Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?25227

Blick auf die 120.000-Einwohner-Stadt Kairouan, die zirka 150 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Tunis liegt (Bild: flickr / Momin Bannani / by 2.0)

Wieder werden in Tunesien mehrere mutmaßliche Schwule ins Gefängnis geschickt. Zuvor sollen sie mit Anal-Untersuchungen gefoltert worden sein.

In der tunesischen Großstadt Kairouan sind am vergangenen Donnerstag nach einem Bericht der Zeitung "Kapitalis" sechs junge Männer wegen homosexueller Aktivitäten verurteilt worden. Alle Angeklagten erhielten die Maximalstrafe von drei Jahren. Einer der jungen Männer muss zusätzlich sechs weitere Monate in Haft, weil auf seinem Computer "unmoralische Filme" gefunden worden seien.

Das Gericht verfügte als weitere Strafe, dass die jungen Männer nach ihrer Entlassung fünf Jahre lang aus der Stadt Kairouan, einer der wichtigsten muslimischen Pilgerstätten der Welt, verbannt werden.

Die Angeklagten sollen dem Bericht zufolge auch Anal-Zwangsuntersuchungen ausgesetzt worden sein, mit denen die Staatsanwaltschaft die Homosexualität "beweisen" wollte. Dabei wird unter anderem ein Metallobjekt in Eierform in den Enddarm eingeführt, mit dem ein Arzt feststellen soll, ob Analsex stattgefunden hat.

Ärzteverbände in aller Welt halten den Test für nutzlos. Zudem erklärten Menschenrechtsaktivisten wiederholt, dass die Untersuchung eine Form der Vergewaltigung sei, die unter anderem gegen die UN-Antifolterkonvention verstoße. International hatte es 2012 Aufregung um den Test gegeben, als der Eingriff im Libanon an 36 Männern durchgeführt wurde, die zuvor in einem schwulen Pornokino verhaftet wurden. Der Libanon verbot daraufhin die Tests (queer.de berichtete). Es gab aber im letzten Jahr Berichte, dass diese immer noch durchgeführt werden (queer.de berichtete).

Ende der Homo-Verfolgung gefordert

Die tunesische LGBT-Organisation Shams kritisierte die Verurteilung der jungen Männer scharf und forderte deren sofortige Freilassung. Außerdem appellierten die Aktivisten an die Zivilgesellschaft, sich für die Abschaffung des Paragrafen 230 einzusetzen, der Homosexualität unter Strafe stellt.


Ex-Justizminister Mohamed Salah Ben Aïssa

In Tunesien gibt es inzwischen eine Debatte über die Aufhebung des Homo-Verbots. So forderte der damalige Justizminister Mohamed Salah Ben Aïssa im September, Paragraf 230 ersatzlos zu streichen. Er erklärte, dass die als Folge des Arabischen Frühling erlassene neue Verfassung des Staates Grundrechte wie den Schutz der Privatsphäre umfasse und nicht mit Gesetzen wie dem Homo-Verbot in Einklang gebracht werden könne. Allerdings sei es Aufgabe des Parlamentes, die Initiative für eine Gesetzesreform zu ergreifen. Bislang haben die Abgeordneten – offenbar aus Sorge um ihre Wiederwahl – das Thema nicht aufgegriffen.

Grund für die Zurückhaltung ist eine tief verankerte Homophobie in dem von traditionellen muslimischen Ansichten geprägten Land. Laut einer Umfrage des Pew Research Center aus dem Jahr 2013 glauben 94 Prozent der Tunesier, dass Homosexualität in der Gesellschaft nicht akzeptiert werden dürfe. Der vergleichenden Umfrage zufolge lehnten damit in Tunesien mehr Menschen Homosexualität ab als in Palästina oder Pakistan.

In Tunesien werden immer wieder Verurteilungen aufgrund von Homosexualität gemeldet. International für Aufsehen sorgte eine Anfang des Jahres verhängte Gefängnisstrafe gegen einen schwedischen Staatsbürger (queer.de berichtete). (dk)



#1 FelixAnonym
  • 14.12.2015, 14:20h

  • Ich kann nicht verstehen, wie man in solchen Barbarenstaaten auch noch Urlaub machen kann...

    Damit unterstützt man solche Regime auch noch.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 GeorgGAnonym
  • 14.12.2015, 14:22h
  • Und das in dem Vorzeigeland der arabischen Welt, dort, wo der "Arabische Frühling" angeblich in voller Blüte steht!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 FelixAnonym
  • 14.12.2015, 14:29h
  • Antwort auf #1 von Felix

  • PS:
    Und es geht ja nicht nur um die Verfolgung einheimischer GLBTI, sondern auch um die eigeneSicherheit.

    Dabei gibt es auch für die Fans von Sonne, Strand und Meer so viele homofreundliche Alternativen. In Europa z.B. Spanien und Portugal. Oder wen es weiter weg zieht z.B. Florida, Hawaii, etc.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 lucdfProfil
  • 14.12.2015, 14:31hköln
  • Tja... Tunesien als Urlaubsland wird aus meiner Liste gestrichen.
    Übrigens...auf Oberammergau habe ich auch Null-Bock.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 SoziologeAnonym
  • 14.12.2015, 14:40h
  • "eine tief verankerte Homophobie in dem von traditionellen muslimischen Ansichten geprägten Land."

    JEDE Religion (egal wie sie sich nennt) basiert im Kern auf Bevormundung, Unterdrückug und dem Schüren von Hass. Anders kann Religion nicht funktionieren.

    Und für die eigenen Ziele wird dann auch vor Folter, Mord, etc. nicht zurückgeschreckt.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 derMichel
  • 14.12.2015, 15:37h
  • Antwort auf #1 von Felix
  • Das ist ein zwei schneidiges Schwert. Mit einem Boykott erreiche ich ja auch nur, das sich nichts ändert, und alles beim Alten bleibt.
    Ich gebe allerdings zu, das ich auch keine Lust habe in einem Land Urlaub zu machen, das mich nicht akzeptiert
  • Antworten » | Direktlink »
#7 JadugharProfil
  • 14.12.2015, 16:35hHamburg
  • Es gibt Schwule so wie mich, für die es stets extrem schmerzhaft ist, wenn etwas in den Enddarm eingeführt wird und es trotz Entspannungsübungen und Dildotraining nichts zu machen ist. Bei mir ist es die sehr empfindliche Haut die gleich bei einer versuchten Penetration mit einer sehr dauerhaften Entzündungen reagiert. Also vermeide ich dieses. Wie will man dann beweisen, daß ich schwul bin! Für mich bedeutet Schwulsein nicht unbedingt Analverkehr! Schon aus diesen Gründen ist diese Analuntersuchung völliger Quatsch!
  • Antworten » | Direktlink »
#8 HonestAbeProfil
  • 14.12.2015, 17:46hBonn
  • Antwort auf #7 von Jadughar
  • "Wie will man dann beweisen, daß ich schwul bin!"

    Zum Beispiel indem man dir zwei Bilder zeigt, jedes von einem Arschloch in Großaufnahme. Eines von einer 20-jährigen Frau, das andere von einem 20-jährigen Twink, beide extrem nah herangezoomt, damit man das Geschlecht nicht erahnen kann.

    - Wenn du nur bei dem Twink einen Ständer bekommst: SCHWUL! Ganz klare Sache!

    - Wenn du bei dem Twink und der Frau eine Ständer bekommst: SCHWUL! Ganz klare Sache!

    - Wen du nur bei der Frau einen Ständer bekommst: SCHWUL, denn nur SCHWULE stehen auf Arschlöcher! Garantiert bist du dann auch noch pädophil, weil du dich für das Arschloch entschieden hast, dass nicht mal das kleinste Härchen aufweist.

    ... oder so ähnlich, je nachdem ob das ruchlose Regime mal wieder ein Exempel an einer Minderheit statuieren will, um einen auf "starken Mann" zu machen.

    In ihrem Kern sind alle Regime gleich. Mach das Volk gefügig, indem du ihren Hass (welcher eigentlich dem Regime gelten sollte) eine Zielscheibe anbietest. Funktioniert seit Jahrtausenden so, nennt sich Scapegoating. Gibt es sogar in s. g. "zivilisierten Ländern" wie Deutschland und nur das ist es, worum es in Wirklichkeit immer geht. Auch die Minderheit ist letztendlich egal. Juden, Ausländer, Schwule, Trans* ... Hauptsache ein Feindbild, dass man nähren kann.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 HonestAbeProfil
  • 14.12.2015, 17:52hBonn
  • Ergänzung zu #8:

    Ganz vergessen! Wenn du einfach keinen Ständer bekommst, zählst du natürlich auch als SCHWUL! Nur ein SCHWULER würde sich derart vor den Behörden verstecken. Alternativ erklärt man dich einfach zum Schlappschwanz ... also kein richtiger Mann ... also weibisch ... also SCHWUL!

    Und das Volk, das glaubt ...
  • Antworten » | Direktlink »
#10 GeorgGAnonym
  • 14.12.2015, 18:20h
  • Antwort auf #3 von Felix
  • "Dabei gibt es auch für die Fans von Sonne, Strand und Meer so viele homofreundliche Alternativen. In Europa z.B. Spanien und Portugal."

    Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko fallen als schwules Reiseziel weg, ebenso der Libanon und Syrien sowie bald auch die Türkei..

    Es bleiben tatsächlich im Nahbereich nur noch Spanien und Portugal und, mit großen Einschränkungen, einige Regionen Italiens.
  • Antworten » | Direktlink »