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Hilfe fürs Coming-out

"Anderssein" für Anfänger


Ohne Schuldgefühle die ersten Erfahrungen sammeln: Mit "How to Be Gay" hat James Dawson ein zielgruppengerechtes LGBT-Aufklärungsbuch für Pubertierende veröffentlicht (Bild: DEFA / Szene aus dem Film "Coming out" (DDR 1989))

Mit dem Ratgeber "How To Be Gay" von James Dawson gibt es endlich wieder ein rundum gelungenes Aufklärungsbuch für LGBT-Jugendliche.

Von Markus Kowalski

Wer steht einem zur Seite, wen kann man fragen, wo findet man Informationen jenseits von Pornos, wenn man als Teenager merkt, dass man "anders" ist? Es gibt zwar unzählige Aufklärungsbücher, aber meist nur für heterosexuelle Jugendliche. So wie beispielsweise den Ratgeber "Alles, was Jungen wissen wollen", welchen der Rezensent voller Peinlichkeit einst von seiner Großmutter geschenkt bekam.

Doch was, wenn der Junge gar nicht wissen will, was Mädchen angeblich mögen? Dass es eigene Aufklärungsbücher braucht für Teenager, die in der Pubertät realisieren, dass sie nicht heterosexuell sind, erkannte erstmals die Schwulenbewegung der Achtziger. Thomas Grossmann veröffentliche damals den Mutmach-Band "Schwul, na und", das Autorenpaar Elmar Kraushaar und Matthias Frings den frechen Bestseller "Männer.Liebe". Mit der Aids-Krise verstaubten diese beiden Klassiker jedoch in den Antiquariaten und wurden nie wieder neu aufgelegt.

Nun knüpft der britische Autor James Dawson mit seinem Sachbuch "How to Be Gay" an diese vergessene Tradition an und hat ein zeitgemäßes wie rundum gelungenes Aufklärungsbuch für LGBT-Jugenliche veröffentlicht.

Die queere Community als angesagter Club


Der Ratgeber "How To Be Gay" ist bei Fischer erschienen. Im englischen Original hieß er noch viel netter "This Book is Gay"

Der deutsche Buchtitel ist dabei gänzlich verwirrend: Es geht nicht darum, zu lernen, wie man sich jetzt möglichst homosexuell verhält. Der Autor versucht eher, die jugendlichen Lesenden Schritt für Schritt mit queeren Identitäten bekannt zu machen: "Wir leben mitten unter euch, wie eine Invasion von Außerirdischen." Mit warmherzigem Humor fängt Dawson an, die LGBT-Community als "angesagtesten Club der Stadt" darzustellen, als spannende Subkultur.

Bis dann die Etiketten "schwul", "lesbisch", "bisexuell" und "trans" ausführlich erklärt und vorgestellt werden, so dass jeder unsichere Leser einen Namen für seine Persönlichkeit findet. Es geht dann ausführlich um Stereotype und Klischees, um die Angst vor dem Coming-out und um die weltweit verbreitete Homophobie.

Unerwartet ausführlich ist das Kapitel "Was die Biologie zu sagen hat". Hier stellt der Autor die neuesten Forschungsergebnisse zu geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung in leicht verständlicher Sprache vor. Auch die dekonstruierenden Gedanken der Queer Theorie und der Intersektionalitätsforschung bleiben nicht unerwähnt. Damit schafft Dawson den Spagat, den jungen Lesenden zum einen mit bekannten Etiketten Orientierung zu bieten und zum anderen auch streitbare Argumente der Gender-Theorie zu erwähnen.

Orientierung bieten, ohne Normen zu setzen


Der Brite James Dawson arbeitete acht Jahre lang als Lehrer, bevor ihm 2012 mit seinem ersten Jugendroman der Durchbruch als Autor gelang (Bild: Hot Key Books)

Natürlich wird dann schwuler und lesbischer Sex ausführlich erklärt. Zwar werden hier schon die meisten Praktiken direkt beschrieben. Doch gleichsam zeigen die liebevollen Comiczeichnungen, die das ganze Buch schmücken, wie behutsam aufgeklärt wird. Und es geht nicht nur um Sex, wie im echten Leben auch. Andere wichtige Fragen werden genauso beantwortet: Wie trifft man sich mit Gleichgesinnten auf ein Date? Wann ist ein guter Zeitpunkt, um eine Beziehung anzufangen? Wie kriegt man Kinder?

Die liebevollen Erklärungen schaffen es dabei immer, keine strikten Normen zu setzen. Vielmehr wird die ganze Bandbreite von Körperlichkeit, Liebe und Beziehungen dargestellt.

Dieser positive Zugang zum "Anderssein", dazu der warmherzige und witzige Schreibstil, sind erfrischend für ein Aufklärungsbuch. Vorbei sind die Zeiten, an denen man sich zwischen muffig-prüdem Wälzer und realitätsfremden Pornoheften entscheiden musste. Der Versuch, ein zielgruppengerechtes LGBT-Aufklärungsbuch für Pubertierende zu schreiben, ist James Dawson wahrlich gelungen. "How To Be Gay" ist ein echter Glücksfall für die Community und ihren jugendlichen Nachwuchs.

Infos zum Buch

James Dawson: How To Be Gay. Alles über Coming-Out, Sex, Gender und Liebe. Aus dem Englischen von Volker Oldenburg. Taschenbuch. 204 Seiten. Fischer Verlage. Frankfurt am Main 2015. 9,99 €. ISBN 978-3-7335-0092-4


#1 hugo1970Profil
  • 06.12.2015, 13:10hPyrbaum
  • Wenn die Schulbehörden, endlich einmal richtige LGBTI-Aufklährung als Fach und zwar schon im Kindergarten einführen würden und auch den Eltern einmal im Monat LGBTI-Aufklährungskurse anbieten würde, gäbe es wenniger LGBTIphobie.
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#2 LarsAnonym
  • 06.12.2015, 18:27h
  • Antwort auf #1 von hugo1970
  • Wenn es in den letzen Jahren mehr Aufklärungsbücher gegeben hätte - die sicher auch viele Erwachsene und Eltern lesen - dann wären wir vielleicht in Sachen Aufklärungsunterricht etwas weiter. Schulaufklärung ohne Elternaufklärung ist nur eine halbe Sache.
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#3 hugo1970Profil
#4 willieAnonym
#5 TheDadProfil
  • 06.12.2015, 22:45hHannover
  • Antwort auf #4 von willie
  • ""Ein Bucch, dass How to be gay? heisst ist übrigens kein LGBT Buch, sondern höchsten LGB.""..

    Äh ?
    Weil ?
    Transidente/Transsexuelle/Transgender nicht auch GLEICHZEITIG GAY in ihrer Sexuellen Identität sein können ?

    Wie kommt man auf so etwas ?
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#6 stromboliProfil
#7 BobAachenProfil
  • 07.12.2015, 01:44hAachen
  • Antwort auf #1 von hugo1970
  • Wenn man noch mehr Buchstaben aneinanderfügt, werde ich meine Identität wohl vollkommen vergessen.
    Das sind alles europäische Spitzfindigkeiten. Live as you want, love as you want. Das war's. Keine Theorie dahinter.
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#8 NinakadinProfil