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  • 23.01.2016, 22:49h           28      Teilen:   |

"Es ist Zeit"

Italien: Hunderttausende demonstrieren für die Anerkennung ihrer Liebe

Artikelbild
Wie hier in Mailand demonstrierten am Samstag Hunderttausende in fast 100 Städten für die überfällige Homo-Ehe

Kurz vor der ersten Senatsdebatte zur Lebenspartnerschaft sind in über 90 Städten LGBT für ihre Rechte auf die Straße gegangen.

Bis zu einer Million Menschen haben am Samstag in nach letzter Zählung 98 Städten in Italien und im Ausland für die rechtliche Anerkennung von schwulen und lesbischen Paaren demonstriert. Am Donnerstag debattiert der Senat erstmals über eine lange verzögerte und noch immer umstrittene Gesetzesvorlage zur Einführung einer Lebenspartnerschaft.

Die Teilnehmer der Kundgebungen waren teilweise mit Weckern erschienen, die sie zeitgleich läuten ließen – die Proteste standen unter dem Titel "Italien wach auf, es ist Zeit". Zu Kundgebungen in Rom, Neapel, Turin oder Mailand kamen Hunderttausende, darunter auch Politiker wie der stellvertretende Außenminister Benedetto Della Vedova.



"Ein historischer Tag für dieses Land", sagte Gabriele Piazzoni von der Organisation Arcigay am Abend, "eine große Mobilisierung, die die Leidenschaft und das Bedürfnis zeigt von so vielen, die für den Wert der Gleichheit einstehen". Piazzoni lobte, dass sich Menschen in aller Welt solidarisch gezeigt hatten. Demonstrationen gab es etwa auch in London, Kopenhagen, Brüssel, Dublin und Wien. Auch Kundgebungen in Berlin, wo ein von "Enough is Enough" organisiertes Treffen vor der Botschaft rund 150 Menschen zusammenbrachte, und Frankfurt erwähnte Piazzoni ausdrücklich.

"Wir haben mehr als eine Million versammelt", verkündete er stolz. "Ein großer Teil der Zivilgesellschaft" habe sich ohne Angst auf die Straßen getraut, da die Menschen wüssten, dass die Lebenspartnerschaft "ein Wert für alle" ist. "Eine Million Alarme aus allen Ecken des Landes bedeuten, dass das Parlament sie hören muss."

Video: (Direktlink)
Eindrücke aus Mailand
Fortsetzung nach Anzeige


In vielen Städten kamen auch die Bürgermeister zu den Protesten, etwa in Mailand. In anderen Städten haben sie angekündigt, am "Tag der Familie" am folgenden Samstag teilzunehmen – zu einer ähnlichen Massenkundgebung gegen die rechtliche Anerkennung von Homo-Paaren hatten sich im letzten Sommer bereits Hundertausende versammelt.

Vor allem die katholische Kirche und konservative und rechte Gruppen mobilisieren gegen die Lebenspartnerschaft. Auch der Papst hatte am Freitag noch einmal betont, dass aus Sicht der Kirche die Ehe aus Mann und Frau einen hervorgehobenen Status behalten müsse und dass es "keine Verwirrung geben kann zwischen der von Gott gewollten Familie und jeder anderen Art von Verbindung".

In Turin und Mailand gab es bereits am Samstag kleinere "stille" Gegenproteste von Christen, die sich auf einen Platz stellten und in der Bibel oder in religiösen Büchern lasen. Die rechtspopulistische Landesregierung der Lombardei mit Sitz im Pirelli-Hochaus in Mailand hatte bereits in der Nacht zum Samstag für einen Eklat gesorgt, als sie von dem Haus aus Werbung für den "Tag der Familie" machte. Die Stadt Neapel ließ im Gegenzug die Kolonaden der Piazza del Plebiscito in Regenbogenfarben erstrahlen.


Video: (Direktlink)
Eindrücke aus Neapel

Der bereits im Herbst eingebrachte Gesetzentwurf ist vor allem aufgrund der Erlaubnis zur Stiefkindadoption umstritten, und das auch in der Regierungskoalition. Insgesamt sollen Politiker aller Parteien hunderte Änderungsanträge eingebracht haben.

Vor allem ein Änderungsantrag von katholischen Senatoren aus der Partei von Ministerpräsident Renzi hatte die letzten Tage für Empörung bei LGBT-Aktivisten gesorgt: Er schlägt als "Kompromiss" vor, dass gleichgeschechtliche Paare nachweisen müssen, dass ihre Kinder nicht durch eine Leihmutter ausgetragen wurden. Ansonsten soll ihnen Haft drohen (queer.de berichtete).



In den folgenden zähen Verhandlungen kann Renzi immerhin auf die Stimmen der oppositionellen Fünf-Sterne-Bewegung des Ex-Komikers Beppe Grillo verweisen, die für eine Lebenspartnerschaft mit vollen Rechten stimmen will. Dass die Lebenspartnerschaft in der ein oder anderen Form kommt, gilt als so gut wie ausgemacht. (cw)

Video: (Direktlink)
Eindrücke aus Berlin (Quelle: DieWeddingerFilmer)
Wochen-Umfrage: Eine Million Menschen gingen in Italien für eingetragene Partnerschaften auf die Straße. Warum gibt es in Deutschland keine Massendemos für die Ehe für alle? (Ergebnis)

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Tags: italien, lebenspartnerschaft, demonstration
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Reaktionen zu "Italien: Hunderttausende demonstrieren für die Anerkennung ihrer Liebe"


 28 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
23.01.2016
22:59:20


(+5, 11 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Wunderbar..
Stolze Leistung der italienischen Community und ihrer Unterstützer..
Nachahmenswert..


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#2
23.01.2016
23:07:55


(+9, 9 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"Bis zu einer Million Menschen haben am Samstag in nach letzter Zählung 98 Städten in Italien und im Ausland für die rechtliche Anerkennung von schwulen und lesbischen Paaren demonstriert."

ihr vatikanischen pfaffen und erzkonservativen machtgeilen politiker, wann zum Teufel hört ihr endlich auf uns LSBTTIQ und andere zu diskriminieren?


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#3
23.01.2016
23:23:05


(+1, 5 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Liebe schwule und bisexuelle Fussballprofis, ich weiß das Ihr auch queer.de läst und auch Nachrichten schaut und hört, man kann viel erreichen zusammen, tut Euch doch zusammen und zeigt den Menschen, den Fussballfans, Eure wahre Sexualität. Hört nicht auf die Leute, was Euch stoppen oder zu Vorsicht raten, wollt Ihr ewig eine Lüge leben? Man kann seine wahren sexuellen Gefühle nicht verbiegen, irgend wann mal geht man vor die Hunde und reist die restlichen Familienmitglieder mit in den Abgrund. Wieviele LSBTTIQ Menschen und vor allem Jugendliche sollen noch sterben?, weil Sie gemobbt, oder aus ihrem Familenumfeld rausgeschmissen werden, weil sie anders sind als die sogenannte "Mehrheit". Ihr, die schwulen und bisexuellen Fussballprofis habt es in der Hand ein bißchen mehr sexuelle Offenheit zu den Menschen zu bringen und zu zeigen, das das LSBTTIQsein nichts verwerwliches ist, es ist genau so normal wie alles andere auch.


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#4
23.01.2016
23:36:06
Via Handy


(+4, 4 Votes)

Von Ehla


Ich habe von der Demo in Berlin gar nichts mitbekommen.

Obwohl ich auch Enough IS Enough auf Facebook abonniert habe. Weshalb wird das nicht besser mitgeteilt?!


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Anm. d. Red.: Sie haben es in mehreren Posts deutlich beworben, auch auf queer.de war es ein Thema. Facebook sortiert, selbst bei chronologischer Sortierung, viel aus, von Enough, von uns, von allen Quellen. Wir raten unseren Nutzern dazu, bei uns öfters direkt vorbeizuschauen oder uns etwa per RSS-Feed zu abonnieren, anstatt sich nur auf Facebook zu verlassen. Mit feedly.com gibt es etwa einen Dienst, der Feeds ganz praktisch auf Desktop und Smartphone-App synchronisiert.

 
#5
24.01.2016
02:02:50


(+4, 6 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014
Antwort zu Kommentar #3 von hugo1970


Diesen Aufruf sollten vielleicht auch gerade die ganzen schwulen und bisexuellen Geistlichen erhören, die von Selbstablehnung zerfressen, immer wieder gegen LGBTIQ-Menschen wettern und demütigen, diskriminieren und nicht vor faschistoid-religiösen Argumenten zurückschrecken.

Wenn ein Outing wirklich etwas bringen kann, dann mögen doch Jene zu ihren wahren Gefühlen stehen,die an der zentralen Wurzel des Homophoben-Horts dienen!

Man würde sich auch wünschen, dass in Deutschland so viele menschen an so vielen orten gleichzeitig demonstrieren, wenn es hier etwa um die Ehe-Öffnung geht. Da können wir uns von den Italienern mächtig ein paar Scheibchen genehmigen.


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#6
24.01.2016
02:33:00


(+4, 6 Votes)

Von italiener


bei italien wäre ich vorsichtig. es gab mal vor jahren einen gesetzentwurf namens DICO für gewisse partnerschaftliche rechte, dessen Durchkommen zunächst auch als sicher galt. Doch das ist auch versandet, wegen dem erbitterten widerstand der religiotischen abgeordneten im parlament.

italiens politiker sind insgesamt sehr homophob und kirchennah. wenn der papst wieder sein ganzes gewicht gegen das lebenspartnerschaftsgesetz reinlegt, dann könnte das gesetz auch scheitern, so wie DICO damals.

nächsten samstag demonstrieren in italien hunderttausende homophobe religioten. das sollte man erstmal abwarten. dämpft eure hoffnungen lieber.

ich glaube es erst, wenn es gesetz in italien ist. abgesehen davon ist die öffnung der ehe in italien in weiter ferne, denn das wort ist dann nochmals umkämpfter.


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#7
24.01.2016
06:52:01


(+5, 5 Votes)

Von Fredinbkk
Aus Bangkok (Thailand)
Mitglied seit 08.01.2015


..ich stelle mir gerade vor ,wie sie im Mittelpunkt ihrer Welt,zornig mit ihren Pferdefuesschen aufstampfen waehrend sich unter ihren Sutanen der "Schweif" zuckend aufbaeumt.

..noch mehr Bedrohung ihrer Geschaeftgrundlagen,noch mehr Abtruennige ,nochmehr Gegner ,

und kein HERR GOTT hilft ,

oder beten sie vielleicht garnicht zu IHM ,weil sie selber wissen, dass sie nur Humbug "verkaufen"

wie jener alte RKK Pfaffe an der Jomtien ,der nach einigen Bierchen offen sagte er sei Ateist ,schon seit seinem Theologiestudium ,habe aber nichts andres gelernt ....Schauspiel als Lebensaufgabe ....


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#8
24.01.2016
08:25:15


(+2, 2 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #5 von Homonklin44


Dort bei denen ist alles Salz und Pfeffer verloren, wo der wahnsinn wie das Unkraut wächst, kann man nicht ohne weiteres um Besserung bitten, da muß man mit härterem undemokratischem Geschütz ran.


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#9
24.01.2016
08:31:02


(+3, 3 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #7 von Fredinbkk


Dem ist nichts hinzuzufügen, Du hast es auf den Punkt gebracht, Genau ein Schauspiel für schlechte Schauspieler, nicht mehr und nicht weniger!!!


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#10
24.01.2016
08:35:25


(+6, 6 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Liebe queer.de Redaktion, ein dickes Lob wegen dem Foto auf der Einganseite, so soll es sein, nicht immer nur junge Leute, sondern auch ältere Leute zeigen und diesmal zwei Männer im besten alter sich küssend: super!!!!


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