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Reaktion nach Presserat-Beschwerde

"Delmenhorster Kreisblatt" trotz Rüge uneinsichtig


Deutschlands peinlichste Lokalzeitung: Das "Delmenhorster Kreisblatt" verkauft laut IVW rund 15.000 Exemplare

Lesben und Schwule als "abartige Lebensform" zu bezeichnen, ist für die Lokalzeitung Ausdruck einer "pluralistischen Gesellschaft".

Trotz einer Rüge des Deutschen Presserats sieht das "Delmenhorster Kreisblatt" in der Veröffentlichung eines zutiefst homophoben Leserbriefs keine Diskriminierung, sondern eine freie Meinungsäußerung. In ihrer gedruckten Ausgabe veröffentlichte die Lokalzeitung jetzt die bereits am 2. Dezember ausgesprochene Sanktion mit einem kommentierenden Zusatz.

Die Rüge ging auf eine Beschwerde des Projekts "100% Mensch" zurück. Am 21. Juli hatte das "Delmenhorster Kreisblatt" eine Leserzuschrift veröffentlicht, in der Lesben und Schwule u.a. als "abartige Lebensform" diffamiert und in die Nähe von Straftaten gerückt worden waren – der Beschwerdeausschuss des Presserates sah darin einen klaren Verstoß gegen die Diskriminierungs-Klausel des Pressekodex (queer.de berichtete)

Das wird man doch noch mal sagen dürfen...


Die neue Veröffentlichung des "Delmenhorster Kreisblatts"

Doch das Lokalblatt bleibt uneinsichtig: "Die dk-Redaktion wertet die Zuschrift nach wie vor als eine zulässige, entsprechend gekennzeichnete individuelle Äußerung, die in einer pluralistischen Gesellschaft ausgesprochen werden darf", heißt es in dem jetzt veröffentlichten Artikel "in eigener Sache".

Für Holger Edmaier von "100% Mensch" ein typischer Fall aus der Kategorie "Das wird man doch noch mal sagen dürfen". Das "Delmenhorster Kreisblatt" verkenne die "Menschenverachtung und Diskriminierung durch den Leserbrief", kommentierte er auf der Facebook-Seite des Projekts. "Schlimmer noch, die Uneinsichtigkeit lässt befürchten, dass mit weiteren Veröffentlichungen in dieser Richtung zu rechnen ist."

Menschenfeindlichkeit sei keine Meinung, sondern ein "Akt der Gewalt", und wer sich an der Verbreitung solch diffamierender Thesen beteilige, ohne sie kritisch zu kommentieren, trage "dazu bei, Menschen aufzuhetzen, sie zu verletzen und die Gesellschaft zu spalten", so Edmaier. Die Redaktion müsse sich fragen lassen, "ob sie den Leserbrief auch veröffentlicht hätte, wenn dieser sich statt auf 'Homosexuelle' beispielsweise auf 'Juden', 'Flüchtlinge', 'Frauen' oder 'Ausländer' bezöge."

Über das Projekt "100% Mensch" schreibt das "Delmenhorster Kreisblatt" in der neuen Veröffentlichung, dass dieses "nach eigenen Angaben" für die komplette Gleichstellung von LGBT arbeite – eine Formulierung, die dort für Schmunzeln sorgte: "Diese wenig subtile Infragestellung unserer Tätigkeit spiegelt wunderbar die Bockigkeit eines gescholtenen Kindes", meinte Edmaier. "Selbst die oberflächlichste Recherche hätte ergeben, dass wir dies tatsächlich tun."

Er hoffe dennoch, dass die Lokalzeitung, die "nach eigenen Angaben 'journalistisch arbeitet'", künftig mehr Sorgfalt bei ihrer Arbeit erkennen lasse. (cw)



#1 schwarzerkater
  • 26.12.2015, 07:35h
  • wurde der Leserbrief mit Namen abgedruckt, oder durfte sich der homophobe Verfasser verstecken?
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#2 hugo1970Profil
#3 Thorben KAnonym
  • 26.12.2015, 09:45h
  • >> Lesben und Schwule als "abartige Lebensform" zu bezeichnen, ist für die Lokalzeitung Ausdruck einer "pluralistischen Gesellschaft".

    Wäre es für die denn auch "Ausdruck einer pluralistischen Gesellschaft", wenn man Schwarze als schmutzig, Juden als geldgeil, Muslime als Terroristen, Asiaten als Schlitzaugen, Frauen als Schlampen, etc. bezeichnen würde?

    Mit anderen Worten:
    Ist das Delmenhorster Kreisblatt "nur" homophob oder generell faschistisch?
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#4 wuermchenEhemaliges Profil
  • 26.12.2015, 09:55h
  • Antwort auf #2 von hugo1970
  • "Dann muß das blatt verboten werden!!!!"

    Genau. Wer sich nach einer Rüge eines Vereines in Deutschland nicht richtet sollte Verboten werden. Unwiederbringlich und direkt.
    Jawohl, das muss man ja wohl mal fordern dürfen.

    Die zuckersüße Doppelzüngigkeit ist immer wieder erheiternd hier im Forum.
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#5 hugo1970Profil
  • 26.12.2015, 10:10hPyrbaum
  • Antwort auf #3 von Thorben K
  • Generell faschistisch, da es NOCH, zurZeit verpönt ist, öffentlich gegen Asylanten zu wettern, machen sie es nicht. ZurZeit wettern sie "nur" gegen die LGBTI, da sie genau wissen, das sie das dürfen ohne ernsthafte Konsequenten befürchten zu müßen.
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#6 hugo1970Profil
#7 FreeyourgenderProfil
#8 MarcAnonym
  • 26.12.2015, 10:14h

  • Man darf getrost davon ausgehen, dass in der Redaktion des "Delmenhorster Kreisblattes" niemand arbeitet, der irgendwann in seinem Leben schweren Herzens ein Jobangebot der "New York Times" ausschlagen musste, nur um in Delmenhorst weiterhin die Fackel des Journalismus hochzuhalten...
    Was müssen sich diese Provinztippschwestern und Journalistendarsteller doch am plötzlichen Gefühl von Bedeutung berauschen, wenn nun einmal auch außerhalb ihrer kleinen Welt aus wörtlich übernommenen dpa-Meldungen und Gefälligkeitsartikeln für politische Lokal'größen' von ihrem belanglosen Alltagswirken Notiz genommen wird! Und jetzt können sie sich sogar einreden, sie kämpften für Meinungsfreiheit - welch ein Weihnachtsgeschenk für ein solches Käseblatt! (Und welch ein Armutszeugnis für die deutsche Presselandschaft, dass diesen Schreiberlingen der Unterschied zwischen >Hass< und >Meinung< auch 2015 noch nicht bewusst ist!)
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#9 RalfAnonym
  • 26.12.2015, 10:17h
  • Der in Deutschland aufblühende Rechtsextremismus hat sich mit Demos gegen Bildungspläne zur Akzeptanz von Schwulen und Lesben erstmals öffentlich inszeniert. Nachdem die als "Ausdruck der Meinungsfreiheit" hingenommen worden waren, richtet er sich jetzt auch (Pegida und Ableger) gegen andere Personenkreise und hat seine Fratze vom scheinbiederen Spießer zum offenen Nationalisten und Reaktionär gewandelt. Dass in dieser Atmosphäre rechtslastige Lokalzeitungen wie das Delmenhorster Kreisblatt sich dem aufkommenden Mainstream des Schwulenhasses anschließen, ist nicht verwunderlich. Erstaunlich ist eher das Urteil des Presserats. Üblicherweise wird doch Hetze gegen Schwule und Lesben (anders als gegen Juden, Schwarze Sinti u.a. Gruppen) eher hingenommen. Die Presse berichtet wertungsfrei, ja so neutral darüber, dass man annehmen könnte, es sei tatsächlich in Ordnung, Hass zu verbreiten und gegen Menschenrechte zu Felde zu ziehen. Dass es hier eine Rüge gegeben hat, war eine Überraschung für die Redaktion, die offenkundig glaubte, ihre menschenfeindlichen Ansichten im Gewande eines bestellten oder zufällig gerade eingereichten Leserbriefs verbreiten zu können, ohne dafür getadelt zu werden.
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#10 olfwobAnonym
  • 26.12.2015, 11:52h
  • Antwort auf #3 von Thorben K
  • Hm, ich denke mal generell faschistisch. Bei den anderen Themen funktioniert allerdings im Moment noch das Prinzip "immer schön in Deckung bleiben" - jedenfalls bis die Rechten auf der Strasse weitere Tabus niedergerissen haben. Alles nur eine Frage der Zeit - oder des Widerstands.
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