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  • 14.01.2016, 14:33h           54      Teilen:   |

"Falsche Lehre"

Homosexuelle für evangelikale Fundis so gefährlich wie Nazis

Artikelbild
Ulrich Parzany will mit einem neuen Netzwerk den christlichen Kampf gegen Schwule und Lesben aufnehmen (Bild: proChrist (M. Weinbrenner))

In der evangelikalen Bewegung in Deutschland ist ein Streit um die Tolerierung von "praktizierenden Homosexuellen" entbrannt – mit aggressiver Rhetorik.

Der evangelische Star-Prediger Ulrich Parzany hat in einem Anfang Januar formulierten Memorandum dafür geworben, dass Christen "entschiedenen Widerstand gegen die Irrlehren" leisten müssten, die in der "evangelischen Kirche z.T. ausdrücklich vertreten und gefördert werden". Der frühere Hauptredner der Bekehrungs-Veranstaltung "Pro Christ" sieht dabei als drängendstes Problem Homosexualität an, die laut Bibel nie anerkannt werden dürfe.

So heißt es in dem von der Evangelischen Nachrichtenagentur idea veröffentlichten Schreiben des 74-Jährigen: "Zur Offenbarung Gottes gemäß der Heiligen Schrift gehört die Ebenbildlichkeit des Menschen mit der Beziehung von Mann und Frau". Diese werde im Alten wie auch im Neuen Testament bestätigt. "Darum verwerfen wir die falsche Lehre, homosexuelle Beziehungen entsprächen dem Willen Gottes und dürften von den Kirchen gesegnet werden."

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Anlehnung an Barmer Theologische Erklärung 1934

Die "Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche" (HuK) zeigte sich "empört" über das Schreiben und wies am Donnerstag darauf hin, dass sich Parzanys Memorandum "sprachlich unverkennbar an die Barmer Theologische Erklärung anlehnt". Dieses Schreiben aus dem Jahr 1934 ist das theologische Fundament der Bekennenden Kirche, die sich gegen die Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten gewehrt hatte. Wie im neuen homofeindlichen Memorandum war damals der Kampf gegen die "falsche Lehre" das zentrale Thema – nur dass die Autoren in den Dreißigerjahren vor Nazis als Gefahr für die Kirche warnten, während es heute Homosexuelle sind.

"Christliche Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*-Menschen möchten zu einer Kirche gehören, die sich aus Überzeugung dafür entscheidet, gleichgeschlechtliche Paare genauso zu behandeln wie heterosexuelle. Dieses kirchliche Vorgehen allein entspricht der Liebe Gottes und stärkt die Glaubwürdigkeit der Kirche", erklärten die HuK-Sprecher Thorsten Maruschke und Markus Gutfleisch in einer gemeinsamen Erklärung. Parzany habe sich dagegen "gewaltig im Ton vergriffen", wenn er die Kirche in "Rechtgläubige" und Andere spalte. "Unverhohlener kann man die Diskussion kaum verweigern."

Parzany will "bibelorientiertes" Netzwerk gründen

Für den 23. Januar hat Parzany über 60 evangelikale Vertreter in seine Heimatstadt Kassel eingeladen. Dort soll darüber beraten werden, ob ein deutschlandweites "Netzwerk Bibel und Bekenntnis" innerhalb der Evangelischen Kirche künftig deutlicher als bisher gegen die Anerkennung von Schwulen und Lesben und insgesamt für eine bibelorientierte Arbeit kämpfen wird.

Mit seinem Memorandum geht Parzany auf Konfrontationskurs zu dem evangelikalen Theologen Michael Diener, dem Vorsitzenden der Evangelischen Allianz und Präses des pietistischen Gnaudauer Gemeinschaftsverbunds. Er hatte sich nach seiner Wahl zum EKD-Vorstand im vergangenen Jahr in einem Interview freundlicher gegenüber Schwulen und Lesben gezeigt, obwohl er zugleich weiter unter anderem eine "Heilung" Homosexueller befürwortet und eine Segnung von Homo-Paaren ablehnt (queer.de berichtete). Das Interview hatte Teile der evangelikalen Szene erzürnt.

Dabei fordert auch Diener von der evangelischen Kirche eine stärkere Orientierung am Wortlaut der Bibel: Mit weiteren Mitstreitern, darunter dem Generalsekretär der Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, hat er im letzten Jahr die Initiative "Zeit zum Aufstehen" gegründet. Sie tritt unter anderem für die "Stärkung der Ehe von Mann und Frau" gegen "ihre Entwertung" ein, für "einen neuen missionarischen Aufbruch" anhand der "Wahrheit des Wortes Gottes". Parzany geht das nicht weit genug.

Der Prediger hat seit Jahren immer wieder vor der Anerkennung von "praktizierenden Homosexuellen" gewarnt und lehnt die Mitarbeit von Schwulen und Lesben in evangelikalen Gemeinden strikt ab. Homosexualität ist für ihn eine "schöpfungswidrige Anomalie", die korrigiert werden müsse. Er kritisierte wiederholt, dass viele der evangelischen Landeskirchen Homo-Paare segnen, was er als unbiblisch bezeichnet. Bei "sexuellen Lebensformen" sei die Anerkennung Gottes nicht abhängig von "zeitgebundenen Moralvorstellungen", schrieb er 2012 in seinem Buch "Christ. Glauben. Leben." (dk)

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Tags: evangelische kirche, evangelikale, ulrich parzany
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Reaktionen zu "Homosexuelle für evangelikale Fundis so gefährlich wie Nazis"


 54 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
14.01.2016
14:45:41
Via Handy


(+10, 14 Votes)

Von Marc


Also auf, ihr Betschwestern! Sucht den Dialog! Geht auf die andere Seite zu! Zeigt Gesprächsbereitschaft! Streckt die Hand... Blablablablabla.

Mit Religioten gibt es keinen Dialog und keinen Kompromiss. Irgendwann werden das auch die begreifen, die der Meinung sind, sie bräuchten den Sektenverein für ihre Freizeitgestaltung und ihr 'Seelenheil'.


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#2
14.01.2016
14:56:05


(+8, 10 Votes)

Von goddamn liberal


Das sind die von Herrn Parzany selbst auf facebook veröffentlichten Kontaktdaten:

Ulrich Parzany

Telefonnummer
+49 561 937790
E-Mail-Adresse
info@prochrist.de
Webseite

Link:
prochrist.org/


Die Bezugnahme zur Bekennenden Kirche im NS-Staat, die auch schon von der homophoben Bekenntnisinitiative in Sachsen hergestellt wurde, ist historisch ungeheuerlich und an moralischer Verkommenheit nicht mehr zu überbieten.

Herr Parzany und seine Mitstreiter verhöhnen damit die homosexuellen Mordopfer des NS-Staates und alle Opfer des Par. 175, den sich das Land des rosa Winkels ja bis 1969 in der Nazi-Version leistete.

Das Problem ist, dass Parzany leider kein unbedeutender Hinterhofprediger ist. Im Kuratorium von 'ProChrist' sitzen hochrangige CDUler und schwerreiche Unternehmer.

Link:
de.wikipedia.org/wiki/ProChrist#Kuratorium


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#3
14.01.2016
15:09:23


(+13, 13 Votes)

Von fink


"Parzany habe sich dagegen "gewaltig im Ton vergriffen", wenn er die Kirche in "Rechtgläubige" und Andere spalte."

Das Schizophrene an diesem Vorwurf ist, dass Maruschke und Gutfleisch ihrerseits felsenfest behaupten, den einzig wirklich "rechtgläubigen" Weg zu kennen, wenn sie schreiben: "Dieses [queerfreundliche] kirchliche Vorgehen allein [!] entspricht der Liebe Gottes."

Die christliche Gottheit wird auf beiden Seiten zur Bauchredner*innenpuppe, die alles nachplappert, was Wer-immer-die-Hand-hinten-reinsteckt ohnehin schon immer für richtig hielt. Eine hübsche Lehrstunde in der religösen Produktion angeblich "absoluter" Wahrheiten, deren Lehre nur darin bestehen kann, die Verlogenheit *jeglicher* Theologie zu erkennen, mag sie auch in eindeutig queerfeindliche Quellentexte neuerdings mit Müh und Not eine modische Queerfreundlichkeit hineinexegieren.

Es gibt eine ethische Alternative zu diesen philosophisch unredlichen Taschenspieler*innentricks: den aufgeklärten Humanismus, der queeres Leben nicht deswegen einschließt, weil irgendeine Gottheit das angeblich so will, sondern weil es dafür einen Haufen guter rationaler Argumente gibt, die ganz ohne Hirngespinste überzeugen.


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#4
14.01.2016
15:40:46


(+11, 11 Votes)

Von UrsaMajor
Antwort zu Kommentar #3 von fink


Bravo!


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#5
14.01.2016
16:22:39
Via Handy


(+7, 11 Votes)

Von Ehla


"Falsche Lehre"
Für Homosexuelle sind evangelikale Fundis genauso gefährlich wie Nazis


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#6
14.01.2016
17:01:56


(+9, 13 Votes)

Von KMBonn
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 06.05.2012


Da hat er völlig Recht. Schwule und Lesben sind für diese Bibel-Bimbos gefährlich. Wir geben unser Hirn nicht bei diesen Salachristen ab und wir lehnen sie genauso ab wie die Verbrecher des Islamischen Staates.
Wir stehen auf dem Boden des Grundgesetzes, achten die Würde des/r anderen Menschen, die sich ebenfalls innerhalb des Grundgesetzes bewegen.
Aber wir halten ganz bestimmt nicht die andere Wange hin, wenn so ein Hetzer loslegt. Wir verpassen unseren Mitmenschen auch keine Gehirnwäsche oder bedrohen sie solange mit irgendwelchen Höllenstrafen, bis sie uns ihr letztes Geld spenden, um die Seele aus dem Fegefeuer zu erretten.
Aber wir treten diesen Spinnern notfalls sowas von in den Arsch, um Kinder und Jugendliche vor den Fängen dieser Nazis unter dem Zeichen des Kreuzes zu schützen.
Reden muß und kann man mit diesen militanten Bibel-Bimbos und IS-Fans nicht mehr. Mit dem Wahnsinn diskutiert man nicht. Da versucht man alles, damit er sich nicht weiter ausbreitet.


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#7
14.01.2016
17:43:58


(-3, 5 Votes)

Von GeorgG


Parzany und Steeb sind Figuren, die seit Jahrzehnten(!) gegen Schwule wettern. Nun, sie sind evangelikal und Evangelikale gibt es in den meisten Ländern. In Deutschland gibt es von dieser Sorte aber nur verhältnismäßig wenige, so dass sie nicht viel kaputt machen können. IdeaSpektrum ist ihr Blatt, wo sie sich austoben können.
Der eigentliche Skandal liegt für mich aber in der Tatsache, dass die renommierte Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche diesem Mann eine Platform bietet bzw geboten hat, wo er auf die Besucher einreden darf.

Link zu www.pro-medienmagazin.de

Nach Gesprächen mit der Kirche hatte sich Parzany in seinem "Kampf gegen die Sünde der Homosexualität" in den letzten Jahren etwas zurück gehalten. Jetzt hat er offensichtlich den Wunsch, wieder verstärkt in die Medien zu kommen. Dazu eignet sich das Thema Homosexualität natürlich bestens.


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#8
14.01.2016
17:49:08


(-1, 5 Votes)

Von Trintje
Antwort zu Kommentar #6 von KMBonn


Was ist ein Bibel-Bimbo?


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#9
14.01.2016
18:05:09


(+9, 9 Votes)

Von Danny387
Aus Mannheim (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 06.07.2014
Antwort zu Kommentar #2 von goddamn liberal


Wenn ich den wikipedia-Art. zu "ProChrist" durchfliege, scheint mir die ganze Veranstaltung EINZIG darauf ausgerichtet zu sein, dem Herrn Parzany eine Plattform zur Selbstpräsentation zu bieten. Der hat offensichtlich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung!

Mit Genugtuung ist aber auch das abnehmende Interesse an der Veranstaltung zu erkennen:

2009: 1358 beteiligte Orte
2013: 900 beteiligte Orte
2015: 120 beteiligte Orte


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#10
14.01.2016
18:11:49
Via Handy


(+10, 10 Votes)

Von miepmiep
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