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  • 07.02.2016, 09:41h           14      Teilen:   |

"SuperQueeroes" im Schwulen Museum*

Muskulöse Helden in engen Outfits: Wie queer ist die Comicwelt?

Artikelbild
Der Comicexperte Justin Hall hat das US-Standardwerk "No Straight Lines: Four Decades of Queer Comics" herausgegeben. Im Januar war er in Berlin, um als Kurator zusammen mit einem internationalen Team die Ausstellung "SuperQueeroes: Unsere LGBTI-Comic-Held_innen" im Schwulen Museum* zu eröffnen (Bild: robertm.de)

Im Interview spricht Comicexperte Justin Hall über den Boom von LGBT-Charakteren im Mainstream und seine Wünsche an queere Underground-Zeichner.

Von Jana Storch

In jüngster Zeit hat sich im Mainstream-Comic ein Superheld nach dem anderen geoutet. Und alle fanden das gut. Sind da queere Comics, geschaffen von LGBT-Künstlern, überhaupt noch nötig?

In der Vergangenheit waren Comics eines der wenigen DIY-Medien, in denen queere Menschen unzensierte Geschichten über ihr Leben erzählen konnten. Es ist so, wie Alison Bechdel 1983 über die Entstehung ihrer Comicserie "Dykes to Watch Out For" sagte: "Ich wollte Lesben sichtbar machen." Das hat sie getan, auf grandiose Weise.

Natürlich finden sich heute, wo sich in unserer westlichen Gesellschaft so viel verändert hat, LGBT-Charaktere in allen möglichen Comicvarianten: von Mainstream-Superhelden bis zu Archie Comics (man denke etwa an die Serie "Kevin Keller").

Doch wir brauchen weiterhin queere Comics! Es ist die Aufgabe des Mainstreams, queere Menschen zu assimilieren und zu normalisieren; doch es bleibt die Aufgabe des queeren Underground, uns als Community zu kritisieren, zu analysieren, sich lustig über uns selbst zu machen und queere Identitäten und queeres Leben aus einer Binnenperspektive zu zelebrieren.

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Diese SuperQueeroes aus der Feder des deutschen Zeichners Swen Marcel sind Teil der Ausstellung im Schwulen Museum*
Diese SuperQueeroes aus der Feder des deutschen Zeichners Swen Marcel sind Teil der Ausstellung im Schwulen Museum*

In welcher Art und Weise können Comics die Sichtbarkeit der LGBT-Community fördern, wo andere Unterhaltungsformen versagen?

Comics haben eine einzigartige Kraft: Sie sind visuell und erzählend zugleich. Sie benötigen jedoch nicht, wie Film oder Fernsehen, enorme Ressourcen und große Produktionsfirmen. Allerdings handelt es sich bei Comics um ein Medium, das enorme kreative Energie und Zeitaufwand erfordert. Schlussendlich sind Comicgeschichten der persönliche Kampf des jeweiligen Autors mit dem Blatt Papier.

Während Graphic Novels wie "Fun Home" oder "Stuck Rubber Baby" heute von großen Mainstream-Buchverlagen publiziert werden, feiert die DIY-Comictradition die Zeichner, die ihre Arbeiten selbst mit Kopierapparat und Tacker herstellen – oder ihre Werke ins Netz stellen. Anders als bei Romanciers wird bei Comicautoren das selbstständige Verlegen als glaubwürdiger, ehrenvoller und positiver Einstieg in die professionelle Comicwelt gesehen.

Gleichzeitig sind Comics unglaublich cool! Obwohl ihnen erst vor kurzem die Akzeptanz der akademischen Welt zuteil wurde und ihnen erst jetzt kunstgeschichtliche Bedeutung zugestanden wird. Comics haben in den letzten Jahren neue und richtungsweisende Erzählkonzepte und visuelle Ausdrucksformen gefunden, besonders Webcomics. Und gerade im Webcomic gibt es mehr queere Charaktere als je zuvor, das betrifft besonders Trans-Künstler, die sich dort in zuvor ungeahnter Vielfalt ausdrücken.

Die Ausstellung "SuperQueeroes" in Berlin ist die erste museale Ausstellung in Deutschland, die sich queeren Comics widmet. Was bedeutet es für dich, Teil des Kuratorenteams zu sein und extra für diese Schau nach Berlin eingeflogen zu sein?

Es war unglaublich aufregend, mit dem Schwulen Museum* zusammenzuarbeiten! Die Ausstellung ist zum Teil von meinem Buch "No Straight Lines: Four Decades of Queer Comics" inspiriert, das versucht, die geschichtliche Entwicklung von LGBT-Comics in der nordamerikanischen Szene darzustellen. Dass ein Museum dieses Renommees meine Arbeit begriffen und so profund weiter ausgebaut hat, ist das Schönste und Inspirierendste, was mir je passiert ist!

Anders als mein Buch zeigt die Ausstellung auch japanische Mangas, Superhelden (sowohl queere Underground-Arbeiten als auch Mainstream-Comics, zudem "queer readings" von Charakteren wie Batman und Robin oder Wonder Woman etc.) und geht viel intensiver auf deutsche, italienische und andere europäische Comics ein, als ich es in meinem Buch tue. Ich hatte damals gehofft, dass mein Buch der Anfang eines Diskurses über dieses Thema sein würde – und diese Ausstellung führt den Diskurs jetzt auf großer, internationaler Ebene weiter!


Comic von Helena Janecic: Wonderwoman trifft Horny Dyke


Wie hast du die Zusammenarbeit mit dem Schwulen Museum* persönlich erlebt?

Es war überwältigend. Obwohl ich bereits zuvor Ausstellungen im San Francisco Cartoon Art Museum und einigen lokalen Galerien kuratiert hatte, hat die Dimension dieser Ausstellung und die Zusammenarbeit mit den anderen Kuratoren sowie dem Personal und den Volontären des Museums mich echt umgehauen. Und das Haus selbst sowieso: Sie haben dort eine Bibliothek und ein Archiv queerer Geschichte, das unglaublich ist, zumindest für einen Amerikaner aus San Francisco.

Ich konnte die Erstausgabe von Fredric Werthams "Seduction of the Innocent" in meinen eigenen Händen halten, jenes Buch, das den Anti-Comic-Kreuzzug in den USA ausgelöst hat ab 1954. Die Folge war die Selbstzensurbehörde "Comics Code Authority", die die schlimmste Form von Kunstzensur in der Geschichte der Vereinigten Staaten darstellt. Außerdem konnte ich umfangreiche Sammlungen queerer Publikationen durchblättern und im Kellergewölbe homophile Manifeste von 1800 durchlesen, dazu viel queere Kunst und Fotografie aus ganz Europa.

Haben Comics in den USA den gleichen Stellenwert wie in Europa?

Das ist eine interessante Frage. Frankreich und Japan haben Comics lange Zeit als "wahre" Kunst- und Literaturform angesehen, die seriöses kulturelles Gewicht besitzt. Die Franzosen nennen Comics oft die "Neunte Kunst". Auf der anderen Seite haben französische Comics lange mit der Ausgrenzung von weiblichen und queeren Künstlern gerungen. Während die "Eisner & Ignatz Awards" [Amerikas höchste Comicauszeichnung; d. Red.] 2015 Frauen zugesprochen wurden, bestand die Liste der Nominierten für den "Grand Prix Angouleme" [Frankreichs höchste Comicauszeichung] ausschließlich aus Männern. Aber keine Sorge: es gab Proteste! (lacht)

Andere in der Ausstellung repräsentierte Länder haben weniger Comictradition oder andere Einstellungen zu Queerness. Zum Beispiel hat der berühmteste deutsche Comiczeichner und erfolgreichste schwule Zeichner Europas, Ralf König, die schwule Lederszene in Köln sehr offen, anschaulich und lustig nachgezeichnet. In den USA, wo Superhelden- und Kindercomics den Mainstream dominieren, wird König jedoch als Underground verortet, weil er in keine der gängigen US-Schubladen passt: seine Figuren sehen aus wie Kindercomics, machen aber entschieden unkindliche Dinge. Damit kommen US-Verlage nicht klar und wissen nicht, wie die das vermarkten sollen.

Obwohl Deutschland eine bedeutend weniger entwickelte Comicszene hat als die Vereinigten Staaten, sind die prominentesten Comics die "schwulsten" – und werden öffentlich in Bahnhofskiosken verkauft. Das wäre in meiner Heimat undenkbar.

Glamazonia the Uncanny Super-Tranny
Glamazonia the Uncanny Super-Tranny (Bild: Justin Hall)

Es gibt Leute, die argumentieren, dass die Welt der Superhelden sowieso ziemlich queer sei. Würdest du zustimmen?

Also, es gibt offensichtliche sublimierte Sexualität: all diese muskulösen Helden mit perfekten Körpern in enganliegenden Outfits, die miteinander ringend durch die Luft fliegen und sich an den Unterhöschen rumfummeln. Wie die Ausstellung zeigt, gibt es Beispiele für queere Lesarten von Batman und Robin, wie sie zusammen in ihrem Batcave chillen, von Wonder Woman, die auf Paradise Island lebt – einer Insel, die ausschließlich von attraktiven Amazonen bewohnt wird – und von X-Men, deren Kräfte sich während der Pubertät entwickeln und die sie vor der Welt verheimlichen müssen.

Ramzi Fawaz hat gerade das Buch "The New Mutants: Superheroes and the Radical Imagination of American Comics" veröffentlicht, das Queer Theory nutzt, um Superhelden in einen radikalen politischen Diskurs zu bringen und die kulturelle Identität in Amerika anzugreifen; diese Ideen existieren also schon länger.

Die amerikanische Comicindustrie hat die queeren Superhelden nicht sofort mit offenen Armen aufgenommen. Es war ein langer Weg, bis zu den vielen Coming-outs der jüngsten Vergangenheit.

Wie werden sich queere Comics deiner Meinung nach weiterentwickeln?

Eigentlich müssen Comics nur den Weg weitergehen, auf dem sie bis jetzt vorangeschritten sind. Sie müssen sich weiterhin Diversität bei ihren Inhalten, Veröffentlichungsformen (zum Beispiel Internet) und Charakteren bewahren. Sie müssen von unserem wahren Leben erzählen, aber auch von unseren Sehnsüchten. Sie müssen Geschichten erzählen, die uns dazu inspirieren, in einer Welt zu leben, die wir alle verdienen, egal ob wir homo oder hetero oder sonst was sind.

  Infos zur Ausstellung
SuperQueeroes – Unsere LGBTIQ* Comic Held_innen. Noch bis 26. Juni 2016 im Schwulen Museum*, Lützowstraße 73, 10785 Berlin. Öffnungzeiten: So, Mo, Mi, Fr 14-18 Uhr, Do 14-20 Uhr, Sa 14-19 Uhr, Di geschlossen.
Links zum Thema:
» Homepage des Schwulen Museums*
» Das Buch "No Straight Lines: Four Decades of Queer Comics" bei Amazon.de
Mehr zum Thema:
» "SuperQueeroes" erobern das Schwule Museum* (21.01.2016)
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SuperQueeroes

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Tags: superqueeroes, schwules museum, comic, justin hall
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Reaktionen zu "Muskulöse Helden in engen Outfits: Wie queer ist die Comicwelt?"


 14 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
07.02.2016
11:32:59


(+6, 6 Votes)

Von Kevin


Das schöne ist ja hier, dass auch intersexuelle Charaktere in der Ausstellung vorkommen. Damit wird das ganze Spektrum von LGBTI abgedeckt. Es ist wirklich erstaunlich wie divers die Comicszene ist, gerade wenn es um Superhelden und Actionhelden geht. Das hätte ich nicht erwartet. Und es macht Spaß zu sehen, mit welcher Lust Comickünstler und -künstlerinnen sich da ausleben.


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#2
07.02.2016
11:54:52


(+3, 7 Votes)

Von UrsaMajor


"Sind da queere Comics [...] überhaupt noch nötig?"

Ja, das ist die große Frage. Sind queere Identitäten mit eigenen Geschichten überhaupt noch nötig? Wo doch inzwischen das oberste Ziel zu lauten scheint, uns so mimikry-artig wie möglich dem Mainstream anzupassen...

Mir fällt dazu wieder mal der zaunfink-Artikel ein, der dieses Thema auf den Punkt bringt:

Link:
derzaunfink.wordpress.com/2015/02/14/ich-habe-nich
ts-gegen-tolerante-heteros-aber/


Zitat daraus:

"Davon abgesehen fände ich es nicht einmal wünschenswert, in einer Welt ganz ohne geschlechtliche oder andere Identitäten zu leben. Wir sind doch keine Schlümpfe. Das Schöne an uns Menschen ist doch nicht, dass wir alle gleich sind, sondern dass wir alle anders sind. Geschlechtliche Identitäten stehen nicht im Widerspruch zu unserem Menschsein, sondern sind ein wichtiger Teil davon. Sie gehören zu unserer wunderbaren Vielfalt. Akzeptanz funktioniert nicht dort, wo man Unterschiede leugnet, sondern nur dort, wo man sie feiert. Und das eigentliche Problem besteht auch nicht darin, dass wir Identitäten haben, sondern darin, dass wir die Hälfte von ihnen auf höchst unfreundliche Weise abwerten."

Demzufolge wehre ich mich entschieden gegen die These "Es ist die Aufgabe des Mainstreams, queere Menschen zu assimilieren und zu normalisieren", wenn sie bedeutet, dass wir uns gefälligst so perfekt wie möglich anzugleichen haben.

Sich so anzugleichen, heißt, die eigene Identität verschwinden zu lassen. Heißt, sich zu verstecken und so zu tun, als wären wir "ja ganz normal" und "genau wie alle anderen".

Sind wir nicht.

Und das ist auch sehr gut so.


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#3
07.02.2016
12:44:25


(-5, 9 Votes)

Von JarJar
Aus Kiel (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 30.10.2015
Antwort zu Kommentar #2 von UrsaMajor


Liest du denn Comics?


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#4
07.02.2016
12:44:50
Via Handy


(+4, 4 Votes)

Von Nick


Die Comicwelt ist queerer als die Verfilmungen der Comics!


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#5
07.02.2016
13:17:56


(+5, 7 Votes)

Von UrsaMajor
Antwort zu Kommentar #3 von JarJar


Die Antwort auf diese Frage ist doch völlig irrelevant für das Thema.

Ich habe mich zur Fragestellung "Sind da queere Comics, geschaffen von LGBT-Künstlern, überhaupt noch nötig?" geäußert.

Das lässt sich auf alle anderen Themen übertragen. "Wenn queere Persönlichkeiten auch mehr im Mainstream auftauchen, wozu brauchen sie dann auch noch eine eigene Kultur?"

Ja wozu wohl? Eben, weil wir eigene Identitäten haben, und somit auch das Recht auf eine eigene Kultur.

Oder weshalb liest und kommentierst Du sonst HIER? Dann bräuchten wir ja auch queer.de gar nicht mehr.

Inzwischen gab's auch schon die erste Negativbewertung für meinen vorherigen Kommentar. Vielleicht ja von Dir. Ich frage mich ernsthaft, wie es jemand IN EINEM QUEEREN MEDIUM nicht gutheißen kann oder will, dass wir unsere eigenen queeren Identitäten in aller Vielfalt ausleben. U.a. eben auch mit queeren Comics, geschaffen von LGBT-Künstler_innen.

Oder soll denen jetzt nicht mehr erlaubt sein, eigene Comics mit eigenen Geschichten zu zeichnen? Weil ja der Mainstream schon alles genügend abdeckt?

Da haben wir sie wieder, die erste und wichtigste der Fünf Herrschaftstechniken:
Unsichtbar machen. Totschweigen.

So stelle ich mir eine freie Gesellschaft eindeutig NICHT vor.


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#6
07.02.2016
13:29:57


(+6, 6 Votes)

Von Kevin


Ich habe das eher andersrum erlebt, zumindest was Mainstream-Comics angeht. Da haben schwule Regisseure mit X-MEN und zumindest homophile Produktionsteams mit der TV-Serie FLASH den Weg voraus gewiesen, den die gedruckten Comicausgaben erst sehr viel später gegangen sind. Eigentlich hätte ich das umgekehrt erwartet... war aber nicht so. Manchmal kommen die Impulse von unverhoffter Seite und zeigen, dass man nicht unbedingt Kundschaft vergrault mit LGBTI-Themen.


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#7
07.02.2016
13:39:34


(-1, 7 Votes)

Von JarJar
Aus Kiel (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 30.10.2015
Antwort zu Kommentar #5 von UrsaMajor


Ich finde schon dass das eine Rolle spielt da du sonst eher schlecht beurteilen kannst wie Homosexualität in Mainstreamcomics gezeigt wird und wenn die "Community" nicht mal die LGBT Comics liest, diese aber unbedingt behalten will, wer soll sie denn dann lesen?
Wenn man selbst kein Geld in die Sachen steckt muss man sich halt auch nicht wundern wenn sie Nischenprodukte bleiben und evtl. auch einfach verschwinden. Das hat dann nichts mit den bösen Heten und ihren Assimilierungplänen zu tun, sondern einfach etwas mit Marktwirtschaft.
Und es geht hier ja nicht um andere Themen sondern genau um dieses.


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#8
07.02.2016
14:11:34


(+4, 4 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015
Antwort zu Kommentar #2 von UrsaMajor


"Demzufolge wehre ich mich entschieden gegen die These "Es ist die Aufgabe des Mainstreams, queere Menschen zu assimilieren und zu normalisieren", wenn sie bedeutet, dass wir uns gefälligst so perfekt wie möglich anzugleichen haben.

Sich so anzugleichen, heißt, die eigene Identität verschwinden zu lassen. Heißt, sich zu verstecken und so zu tun, als wären wir "ja ganz normal" und "genau wie alle anderen".

Ich meine:, entweder hast Du das: "Es ist die Aufgabe des Mainstreams, queere Menschen zu assimilieren und zu normalisieren" falsch verstanden, oder ich verstehe es falsch. Ich verstehe es so, das der "Mainstream" in unserem Fall die "heteros" sich anpassen müßen, in dem sie auch andere zwischenmenschliche Formen akzeptieren sollen.
Das mit dem Angleichen ist auch so eine Sache, jede Person ist doch anders gestrikt als die andere Person (Ich verwende "die Person", in diesem Fall, ausdrücklich wegen dem "die" als neutralund nicht "Der Mensch"). Wer eine Person oder Personengruppe, meinetwegen eine Minderheit angleichen will, ohne sich selber anzugleichen, der versteht vom Leben rein gar nichts.


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#9
07.02.2016
14:20:27


(+5, 5 Votes)

Von UrsaMajor
Antwort zu Kommentar #8 von hugo1970


"Ich meine:, entweder hast Du das: "Es ist die Aufgabe des Mainstreams, queere Menschen zu assimilieren und zu normalisieren" falsch verstanden, oder ich verstehe es falsch."

Rein sprachlich:
Wer tut etwas? Der Mainstream.
Was tut er? Er soll assimilieren und normalisieren.
Wen? Queere Menschen.

Sollte das ganz anders gemeint gewesen sein, ist es auf jeden Fall sprachlich falsch formuliert.

Vergleiche Star Trek:
"Wir sind Borg. Sie werden assimiliert.
Widerstand ist zwecklos." ;-)


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#10
07.02.2016
14:24:37


(+5, 5 Votes)

Von ursus
Antwort zu Kommentar #7 von JarJar


auch ich bin über die seltsame frage nach der notwendigkeit eigener queerer comic-kultur gestolpert. und ich möchte doch bezweifeln, dass "alle" die coming-outs queerer held_innen "gut fanden". da habe ich anderes gelesen.

>"...da du sonst eher schlecht beurteilen kannst wie Homosexualität in Mainstreamcomics gezeigt wird"

selbst wenn wir eines tages dahin kämen, dass queerphobe klischees aus sämtlichen "mainstream"-comics verschwänden und queere figuren vollkommen selbstverständlich würden (was ich nicht glaube), würde es dennoch nicht überflüssig, dass zusätzlich queere comics szene-interne perspektiven behandelten. zwischen außensicht und eigener kultur wird immer ein unterschied bleiben.

der "mainstream" wird niemals unsere eigenen debatten ersetzen.

>"... und wenn die "Community" nicht mal die LGBT Comics liest, diese aber unbedingt behalten will, wer soll sie denn dann lesen?"

das stimmt. aber es hebelt einen kritischen einwand ja nicht aus, wenn man selbst nicht zu den konsument_innen gehört. ich gehe z.b. nicht in lesbische kneipen und lese keine lesbischen bücher, finanziere beides also auch nicht selbst mit. ich würde aber trotzdem ihre existenz inhaltlich verteidigen und wäre damit wohl nicht automatisch unglaubwürdig, oder?


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