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Giovanni De Paoli (2.v.l.) vor rund zwei Wochen beim "Family Day" in Rom

Ein Vertreter der Lega Nord in Ligurien soll sich gegenüber Eltern von LGBT-Kindern abfällig geäußert haben – er bestreitet das.

Vertreter eines italienischen Verbands für die Eltern von homo- und transsexuellen Kindern haben einen italienischen Politiker beschuldigt, sich abfällig über Homosexuelle geäußert zu haben. Giovanni De Paoli von der Lega Nord habe Stefania Gori von der Organisation Agedo gesagt: "Wenn ich einen schwulen Sohn hätte, würde ich ihn im Ofen verbrennen."

Das Ratsmitglied der Region Ligurien habe die Äußerung ihr und anderen Agedo-Mitgliedern gegenüber am Rande einer Ausschusssitzung zu einem neuen Familiengesetz gemacht. "Ich dachte zuerst, ich halluziniere", so Gori, die gemeinsam mit ihrem Mann an der Sitzung teilnahm. "Und so etwas von einem öffentlichen Vertreter!"

De Paoli habe zunächst gesagt, dass er Homosexualität nicht gut heiße. Man habe ruhig mit ihm diskutiert, sagte Gori, und etwa den Wert der Liebe betont. Als ihr Mann die Frage stellte, was der Politiker machen würde, sollte sein Sohn schwul sein, sei dann die schockierende Äußerung gefallen.

"Da gefror uns das Blut in den Adern", so Gori gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa. "Ich musste sofort an die Konzentrationslager der Nazis denken."

Widersprüchliche Aussagen De Paolis

Giovanni De Paoli hat seitdem die Äußerung bestritten, was von italienischen Medien und politischen Gegnern, die empört eine Entschuldigung forderten, allerdings als widersprüchlich und wenig glaubhaft angesehen wurde. "Ich habe diesen Satz nie gesagt", meinte er in einer ersten Stellungnahme. "Aber ich bin ein Traditionalist, das gebe ich zu." Und er sei bekannt dafür, dass er immer sage, was er denke. In diesem Fall: "Die Familie besteht aus Vater und Mutter, Großvater und Großmutter."

Von Medien erneut befragt, was er im Falle eines schwulen Sohnes tun würde, meinte er: "Wäre das eine Krankheit, würde ich ihn heilen lassen. Aber ich denke, es ist ein Laster und es gibt nichts, was ihn heilen könnte." Eine Entschuldigung lehnte er zunächst ab.

Später beschuldigte De Paoli die Presse, die bei dem Termin nicht anwesend war, seine Äußerung verzerrt zu haben. So stellte er plötzlich sein Zitat "klar": "Hätte ich einen schwulen Sohn, würde ich ihn nicht im Ofen verbrennen wollen", will er gesagt haben. Auch meinte er: "Sollte sich jemand von den Worten, die ich nicht, ich wiederhole: nicht, gesagt habe, angegriffen fühlen, entschuldige ich mich."

De Paoli erinnerte daran, dass er mit einem Banner der Region zum "Family Day" vor rund zwei Wochen nach Rom gereist war. Hunderttausende hatten dort gegen die Homo-Ehe demonstriert (queer.de berichtete). Das führe nun wohl zu einer Rache, spekulierte der Politiker: Durch das Weglassen des Wortes "nicht" aus seiner Äußerung würde versucht, seinen "ehrenwerten Beitrag" in eine geschmacklose Aktion zu verwandeln.

Debatte im Senat geht weiter


Beim im TV übetragenen Sanremo-Musikfestival setzten viele Musiker ein Zeichen für die Homo-Ehe, darunter Eros Ramazotti (r.) (Bild: Screenshot RAI)

Derweil hat das Gesetz zur Einführung von eingetragenen Lebenspartnerschaften in Italien am Mittwoch eine weitere Hürde im Senat genommen: 195 Abgeordnete stimmten gegen eine Vorlage von 76 Senatoren, das Gesetz zurück in die Ausschüsse zu verschieben und damit für einige Monate weiter aufzuhalten. 101 Abgeordnete waren für die Verschiebung.

Die Gegner der Homo-Ehe hatten zunächst eine geheime Abstimmung verlangt und sich Hoffnungen auf eine Verabschiedung gemacht, Senatspräsident Pietro Grasso hatte das aber abgelehnt. Die Beratungen gehen in dieser und der nächsten Woche weiter, zunächst zu weiteren Zusatzanträgen. Eine nächste Abstimmung folgt dazu am Dienstag Nachmittag.

Vor allem das Recht für Lebenspartner, das Kind des Partners zu adoptieren, sorgt weiter für Streit, auch in der Koalition der Demokratischen Partei von Regierungschef Matteo Renzi mit kleineren konservativen Parteien. Als die oppositionelle Fünf-Sterne-Bewegung, auf die die Regierung aufgrund der Gegner in den eigenen Reihen angewiesen ist, am Wochenende plötzlich eine Freigabe der Abstimmung für ihre Abgeordneten ankündigte, herrschte wieder Sorge um das Gesetz. Inzwischen sollen Zählungen weiterhin eine Mehrheit für das Gesetz belegen, die gestrige Abstimmung ist ein entsprechendes Indiz. Aktivisten zeigten sich aber besorgt, dass sich der eigentliche Hauptgegner, die katholische Kirche, schon seit Tagen nicht mehr zum Thema geäußert hat – und vermuten, dass hinter den Kulissen Lobbyarbeit betrieben wird.

Dutzende Zeichen für die Homo-Ehe waren derweil am Dienstag und Mittwoch in der Primetime des italienischen Fernsehens zu sehen: Beim traditionellen San-Remo-Musikfestival, das zugleich die Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest ist, sprachen sich mehrere Künstler für die Gleichberechtigung aus, in Worten oder mit Armbändern oder Papierstreifen in Regenbogenfarben. Der italienische Superstar Eros Ramazotti holte sich das Papiersymbol während eines Songs bei seiner Ehefrau im Publikum ab.

"Das, was ich hier halte, ist wichtig", sagte er im Gespräch mit dem Moderator der Sendung zu den Regenbogenfetzen. "Die Familie ist wichtig, egal wie sie aussieht." San Remo liegt übrigens in Ligurien. (nb)



#1 KokolemleProfil
#2 HeinerAnonym
  • 11.02.2016, 12:11h
  • Solche Faschisten gehören in eine geschlossene Anstalt, aber nicht in die Politik!

    Der Geist Mussolinis weht wohl immer noch durch Italien.
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#3 wiking77
  • 11.02.2016, 12:14h
  • kann das sein, dass er das im Affekt gesagt haben könnte? Passiert ja hin und wieder auch einem selber, dass man im Zorn einem geliebten Menschen an den Kopf wirft: "Ich bring Dich um!". Klar ist nicht schön, aber menschlich; heisst ja längst nicht, dass man diesen ausgesprochenen Zorn auch umsetzt. Also warum also so sehr auf die Goldwaage legen?
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#4 Roman BolligerAnonym
  • 11.02.2016, 12:27h
  • Solche Äusserungen sind typisch für Menschen, welche folgende Kombination in sich vereinen:
    - Intellektuelle Defizite (kurz: abgrundtiefe Dummheit)
    - Katholische Indoktrination (oder ein anderer religiöser Fundamentalismus)
    - Moralische Defizite (kurz: Ethische Standards auf dem Stand von Nazis)

    Dummheit, Katholizismus (oder sonstige religiöse Fundamentalismen) und Rechtsradikalismus ergeben immer ein Puzzle, welches Ausgrenzung, Folter, Totschlag und Mord produziert zum Schaden von LGBT-Menschen.
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#5 SebiAnonym
#6 Carsten ACAnonym
  • 11.02.2016, 12:37h
  • Sollte sich das als wahr herausstellen (wo im Moment alles drauf hindeutet), sollte der sofort alle politischen Ämter verlieren.

    Menschen mit solchen menschenverachtenden Meinungen und Mord-Phantasien sollten keine politische Verantwortung tragen.

    Ein Mindestmaß an Anstand und Rechtsstaatlichkeit muss man auch von einem Politiker erwarten können.
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#7 TimonAnonym
#8 AlexAnonym
  • 11.02.2016, 13:03h

  • So viel zur Behauptung, es ginge den Homohassern nur ums Kindeswohl.

    In Wirklichkeit wollen sie zur Durchsetzung ihrer menschenverachtenden, totalitären Ideologie sogar Kinder und Jugendliche ermorden...
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#9 JuljanAnonym
#10 aLuckyGuyProfil
  • 11.02.2016, 13:29hPeine
  • Antwort auf #3 von wiking77
  • @ wiking77
    Also ich denke schon, das man das ernst nehmen muss. Ich habe in meiner Kindheit und Jugendzeit viel zu oft solche und ähnliche Bemerkungen hören müssen. Na klar ist das übertriebenes Gerede, keine Frage. Das Gefährliche ist ja auch weniger der Inhalt, den er gewiss nicht wörtlich gemeint hat, sondern eher die prinzipielle Bedeutung. Das man nämlich Homosexuelle derart gering schätzt, das man ihnen sogar den Tod an den Hals wünschen kann, ohne die geringsten gesellschaftlichen Probleme zu bekommen. Aber ich denke, damit dürfte er sich geirrt haben.
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