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Nach dem Urteil des obersten Gerichts zur Wiedereinführung des Homo-Verbots hatten Menschen in vielen Städten wie hier in Sangli für eine Abschaffung des Paragrafen 377 demonstriert

Eine Gesetzesvorlage, den Anti-Homo-Paragrafen 377 abzuschaffen, fand im Parlament keine Mehrheit.

Zwei Jahre nach der umstrittenen Entscheidung des obersten Gerichts Indiens, den Anti-Homo-Paragrafen 377 wieder in Kraft zu setzen, ist im Parlament ein Versuch gescheitert, das aus der britischen Kolonialzeit stammende Verbot abzuschaffen.

Eine entsprechende Vorlage des Oppositionspolitikers Shashi Tharoor wurde am Freitag mit 24 zu 71 Stimmen abgelehnt. "Eine solche Ablehnung überrascht", kommentierte Tharoor, ein Schriftsteller, früherer UN-Diplomat und Politiker der Partei National Congress, die Entscheidung im sozialen Netzwerk Twitter. Er versprach, die Vorlage bald erneut einzubringen. Vertreter der führenden Regierungspartei BJP hatten Anfang des Jahres angedeutet, sich ebenfalls für eine Abschaffung des Verbots stark machen zu wollen (queer.de berichtete); die hindu-nationalistische Partei blieb bislang aber eine Umsetzung dieses Versprechens schuldig.

Der Paragraf 377 sieht bis zu zehn Jahre Haft für homosexuelle Handlungen vor. 2009 erklärte ein Gericht in Neu-Delhi das Gesetz aus dem Jahr 1860 zwar für verfassungswidrig (queer.de berichtete), allerdings revidierte der oberste Gerichtshof Indiens im Dezember 2013 diese Entscheidung und führte damit das Homo-Verbot erneut ein (queer.de berichtete). Das Gericht, das die Frage in Kürze wieder aufnehmen könnte, hatte argumentiert, das in über 100 Jahren nicht einmal 200 Menschen nach dem Paragrafen verurteilt worden seien.

Die Zeitung "Deccan Herald" berichtete danach allerdings von Polizeiwillkür und einem Anstieg von zeitweiligen Festnahmen (queer.de berichtete). Nach neuesten Zahlen des Innenministeriums wurden 2014 ganze 1.279 Personen aufgrund des Paragrafen 377 vorübergehend festgenommen, darunter 14 Frauen. 179 Personen waren unter 18, 639 zwischen 18 und 30 Jahre alt. (nb)



#1 RalfAnonym
  • 18.12.2015, 16:56h
  • Es erstaunt immer wieder, mit welcher Verbissenheit ehemalige Kolonien an menschenrechtswidrigen Gesetzen festhalten, die ihre Kolonialherren ihnen einst aufgezwungen hatten, während die früheren Kolonialherren selbst sie längst über Bord geworfen haben.
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#2 2014Anonym
  • 18.12.2015, 18:30h
  • Mindestens 400 Millionen Analphabeten leben in Indien. Aber vermutlich sind es weitaus mehr, da die Statistik schamhaft verschweigt, dass Zweidrittel derer, die am untersten Ende der sozialen Hierarchie stehen, nämlich Mädchen und Frauen, allenfalls ihren Namen schreiben können.

    www.liftindien.de/indien/

    Nach der Verfassung ist Indien demokratisch und die Bevölkerung darf ihre Regierung wählen.

    Aber: Es ist eine Demokratie indischer Prägung. Parteien kaufen sich im Wahlkampf häufig die Stimmen. Vor allem für die Ärmsten ist das eine Einkommensmöglichkeit. Von den 543 Parlamentariern des gegenwärtigen Unterhauses waren 128, d.h. also knapp ein Viertel, straffällig. 84 waren wegen Mordes, 17 wegen Raubes und 28 wegen Diebstahl und Erpressung angeklagt.
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#3 MariposaAnonym
  • 18.12.2015, 18:56h
  • Damit ist Indien der einzige sogenannte "freie" Staat in Asien (also Demokratie), der Homosexualiät verbietet.... Einfach nur traurig. Wer dort seinen Urlaub verbringen möchte, dem ist echt nicht mehr zu helfen.

    Die anderen Staaten in dieser Kategorie sind Israel, Japan, Mongolei, Philippinen, Südkorea und Taiwan. In allen Genannten ist Homosexualität legal und sind zum Teil recht fortschrittlich in der Gesetzgebung.

    Kambodscha, Nepal und bis letztes Jahr Thailand werden unter "halbfrei" gelistet und kennen keine Strafgesetze für Homosexualität.
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#4 aLuckyGuyProfil
  • 19.12.2015, 11:06hPeine
  • Antwort auf #3 von Mariposa
  • Meines Erachtens werden Begriffe wie Demokratie sehr oft viel zu leichtfertig und gedankenlos verwendet. Demokratie kann nicht einfach per Definition und Verfassung in einen Land geschaffen werden. Auch wenn es langweilt, eine der wichtigsten Grundlagen eines demokratischen Staates ist die Freiheit eines jeden einzelnen Induviduums. Wenn jedoch die Freiheit der sexuellen Orientierung nicht gegeben ist fehlt ein wesentlicher Grundbestandteil der Demokratie. Man kann nicht einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung ausklammern und behaupten, dass der Rest ein demokratischer Staat ist.
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#5 David77Anonym
#6 Homonklin44Profil
  • 24.12.2015, 17:57hTauroa Point
  • Ja, schon bedrückend, wie ein Land mit einer so reichhaltigen Kultur und ansonsten recht bunter Weltanschauungen sich so von der Kolonialfuchtel hat prägen lassen. Aber in den afrikanischen Homohasser-Staaten beobachten wir Ähnliches -- wie die Gesetze von der Kolonialisten-Kultur deren Denken bis heute hin prägen.

    Andererseits hat Indien diese seltsamen Werte, die besonders Frauen- und Kinderrechte ignorieren. Verunstaltungen von nicht heiratswilligen Mädchen, sich Abreagieren an Kindern, weil sie Mädchen sind, Gruppen-Vergewaltigung und solche Meldungen, die hin und wieder bis zu uns dringen ... wie viel davon mag dort die traurige Realität begleiten?

    Der Titel 'Demokratie' wurde schon vielen nicht annähernd demokratischen Staaten gegeben. Das scheint so zu laufen, wie mit dem Prädikat "Bio" etwa.
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#10 Johannes45Anonym