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"Weit unter der Gürtellinie"

Empörung über transphoben Faschingswagen


Der "Tölzer Kurier" veröffentlichte ein kurzes Video, das den transphoben Wagen zeigt (Bild: Screenshot / Youtube / Tölzer Kurier)

Ein übler Karnevals-Scherz über eine transsexuelle Frau sorgt in Oberbayern für Verärgerung – der CSU-Bürgermeister distanziert sich.

Ein transphober Faschingswagen im Luftkurort Lenggries hat ein Nachspiel: Nach einem Bericht des "Merkur" gibt es scharfe Kritik an einem Wagen, der sich über die Transsexualität der 48-jährigen Dorfbewohnerin Amanda Reiter lustig macht. Das könnte nun dem Image des 10.000 Einwohner zählenden Ortes schaden, der bislang vor allem als Heimat von Generationen von Weltklasse-Skifahrerinnen wie Martina Ertl, Hilde Gerg, Michaela Gerg-Leitner und Heidi Zacher bekannt geworden ist.

Der Wagen zeigte ein angedeutetes Sägewerk und ein Postgebäude – und verwies damit direkt auf Amanda Reiter, der ein stillgelegtes Sägewerk mit einem Zustellstützpunkt der Post gehört. Auf dem Wagen, auf dem junge Männer teils in Frauenklamotten tanzten, prangte die Aufschrift: "Großgrundbesitzer/in verkauft Grundstücke und nicht lebenswichtige Organe", ebenso wie mehrere weitere "Witze" über Transsexualität, etwa eine große Schere neben einem aus dem Wagen ragenden Phallus.

Bürgermeister distanziert sich

Nachdem er den Wagen gesehen hatte, beschwerte sich der Wirtschafts- und Organisationspsychologe (MA) Stefan Balk, der seine Master-Thesis zum Thema "Transidentität im beruflichen Umfeld" schrieb, in einem Brief bei Bürgermeister Werner Weindl. Der CSU-Politiker distanzierte sich daraufhin von dem Wagen: "Dass jemand bei einem Faschingszug persönlich denunziert wird, kann nicht im Sinne der Gemeinde sein", sagt er. "Es soll nicht sein, dass sich jemand durch einen Wagen diskriminiert fühlt."

Auch der Chef des Faschingsvereins "Mia sans" zeigte sich entsetzt: "Dieses Thema so aufzugreifen, geht definitiv nicht. Das ist weit unter der Gürtellinie", sagte Michael Gascha, der wie der Bürgermeister beteuert, vorher nichts von dem Wagen gewusst zu haben. Er wolle nun Kontakt mit den Wagenbauern aufnehmen und betonte, dass "unser ganzer Verein Frau Reiter unterstützt".

Reiter selbst befindet sich derzeit nicht in Lenggries und erklärte, sie hätte einen solchen Wagen nie erwartet. Sie hatte sich vergangenes Jahr in einem Artikel im Lokalblatt "Tölzer Kurier" als transsexuell geoutet. Psychologe Balk kritisierte, dass mutige Coming-outs wie ihres durch eine derartige "geschmacklose und diskriminierende Zurschaustellung" erschwert werden würden. (cw)

 Update  20:00h: Schwusos loben Faschingsverein

Die Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD Oberbayern (Schwusos) haben in einer Pressemitteilung vom Dienstagabend die "eindeutige Positionierung" des Lenggrieser Faschingsvereins "Mia Sans" begrüßt: "Dass der Vorsitzende des Faschingsvereins hier klare Kante gegen einen Wagen, der einen transidenten Menschen dem öffentlichen Spott aussetzt, zeigt, finden wir gut", erklärte Schwusos-Chef Daniel Jazdzewsk. "Lesben, Schwule und transidente Menschen brauchen Rückhalt in der Gesellschaft und Vereine sind hier wichtige Wertevermittler."

Die Schwusos Oberbayern hoffen, dass die Wagenbauer vereinsintern entsprechend gemaßregelt werden. "Ein Dummer-Jungen-Streich, der mal eben schnell und unbedacht gemacht wird, war das nicht mehr, wenn man bedenkt wie viel Arbeit in einem Faschingswagen steckt", sagte Jazdzewski. "Aufklärung über Transidentität wäre hier auch sehr wichtig, denn mit einem schnellen Kleidertausch ist es nicht getan."



#1 HeinerAnonym
  • 16.02.2016, 15:31h
  • Wer dermaßen gegen Bevölkerungsgruppen und sogar einzelne Dorfbewohner hetzt, gehört wegen Volksverhetzung verklagt.

    Vor allem sollten solche Faschisten aber nicht mehr an künftigen Umzügen und ähnlichen Dingen teilnehmen dürfen.
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#2 TimonAnonym
  • 16.02.2016, 15:32h
  • Das sind wahrscheinlich solche Dorfdeppen, die zu dumm sind, um auch nur ansatzweise zu kapieren, was sie damit anrichten...
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#3 GeorggAnonym
#4 SebiAnonym
  • 16.02.2016, 16:43h
  • Heißt Karneval in Süddeutschland deshalb FASCHing, weil es was mit Faschismus zu tun hat?

    Oder sind das einfach Hinterwäldler, die wirklich glauben, das sei witzig und nicht verstehen, dass das Verleumdung ist?
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#5 Johannes45Anonym
  • 16.02.2016, 17:15h
  • Es gibt genügend andere schöne Kurorte in den Alpen. Machen wir also künfitg um Leggries einen großen Bogen und werben wir dafür, dass kein schwuler/lesbischer Skifahrer Lenggries noch betritt.
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#6 Danny387Profil
  • 16.02.2016, 18:01hMannheim
  • Wie interessant: am 8.5.15, also gar nicht lange her, hieß es in einer Reportage über Frau Lenggries:

    "Negative Reaktionen hat die Lenggrieserin nie erlebt was an der Freude liegen könnte, die sie ausstrahlt, seit sie ihr neues Leben begonnen hat. Ich schenke den Menschen ein Lächeln und bekomme es zurück, sagt sie. Die Menschen hier sind toleranter, als sie selbst denken.

    Quelle:
    www.merkur.de/outdoor/laufen/muenchner-stadtlauf-ere26006/le
    nggries-transgender-amandas-langer-lauf-sich-selbst-3543016.
    html


    Und jetzt das! Schlimm! Hoffentlich erhalten die Verantwortlichen eine harte Strafe!

    Die Forderung, deswegen den ganzen Ort zu meiden, finde ich übrigens relativ unverständlich. Denn erstens ist die Wirtschaftskraft von schwulen Skifahrern viel zu gering um Druck aufzubauen, zweitens sollte nicht der ganze Ort bestraft werden, bloß weil ein paar Karnevalsdeppen (weit!) unter die Gürtellinie geschlagen haben, und drittens sollte (IMHO) der Ort jetzt erst recht von LGBT überschwemmt werden, dass die dort sehen, wie normal und schön das ist.
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#7 üäpölokijuhzAnonym
#8 IsaakAnonym
#9 userer
  • 16.02.2016, 18:41h
  • Wie furchtbar muss das für Amanda Reiter sein, wenn sie nach Hause zurückkommt? Wie wird sich das für sie anfühlen?

    Furchtbar, aber genau so unzivilisiert geht es halt zu, wenn man diese Katholiken von der Kette lässt!
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#10 MarcAnonym
  • 16.02.2016, 19:07h

  • Tumbe besoffene Hinterwäldler. Gibt's leider immer wieder und immer noch zu viele.
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