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Am zweiten Todestag des jungen LGBT-Aktivisten zeigt sich keine Verbesserung in dem Land, berichten Freunde.

Am 22. Januar vor zwei Jahren hat sich in Baku der 20-jährige LGBT-Aktivist Isa Shahmarli das Leben genommen – im Büro seiner Organisation "Free LGBT Azerbaijan" erhängte er sich mit einer Regenbogenflagge, mit der er sich in den Monaten zuvor stolz als offen schwuler Mann in den Medien präsentiert hatte (queer.de berichtete).

Er galt als Hoffnungsträger für eine junge LGBT-Generation. "Die Welt ist nicht farbenfreudig genug für meine Farben", schrieb er resigniert in seinem letzten Facebook-Eintrag. Er träume davon, Aserbaidschans Hauptstadt Baku einst in Regenbogenflaggen geschmückt zu sehen.

Nach dem Freitod folgte die Desillusion. Der ebenfalls noch junge Vorsitzende der LGBT-Organisation "Nefes", der inzwischen nach Deutschland geflüchtete Javid Nabijew, zeichnet in einem Bericht ein düsteres Bild zur Lage in dem Land: "Jedes Jahr werden hunderte LGBT physischer, psychologischer und ökonomischer Gewalt durch ihre Familienmitglieder ausgesetzt, durch Menschen aus ihrem Umfeld. Sie werden ermordet, zu einem Doppelleben gezwungen, begehen Selbstmord, verlassen das Land."

Traurige Bilanz

Die Zahlen, die Nabijew präsentiert, sind erschreckend: 2015 seien der Polizei zehn gewalttätige Angriffe auf LGBT gemeldet worden, bei denen zwei Transpersonen und ein schwuler Mann getötet wurden. Eine Lesbe und eine Transperson haben Suizid begangen. "Und das sind nur die Zahlen, die von den Medien veröffentlicht wurden", so Nabijew.

In den Jahresberichten von ILGA Europe landete Aserbaidschan unter allen Mitgliedsstaaten des Europarats zuletzt konstant auf dem letzten Platz (queer.de berichtete). Nabijew berichtet, dass Parlamentsabgeordnete durch regelrechte homophobe Hetzsprache auffallen und dass Berichte in vielen Medien dem Hass in nichts nachstünden.

Nach Isas Tod begeht man inzwischen am 22. Januar den nationalen Tag gegen Homo- und Transphobie – größtenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit und virtuell mit Einträgen in Blogs und sozialen Netzwerken. Die Menschen sollten sich für Frieden, Liebe und Gleichheit einsetzen, fordert Nabijew in seiner Stellungnahme. "Das ist ganz einfach: Sei einfach ein Mensch." (nb)