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  • 30.11.2015, 16:42h           88      Teilen:   |

Safer Sex ohne Kondom

Deutsche Aids-Hilfe begrüßt Aktion "Wir machen's ohne"

Artikelbild
Die Seite will darüber aufklären, dass eine HIV-Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten den Partner genauso effektiv vor HIV schützen könne wie ein Kondom
Bild: FB/Wir machen's ohne

In einer von der Deutschen Aids-Hilfe hoch gelobten Facebook-Aktion wollen HIV-Positive aufzeigen, dass auch Sex ohne Kondom Safer Sex sein kann.

Mit der neuen Facebook-Seite "Wir machen's ohne – Safer Sex durch HIV-Therapie" wollen HIV-Positive und Aids-Aktivisten über den "Schutz durch Therapie" aufklären. Auf der am Montag, also einen Tag vor dem Welt-Aids-Tag online gestellten Seite erklären Menschen mit HIV öffentlich, dass sie auch auf Kondome verzichten, da eine HIV-Therapie bereits effektiv gegen eine Übertragung schützen könne. Initiatorin Michèle Meyer erklärte, sie wolle mit der Aktion aufklären: "Schutz durch Therapie ist wissenschaftlich belegt. Wir leben es und reden darüber!".

Die Deutsche Aids-Hilfe begrüßte die "Selbsthilfe-Offensive" ausdrücklich. "Die meisten Menschen wissen noch nicht, dass eine gut wirksame HIV-Therapie auch die Übertragung des Virus verhindert. Menschen mit und ohne HIV nutzen diese Schutzmöglichkeit bereits seit Jahren erfolgreich", so DAH-Vorstand Manuel Izdebski. "Diese Aktion wird die Schutzwirkung der HIV-Therapie bekannter machen. Dieses Wissen wird auch Ängste vor Menschen mit HIV reduzieren und damit Ausgrenzung entgegenwirken."

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Reaktion auf FDP-Attacke auf jungen HIV-Positiven

Anlass für die Aktion war die private Facebook-Äußerung eines schwulen HIV-Positiven vor zwei Wochen, der geschrieben hatte: "Ich habe regelmäßig Sex ohne Kondom. Schutz durch Therapie macht es möglich." Der 24-jährige Aktivist des Aufklärungsprojekts SchLAu NRW wurde daraufhin nicht nur auf sozialen Medien angefeindet und bedroht, sondern musste sogar Angriffe aus dem nordrhein-westfälischen Parlament ertragen: Die beiden FDP-Landtagsabgeordneten Susanne Schneider und Ulrich Alda skandalisierten die Aussagen des jungen Mannes, was ihnen sowohl eine Homo-Gurke von queer.de als auch scharfe Kritik von den Aids-Hilfen einbrachte.

Die Deutsche Aids-Hilfe stellte am Montag klar, dass ein behandelter HIV-Positiver, der zuverlässig seine Medikamente einnehme und regelmäßige Blutuntersuchungen durchführen lasse, das Virus nicht weitergeben könne und daher keineswegs "verantwortungslos" handle, wie Schneider und Alda erklärt hatten. "Er kann sich darauf verlassen, dass sein Gegenüber geschützt ist", betonte Izdebski. "Verantwortungslos handeln diejenigen, die andere herabwürdigen, statt sich zu informieren. Die Kommentare verstärken das Klischee, Menschen mit HIV seien eine Gefahr. Sie leisten damit Ausgrenzung Vorschub."

Keine Aufforderung zum Kondomverzicht

Gleichzeitig machte die Initiatorin der Facebook-Seite deutlich, dass die Aktion keine Aufforderung zum Kondomverzicht sein soll. Schutz durch Therapie sei einfach eine "weitere Möglichkeit", heißt es auf der Aktionsseite. Und weiter: "Wir haben damit keinen 'ungeschützten Sex', wie es immer wieder heißt. Nicht nur Kondome schützen. Das hat sich geändert und es wird Zeit, dass die Welt das zur Kenntnis nimmt. Reden wir also darüber!".

In Deutschland leben rund 83.000 Menschen mit HIV. 69 Prozent erhalten eine HIV-Therapie. Von den Menschen, bei denen HIV bereits diagnostiziert wurde, nehmen 82 Prozent HIV-Medikamente. Die Tendenz ist steigend, weil mittlerweile erwiesen ist, dass ein früher Therapiebeginn gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. Rund 13.000 Menschen wissen derzeit noch nichts von ihrer HIV-Infektion. (dk)

Links zum Thema:
» Facebook-Aktion "Wir machen's ohne"
» DAH-Infoseite „Schutz durch Therapie“
Mehr zum Thema:
» Sat 1 stigmatisiert schwulen HIV-Positiven (23.11.15)
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Tags: hiv, aids, facebook
Schwerpunkte:
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Reaktionen zu "Deutsche Aids-Hilfe begrüßt Aktion "Wir machen's ohne""


 88 User-Kommentare
« zurück  12345...89  vor »

Die ersten:   
#1
30.11.2015
16:56:35


(+3, 17 Votes)

Von wiking77
Profil nur für angemeldete User sichtbar


... und dennoch, auch wenn manche hier aufheulen: Ficken mit Gummi ist immer noch das risikoärmste Variante sich anzustecken.


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#2
30.11.2015
16:56:37


(0, 16 Votes)

Von Laurent


"Mach's mit - Gib Aids keine Chance."
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

"Wir machen's ohne!"
Die Aktion sei keine Aufforderung zum Kondomverzicht.

Wie soll das insbesondere bei den Jungen sonst rüberkommen?

Manchmal kann man nur noch mit dem Kopf schütteln, was da bei mit öffentlichen Geldern geförderten Institutionen abläuft.


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#3
30.11.2015
16:57:46


(+4, 12 Votes)

Von Sebi


Lasst das bloß nicht die FDP hören:
dann schließen die sich wieder mit "Besorgten Eltern", Birgit Kelle & Co zusammen, um wieder gegen die "bösen Schwulen" zu hetzen (queer.de berichtete).


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#4
30.11.2015
17:06:54
Via Handy


(+1, 21 Votes)

Von Pfote
Antwort zu Kommentar #2 von Laurent


Welchen Teil von Safer Sex durch HIV Therapie hast Du nicht verstanden?


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#5
30.11.2015
17:09:52


(+5, 19 Votes)

Von What Ever


ach, schützt HIV medikation auch gegen syphilis und co? wunderbar.. gerade AIDShilfe und Gesundheitsämter warnen vor immer häufiger werdenden therapieresistenzen bei Syphiliserregern und nun so eine Kampagne? Die haben den Knall doch echt nicht gehört...


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#6
30.11.2015
17:22:15


(+1, 13 Votes)

Von Ulli_2mecs
Aus Hamburg
Mitglied seit 01.05.2008


Safer Sex ohne Kondom, nämlich bei Viruslast unter der Nachweisgrenze, ist eine etablierte Methode, vor einer sexuellen HIV-Übertragung zu schützen --- und zwar schon seit 2008. Zeit, dass das in den Köpfen (und Bäuchen) ankommt.

Hier ein kurzer Überblick über die Geschichte seit 2007 (so alt ist diese Erkenntnis nämlich mindestens schon):

Link zu www.2mecs.de


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#7
30.11.2015
17:24:16


(+9, 9 Votes)

Von gatopardo
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Nun haben wir uns in all den Jahrzehnten so ans Gummi gewöhnt und nun das......


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#8
30.11.2015
17:28:21
Via Handy


(+1, 17 Votes)

Von Pfote
Antwort zu Kommentar #1 von wiking77


Das kannst Du doch sicher mit Statistiken belegen.

Tatsächlich ist die Schutzwirkung einer Therapie statistisch sogar noch ein wenig größer. Man muss sich nur einmal ohne Schaum vor dem Mund damit beschäftigen.


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#9
30.11.2015
17:40:07


(+1, 19 Votes)

Von Laurent
Antwort zu Kommentar #4 von Pfote


Es geht vor allem um die verheerende Wirkung auf die jungen Leute, bei denen zunächst mal nur die gegensätzlichen Überschriften "Mach's mit" - "Wir machen's ohne" ankommen.

Dieses Absegnen durch die Aids-Hilfe kann nur als unverantwortlich bezeichnet werden.

Die Befindlichkeiten einzelner sollten, nein müssen zugunsten der Sicherheit vieler zurückstehen.


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#10
30.11.2015
17:40:41
Via Handy


(+4, 20 Votes)

Von TomTom


Herzlichen Glückwunsch der Syphilis, dem Tripper, der Hepatitis und den Condylomen und Co.

Nicht zu vergessen, dass es verschiedene HIV Stämme mit unterschiedlicher Agressivität gibt mit denen man sich auch unter Therapie noch anstecken kann. Die therapieassoziierten Nebenwirkungen machen übrigens auch nicht schöner...

Man kann nur hoffen, dass der DAH jemand mal ordentlich ins Gewissen redet oder Konsequenzen folgen.


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