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Polizeigewalt schockt Szene

Peru: Wasserwerfer gegen LGBT-Kiss-In


Die Polizei verfolgte die Teilnehmer der Kussaktion durch die Innenstadt von Lima (Bild: Sin Etiquetas)

In Lima wurde – bereits zum zweiten Mal – eine Aktion zum Valentinstag von der Polizei gewaltsam aufgelöst.

Die peruanische Polizei hat am Samstag mit Gewalt eine Versammlung von Schwulen, Lesben und Transsexuellen aufgelöst, die friedlich ein Kiss-In zum Valentinstag in der Hauptstadt Lima veranstalteten.

An der Aktion gegen Homo- und Transphobie, die in sozialen Netzwerken beworben worden war, nahmen Dutzende Menschen teil, berichtet das queere Blog Sin Etiquetas. Einige waren mit Regenbogenflaggen erschienen, einige küssten sich.

Dann griff die Polizei ein, mit einem Wasserwerfer und körperlicher Gewalt wurden die Teilnehmer vom Plaza Mayor vertrieben und weiter durch die Straßen der Innenstadt verfolgt.

Youtube | Ein Video mit Szenen des Kiss-Ins und seiner Niederschlagung

Verstößen Küsse gegen das Demonstrationsverbot?

Wie weitere Videos des Vorfalls zeigen, setzten einige Polizisten gegen die teils jungen Leute auch Schlagstöcke ein. Medienberichten zufolge wurden mehrere Personen leicht verletzt, darunter eine Journalistin von der LGBT-Website "Sin Etiquetas" an einer Augenbraue; sie soll zuvor einer anderen Teilnehmerin zur Hilfe geeilt sein.



Von Festnahmen wurde nichts bekannt. Die Polizei rechtfertigte den Einsatz mit dem Hinweis, dass für den Platz ein allgemeines Demonstrationsverbot gelten würde. In den sozialen Medien Perus wird inzwischen darüber diskutiert, ob der Polizeieinsatz in dieser Form angemessen war – was kaum jemand so sieht – und ob ein Kiss-In eine Demonstration ist. Zugleich betonten einige, dass kulturelle Feiern und religiöse Veranstaltungen auf dem Platz noch nie ein Problem dargestellt hätten.



Auf dem Platz küssten sich täglich tausende Heterosexuelle, kommentierte die LGBT-Organisation "Movimento Homosexual de Lima". Die Polizei habe eingegriffen, als es zu den Küssen zwischen schwulen und lesbischen Paaren kam, so die Organisation, die das Verhalten als homophob bewertete. Wer einen homosexuellen Kuss als Protest ansehe, zeige bereits eine Falschauffassung von Gleichheit.

Die Organisation berichtet, dass auch Menschen, die sich nicht küssten, und Unbeteiligte von den Polizisten attackiert wurden. Aber letztlich sei es um die Küsse gegangen. "Wir werden angegriffen, weil wir anders lieben", meinte einer der jungen Teilnehmer während der Rangeleien.



Als Reaktion auf die Gewalt hat die Organisation "Besos Contra Homophobia" auf Facebook zu einem weiteren Kiss-In am nächsten Samstag aufgerufen. Fast 800 Menschen haben inzwischen zugesagt. Der Protest soll erneut auf der Plaza Mayor stattfinden.

"Wir kehren mit unseren Küssen auf die Straßen zurück, denn wir schämen uns nicht dafür, so zu sein, wie wir sind. Und wir wissen, dass diese Revolution nur gewonnen wird, wenn wir kämpfen", heißt es in der Ankündigung. Niemand könne Küsse, Zuneigung und Liebe verbieten.

Eine Gesellschaft im Wandel

Während die Szenen aus Lima einen zunächst an den Polizeieinsatz gegen den Istanbuler CSD im letzten Jahr erinnern, ist sie für die Aktivisten vor Ort vor allem eine Erinnerung an 2011, als die Polizei der Hauptstadt schon einmal ein Kiss-In zum Valentinstag mit Gewalt verhinderte (queer.de berichtete). Bei dem Protest an der Kathedrale wurde auch damals mindestens eine Person verletzt, Staatspräsident Alan García verurteilte die Polizeigewalt danach als "übertrieben" und "illegal".



In Peru, das Homosexualität bereits in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts legalisierte, hatte es in den letzten Jahren mehrere Anläufe zur Einführung einer Lebenspartnerschaft gegeben, u.a. eingebracht von dem Abgeordneten Carlos Bruce, der sich als erster Politiker Perus als schwul geoutet hatte. Die Pläne scheiterten bislang alle, der letzte Gesetzentwurf im April 2015 im Justizausschuss.

Einer Umfrage aus dem Jahr 2013 zufolge hätte nur jeder vierte Peruaner die rechtliche Anerkennung unterstützt. Vor allem die katholische Kirche, die in dem Land einen großen Einfluss hat und zu der sich über 80 Prozent der Bevölkerung bekennen, sorgt für ein Klima, in dem Homosexualität teilweise noch ein Tabu darstellt.



Zugleich wandeln sich die Enstellungen: Beim ersten CSD in Lima 2002 trugen die Demonstranten noch Masken, um nicht erkannt zu werden. Die aktuellen Bilder aus Lima zeige einen selbstbewusstere Haltung der jungen LGBT-Generation.

Und auch in den Behörden ist Wandel angesagt: 2009 entschied der oberste Gerichtshof des Landes, dass Homosexuelle nicht aus dem Militär ausgeschlossen werden dürfen – und ebenfalls nicht aus der Polizei. (nb)



#1 FelixAnonym
  • 15.02.2016, 20:09h
  • Schlimm, wie man in Peru mit Gewalt gegen friedliche Menschen vorgeht, die nichts anderes tun als sich zu küssen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 AlexAnonym
#3 TheDad
  • 15.02.2016, 20:53h
  • ""Und auch in den Behörden ist Wandel angesagt: 2009 entschied der oberste Gerichtshof des Landes, dass Homosexuelle nicht aus dem Militär ausgeschlossen werden dürfen und ebenfalls nicht aus der Polizei.""..

    ""Die stark von der römisch-katholischen Kirche beeinflusste peruanische Gesellschaft droht bekannten LGBT-Personen mit Verfolgung in der Öffentlichkeit.
    2009 gab MHOL bekannt, dass es in Peru seit 2005 zu 470 Todesfällen aufgrund von Hate crimes, die durch Homophobie motiviert waren, gekommen sei.
    Das Profil der Opfer sei typischerweise ein im Schrank lebender Mann über 40 Jahre, sowie Transvestiten.""..

    de.wikipedia.org/wiki/Homosexualit%C3%A4t_in_Peru

    Und wieder mal die Katholiban..
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#4 HeinerAnonym
#5 PerspektiveAnonym
#6 EhlaAnonym
#7 interessenlagenAnonym
  • 16.02.2016, 12:33h
  • Antwort auf #5 von Perspektive
  • "Umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro wolle Sedapal in den kommenden fünf Jahren investieren, sagt Hauptgeschäftsführer Mario Antonio Vargas Medina. Einen großen Teil der Summe finanzieren ausländische Geldgeber, unter anderem die deutsche Entwicklungsbank KfW.
    ...
    Dementsprechend sparsam gehen die Armen mit dem Wasser um. Weil aber die Reichen so verschwenderisch sind, liegt der durchschnittliche Verbrauch in ganz Lima bei 240 Liter pro Kopf und Tag und damit doppelt so hoch wie in Deutschland. "

    Die deutsche Entwicklungsbank KfW will also, dass die Reichen weiterhin ungehemmt Trinkwasser verschwenden können?

    Zu der Tatsache, dass die Polizei gewalttätig gegen LGBTI-Versammlungen "spritzt", fällt deutscher "Entwicklungspolitik" aber nichts ein?
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