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  • 10. März 2005, noch kein Kommentar

Der Kanadier sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch eine tolle Stimme: Erobert Michael Bublé damit auch Deutschland?

Von Jan Gebauer

Die Amerikaner in Zeiten totaler R&B- und Hip-Hop-Invasion noch für alte Standards und gehobenes Liedgut im Stile eines Frank Sinatras zu begeistern ist nicht einfach. Michael Bublés schlicht nach ihm benanntes Debüt war eine Ausnahme. 2003 veröffentlicht, kroch das Album die Top-200 der US-Billboard-Charts nach oben, erklomm Platz 47 und verkaufte sich annähernd eine Millionen Mal. International ließt sich seine Bilanz noch besser: Fünffaches Platin in Australien, dreifaches Platin in Kanada, Doppelplatin im UK, in Südafrika, Italien, Neuseeland und auf den Philippinen, Gold in Indonesien, Malaysia, Spanien, Taiwan und Hongkong. Der Italo-Kanadier kommt herum, die Auswahl von Pop-Klassikern und Standards im zeitgemäßen Big-Band-Sound gefällt. Das der meist melancholisch dreinschauende Sänger zudem attraktiv ist, schadet seiner Karriere wohl auch nicht.

Den Deutschen ist er bisher relativ unbekannt geblieben. Das will er aber nun mit seinem zweiten Album "It's Time" (rechnet man seine independent veröffentlichten Alben nicht mit) ändern. Darum könnte man den Titel durchaus auch prophetisch nehmen, denn es ist tatsächlich an der Zeit, dem Sänger Beachtung zu schenken. Vielfach wird er schon als neuer Frank Sinatra gefeiert, was ein wenig übertrieben erscheint. Seine Stimme, durchaus kraftvoll und frisch, scheint mehr im Pop verwurzelt zu sein, als im Jazz oder Swing. Aber da Sinatra auch kein Purist war - wir erinnern uns an "Strangers In The Night" oder "My Way" - greift auch Bublé gerne auf Pop-Klassiker und Standards zurück. In einigen Fällen hat man jene Lieder schon oft in anderen Interpretationen gehört: "I've Got You Under My Skin" oder "Try A Little Tenderness" seien als Beispiele genannt. Interessanter sind dann schon Songs wie "Can't Buy Me Love" (Original von den Beatles) oder "How Sweet It Is" (Original von Marvin Gaye), die im swingenden Big-Band-Sound ganz neue Facetten offenbaren. Bei Stevie Wonders schöner Ballade "You And I" oder Leon Russells nicht minder verzauberndem "Song For You" fühlt man sich in eine rauchige Bar versetzt.

Vielfach bedient Bublé eher Easy-Listening als Vocal Pop: Sein Duett mit Nelly Furtado bei "Quand, Quando, Quando" und das südamerikanisch eingespielte "Save The Last Dance For Me" wurden in dieser Richtung arrangiert. Da merkt man stark, dass Superstar-Produzent David Foster (Whitney Houston, Céline Dion, Toni Braxton) an den Reglern saß, der auch für Bublés Klassik-Equivalent Josh Groban tätig war. Weniger Streicher wären bei diesen Kompositionen vielleicht besser gewesen. Leider ist es gerade Michael Bublés erste Eigenkomposition, "Home", die etwas im Hintergrund verschwindet und kaum den großen anderen Songs gewachsen ist. Doch der 1975 geborene Crooner ist jung genug, um diesbezüglich Erfahrungen zu sammeln, die er später in adäquaten Kompositionen einfließen lassen kann. "It's Time" ist sicher kein Album-des-Jahres-Anwärter, hat aber durchaus charmante Momente und kann in einem Rutsch genüsslich durchgehört werden.

10. März 2005