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Nach Überfall auf schwules Paar

Freiburg: 800 demonstrieren gegen homophobe Gewalt


Organisator Ireneus Frost, Dragqueen Betty BBQ und SPD-Stadtrat Walter Kröger (v.l.n.r.) führten die Demo an (Bild: Jonny Schuler)

Trotz Regens beteiligten sich am Freitagabend rund 800 Menschen an einer Demo gegen die Angriffe zu Silvester – die Polizei spricht von einzelnen Taten.

Freiburg hat ein starkes Zeichen gegen homophobe Gewalt gesetzt: Trotz kurzfristiger Mobilisierung und kalten Regens demonstrierten am Freitagabend rund 800 Menschen gegen die gewalttätigen Übergriffe in der Silvesternacht.

Ein schwules Paar war am 1. Januar gegen zwei Uhr morgens vor dem Club "Bartasia" in der Kaiser-Joseph-Straße von Unbekannten zusammengeschlagen worden, einige Stunden später waren auch die stadtbekannte Dragqueen Betty BBQ und ein Begleiter beleidigt und attackiert worden (queer.de berichtete)

Die Demonstranten zogen vom Stadttheater u.a. durch die Kaiser-Joseph-Straße. Viele hatten Trillerpfeifen oder Regenbogenfahnen dabei. Auf Transparenten hieß es etwa "Für Emanzipation und Selbstbestimmung", in Sprechchören wurde "Homophobie ist keine Meinung" gerufen.

Schweigeminute vor dem Club "Bartasia"

Vor dem Club "Bartasia" gab es einen symbolischen Stopp mit einer Schweigeminute für alle Opfer homophober Gewalt. Der anderthalbstündige Zug endete mit einer Kundgebung und einem Kiss-Inn vor der Universitätsbiliothek.

"Wir versammeln uns hier, weil wir zum Ausdruck bringen wollen, dass Schwule kein Freiwild sind", erklärte Stadtrat Walter Kröger auf der Demo. Der offen schwule SPD-Politiker kündigte an, dass die Stadt im Frühjahr die Charta der Vielfalt unterschreiben werde.

Demo-Organisator Ireneus Frost, ein Freund des angegriffenen schwulen Paares, sprach gegenüber der "Mittelbadischen Presse" von einer "erschreckenden" Entwicklung: "Allein in meinem Bekanntenkreis wurden in den letzten Monaten sechs Leute angegriffen." Auch er selbst sei schon angepöbelt worden. "Tagsüber passiert eher weniger, aber nachts nehmen die Übergriffe stark zu."

Die Freiburger Polizei sieht dagegen nur einzelne Taten, kann jedoch keine genauen Zahlen zu homophoben Übergriffen in der Stadt vorlegen. "Wir führen keine Statistik über die geschlechtliche Gesinnung", erklärte Pressesprecherin Laura Riske gegenüber der "Mittelbadischen Zeitung".

Obwohl der Polizei Handy-Fotos der Angreifer vorliegen, kam es bislang zu keinen Identifizierungen und Anklagen. (cw)



#1 goddamn liberalAnonym
  • 09.01.2016, 11:55h
  • "Die Freiburger Polizei sieht dagegen nur einzelne Taten, kann jedoch keine genauen Zahlen zu homophoben Übergriffen in der Stadt vorlegen. "Wir führen keine Statistik über die geschlechtliche Gesinnung", erklärte Pressesprecherin Laura Riske gegenüber der "Mittelbadischen Zeitung". "

    Spannend in einem Land, in dem Menschen wegen ihrer "geschlechtlichen Gesinnung" (was immer das sei) staatlicherseits ermordet wurden.

    Na ja, der Oktoberfestmörder von 1980 gilt ja auch bis heute offiziell als verirrter Einzeltäter.
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#2 hugo1970Profil
  • 09.01.2016, 12:40hPyrbaum
  • Was ich hier auch wahrnehme, viele schreiben, als währen wir in die Mitte der Gesellschaft angekommen, mit­nich­ten und der Weg dorthin wird immer schwieriger, das rechte hetzerische gedankengut nimmt rasant zu.
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#3 paren1957Ehemaliges Profil
  • 09.01.2016, 12:45h
  • "Die Freiburger Polizei sieht dagegen nur einzelne Taten, kann jedoch keine genauen Zahlen zu homophoben Übergriffen in der Stadt vorlegen. "Wir führen keine Statistik über die geschlechtliche Gesinnung", erklärte Pressesprecherin Laura Riske gegenüber der "Mittelbadischen Zeitung".

    Das ist genau das von der hohen Politik verordnete Problem. Man will nicht wissen, wie viel Gewalt gegen Schwule und Lesben verübt wird. Das ist kein Vorwurf gegen die örtliche Polizei, die nur ausführendes Organ ist. Aber gegen den Bundesjustizminister, der Gewaltverbrechen wegen Homophobie aus dem Katalog der Hassverbrechen gestrichen hat. Da kann er noch so oft jammern, dass er eigentlich andere Ziele hat und sich in der GroKo nicht durchsetzen kann. Hier betreibt er das Geschäft der übelsten aller Homophoben. Und die gemäßigten Homophoben reiben sich erfreut das Händchen. Hat doch mal wieder geklappt. Das Schmutzgeschäft erledigen die anderen und wir dürfen uns daran erfreuen, dass dem abartigen Gesindel wieder gezeigt wird, was wahrhaft abendländische deutsche Werte sind.

    Nicht wahr, Frau Bundesmutti.
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#4 Klare KanteAnonym
  • 09.01.2016, 13:08h
  • Ich finde es gut, daß sich 800 Menschen zur Demo gegen homophobe Gewalt eingefunden haben! Es hätten gerne mehr sein können, aber trotzdem ist es ein wichtiges Zeichen in der von einem grünen Oberbürgermeister geführten Stadt.
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#5 Media-WatchAnonym
  • 09.01.2016, 13:17h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • "Wir führen keine Statistik über die geschlechtliche Gesinnung" erklärte Pressesprecherin Laura Riske gegenüber der "Mittelbadischen Zeitung".

    Allein diese Formulierung ist eine Lächerlichmachung von Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung/Identität tagtäglich Zielscheiben von Aggressionen und Gewalt sind. Und die Tatsache, dass homophobe Straftaten noch nicht einmal als solche statistisch erfasst, geschweige denn geächtet und geahndet werden, spricht Bände über diese ganz plötzlich so gegen sexualisierte Gewalt engagierte Gesellschaft, insbesondere ihre rassistischen Leitwölfe in bürgerlichen Elitenmedien und Politik.

    Aber nur keine Sorge!

    Auch die Schuld an dieser im toitschen Staate und toitscher Politik tief verankerte, strukturelle homophobe Gewalt werden die Medienkonzerne, im Dienste der herrschenden Klasse und immer die nächsten ökonomischen und sozialen Krisenausbrüche im Blick, sicherlich bald irgendwie den bösen Fremden und Migranten zuschieben.

    Und ihr Agitieren ist für Schwule und Lesben brandgefährlich, im wahrsten Sinne des Wortes, angesichts massenhaften rechten Terrors, freilich ohne ARD-/ZDF-"Sondersendungen" und Medien- wie bürgerliches Politikergeschrei.

    Es braucht einen massenhaften Aufschrei gegen die immer dreistere Homophobie und den immer dreisteren Rassismus bürgerlicher Politik und Massenmedien!
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#6 MarcAnonym
  • 09.01.2016, 13:42h

  • "Geschlechtliche Gesinnung"??????? Allein für diese Formulierung sollte die Frau zurücktreten müssen, weil sie entweder böswillig oder unfähig, in jedem Fall aber für ihren Job nicht geeignet ist.
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#7 propaganda-watchAnonym
  • 09.01.2016, 13:42h
  • Antwort auf #5 von Media-Watch
  • Nimmt man diese spärlichen Informationen, dann scheint in Köln organisierter Trickdiebstahl, für den die Gegend um den Hauptbahnhof berüchtigt ist, mit exzessivem Alkoholkonsum und dessen enthemmende Wirkung in einer großen Menschenmenge zusammengekommen zu sein. Einige betroffene Frauen berichteten von einem Spießrutenlauf, bei dem sie von mehreren Seiten attackiert und begrapscht wurden.

    Das ist abstoßend, aber in Deutschland keineswegs neu. Bei Großveranstaltungen mit hohem Alkoholgenuss, wie dem Münchner Oktoberfest, kommt es zu ähnlichen Ausschreitungen, wenn vielleicht auch nicht in derart geballter Form. Seit die Kölner Ereignisse die Schlagzeilen beherrschten, gingen auch in Hamburg und in Stuttgart mehrere Dutzend Anzeigen wegen sexueller Attacken in der Silvesternacht ein.

    Die Ereignisse in Köln haben viel mit der sozialen Krise in deutschen Großstädten zu tun, aber absolut nichts mit dem Zuzug einer knappen Million Flüchtlinge im vergangenen Jahr, die Gewalt gegen Frauen ebenso verabscheuen wie die große Mehrheit der Deutschen und nicht selten davor geflohen sind.

    Das hinderte Politik und Medien nicht daran, die Kölner Ereignissen zum Ausgangspunkt einer pauschalen Hetzkampagne gegen Flüchtlinge zu machen und eine massive Staatsaufrüstung zu fordern.

    Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sprach von einer "völlig neuen Dimension organisierter Kriminalität. Wenn tausend Menschen sich zu einer enthemmten Horde zusammenfinden und das offenbar so geplant war, dann ist das nicht weniger als ein zeitweiliger Zivilisationsbruch", sagte er der Berliner Morgenpost, ohne für die Behauptung, es handle sich um eine geplante Aktion von tausend Menschen, den geringsten Beweis zu erbringen. Der Begriff "Zivilisationsbruch" war bisher in Deutschland nur für den Holocaust verwendet worden.

    CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer machte pauschal junge Migranten für die Übergriffe in Köln verantwortlich. Es sei untragbar, dass "Frauen in deutschen Großstädten nachts auf offener Straße, auf öffentlichen Plätzen von jungen Migranten sexuell traktiert und beraubt werden", sagte er der Rheinischen Post.

    Ähnlich äußerte sich der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD), der in Pegida-Manier erklärte: "Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen."

    Anklänge an das nationalsozialistische Klischee vom fremdrassigen Untermenschen, der deutsche Frauen schändet, sind in beiden Äußerungen unüberhörbar.
    ...
    Der Hetze gegen "Nordafrikaner", "muslimische Kultur" und "junge Migranten" folgte in allen Fällen der Ruf nach mehr Polizisten, schärferen Gesetzen und der rücksichtlosen Ausweisung von Flüchtlingen.
    ...
    Die Ereignisse in Köln sind der Vorwand und nicht der Grund für die Forderung nach staatlicher Aufrüstung. Leitmedien rufen seit langem nach einem "starken Staat". Er ist untrennbar mit der Rückkehr Deutschlands zum Militarismus und einer aggressiven Außenpolitik verbunden. Die Kriegseinsätze in Afghanistan, Syrien und Mali provozieren ebenso wie die wachsende soziale Ungleichheit massiven Widerstand. Dagegen richtet sich die Staatsaufrüstung.
    ...
    Trotz intensiver Propaganda ist es bisher nicht gelungen, die Opposition gegen Krieg und die Sympathie für Flüchtlinge in breiten Bevölkerungsschichten zu durchbrechen. Nun wird das Thema Gewalt gegen Frauen zu diesem Zweck instrumentalisiert.

    www.wsws.org/de/articles/2016/01/09/koel-j09.html
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#8 stromboliProfil
#9 RobinAnonym
  • 09.01.2016, 14:12h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • Ja, leider blockieren Union und SPD ja weiterhin die statistische Erfassung von Gewalttaten aufgrund der sexuellen Identität und Orientierung. (Haben wahrscheinlich Angst, dass die Wahrheit ans Licht kommt.)

    Aber obwohl es gar keine Statistik darüber gibt und obwohl es regelmäßig (und mit steigender Häufigkeit) Gewalttaten gegen LGBT gibt, heißt es jedes mal, das seien "Einzelfälle".

    Das nennet man Runterspielen iund Abwimmeln. Aus genaue denselben Gründen, weshalb man eine Statistik darüber verweigert. Und das in einem Land, wo jeder Fliegenschiss statistisch erfasst und ausgewertet wird.
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#10 YannickAnonym
  • 09.01.2016, 14:23h
  • "Obwohl der Polizei Handy-Fotos der Angreifer vorliegen, kam es bislang zu keinen Identifizierungen und Anklagen."

    Die sollten die Fotos veröffentlichen.

    Erstens damit man vor solchen Leuten geschützt wird und zweitens, damit die schneller gefasst werden.
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