Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?254
  • 10. November 2003, noch kein Kommentar

London Bei der Verleihung des diesjährigen Turner-Preises könnte eine töpfernde Gelegenheitstranse den ersten Platz belegen. Seit Jahren sorgt der 48-jährige Grayson Perry aus Essex mit kunstvoll, aber provokant bemalten Vasen für Aufruhr in der Kunstszene.

"Wir haben die Leiche Ihres Kindes gefunden" - ein verstörender Titel für eine Vase. Auch was Grayson abbildet, wird woanders als Tabu angesehen. Einsamkeit, Gewalt, Missbrauch - alles Themen, die Grayson in seinem Leben beschäftigten und in seinen Werken Ausruck finden. Nebenbei ist er sich selbst Kunstwerk: als "Claire" begeistert er in schrillen, da übertrieben konventionellen Frauenkleidern nicht nur Publikum, sondern auch seine Ehefrau und die elfjährige Tochter.

Namensgeber der Auszeichnung ist der Künstler JMW Turner, der zu Lebzeiten (1775 bis 1851) mit seinen Arbeiten selbst für Kontroversen sorgte. Der Turner-Preis ist schon lange Garant für Diskussionen in der Kunst-Szene. Meist werden sehr ungewöhnliche Werke britischer Künstler prämiert, 1998 war es etwa eine aus Elefanten-Dung geformte Maria, 1995 ein eingelegtes Schaf. Vor zwei Jahren bekam der schwule deutsche Fotograf Wolfgang Tillmanns den Preis.

Zu den Favoriten in diesem Jahr zählen auch die Brüder Jake und Dinos Chapman, die mit zwei Werken vertreten sind. Ihre Installation "Death" (Tod) zeigt zwei Sex-Puppen beim Oralverkehr, die Plastik "Sex" zeigt Figuren, die von Ungeziefer bis auf das Skelett zernagt werden. Bis zur Verleihung des Preises am 7. Dezember könnte sich das Kunstwerk eines anderen Anwärters schon stark verändert haben. Die Skulptur von Anya Gallaccio zeigt verrottende Äpfel an einem Baum aus Bronze. (nb)