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  • 18.12.2015, 12:54h               Teilen:   |

Tribute-Album

Mit Schnauze, Charme und Sentiment: "für Hilde"

Artikelbild
Hildegard Knef (1925-2002) wäre am 28. Dezember 90 Jahre alt geworden. Das Foto stammt aus dem Jahr 1969 (Bild: Wiki Commons / Eric Koch (Anefo - Nationaal Archief) / CC-BY-SA-3.0)

Auf einem einzigartigen Tribute-Album für Hildegard Knef verbeugen sich 19 Pop-Kreative vor der Grande Dame des deutschsprachigen Chanson.

Die Bühne für die rauschende Geburtstagparty ist bereitet, die Stimmen sind geölt und die Musikverrückten haben sich zu Ehren einer Einzigartigen versammelt. Für Hilde Knef, die am 28. Dezember 2015 ihren 90. Geburtstag gefeiert hätte, bündeln die musikalischen Gratulanten, was die Jubilarin zu Lebzeiten wie keine andere der deutschen Kulturlandschaft in ihrem Charakter vereinte: Schnauze, Charme und Sentiment.

Der Pop verbeugt sich vor der Grande Dame des deutschsprachigen Chanson auf dem Tribute-Album "für Hilde" und nimmt sie, die Lebensreisende zwischen Drama und Triumph, in seine Mitte. Willkommen im Mittenmang, Hildegard Knef!

Mark Forster, Salut Salon, Die Fantastischen Vier, Cosma Shiva Hagen, Bela B & Bonaparte, Clueso

Die Liste der musikalischen Gratulanten ist auf "für Hilde" so schillernd wie lang – und die Knef ist mit ihrer Chuzpe, ihrem Geist und ihrer Stimme mittendrin im aktuellen Popgeschehen. Die Fantastischen Vier unterstreichen mit "Im 80. Stockwerk", einer neuen Version ihres Knef-Sample-Songs "Die Stadt die es nicht gibt", die perfekte Analogie von Knef, Groove und Sprechgesang. Das Hamburger Frauenquartett Salut Salon führt die Knef mit "Lass mich bei dir sein" auf kammermusikalische Fährte. Mark Forster holt "Halt mich fest" aus seinem ursprünglichen Big Band-Gewand und destilliert im behutsam-modernen Arrangement die Eindringlichkeit dieses Knef-Songs.

Cosma Shiva Hagen taucht "Der Mond hatte frei" in eine sinnliche Symphonie der durchdringenden Wörter. Bela B & Bonaparte vertonen erstmals den bislang unveröffentlichten Knef-Text "Wohin ich blicke". Standesgemäß, versteht sich. Wer könnte Zeilen wie "…und ein leicht lädierter Affe wäre allzu gern Giraffe…" mit treffenderem Pathos zu Gehör führen als dieses musikalische Dream-Team? Der Knef-Klassiker "Ich bin zu müde um schlafen zu gehen" sieht die Welt durch die Augen von Clueso.

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Samy Deluxe, Cäthe, Jupiter Jones, Dendemann, Miss Platnum, Lea

Die bei Four Music erschienene Compilation ist eine ganz besondere Geburtstagsparty "für Hilde"
Die bei Four Music erschienene Compilation ist eine ganz besondere Geburtstagsparty "für Hilde"

Die Geburtstagsgäste auf "für Hilde" besitzen so unterschiedliche musikalische Sozialisationen wie die Neugierde der Knef auf jene Geschichten, die nur das Leben schreiben kann, groß war. Für Hilde war Musik das Größte und sie war am liebsten mit den Musikern der jeweiligen Zeiten zusammen, wenn sie ein Aufnahmestudio betrat.

Folgerichtig kam's zwischen der Konserven-Stimme der Knef und Samy Deluxe für "Von nun an ging's bergab" zum Gipfeltreffen, an dem Hilde ihre helle Freude gefunden hätte. Nicht nur wegen des Vaters, der in der Neuinterpretation ständig stoned war, sondern vor allem wegen des Brückenschlags zwischen Moderne und glorreicher Knef-Vergangenheit.

Jupiter Jones artikulieren sich unfreiwillig tagespolitisch aktuell mit ihrer Prämieren-Vertonung von Knefs "Intrigen Intrigen". Lea fleht in "So hat alles seinen Sinn" um die Beständigkeit einer Illusion, während Dendemann sich für "Insel meiner Angst" mit der Stimme der Knef im Studio trifft und nicht nur das Offensichtbare, sondern auch das hoffentlich Wahre zu Gehör bringt.

Miss Platnum bringt das Lebensmotto der Knef in "Meine Lieder" auf den Punkt: "Meine Lieder sind anders, so, wie ich bin!". Cäthes Stimme formt die Zerrissenheit zwischen Fluchtversuch und Heimweh von "In dieser Stadt" mit dringlicher Direktheit.

Youtube | Clueso: "Ich bin zu müde, um schlafen zu geh'n"

Nisse, Johannes Oerding, Nörd, Selig, Mietze, Flo Mega, Alina

Die stilistische Vielfalt auf "für Hilde" spiegelt die enorme musikalische Bandbreite der Knef. Jazz, Chanson, Easy Listening, Soul, Großorchestriertes, Brecht, deutschsprachige Songs, die auch Impulsgeber für Liedermacher waren, Rockmusik – die Knef wusste, dass man Grenzen nur überwinden musste, wenn man Grenzen akzeptierte. Sie, die Angstfreie, die Exzessive, deren Hemmungslosigkeiten schon in den Fünfziger Pop waren, galt als musikalisch Unersättliche, als Freiheitsliebende.

In "Doch drehst du dich", dem letzten der drei bislang unveröffentlichten Knef-Texte, werden die oft widersprüchlichen Attribute, die an der Knef hingen, von Nisse akzentuiert. Ruhe und Alarm, Reflexion und Impulsivität, am Boden sein und auf Wolken schweben – die Knef trank sich voll mit Leben, und ihr Geburtstagsalbum "für Hilde" hält ihre Gedanken lebendig.

Johannes Oerding ist mit seinem ewig musikreisenden Herz in "Eins und eins, das macht zwei" dabei, Flo Mega trägt "Wieviele Menschen waren glücklich, dass du gelebt hast" durch eine musikalische Tour de Force. Mietze zelebriert die Berliner "Sommersprossen" als Elektro-Pop, Nörd dreschen mit Folktunings zur Liebesabkehr "Ich gebe alles auf" in die Saiten. Den Hilde Knef-/Marlene Dietrich-Klassiker "Ich hab noch einen Koffer in Berlin", lassen Selig um Stromgitarren kreisen, und Alina beschließt mit "Für mich soll's rote Rosen regnen" das Musikuniversum der Unvorhersehbarkeit "für Hilde".

Damit ist "für Hilde" weit mehr als ein Tribute-Album. Zwar verbeugen sich die mitwirkenden Pop-Kreativen vor der Knef, aber ihr, der Unbeugsamen, wäre sicher viel lieber, was sich auf "für Hilde" so nachdrücklich präsentiert: Das Folgen des eigenen musikalischen Instinkts jedes einzelnen Mitwirkenden. Sie hätte Spaß daran gefunden, dass ihre Lieder weiter klingen, in den unterschiedlichsten Styles.

Ella Fitzgerald attestierte der Knef, "der Welt größte Sängerin ohne Stimme" gewesen zu sein. Mag sein, dass da was dran war. Aber sie behauptete ihre Stimme nicht nur in der Zeit, als die Beatles das Pop-Verständnis neu deuteten. Auch heute, 50 Jahre später, besticht ihre markant-brüchige Stimme durch einzigartige Nonchalance. So wie ihre Lieder, die ihr liebstes Lebenswerk bildeten und jetzt, zum Neunzigsten, neue Lebensrhythmen finden – "für Hilde". (cw)

Youtube | Die Fantastischen Vier: "Im 80. Stockwerk"
Links zum Thema:
» In das Album bei Amazon reinhören
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Tags: hildegard knef, für hilde
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