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"Homo-Odyssee – Abenteuer eines Weltreisenden"

In 80 Orgasmen um die Welt


Brent Meersman hat aus seinen "unzensierten" Urlaubserlebnissen ein Buch gemacht. Der südafrikanische Journalist und Autor lebt in Kapstadt (Bild: privat)

Mit Brent Meersmans "Homo-Odyssee" hat der Albino Verlag die unreflektierten Reisetagebücher eines schwulen Sextouristen veröffentlicht.

Von Markus Kowalski

Was verbindet eine Urlaubsreise nach Damaskus, Delhi und San Francisco? Überall findet man schnellen Sex, wenn man will. Ja, rund um den Globus findet der schwule Tourist heute das schnelle Abenteuer, wenn nur sein Gaydar gut funktioniert.

Das zumindest hat jetzt Brent Meersman literarisch bewiesen. Der Journalist aus Südafrika war auf sechs Kontinenten in 18 Metropolen im Urlaub. Seine Erfahrungen hat er zu einer "Homo-Odyssee" verarbeitet.

Wie abgestumpfter Sextourismus funktioniert


"Homo-Odyssee" ist die dritte Veröffentlichung des wiedergegründeten Albino-Verlags – einem Imprint des Bruno Gmünder Verlags

"Die Geschichten in diesem Buch sind unzensiert meinen Reisetagebüchern entnommen", heißt es in der Einleitung. Denn den Autor habe es immer geärgert, dass in den meisten Reiseberichten der spannendste Teil diskret verschwiegen werde, "sodass auch aufregendste Abenteuer schlichtweg keusch klingen".

Doch dieser Versuch, mit mehr Sex-Appeal einen interessanteren schwulen Reisebericht zu verfassen, ist gescheitert. In 20 Kapiteln werden die Sex-Eskapaden in loser Folge aneinandergereiht: In Singapur ist es mit Muhammad im Bett enttäuschend. In Havanna macht er es mit Giovanni, José und Santos auf Drogen. Und in Berlin passiert nachts auf der U-Bahn-Station ein anonymes Abenteuer in drei Minuten. Ist das jetzt aufregender? Im Gegenteil, ein solches Buch beschreibt nur, wie sich abgestumpfter Sextourismus anfühlt.

Zwar ist ein Reisebericht immer durch seine ganz individuellen Erlebnisse geprägt, die dann subjektiv gefärbt erzählt werden. Das kann unglaublich spannend sein. Doch wird der Sex "unzensiert" beschrieben, wird er literarisch entzaubert und gleichsam banalisiert. Deswegen ist es in der Literatur gerade am spannendsten, wenn die entscheidenden Sequenzen im Dunkeln bleiben. Das haben auch schon die schwulen Reisenden E.M. Forster, W.H. Auden und Christopher Isherwood gewusst, als sie ihre Bücher schrieben.

Leider nur ein schwuler Schmöker

Die "Homo-Odyssee" ist die dritte Veröffentlichung des noch jungen Albino-Verlags. Der Schwerpunkt des Verlagsprogramms solle auch auf "anspruchsvoller Unterhaltung" liegen, hieß es bei der Neugründung im Juli 2015 (queer.de berichtete). Anspruchsvoll unterhält dieses Buch nun allerdings nicht. Vielmehr ist es nur ein Stück Trivialliteratur geworden: ein leicht verdaulicher, schwuler Schmöker.

Berührend ist die "Homo-Odyssee" nur, wenn plötzlich Melancholie aufkommt: Wenn der Reisende wieder in den Flieger steigt, obwohl er doch gerade dabei war, sich zu verlieben. Der kurze Moment, wenn die Ungerechtigkeit von "westlich privilegiert" und "benachteiligt in der Dritten Welt" sichtbar wird. Doch da der Autor stets den Kontakt zu den Jungs verliert, erfährt der Leser auch nie, wie sich die Geschichte hätte weiterentwickeln können. Schade.

Schließlich ist auch das Resümee fragwürdig. Meersman plädiert für eine Vielfalt der homosexuellen Identitäten: "Sex mit Männern sollte nicht jenen vorbehalten sein, die sich selbst als schwul betrachten." Damit gibt er sich mit der Tatsache zufrieden, dass Homosexuelle in so vielen Ländern nach wie vor unterdrückt werden, sodass die einzige Begegnung zweier Männer der schnelle, anonyme Sex bleibt.

Meersman hinterfragt das nicht, sondern nutzt es aus. Er hinterfragt nicht, wieso die Männer, die er trifft, sich so oft in ihrem Begehren verstecken müssen. Oder wie staatliche Repression und eine traditionelle Gesellschaft das Individuum verändern. Stattdessen reist er als reicher, weißer Tourist durch die Welt und bezahlt seine Jungs für den Sex. Das alles schreibt er dann als Abenteuergeschichten auf.

Wie stumpfsinnig. Als würde homosexuelles Leben nur aus dem schnellen Sex bestehen, den man in jeder Stadt auf der Welt haben kann.

Infos zum Buch

Brent Meersman: Homo-Odyssee. Abenteuer eines Weltreisenden. Reisetagebuch. 363 Seiten. Aus dem Englischen von Dirk Schiller. Albino-Verlag. Berlin 2015. 16,99 €. ISBN 9783959850391


#1 GeorgGAnonym
  • 21.11.2015, 16:11h
  • Wer so gut aussieht wie dieser Südafrikaner wird keine Probleme haben, überall auf der Welt Sexpartner zu finden.
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#2 ursus
  • 21.11.2015, 16:23h
  • ich versteh's ja: man hat ein rezensionsexemplar durchgeackert, es hat einem nicht gefallen, man ärgert sich, möchte aber wenigstens die kohle für die rezension abgreifen.

    und trotzdem: wenn man hier mit derartiger regelmäßigkeit rezensionen liest, die eine einzige kaufwarnung sind, und relativ selten auch mal eine, die auf ein neues buch wirklich neugierig macht, dann entwertet das die rubrik. warum sollte ich hier regelmäßig nachlesen, welche bücher, von denen ich sonst nie gehört hätte, ich auch auf gar keinen fall kaufen sollte?

    so sehr ich queer.de schätze: diese rubrik hier solltet ihr m.e. wirklich mal auf den prüfstand stellen.
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#3 daVinci6667
  • 21.11.2015, 17:54h

  • "Stattdessen reist er als reicher, weißer Tourist durch die Welt und bezahlt seine Jungs für den Sex. Das alles schreibt er dann als Abenteu­er­ge­schichten auf. Wie stumpf­sinnig. Als würde homose­xuelles Leben nur aus dem schnellen Sex bestehen, den man in jeder Stadt auf der Welt haben kann."

    Danke Markus, sehr treffender Kommentar.

    Erfüllende Sexualität ist, zumindest für mich persönlich, nur möglich, wenn zwei gleichberechtigte Menschen freiwillig aus purer Lust miteinander in sicherer Umgebung einander begehren. Im Idealfall ist es gegenseitige Liebe.

    Doch jeder kann mal in eine Situation kommen in der er für Sex bezahlt. Jeder wird älter, er verliert vielleicht seinen Freund/Mann, wird vielleicht krank und erleidet eine Behinderung. Dann findet man nicht so leicht einen neuen Partner oder auch nur einen ONS.

    Ich hoffe niemals in meinem Leben für Sex zu bezahlen. Der Bezahlte tut es für Geld, ist oft kein bisschen schwul und kriegt manchmal nur mit Hilfsmitteln einen hoch.

    Doch ist das vielleicht für viele besser als gar keinen Sex oder "bloss" Handbetrieb. Dann ist das auch vollkommen in Ordnung.

    Wie man jedoch ganz ohne Not eine solche kalte, gefühllose Aneinanderreihung von bezahltem Sex suchen kann ist für mich unverständlich. Andere mögen das anders sehen. Ich frage bloss, ob das Angst sein kann, sich auf echte Gefühle einzulassen?

    Ich wünsche jedem selbstbewussten Schwulen was ich erfahren durfte und darf: echte Liebe. Mit ein bisschen Glück auch noch in hohem Alter.

    Doch das braucht für manche vielleicht mehr Mut als bloss sein Portemonnaie zu zücken. Und wenn er es zückt, soll er bitte auch an jene denken die nicht in der priviligierten Lage sind mit Geld wenigstens ein einigermassen geiles Abspritzen bezahlen zu können.

    Er soll sich aber nicht einbilden dass es mehr ist. Liebe kann man nunmal nicht kaufen und das ist gut so.
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#4 obsoletAnonym
#5 Krieg gg TerrorAnonym