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  • 21.02.2016, 12:01h           9      Teilen:   |

"Queers Revolt"

Neuer Trend Down Under: CSD-Blockaden

Artikelbild
Der CSD in Auckland wurde am Samstag mehrfach durch selbst queere Gegendemonstranten behindert

Sowohl in Melbourne als auch in Auckland störten einzelne Aktivisten CSD-Paraden, statt ihre Anliegen zum Teil der Demonstration zu machen.

Im neuseeländischen Auckland haben Mitglieder von "No Pride in Prison", eine "queere und Trans-Aktivistengruppe", am Samstag die Parade des CSD für rund eine Stunde durch mehrere Sitzblockaden aufgehalten. Damit wollten sie gegen eine Teilnahme von Polizisten und Angestellten von Gefängnissen protestieren.

Mit der Blockade haben man ein Zeichen setzen wollen, dass der Pride damit "gewalttätigen, rassistischen und transmisogynen Institutionen" im zweiten Jahr in Folge eine Bühne geboten habe, meinte eine Aktivistin der Gruppe gegenüber Medien. In einer Stellungnahme wird argumentiert, die übliche Doppelbelegung in Gefängnissen führe zu Gewalt gegenüber queeren und Trans-Insassen. So sei die Vergewaltigung einer Transsexuellen bekannt geworden. Die Polizei verhalte sich gegenüber Minderheiten zudem rassistisch.

Die Teilnahme von Mitarbeitern dieser Institutionen an der Pride-Demo sei ein "Pink Washing", so "No Pride in Prison": LGBT-Fragen würden genutzt, um von alltäglicher Gewalt und Brutalität abzulenken. Der CSD und viele Teilnehmer würden sich auf ihre Seite stellen statt auf die Seite der am meisten marginalisierten Personen.

Youtube | Szenen aus Auckland
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Farbbeutel-Anschläge

Insgesamt hatte es mehrere Versuche von Aktivisten gegeben, die CSD-Demonstration zu stören. Manche wurden, teilweise mit Gewalt, durch Sicherheitspersonal verhindert, an einer kleineren Gruppe konnte die Parade vorbei ziehen. Die Sitzblockade wurde letztlich – unter Beifall der Zuschauer am Rande – von Polizisten aufgelöst. Die bis zu 300 Mitglieder von "No Pride in Prison", die größtenteils nicht zur Paradestrecke vordrängen konnten, hielten später eine kleinere Demonstration durch die Innenstadt ab. Zu dem Protest hatten sie in sozialen Netzwerken unter dem Titel "Fuck Pride" aufgerufen.

Für Diskussionen hatte "No Pride in Prison" bereits im letzten Herbst gesorgt, als Unterstützer der Gruppe in Auckland Anschläge mit rosa Farbbeuteln auf eine Polizeistation und auf eine Bank verübten, die mit einem speziellen Geldautomaten zur CSD-Saison warb ("Gay ATM").



Blockade auch in Melbourne

Drei Wochen vor dem Protest beim CSD in Auckland hatte es zudem beim "Pride March Victoria", dem CSD der australischen Stadt Melbourne, eine Sitzblockade gegeben, die die Parade für rund eine halbe Stunde aufhielt. Mit dem Banner "Queers Revolt" protestierten sie gegen die Teilnahme von Unternehmen, die die Umwelt zerstörten und sich sozial ungerecht verhalten würden, sowie gegen die Teilnahme von politischen Parteien und Polizisten.

"Unsere Gruppe wollte daran erinnern, dass 'Pride' nicht einfach eine Feier ist, sondern ein Protest, der für die Liberalisierung von jedem kämpft, der durch Heteronormativität, Cisnormativität, Frauenfeindlichkeit, Ableism, Rassismus und anderen Formen von Unterdrückung gefährdet wird", heißt es in einer Stellungnahme. Die Aktivisten beklagten, von Zuschauern der Parade beleidigt, bedroht und angegriffen worden zu sein.

Friedliche Proteste in Europa

Auch in Deutschland und Europa kennt man ähnliche Fragestellungen, sie wurden bislang aber meist innerhalb der CSD-Demo oder mit einer eigenen Demonstration aufgegriffen. Häufig sind Proteste gegen Kommerzialisierung (etwa in Manchester, wo das CSD-Straßenfest anders als die Parade kostenpflichtig ist) oder zu einzelnen politischen Fragen. So sieht man oft Aktivisten, die gegen ein angeblliches Pink Washing Israels demonstrieren – was übrigens auch beim CSD in Tel Aviv vorkommt, aber auch nicht immer frei von Antisemitismus ist (das Dauerthema hatte in Amerika vor wenigen Wochen zu einem problematischen Protest gegen eine LGBT-Tagung geführt).

In London gab es im letzten Jahr kleinere Rangeleien, als (teils homosexuelle) Mitglieder der rechtspopulistischen Partei UKIP mitmarschierten (queer.de berichtete). In Köln wollte man den CSD lieber absagen, als die rechtsextreme Partei "Pro Köln" teilnehmen zu lassen (queer.de berichtete). In der Domstadt liefen auch schon einmal Protestler vor dem Wagen der FDP mit, um auf umstrittene Äußerungen eines Politikers hinzuweisen. In Berlin leistet man sich mit dem Transgenialen CSD in Kreuzberg eine Alternative zum "Mainstream"-CSD, die im Streit um die Ausrichtung allerdings auch schon einmal abgesagt wurde oder bei der Stinkbomben Richtung Bühne flogen. (nb)

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Tags: australien, neuseeland, csd, blockade, pink washing
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Reaktionen zu "Neuer Trend Down Under: CSD-Blockaden"


 9 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
21.02.2016
14:01:08


(+4, 4 Votes)

Von Julian S


Deren Anliegen mögen absolut berechtigt sein.

Aber statt CSDs zu stören, sollten sie lieber da mitmachen und für ihre Themen sensibilisieren.

Wenn sie schon stören wollen, gibt es genug andere Anlässe, wo man stören kann und wo das berechtigter wäre. Aber nicht ausgerechnet bei den Leuten, die auch auf ihrer Seite stehen.

Damit erreichen sie nur zweierlei:

- Sie bringen andere LGBTI gegen sich auf und spalten die Community (obwohl wir eher alle zusammenstehen sollten).

- Sie erzeugen in der Öffentlichkeit das Bild, als seien wir untereinander so sehr zerstritten, dass wir uns sogar gegenseitig blockieren.


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#2
21.02.2016
14:47:22


(+4, 4 Votes)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar


das versteht doch keiner von aussen, wenn sich der CSD sich so zerissen zeigt und sich selbst "zerlegt". zeigt aber auch, dass sich einige gruppen in der community nicht mehr gehört/angenommen fühlen.


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#3
21.02.2016
14:57:27
Via Handy


(+7, 7 Votes)

Von Nori


Ich sehe es so: Gerade tolernte Polizisten und Polizistinnen und Gefängniswarte braucht es, um queeren Menschen zu signalisieren dass nicht nur Idioten bei der Polizei sind.
Es bringt doch nichts Menschen vom CSD auszuschließen nur weil sie einem Berufsstand angehören.
Ich finde es sogar gut, wenn sich die Polizei beim CSD engagiert und zB mit eigenem Wagen auftritt, denn genau das sind die Beamten die wir brauchen, pro unsere Rechte einstehend.
Ich will lieber mit denen zusammen demonstrieren, anstatt den Berufsstand der Polizei nur noch homophoben, xenophoben Leuten zu hinterlassen.


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#4
21.02.2016
16:09:18


(+1, 5 Votes)

Von aLuckyGuy
Aus Peine (Niedersachsen)
Mitglied seit 28.08.2015


Ich hätte mal nicht geglaubt das ich das sagen würde, aber manchmal bin ich echt froh hier in Deutschland zu wohnen. Zwar gibt es auch hier in Sachen Gleichberechtigung mehr als genug zu tun, aber in Berlin oder Köln dürfte es bei einigen hunderttausend Besucher beim CSD doch eher schwer werden eine Blockade zu bilden.


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#5
21.02.2016
22:43:23


(+4, 4 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008
Antwort zu Kommentar #1 von Julian S


"Damit erreichen sie nur zweierlei:

- Sie bringen andere LGBTI gegen sich auf und spalten die Community (obwohl wir eher alle zusammenstehen sollten).

- Sie erzeugen in der Öffentlichkeit das Bild, als seien wir untereinander so sehr zerstritten, dass wir uns sogar gegenseitig blockieren.":

Genau das ist eben die Frage, die sich dabei stellt: wer definiert eigentlich, was "die Community" ist und wer zu ihr gehört? Das geht schon in kleineren Bereichen los, z. B. wenn kinderwunschsüchtige Lesben und Schwule Fetischschwule aus CSD-Paraden heraus halten wollen, weil allein deren optisches Erscheinungsbild ja die armen Kinderseelchen ungünstig beeinflussen könnten. Und es steigert sich eben auch zu den Fragen hoch, ob man Angehörige von (Berufs)gruppen, bei denen homo- oder transphobes Verhalten an der Tagesordnung sind, die Teilnahme an CSDs ermöglichen will.

Vielleicht sollte man sich angesichts der Gestaltung der CSDs heutzutage, die alle von Komittees voller abgehalfterter "Ich-habe-auch-etwas-zu-sagen"-Bewegungsschwestern aufgestellt werden, die sich untereinander das Leben gegenseitig schwer machen, mal einfach wieder ins Gedächtnis rufen, dass Stonewall keine Party, sondern ein Aufstand war.

Und angesichts des zunehmenden Rollbacks wären solche Aufstände heutzutage wieder mehr denn je nötig, und zwar nicht nur am eigentlichen CSD, sondern generell.


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#6
22.02.2016
06:24:14


(+5, 5 Votes)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Vielleicht sollte man sich angesichts der Gestaltung der CSDs heutzutage,(...) mal einfach wieder ins Gedächtnis rufen, dass Stonewall keine Party, sondern ein Aufstand war."
DANKE für deinen kommentar.


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#7
22.02.2016
08:56:10
Via Handy


(+5, 5 Votes)

Von la_passante
Antwort zu Kommentar #6 von schwarzerkater


Dem Danke schliesse ich mich an. Stonewall war ein Aufstand gegen homophoben Polizeiterror, kein tea dance und auch keine techno parade.


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#8
22.02.2016
09:39:00
Via Handy


(+4, 4 Votes)

Von Shinkaishi
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von la_passante


Stonewall war vor allem die Gegenwehr gegen die aktiv durchgesetzte Kriminalisierung von Homosexualität, gegen ein System das gegen Homo- und Transsexuelle vorging.

Das System als solches geht in den meisten westlichen Industrieländern nicht mehr gegen Homosexuelle vor auch wenn es sie immer noch in manchen Ländern mit diskriminierenden Gesetzen einschränkt.

Bringen Sippenhaft und Sachbeschädigung der Sache dann wirklich etwas, oder gibt es Leuten einfach die Chance, sich wichtig zu fühlen weil sie etwas gemacht haben?


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#9
22.02.2016
14:36:00
Via Handy


(+2, 4 Votes)

Von la_passante
Antwort zu Kommentar #8 von Shinkaishi


Es gibt auch heute noch so gut wie kein Land, in dem LGBTI in jedem Bereich gleiche Rechte geniessen, und "das System", vertreten insbesondere durch Polizei, setzt dieses Unrecht durchaus aktiv durch. Polizei hat auf CSDs nichts verloren, und schon gar keine Solidarität verdient, und bürgerlich-ntegrationistisches Party-Kumbaya sollte da auch nicht stattfinden. Nach 47 Jahren CSD back to the roots zu gehen finde ich nicht nur gerechtfertigt sondern überfälig.


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