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  • 07.12.2015, 10:56h           117      Teilen:   |

Schutz durch Therapie

"Wir machen's ohne": Gesundheitsministerin kritisiert Aids-Hilfen

Artikelbild
NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens im WDR-Interview (Bild: WDR Westpol)

Das Thema "Safer Sex ohne Kondom" sorgt weiter für Wirbel: Nun kritisiert die grüne NRW-Politikerin Barbara Steffens offen die Unterstützung der Aids-Hilfen für die Aktion "Wir machen's ohne".

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hat in der am Sonntag ausgestrahlten WDR-Sendung "Westpol" die Unterstützung der Aids-Hilfen für die Aktion "Wir machen's ohne – Safer Sex durch HIV-Therapie" kritisiert. In der am Tag vor dem Welt-Aids-Tag online gestellten Facebook-Gruppe erklären Menschen mit HIV öffentlich, dass sie auch auf Kondome verzichten, da eine HIV-Therapie bereits effektiv gegen eine Übertragung schütze. Damit wollen sie sich gegen die Stigmatisierung als HIV-Positive wehren.

"Für mich zählt 'Mach's mit' als die Parole und als die Überschrift, die für alle Landeskampagnen und alle Landesinitiativen nach wie vor gilt. Deswegen finde ich eine 'Mach's ohne'-Aktion falsch und finde auch, dass sie eine falsche Sicherheit vermittelt", erklärte Steffens. In dem WDR-Bericht heißt es weiter, sie fordere die Aids-Hilfen auf, die Aussagen zu überdenken.

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"Befriedigendere Sexualität"

Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) hatte die Aktion "Wir machen's ohne" ausdrücklich begrüßt, damit Menschen darüber informiert werden, dass "eine gut wirksame Therapie auch die Übertragung des Virus verhindert". Durch dieses Wissen könnten "auch Ängste von Menschen mit HIV" reduziert und einer Ausgrenzung entgegengewirkt werden, so DAH-Vorstand Manuel Izdebski. Bei "Westpol" erklärte auch der Landeschef der Aids-Hilfe NRW, Arne Kayser, dass diese Aktion zu einer "befriedigenderen Sexualität" führe.

"Schutz durch Therapie" ist dabei keineswegs eine neue Idee: Bereits 2012 hatte der Nationale Aids-Beirat, ein Beratungsgremium des Bundesgesundheitsministeriums, empfohlen, diese Art der Prävention "offen und öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren".

Aids-Hilfe: "Im Zweifel Kondome"

Die Aids-Hilfen weisen freilich stets darauf hin, dass der Schutz durch Therapie von HIV-Positiven keine Eigenverantwortung von HIV-Negativen ersetze. So heißt es auf der DAH-Website: "Während HIV-Positive Menschen meist wissen, ob sie HIV noch übertragen können oder nicht, müssen HIV-Negative Menschen im Einzelfall abschätzen, ob sie genug über den Partner wissen. Dafür ist Vertrauen notwendig. Die Deutsche Aids-Hilfe rät, im Zweifel Kondome zu verwenden." Außerdem steige ohne Kondom auch das Risiko, sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren.

Laut dem "Westpol"-Bericht liege das Problem insbesondere darin, dass die Thematik zu komplex sei, um vom Durchschnittsbürger verstanden zu werden. So wird eine Biologie-Lehrerin eines Oberhausener Gymnasiums interviewt, die glaubt, dass ihre Schüler diese neue Schutzmöglichkeit als Freibrief für ungeschützten Sex verstehen könnten: "Wenn ich so sehe, wie die mit Informationen umgehen – das ist wirklich: 'Ach ja, scheint ja doch ganz gute Therapien zu geben'. Gefahr gebannt – das kann eins zu eins so verstanden werden. So schlicht ist es [bei der Aktion] nicht gemeint, aber manche fassen es relativ schlicht auf."

Anlass für die Diskussion in NRW war eine private Facebook-Äußerung eines HIV-Positiven, dass er auf Kondome verzichte. Da er zugleich für ein Schulaufklärungsprojekt arbeitete, hatten zwei FDP-Politiker in einer Kleinen Anfrage die Landesregierung zu ihrer Haltung befragt (queer.de berichtete). Die Aids-Hilfe NRW und die Deutsche Aids-Hilfe hatten danach die Anfrage kritisiert (queer.de berichtete). (dk)

Links zum Thema:
» Westpol-Bericht in der WDR-Mediathek
» Infos der Deutschen Aidshilfe zum Thema "Schutz durch Therapie"
» Facebookseite Wir machen's ohne
Wochen-Umfrage: Was denkst du über die Aktion "Wir machen's ohne - Safer Sex durch HIV-Therapie"? (Ergebnis)

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Tags: barbara steffens, hiv, nrw, schutz durch therapie, kondome
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Reaktionen zu ""Wir machen's ohne": Gesundheitsministerin kritisiert Aids-Hilfen"


 117 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
07.12.2015
11:08:42


(-5, 21 Votes)

Von Tacheles


Ich kann die Kritik von Frau Steffens an der DAH so gut nachvollziehen! Mit der Aktion "Wir machen's ohne - Safer Sex durch HIV-Therapie" hat sich die DAH keinen Gefallen getan! Daher kann ich auch die Bedenken der Biologielehrerin des Gymnasiums in Oberhausen teilen!


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#2
07.12.2015
11:37:13
Via Handy


(+2, 20 Votes)

Von Pfote
Antwort zu Kommentar #1 von Tacheles


Dann darf ich zitieren: Die Thematik ist offensichtlich zu komplex, so dass Du sie nicht verstehst.


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#3
07.12.2015
11:52:41


(-4, 12 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Schlicht, schlichter, Steffens


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#4
07.12.2015
11:53:58


(-2, 14 Votes)

Von Laurent


Na also. Wusste ich's doch, dass da noch was kommt.

Frau Steffens hat ja die Argumente vorgebracht, die ich bei dem letzten Artikel "Deutsche Aids-Hilfe begrüßt Aktion 'Wir machen's ohne'" vom 30.11.2015 ins Feld geführt habe.

Interessant, gelegentlich und aus guten Gründen auch mal mit den Grünen auf einer Linie zu liegen.


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#5
07.12.2015
12:00:17


(+3, 17 Votes)

Von Sebi


Jemand, der medizinische Fakten ignoriert, sollte besser nicht das Gesundheitsministerium leiten.

Niemand hat gesagt, dass man jetzt generell keine Kondome mehr nutzen solle. Zumal es auch andere sexuelle übertragbare Krankheiten gibt, die teilweise auch sehr heftige, schlimme Folgen haben können.

Es geht darum, dass mit modernen Therapien die Viruslast so weit gesenkt werden kann, dass ein gut therapierter HIV-Positiver nicht mehr ansteckend ist. Das ist medizinisches Faktum. Gerade als Gesundheitsministerin sollte man sich schon über medizinische Fortschritte informieren. Oder zumindest einen Mitarbeiter haben, der das tut und einem weitergibt.


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#6
07.12.2015
12:10:32


(+4, 14 Votes)

Von Ulli_2mecs
Aus Hamburg
Mitglied seit 01.05.2008


Dass wirksame Therapie auch die Infektiosität drastisch senkt und so einen wirksamen Schutz darstellt, hat der Nationale Aids-Beirat NAB 2012 (vor über 3 Jahren) deutlich formuliert - die Erkenntnis ist allerdings schon mindestens 7 Jahre alt

Befremdlich, dass Frau Steffens hier offensichtlich den Sachstand nicht kennt oder nicht korreklt bewertet

wer ein wenig dazu nachlesen mag:

Link zu www.2mecs.de


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#7
07.12.2015
12:12:27


(+6, 14 Votes)

Von fink


Es ist gut, dass es heute neue Präventionsmöglichkeiten gibt. Diese nutzen nicht nur wissentlich HIV-Positiven, sondern der ganzen Bevölkerung. Diese Tatsache darf man nicht verschweigen, sondern muss sie auch veröffentlichen.

Wenn man glaubt, dass Teile der Bevölkerung neue Fakten missverstehen könnten, dann muss man sich eben bemühen, diese Fakten in einfachen Worten zu erklären. Das wäre zumindest aus meiner Sicht u.A. die Aufgabe einer Gesundheitsministerin.

Aber statt ihrer Aufgabe nachzukommen, scheint Frau Steffens sich selbst nicht zuzutrauen, ein paar Fakten, die so furchtbar kompliziert nun auch wieder nicht sind, unmissverständlich zu vermitteln. Stattdessen sorgt sie mit dem Beharren auf einem undifferenzierten "Mach's mit!" für den falschen Eindruck, in der Prävention habe sich seit 20 Jahren überhaupt nichts verändert. Gleichzeitig torpediert sie öffentlich das Vertrauen in die Aidshilfen.

Wenn hier jemand der Prävention Schaden zufügt, dann sind es Menschen, die die Bevölkerung als unaufklärbar hinstellen und auch noch denen in den Rücken fallen, die sich trotzdem um eine differenzierte Aufklärung bemühen.


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#8
07.12.2015
12:20:45
Via Handy


(+8, 10 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ich hab so den Verdacht, hier wollen einige keinen Fortschritt. Sie denken, wenn man uns schon nicht mehr allzu offen diskriminieren darf, dann wenigstens denen noch vorschreiben wie die ihr perverses Sexleben zu gestalten haben. Das sollten wir nicht zulassen!

Bei ONS würde ich als HIV negativer immer noch auf den Gummi bestehen. Immer. Ich weiss ja nicht, falls mein Sexpartner positiv ist, ob er sich gewissenhaft an seine Therapie hält.

In einer Beziehung sieht das ganz anders aus. Wenn es Liebe wird klappt es immer weniger mit den Safer-Sex Regeln. Mann will den andern eben ganz und vollkommen spüren und Mann will selbstverständlich auch das Sperma des Geliebten. Einfach grässlich, dass das beste vom Mann solange mit Krankheit, Angst und Ekel verbunden war. Gut dass das heute nicht mehr lange so sein wird!

Es ist wichtig die Menschen über die neuen Möglichkeiten zu informieren. Sex ohne Kondom kann absolut richtig und verantwortungsbewusst sein, auch wenn einer positiv ist!

Vielleicht sollte man, auch zur Beruhigung, gleichzeitig eine zweite Kampagne fahren: Als HIV-negativer bei ONS weiterhin immer mit!


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#9
07.12.2015
12:29:37


(-7, 15 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008


Die Frage, die sich angesichts dieser Kampagne stellt, ist doch jetzt vielmehr die, wozu dann ÜBERHAUPT noch eine Aids-Hilfe notwendig ist.

Die ganzen, schönen gedruckten Aufklärungsmaterialien und Giveaways sind somit im Nachhinein betrachtet rausgeschmissenes Geld, die dortigen Mitarbeiter überflüssig.

Hören tut auf sie ohnehin schon lange niemand mehr, da viele Aktivisten durch ihr doppelmoralisches Verhalten nicht überzeugen und ein Glaubwürdigkeitsdefizit dieser Organisation verursacht haben, und insofern werte ich dieses Motto als hilflosen Versuch von Aktivisten einer obsoleten Institution, mittels Aufspringen auf einen populäreren Zug ihren Allerwertesten doch noch zu retten.

Nützt ihnen nur nichts mehr: für die ist der Zug bereits vor Jahren abgefahren, und niemand braucht sie noch.


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#10
07.12.2015
12:31:18


(0, 12 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012
Antwort zu Kommentar #1 von Tacheles


Also sollen zukünftig wissenschaftliche Erkenntnisse und Innovationen lieber zurückgehalten werden, da es schlichte Gemüter überfordern könnte?
Willkommen im finsteren katholischen Mittelalter!


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