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  • 19.02.2016, 12:58h           6      Teilen:   |

Hirschfeld-Lecture

Diversity als Lippenbekenntnis

Artikelbild
Thomas Sattelberger plädierte am Donnerstagabend im Berliner Allianz-Forum für das Minimalziel "Einheit in der Vielfalt" (Bild: BMH / Sabine Hauf)

In der zehnten "Hirschfeld-Lecture" beklagte Ex-Telekomvorstand Thomas Sattelberger ein "Kastensystem" in der Wirtschaft.

Von Micha Schulze

Thomas Sattelberger ist einer der schillerndsten deutschen Manager. Der einstige APO-Aktivist und Mitgründer des Kommunistischen Arbeiterbunds Deutschlands (KABD) mutierte nach seinem Ausschluss zum Manager und Vorstand unter anderem bei Daimler-Benz, Lufthansa, Continental und der Telekom und wurde zum Gesicht einer sozialen Marktwirtschaft, die den Namen verdient. Im Jahr 2014 outete er sich beim Charity-Dinner der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld als schwul, wovon außer queer.de allerdings kaum jemand Notiz nahm (queer.de berichtete).

Die Hirschfeld-Stiftung hatte dem Verfechter des Diversity Managements – Sattelberger gilt als Initiator der 30-Prozent-Frauenquote im Telekomvorstand – am Donnerstagabend die Ehre gegeben, die zehnte "Hirschfeld-Lecture" zu halten. Unter dem Motto "Vielfalt statt Einfalt – Ein Appell für Freiheit und Pluralität statt Normierung" referierte der 66-Jährige vor rund hundert Zuhörern im noblen Allianz-Forum am Brandenburger Tor in Berlin.

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Kein Coming-out in den deutschen Vorständen

Sattelberger nahm kein Blatt vor den Mund. Für viele Konzerne sei "Diversity" noch immer ein Lippenbekenntnis – allen offiziellen Verlautbarungen zum Trotz. Den schwulen Managern vom "Völklinger Kreis" warf er vor, in ihrer jüngsten Diversity-Studie den PR-Abteilungen der Unternehmen "auf den Leim gegangen" zu sein. Entscheidend seien nicht wohlklingende Papiere, sondern die offene Kultur in einem Unternehmen, und da sehe es gerade in den Top-Zirkeln noch immer schlecht aus. "In deutschen Vorständen gibt es kein Coming-out", sagte Sattelberger, "obwohl ich sie kenne". Geschlossene Kulturen, ein "Kastensystem", stehe der Öffnung zu mehr Vielfalt entgegen.

Dennoch sieht Thomas Sattelberger Licht am Horizont. Der allgemeine Trend zur Indivialisierung, die Digitalisierung der Welt, der hohe Bedarf an Arbeitskräften aus dem Ausland und der zunehmende Innovationsdruck auf Deutschland würden zu einem Kulturwandel beitragen. "In Diversität steckt der Motor für Kreativiät", so der Ex-Telekomvorstand. Nur ein Unternehmen aus Charakteren habe auch selbst Charakter. Diversity Management müsse sich dabei vor allem zu den "Eckpositionen" bekennen.

Kritik an "Koalitionsfähigkeit" der LGBT-Bewegung

Der LGBT-Community gab Sattelberger auf den Weg, bei Diversity nicht nur an sich selbst zu denken, sondern auch an Migranten, Ältere oder Frauen. Mit der "Koalitionsfähigkeit" der Lesben und Schwulen sei es leider nicht zum Besten bestellt, dabei werde man nur in einer "solidarischen Interessenvertretung" das Minimalziel "Einheit in der Vielfalt" erreichen – an "Vielfalt in der Einheit" glaube er schon gar nicht mehr.

Denn zur Diversität gehörten auch Konflikte, räumte Sattelberger ein. Mit der Flüchtlingswelle seien sie jetzt sehr offen zutage getreten. Diese Konflikte dürften weder ideologisch missbraucht noch unter den Teppich gekehrt werden, warnte er in seinem Vortrag. "Sie müssen ausgehalten werden, wir müssen darüber reden."

Das Ziel einer offenen, pluralen Gesellschaft und Wirtschaft, die auf Partizipation, Demokratisierung und Chancenfairness für LGBT wie für Migranten aus islamischen Ländern basiert, dürfe jedoch nicht aufgegeben werden. Auf dem Weg dahin müsse man sich irgendwie "durchwurschteln", so Sattelberger: "Mein Idealimus ist da realpolitischem Pragmatismus gewichen."

Links zum Thema:
» Homepage von Thomas Sattelberger
» Homepage der Magnus-Hirschfeld-Stiftung
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Tags: thomas sattelberger, diversity, bundesstiftung magnus hirschfeld, hirschfeld-lectures
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Reaktionen zu "Diversity als Lippenbekenntnis"


 6 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
19.02.2016
14:53:30


(+6, 6 Votes)

Von Svetlana L


Ich fand den Vortrag von Herrn Sattelberger sehr interessant. Er hat mir mal wieder die Augen geöffnet, dass nicht überall wo "Diversity" drauf steht auch unbedingt "Vielfalt" drin sein muss und man viel mehr auch intensiver hinter die Fassade blicken muss.


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#2
19.02.2016
17:22:54


(-2, 6 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014


Der Mensch neigt einfach sehr stark zum Konformismus statt zur Vielfalt. Meistens merkt er das nicht einmal. Das ist in Dax-Vorständen nicht anders als hier im Forum


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#3
20.02.2016
09:05:56


(+3, 3 Votes)

Von xHaraldx
Aus Wiesbaden (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 03.09.2013


Was Herr Sattelberger sagt, trifft auch für die schwule Community zu. Leider!


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#4
20.02.2016
10:22:10


(+1, 3 Votes)

Von Peer


"Der LGBT-Community gab Sattelberger auf den Weg, bei Diversity nicht nur an sich selbst zu denken, sondern auch an Migranten, Ältere oder Frauen. Mit der "Koalitionsfähigkeit" der Lesben und Schwulen sei es leider nicht zum Besten bestellt"

Mit Verlaub, aber:
das ist Bullshit!

1.
Im Gegensatz zu Migranten, Älteren oder Frauen sind Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle auch rechtlich diskriminiert. Andere Gruppen mögen ja auch teilweise gesellschaftlich diskriminiert sein, aber die rechtliche Diskriminierung (z.B. Eheverbot) besteht nicht für Migranten, Ältere oder (Hetero-)Frauen, sondern für GLBTI.

Es ist also ganz normal, dass Kampagnen rechtlicher Gleichstellung sich auf diese Gruppe konzentrieren. Eben weil andere Gruppen rechtlich gar nicht erst diskriminiert werden.

2.
Gerade GLBTI versuchen immer wieder eine breite Bürgerrechts-Koalition auf die Beine zu stellen. Aber es sind dann gerade die genannten Gruppen, an denen es oft scheitert. Und zwingen kann man die auch nicht. Wenn die anderen nicht wollen, ist das aber nicht unsere mangelnde "Koalitionsfähigkeit", sondern deren mangelnde "Koalitionsfähigkeit".

Nur mal 3 Beispiele:
- Es gab mehrfach Bemühungen, dass GLBTI-Vertreter in Moscheen gehen, um dort zum Abbau von Vorurteilen beizutragen. Das ist fast immer gescheitert. Selbst dort, wo man zuerst interessiert war, ist das dann auf Druck konservativer Mitglieder gescheitert.

- Auch erinnert sei an die Bemühungen im Sport, z.B. bei Türkiyemspor, die alle immer gescheitert sind (queer.de berichtete).

- Alice Schwarzer und ihre Zeitschrift "Emma" verstehen sich als feministisches Organ auch als Sprachrohr für lesbische Frauen. Aber bei schwulen Männern zeigt man sich nicht nur unsolidarisch, sondern greift sogar schwule Männer an (sie würden Lesben unterdrücken, etc.) und wirft ihnen vor, auch sie würden ein androzentristisches Weltbild fördern. Da habe ich nur mal ein Gegenbeispiel: in meiner ehemaligen schwulen Stammkneipe, die leider lange nicht mehr existiert, gab es einmal pro Woche einen Lesbenabend. An allen anderen Abenden waren auch Lesben herzlich willkommen - da hatte kein Schwuler ein Problem. Aber wenn man sich mal vertan hat und versehentlich in den Lesbenabend geplatzt ist, war man froh, überhaupt noch lebend rauszukommen. Wer hatte da ein Problem mit wem?

Fazit:
Es sind doch gerade GLBTI, die immer wieder auf andere zugehen, aber viel Abweisung erfahren. Nicht nur, aber leider zu oft. Es verlangt ja auch niemand, dass sich jetzt auch Migrantenverbände, Rentnerverbände, Feministinnen, etc. für GLBTI-Rechte einsetzen. Jeder hat nun mal seine Schwerpunkte und kann nicht alle Baustellen gleichzeitig bearbeiten, weil man sonst gar nichts mehr schafft.

Aber dann muss man nicht GLBTI mangelnde "Koalitionsfähigkeit" vorwerfen, wenn solche Koalitionen in 95% der Fälle an den anderen scheitern.


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#5
20.02.2016
14:02:59


(0, 4 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von Peer


""Mit Verlaub, aber:
das ist Bullshit!""..

Ist es das ?

""1.
Im Gegensatz zu Migranten, Älteren oder Frauen sind Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle auch rechtlich diskriminiert.""..

Auch Frauen, Ältere und Migranten werden rechtlich diskriminiert..
Migranten unterliegen sogar mit einem eigenem "Ausländergesetz" selbst dann noch einer "Sondergesetzgebung", wenn sie schon Jahre in der Republik leben..
Flüchtlinge und Migranten unterliegen nun wieder neu der "Residenzpflicht", die gegen die Verfassung verstößt..
Und wenn es nach der CSU ginge, würden Neu-Bürger wie Flüchtlinge und Migranten die ersten 3 Jahre ihres Berufslebens weniger als dem Mindestlohn verdienen..

Ältere sind als Rentner Gezwungen alle 6 Monate beim Sozialamt vorzusprechen, weil ihre Renten nicht ausreichen..
Mehr als 75 % die zusätzliche Sozialhilfe erhalten sind Frauen..
Im Schnitt erhalten sie 180.-- Euro pro Monat..

Was spräche dagegen die Renten grundsätzlich auf den Hartz-IV-Satz anzuheben, um dieses entwürdigende Schauspiel zu beenden ?

Frauen verdienen bis zu 20 % weniger Lohn..
Gesetzlich garantiert durch Tarifabschlüsse auch mit den Staatlichen Betrieben des Öffentlichen Dienstes..
Weniger Gehalt macht weniger Rente..
Weniger Rente macht Menschen zu Bittstellern beim Sozialamt..
Und alles ist schön "rechtlich" organisiert..


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#6
20.02.2016
17:12:34


(+4, 4 Votes)

Von willie


Schon ulkig wenn so ein alter "Manager-Sack" radikaler in seinen Forderungen und seiner Analyse ist, als so mache Jung-Aktivisten. Was ist da bloss schief gelaufen?


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