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  • 17. März 2005, noch kein Kommentar

Das Leben dreier Brüder wird in sehr realen Bildern gezeigt. Der jüngste – Olivier – lernt die schwule Liebe kennen.

Von Carsten Weidemann

Der französische Regisseur Gael Morel porträtiert das Leben dreier Brüder, Marc, Christophe, Olivier, und zeigt in schonungslosen, sehr realen Bildern eine Familie, die so ist, wie die Gegend, in der sie lebt. Rau, manchmal zerklüftet, natürlich, karg und ohne erkennbare Struktur. Episodenhaft beginnt der Film.

Marc ist 22 Jahre alt, ein gut aussehender Mann, unter dessen harter Schale man einen weichen Kern nur vermuten kann. Mit seinen Freunden hängt er rum, schläft lange, geht ins Fitness-Studio, lässt sich den Kopf rasieren und versucht mit einem guten Joint dem Alltag zu entfliehen. Was er will, weiß er nicht, wohin sein Leben sich bewegt, will und kann er nicht steuern. Er lebt ziellos, treibt sich mit seinen Freunden in der Stadt rum und hält sich mit kleineren Drogengeschäften über Wasser.

Ein längst vergangener Streit mit einer anderen Gang muss noch geregelt werden. Schließlich eskalieren die Drohungen. Marc wird überfallen, verschleppt und an einer tiefen Schlucht steht er da, alleine, und wird gezwungen seinen Hund in die Tiefe zu stürzen.

Im zweiten Kapitel treffen sich alle zu einer großen Party im Freien, um die Rückkehr von Christophe zu feiern, Marcs Bruder, der unschuldig im Gefängnis saß und jetzt versucht, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Er ist ein ruhiger Mensch, fühlt sich wohl in seiner Rolle als Beschützer der beiden Brüder. Christophe hat genug von seinem Außenseiterdasein. Er sucht eine Arbeit und findet sie in einer Fleischfabrik, wo er im Akkord arbeiten muss. Die Vergangenheit lässt er hinter sich und darüber reden wird für ihn schwer. Sein Blick ist nach vorn gerichtet.

Olivier ist der jüngste der drei Brüder, gerade 17 Jahre alt, zurückgezogen und einsam in der Trauer zu seiner Mutter. Olivier weiß noch nicht, wohin es gehen soll. Marc ist kein Vorbild für ihn, Christophe denkt nur an sich und sein Vater ist mit der Situation zuhause überfordert. So flüchtet er sich in Gespräche mit seiner toten Mutter, findet hier Trost, wenn auch nicht Hilfe.

Marc sinnt auf Rache und will seinen Peiniger umbringen. Aber er schafft es nicht. Bei einem dieser Versuche hat er einen Autounfall und ist fast dabei umgekommen. Christophe versucht vom ersten Tag in Freiheit so etwas wie eine heile Familie aufzubauen, sieht aber, dass die Probleme in der Familie weit tiefer liegen, als er es bisher vermutet hat. Und Olivier verliebt sich in Hicham, einem arabischen Mitschüler und ist in seiner Gefühlswelt völlig hilflos, weil er sie nicht mit seinen Brüdern teilen kann.

Drei Brüder. Sie leben ein Leben zusammen, in einer Wohnung. Sie schlafen zusammen, sie gehen zusammen aus, aber jeder von ihnen lebt auch in seiner eigenen Welt.

Regisseur Gael Morel nimmt seine Figuren sehr ernst. Er zeigt sie in aller Natürlichkeit und Offenheit, ohne dabei voyeuristisch zu sein. Er beobachtet klug und lässt die scheinbar nebeneinander her laufenden Geschichten am Ende zusammenfließen. Schonungslos und sehr emotional geht Morel dicht an die Brüder heran und zeigt sie in ihrer ganzen Männlichkeit und schafft zudem, den Blick dahinter zu finden.
17.03.05