon" auf die unmittelbare Nachbarschaft des Ausstellungsstandes von Berlin-Tourismus. Der Vorteil: Klaus Wowereit, offen schwuler Bürgermeister der Hauptstadt, kommt zur Eröffnung. "Der Homo-Tourismus ist kein Nischenprodukt wie Öko-Reisen", lehnte Schneider-Lindbergh eine Präsenz in Halle 1.1 ab. Auf dem ITB-Programm der IGLTA stehen auch ein schwul-lesbischer Cocktail-Empfang und eine Messeparty. Zudem werde der Verband zur ITB eine neue, "an den Endverbraucher gerichtete Website launchen".

Der Queer Travel Mart in Mailand hat mehr Resonanz

Ob die Aufspaltung zu einer größeren Wahrnehmung schwul-lesbischer Reiseangebote führt, bleibt abzuwarten. Hinzu kommt: In den Vorjahren war die Resonanz auf den ITB-Homostand im Vergleich zu anderen Reisemessen eher bescheiden. Auf dem "Queer Travel Mart" auf der deutlich kleineren Mailänder Borsa Internazionale del Turismo (BIT) präsentierten sich im Februar unter anderem die Destinationen Dänemark, Großbritannien, Helsinki, London, Manchester Stockholm, Wien sowie die Fluggesellschaften Austrian und KLM. "2003 haben wir mit acht Quadratmetern angefangen, dieses Jahr sind es schon 32 geworden", freut sich "Queer Travel Mart"-Veranstalter Alfred J. Cahak.

So werden auf der Berliner ITB die meisten schwul-lesbischen Infos wohl an den ganz "normalen" Ausstellungsständen zu finden sein. Bei Visit Britain gibt’s zum Beispiel den neuen Pocket Guide "Schwul-lesbischer Reiseführer Großbritannien" kostenlos zum Mitnehmen. Das britische Fremdenverkehrsamt bewirbt in einer aktuellen Kampagne insbesondere die Städte Brighton, Edinburgh, Liverpool, London, Manchester und Newcastle als schwul-lesbische Destinationen. Aber auch zum Beispiel Dublin, Köln, Stockholm, Wien und selbst Island halten eigene Gay-Infos bereit. Selbst am Stand vom Pauschalreise-Giganten Neckermann kann man sich getrost mit Katalogen eindecken: Gay-friendly Hotels sind dort mit kleinen Regenbogenfahnen gekennzeichnet.

Die schwulen Reisetrends gehen jedoch in eine andere Richtung, glaubt man den Erfahrungen von Jochen Volland von Teddy Travel. "Billigangebote sind derzeit sehr populär. Immer mehr wollen in die Türkei und nach Bulgarien" - obwohl man dort bekanntlich wenige Regenbogenfahnen findet. "Die Türkei wird unterschätzt", erklärt Robert Leenards vom Reiseportal gayturkije.com diesen Trend. "In Istanbul gibt es eine blühende Gay-Szene, und auch an der Mittelmeerküste entstehen immer mehr neue Bars". Besonders beliebt seien schwule Kreuzfahrten auf kleinen Booten in der Gruppe. Auf offizielle Unterstützung durch das türkische Fremdenverkehrsamt wird Leenards jedoch noch ein paar Jahre warten müssen. "Ich glaube nicht, dass die mir überhaupt antworten würden."

Mantours setzt auf "schwulen Trend zum Abenteuerurlaub"

Auch Bernhard de Paz von Mantours hat die Türkei in seinen neuen Katalog aufgenommen, den er auf der ITB präsentieren will. Er setzt auf einen "schwulen Trend zum Abenteuerurlaub" und bietet Gruppen- wie Individualreisen nach Costa Rica, Dubai, Bali und Thailand an. De Paz glaubt nicht, dass seine Asien-Buchungen wegen der Flutkatastrophe zurückgehen: "Bali und Thailand sind ideale Reiseziele, in denen Schwulen willkommen sind. Das hat sich herumgesprochen."

Die ITB selbst setzt sich für die rasche Erholung der vom Seebeben betroffenen touristischen Gebiete ein. "Als weltweit wichtigste Messe für die globale Tourismusindustrie sehen wir uns den Menschen in Südasien in besonderer Weise verbunden", sagt Messe-Geschäftsführer Dr. Christian Göke. Die ITB sei die ideale Plattform, um Reisende zu motivieren. "Jeder Urlauber, der weiter nach Asien reist, trägt zur Unterstützung der Betroffenen bei", appelliert Göke. Im Vergleich zum Vorjahr haben die asiatischen Aussteller ihre Standfläche sogar um sechzig Prozent erhöht, so dass erstmals eine zweite Asien-Halle eingeplant worden ist.

Wird Thailand künftig aktiv um schwule Touristen werben?

Bei schwul-lesbischen Thailand-Anbietern wie Utopia-Tours oder gay-thailand.de hofft man, dass sich das thailändische Fremdenverkehrsamt nun etwas mehr für schwule Touristen öffnet. Den Gay Pride in Bangkok hat die Tourism Authority of Thailand (TAT) im vorletzten Jahr zwar unterstützt, sonst hält sie sich jedoch bei diesem Thema sehr bedeckt. Dabei betrage der Anteil des Pink Dollar an den Tourismuseinnahmen bis zu zehn Prozent, schreibt das Magazin "Thai Guys". "Thailand braucht Gay-Touristen mehr denn je, vor allem in den vom Seebeben betroffenen südlichen Zielen wie Phuket, Krabi oder Ko Lanta", sagt Douglas Thompson von Utopia Tours. "Das Fremdenverkehrsamt muss jetzt auf uns zugehen."

Auf der Berliner ITB braucht man an den wenigsten Ausstellungsständen zu befürchten - mit Ausnahme vielleicht von Ägypten, Iran oder Simbabwe -, bei Fragen zu schwul-lesbischem Tourismus schief angeguckt zu werden. Auch wenn eigene Materialien oft noch fehlen, findet sich meist immer ein Ansprechpartner, der Szeneinfos von Budapest, Hongkong oder den niederländischen Antillen besorgen kann. Zusätzlich zu den allgemeinen Prospekten, Katalogen und Aufklebern, die Lust auf neue Entdeckungen machen und die man kiloweise in schicken Tüten kostenlos nach Hause schleppen darf.

Allerdings wissen auch die härtesten ITB-Besucher: Nach einem Tag auf der weltgrößten Reisemesse ist man wirklich urlaubsreif…

Gay & Lesbian Travel Pavillon: Halle 12, Stand 102
Gay Travel Point: Halle 1.1, Stand 115