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  • 03.01.2016, 03:43h               Teilen:   |

"Postskriptum"

Filmstar verliebt sich in Briefträger

Artikelbild
Mehrfach ausgezeichnet: Alain Claude Sulzer, Jahrgang 1953, lebt als freier Schriftsteller in Basel, Berlin und im Elsass
Bild: Galiani Verlag

Alain Claude Sulzers neuer Roman "Postskriptum" handelt von einem schwulen Schauspieler, der in Eitelkeit und Einsamkeit ertrinkt.

Von Markus Kowalski

Die Erinnerungen können verblassen. Die beruflichen Erfolge, die Freundschaften, die Liebschaften, alles wird mit zunehmendem Alter unwirklicher. So ergeht es dem schwulen Filmstar Lionel Kupfer. Die Erinnerungen an vergangene Tage durchziehen sein Leben: die Männer kommen und gehen.

Der neue Roman des schweizerischen Schriftstellers Alain Claude Sulzer erzählt die Geschichte des Schauspielers Kupfer über eine Zeitspanne von 69 Jahren: Eine kurze Episode aus der Kindheit, ein langer Bericht über die Begegnungen im schicksalhaften Jahr 1933 in der südliche Schweiz, einige Kapitel in den 1940er Jahren, in denen er sich an diese Reise erinnert, und sein Brief im Jahr 1963, in der er die Erinnerung erneut hervor kramt.

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Das Schicksalsjahr '33 im Hotel Waldhaus

Sulzers neuer Roman "Postskriptum" ist im Berliner Galiani Verlag erschienen
Sulzers neuer Roman "Postskriptum" ist im Berliner Galiani Verlag erschienen

Wie schon in Sulzers herzerwärmenden Roman "Ein perfekter Kellner" (2006) spielt auch hier ein Hotel und das Leben seiner Angestellten und Gäste eine entscheidende Rolle. So läuft im Jahr 1933 im Hotel Waldhaus in Sils Maria die gesamte Erzählung zusammen. Hier begegnet Lionel Kupfer dem Postboten Walter. Hier reist auch Kupfers heimlicher Freund Eduard an, der Kunstwerke für Hitler persönlich sammelt. Auch Theres, die Mutter des Postboten Walter, arbeitet hier als Putzfrau, und Jahre später erliegt sie einem Schlaganfall, als sie ihren Sohn erstmals mit seinem "warmen Liebhaber" Bernard entdeckt.

Schließlich kommt der Zweite Weltkrieg, in der neutralen Schweiz bleibt das Hotel verlassen. Schauspieler Lionel Kupfer emigriert in die USA und schafft es dort aber nicht, seine erfolgreiche Karriere fortzusetzen. Also bleibt ihm viel Zeit, sich zu erinnern. Immer wieder kreisen die Gedanken um seine wenigen Tage in den Schweizer Bergen mit Walter und um seine Liaison zu Eduard.

Eine Affäre mit dem Postmann

Mit viel Lob und Auszeichnungen wurde der Autor in den letzten Jahren für seine Romane bedacht. Auch zum aktuellen Roman schäumt das Feuilleton mit Lob auf Sulzers Erzählkunst über.

Ja, Alain Claude Sulzer versteht es, einzelne Biografien miteinander zu verweben. Schicksale, wie er sie nennt. Gleich einem großen Puzzle werden auch in "Postskriptum" erst einzelne Begebenheiten lose hingeworfen und dann mit jedem Kapitel zu einem großen Gesamtbild verbunden. Diese Erzähltechnik, die auch Krimis so spannend macht, beherrscht Sulzer tatsächlich fabelhaft.

Doch im aktuellen Roman fehlt etwas ganz Entscheidendes: ein spannender Stoff. So kippt diese virtuose Erzähltechnik in ihr langweiliges Gegenteil um. Man erfährt das meiste aus den Erinnerungen des Schauspielers, alles ist schon passiert, seitenweise bekommt der Leser nur noch die vergangenen Reaktionen der Figuren serviert. "Walter war genauso aufgeregt wie an jenem Tag, an dem sie sich zum allerersten Mal im Hotel Waldhaus gegenüberstanden, dann saßen, dann plauderten und dann geschehen ließen, was seinen Gang nehmen musste."

Die Affäre zwischen dem prominenten Schauspieler Lionel Kupfer und dem einfachen Postboten Walter bleibt blass. Was war genau passiert? Es wird im Dunkeln gehalten. Damit bleibt auch die ganze Melancholie, die der Roman am Ende vergießt, für den Leser überzogen und unverständlich.

Zwar ist die Botschaft des Romans, dass sich Menschen durch ihre flüchtigen Liebschaften kaum begegnen, sondern nur aneinander vorbeihuschen, klug aufgespürt. Doch ist deren Erzählung genauso öde wie die Lebensgeschichten selbst, die uns dort als blasse Erinnerung präsentiert werden.

  Infos um Buch
Alain Claude Sulzer: Postskriptum. Roman. Hardcover mit Schutzumschlag. 251 Seiten. Galiani Verlag. Berlin 2015. 19,99 €. ISBN 978-3869711157
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» Homepage von Alain Claude Sulzer
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Tags: alain claude sulzer, postskriptum, galiani
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