Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?25520

Marek und Jean lernen sich an Bord eines Frachtschiffs kennen - und lieben (Bild: Edition Salzgeber)

Ab Donnerstag im Kino: Stefan Butzmühlen verbindet in seinem Liebesfilm die romantischen Sehnsüchte homosexueller Matrosen mit dem nüchternen Alltag an Bord eines Containerschiffs.

Von Carsten Moll

Gleich zu Beginn von "Lichtes Meer" beschwört das Lied "Saturday Night at Sea" mit beschwingter Melodie die Freuden des Matrosenlebens herauf, auch wenn der Protagonist Marek kaum weiter von Abenteuern auf hoher See entfernt sein könnte. Der junge Mann schuftet nämlich, dem maritimen Soundtrack zum Trotz, auf dem elterlichen Bauernhof, irgendwo in einem entlegenen Landstrich Mecklenburg-Vorpommerns.

Es sind die letzten Tage, bevor Marek in Berlin sein Studium beginnt, doch seine Gedanken schweifen nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit und in weite Ferne zu seinem Geliebten, dem Schiffsmechaniker Jean.

Ein Blick zurück: An Bord eines Frachtschiffs, das den Atlantik von der französischen Küste bis ins karibische Übersee-Département Martinique durchquert, lernen sich die beiden Männer kennen; Jean, der schon seit seinem 16. Lebensjahr zur See fährt, und Marek, der Matrose in Ausbildung.

Schnell und ohne Vorbehalte kommen sich die zwei Seemänner auch körperlich näher – Marek ist bald hoffnungslos verliebt und kämpft darum, für seinen Kollegen mehr als nur einer von vielen zu sein. Doch so sehr auch Jean die gemeinsamen Stunden im Dämmerlicht der Kajüte genießt, eine feste Beziehung kann er mit seinem Beruf und den damit verbundenen Reisen nur schwer vereinbaren.

Dokumentarische Neugier


Plakat zum Film: "Lichtes Meer" läuft ab 4. Februar 2016 in deutschen Kinos – u.a. bei der "Gay-Filmnacht"

Junge Matrosen und ein Aufbruch in unbekannte tropische Gefilde – was ein wenig nach schwülstigen Sexfantasien und verklärten Südseeträumereien klingt, erweist sich unter Stefan Butzmühlens Regie als überraschend zärtlicher und moderner Liebesfilm. Vor allem visuell fasziniert "Lichtes Meer" dabei von der ersten Sekunde an: Mit klar komponierten Bildern sowie in langen, meist unbewegten Einstellungen folgt Kameramann Jonas Schmager dem Geschehen, das oft eher einer Dokumentation als einem klassischen Spielfilm ähnelt.

Denn die an sich schon recht undramatische Handlung rückt zugunsten alltäglicher Beobachtungen immer wieder in den Hintergrund: Geduldig sieht die Kamera etwa zu, wie riesige Container mit einem Kran verladen werden oder die Seeleute unter Deck mit routinierten Hangriffen ihrer Arbeit nachgehen.

Mit der gleichen unaufgeregten Neugier und Selbstverständlichkeit begleitet der Film auch die sich zwischen Marek und Jean entwickelnde Beziehung, vom Kennenlernen bis zum intimen Miteinander in der Koje.

Schwärmerei und Sehnsüchte

Aus dieser Beiläufigkeit, die durch das zurückgenommene Spiel der Hauptdarsteller Martin Sznur und Jules Léo Sagot noch unterstützt wird, bezieht "Lichtes Meer" seine Glaubhaftigkeit ebenso wie seine emotionale Kraft, die frei von Wucht und Pathos wirkt. Und obwohl der dokumentarische Stil für eine gewisse Nüchternheit sorgt, ist Butzmühlens leise Drama doch alles andere als kühl und sachlich.

Besonders in den Details neigt "Lichtes Meer" nämlich zu Schwärmerei und Poesie. Neben den liebevollen Blicken und Berührungen der Hauptfiguren birgt hierbei vor allem die Tonspur einen Gegenpol zum eher prosaischen Arbeitsumfeld der modernen Frachtschifffahrt: Fabrizio Tentonis großartiger Soundtrack weckt mit seinen Shantys und Seemannsliedern romantische Sehnsüchte, ohne dabei in blanken Kitsch zu verfallen, während Mareks Tagebucheinträge aus dem Off klassische Seefahrerliteratur anklingen lassen.

Schwelgerisches Gefühl und die klar strukturierte, mechanisierte Welt der Containerschifffahrt verbinden sich so zu einem eigensinnigen, erstaunlich stimmigen Erlebnis. Bisweilen ist Butzmühlens Blick auf diese zwei gegensätzlichen Koordinaten seines filmischen Universums von einem humorvollen Augenzwinkern geprägt.

Aber die Ironie in "Lichtes Meer" ist dabei so sanft, dass sie zu keinem Bruch führt. Vielmehr erlaubt sie ein wenig Distanz zu den alten Klischees der Seefahrerromantik und interpretiert diese aus einer aufgeklärten Perspektive neu, ohne dabei die Lust an naiven Sehnsüchten gänzlich aufzugeben.

Vimeo | Offizieller Trailer zum Film
Infos zum Film

Lichtes Meer. Romantikdrama. Deutschland 2015. Regie: Stefan Butzmühlen. Darsteller: Martin Sznur, Jules Sagot, Katharina Melchior, Niels Melchior, Lisa Melchior, Sarah Melchior. Laufzeit: 81 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 12. Verleih: Salzgeber. Deutscher Kinostart: 4. Februar 2016
Galerie:
Lichtes Meer
10 Bilder


#1 CineastAnonym
#2 RobinAnonym
  • 05.02.2016, 11:16h
  • Diesen Film kann ich wirklich sehr empfehlen.

    Wunderschöne Geschichte, tolle Bilder, stimmige Musik und sehr gute Darsteller.
  • Antworten » | Direktlink »