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  • 18.12.2015, 07:04h           64      Teilen:   |

Hape Kerkeling auf dem Jacobsweg

"Ich bin dann mal weg": Eine Reisewarnung

Artikelbild
Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" war vor zehn Jahren ein Bestseller, Julia von Heinz hat es jetzt verfilmt - mit Devid Striesow in der Hauptrolle (Bild: Warner Bros. Germany)

Ab Heiligabend im Kino: Devid Striesow läuft als asexueller Hape Kerkeling den Jacobsweg in der Verfilmung von dessen Bestsellerbuch.

Gastbeitrag von Johannes Kram

Vor zehn Jahren war eine ganz andere Zeit. Das muss man sich bewusst machen, wenn man diesen Film anschaut, der ein Film ist über ein Buch, das vor zehn Jahren den Nerv der Zeit getroffen hat.

Vor zehn Jahren gab es noch kein iPhone, YouTube war gerade geboren, und auch Facebook war noch so unschuldig, dass man es mit bedeutungsvollen klugen Dalai-Lama-Sprüchen zumüllen konnte, ohne vor seinen Freunden als naiver Volltrottel dazustehen. Das geht heute nicht mehr. Kalendersprüche gehen heute nicht mehr. Und das ist schon das erste Problem dieses Filmes, der ein Kalenderspruchfilm und schon deshalb kaum auszuhalten ist.

Das zweite Problem ist, dass es hier um einen Mann geht, den man nicht sieht, ohne den aber alles nichts ist, weil alles, was hier erzählt, gesagt und behauptet wird, nichts ist, außer dass es von Deutschlands beliebtestem Menschen erzählt, gesagt und behauptet wird.

Okay, das Buch ist in soundsoviel Sprachen übersetzt worden, man muss also gar nicht Hape Kerkeling kennen, um sich dafür interessieren zu können, was er vor zehn Jahren zu sagen hatte. Aber anders als im Buch kann man im Film nicht mit der inneren Stimme des Erzählers verschmelzen. Im Film hört man einem Schauspieler zu, der Hape Kerkeling sein soll, der dauernd auf den Zuschauer einredet, der dauernd "ich, ich, ich" sagt, ohne auch nur einmal anzudeuten, wer er eigentlich ist.

Fortsetzung nach Anzeige


Kerkelings Homosexualität wird nahezu komplett ausgeblendet

Poster zum Film: "Ich bin dann mal weg" startet am 24. Dezember 2015 in den Kinos
Poster zum Film: "Ich bin dann mal weg" startet am 24. Dezember 2015 in den Kinos

Ein Widerspruch, den im Buch offensichtlich niemanden gestört hat, wird im Kino zur Zumutung: Hier buhlt jemand um Aufmerksamkeit für sein Innenleben und gibt uns gleichzeitig zu verstehen, dass uns das nichts, aber auch gar nichts angeht.

Man kann es ihm nicht verdenken, dem in einer Zeit Zwangsgeouteten, als Schwulsein noch ein Skandal war. Man kann es ihm nicht verdenken, dass er das eigene Schwulsein nur kurz erwähnt und nicht thematisiert, warum sollte er auch, ist ja auch gut so und egal und die Heteros thematisieren ihr Heterosein ja auch nicht.

Doch wenn man sich über diesen Film nicht nur ärgern will, sondern darüber nachdenkt, was er eigentlich ist, beziehungsweise nicht ist, was da mit tausenden Worten eben nicht gesagt wird, dann fällt einem auf, dass es eben nicht egal ist: das mit dem Schwulsein. Dass ein Hetero, der der Meinung ist, dass das eigene Leben irgendwie ins Kino muss, uns irgendwas davon erzählt hätte von diesem Leben – außer dem, was vor der Pubertät stattgefunden hat oder auf einer Bühne.

Vor zehn Jahren war eine ganz andere Zeit. Da hatte Hamburg einen schwulen Bürgermeister, der auch deswegen so beliebt war, weil er die Leute mit Details zu seinem Privatleben verschont hatte. Wen versucht dieser Film zu schonen? Die Zuschauer? Oder Kerkeling selbst?

Die hohle Pose des Narzissten

Nein, es geht uns nichts an, wen Hape Kerkeling geliebt hat, wer oder was ihn betrübt hat, was ihm wichtig war, außer ein Star im Fernsehen zu sein. Aber dass er geliebt hat, betrübt war, das gehört schon in so einen Film, wenn er den Anspruch hat, nicht nur die hohle Pose eines Narzissten auszustellen.

Einmal im Film denkt man, es könnte so weit sein. Da sieht man den pilgernden Kerkeling, wie ihm in einem spanischen Dorf ein kleiner Junge über den Weg läuft. Kerkeling schaut dem Jungen nach, doch dieser verschwindet plötzlich.

Wer oder was hat sich da gerade in Luft aufgelöst? Eine Erinnerung? Ein Traum? Ein nicht gelebtes Leben? Wir erfahren es nicht. Sollen aber trotzdem ergriffen sein. Denn jetzt weint Kerkeling und die Musik wird unerträglich seicht und unerträglich laut und man fragt sich, wo eigentlich gerade der Kameramann abgeblieben ist, wir sind doch hier im Kino, da kann man doch zumindest in Bildern erzählen, wenn man es schon nicht in Worten und Taten tun möchte.

Doch auch hier bleibt es beim behaupteten Gefühl, toll, gespielt von Devid Striesow, wie auch alle anderen toll spielen, aber es bleibt ein schönes Spiel, was ja völlig okay wäre, wenn es nicht dauernd so tun würde, als sei es so viel mehr als das.

Am Ende des Weges sehen wir das Ziel der Reise, die Kathedrale von Santiago de Compostela. Aber gleichzeitig sehen wir auch das Funkhaus von Radio Bremen in einer Rückblende, die zeigt, wie auch der junge Kerkeling endlich an seinem Ziel angekommen ist, dem Fernsehen. Und dann fällt einem ein, dass der (auch im Film gespielte) Kerkeling-Titel "Mein Leben ist die Show" vielleicht doch keine Ironie gewesen ist, sondern traurige Wahrheit.

Dem "Spiegel" hat Hape Kerkeling anlässlich des Filmstarts erzählt, dass er sich in seinen TV-Shows nie wohlgefühlt habe. Das ist schade. Einerseits. Andererseits lässt es hoffen. Dass er mittlerweile einen ganz anderen, für ihn viel wichtigeren Weg gegangen ist. Dass er jetzt nicht nur weiß, was er will, sondern das auch leben kann. Vielleicht erzählt er uns ja mal davon. Meinetwegen auch in einem Film. Einen Titel hätte ich schon: Ich bin dann mal da.

Youtube | Offizieller Trailer zum Film
  Infos zum Film
Ich bin dann mal weg. Komödie. Deutschland 2015. Regie: Julia von Heinz. Darsteller: Devid Striesow, Martina Gedeck, Karoline Schuch, Annette Frier, Katharina Thalbach- Laufzeit: 92 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Verleih: Warner Bros. Deutscher Kinostart: 24. Dezember 2015.
Links zum Thema:
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Ich bin dann mal weg

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Tags: hape kerkeling, ich bin dann mal weg, devid striesow, julia von heinz, kino
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Reaktionen zu ""Ich bin dann mal weg": Eine Reisewarnung"


 64 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
18.12.2015
08:58:14


(+8, 12 Votes)

Von Robin


Wenn Hape Kerkeling unbedingt auf einen christlichen Selbstfindungs-Trip gehen will, ist das sein Ding. Aber das muss ich weder als Buch lesen noch als Film sehen...


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#2
18.12.2015
09:06:09
Via Handy


(+3, 7 Votes)

Von Komischer Vogel


Ich mochte das Buch aber glaube das es sich weder für eine Verfilmung eignet und das es befremdlich wirkt das Hape sich nicht selber spielt.


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#3
18.12.2015
09:26:57


(0, 8 Votes)

Von Nico


Katholisch Erzogene schaffens nie richtig anzunehmen


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#4
18.12.2015
11:02:41


(+6, 8 Votes)

Von willie


Wer Hannilein damals gesehen hat, und das mit den Shows vergleicht, die er danach gemacht hat, wundert sich nicht, dass er in seinen Shows immer unglücklich war.
Hape ist eigentlich eher ein anarchistisches Monty-Python-esques Talent, kein Familien-Showmaster.


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#5
18.12.2015
11:03:19


(+5, 11 Votes)

Von Peer


Achja, der überzeugte Katholik Hape Kerkeling, der vor ein paar Jahren eine glühende Rede hielt, warum Schwule und Lesben nicht heiraten dürfen sollten...

Der ist bei mir schon lange unten durch. Und seine Pilgerfahrten passen da gut ins Bild.

Da hat die katholische Kirche wieder ganze Arbeit mit ihrer Gehirnwäsche geleistet.


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#6
18.12.2015
11:13:08


(+5, 11 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Präpubertäre Kalenderspruchweisheiten ist doch ohnehin alles, was Christen zum Erkenntnisstreben beitragen können. Mal abgesehen von den Aufrufen zu Mord und Gewalt an Andersdenkenden und anders Lebenden/ Liebenden.

Dass jemand sich und seine kindlich-religiotischen Ergüsse vor einem breiten Publikum selbstverliebt präsentieren muss, passt zu diesem psychologisch nicht mal wirklich interessanten Kinderglauben. - Das müssen klar Denkende sich auch noch als Film wirklich nicht antun lassen.


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#7
18.12.2015
11:43:13
Via Handy


(+2, 12 Votes)

Von Anonym


Also wow sehr gut geschriebene Kritik!!!


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#8
18.12.2015
11:47:46


(+7, 11 Votes)

Von Cantero


Also ich muss echt keine katholischen Erweckungs-Storys von Leuten, die mit ihrem Altern nicht klar kommen und den Sinn ihres Lebens suchen, haben.


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#9
18.12.2015
12:27:13


(-6, 8 Votes)

Von Patroklos
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Antwort zu Kommentar #6 von userer


Youtube-Video:


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#10
18.12.2015
12:41:19


(+2, 6 Votes)

Von resi am weg


bissl weg, bissl alpin, bissl kalender, bissl lama, bissl bissl......

Youtube-Video:


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